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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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In diesem Augenblick sah er einen Mietswagen vor sich, dessen schweigsamer Kutscher eine Pfeife rauchte.

He! Freund, riefBenedetto, ist Ihr Pferd müde?

Müde! Jawohl! es hat den ganzen lieben langen Tag nichts getan. Vier elende Fahrten machen mit Trinkgeld sieben Franken, und ich muß demBesitzer zehn geben!

Wollen Sie zu den sieben Franken noch zwanzig verdienen?

Mit Vergnügen. Was muß ich tun?

Etwas sehr Leichtes, wenn Ihr Pferd nicht zu müde ist.

Ich sage Ihnen, es wird gehen, wie ein Zephir, ichbrauche nur zu wissen, in welcher Richtung.

In der Richtung von Louvres. Es handelt sich einfach darum, einen von meinen Freunden wieder einzuholen, mit dem ich morgenbei Chapelle‑en‑Serval jagen soll. Wollen Sie es versuchen?

Mit größtem Vergnügen.

Wenn wir ihn nicht von hierbisBourget einholen, sobekommen Sie zwanzig Franken, wenn wir ihnbis Louvres nicht einholen, dreißig.

Und wenn wir ihn einholen?

Vierzig! sagte Andrea, der einen Augenblick gezögert hatte, dann aberbedachte, daß er dabei nichts wage.

Gut! rief der Kutscher. Also vorwärts!

Andrea stieg ein, und der Kutscher fuhr schnell darauf los. Bald wurde sein Wagen von einer Kalesche überholt, die zwei Postpferde im Galopp fortzogen.

Ah! sagte Cavalcanti seufzend zu sich selbst, wenn ich diese Kalesche, diese guten Pferde undbesonders den Paß hätte, dessen manbedurfte, um sie zubekommen!

Diese Kalesche war aber die, welche Fräulein Danglars und Fräulein d'Armilly fortführte.

Als sie endlich in Louvres ankamen, sagte Andrea: Ich sehe jetzt offenbar, daß ich meinen Freund nicht einhole. Hier sind dreißig Franken, ichbleibe im Roten Rosse über Nacht und nehme in dem ersten Wagen, den ich finde, einen Platz.

Andrea legte dem Kutscher sechs Fünffrankenstücke in die Hand und sprang leicht auf das Straßenpflaster.

Der Kutscher steckte freudig die Summe in die Tasche und fuhr im Schritt wieder nach Paris zurück. Andrea stellte sich, als ober nach dem Gasthofe zum Roten Rosse ginge, nachdem er aber einen Augenblick an der Tür stehen geblieben war und das Geräusch des Wagens in der Ferne sich hatte verlieren hören, setzte er seinen Weg fort, und machte mit gymnastischen Schritten einen Lauf von zwei Meilen. Hier — er mußte ganz nahebei Chapelle‑en‑Serval sein — ruhte er aus, um einen Entschluß zu fassen und einen Plan zu entwerfen.

Ohne Paß die Eilpost oder die gewöhnliche Post zu nehmen, war unmöglich. Daß er in dem Departement der Oise, einem derbestbewachten Frankreichs, nichtbleiben konnte, war einem in Kriminalsachen so erfahrenen Menschen wie Andrea ebenfalls klar. Er setzte sich daher an den Rand eines Grabens, ließ seinen Kopf in die Hände fallen und dachte nach. Zehn Minuten nachher hober den Kopf wieder empor; sein Entschluß war gefaßt.

Erbedeckte eine ganze Seite des Paletots, den er im Vorzimmer vom Haken zu nehmen und über seinenBallstaat zu knöpfen Zeit gehabt hatte, mit Staub, ging nach Chapelle‑en‑Serval und klopfte kühn an die Tür des einzigen Wirtshauses der Gegend. Der Wirt öffnete.

Mein Freund, sagte Andrea, ich wollte von Mortefontaine nach Senlis reiten, als mein Pferd einen Seitensprung machte und mich abschleuderte. Ich muß notwendig noch heute nacht nach Compiegne, wenn ich nicht meiner Familie die größte Unruhe verursachen soll. Können Sie mir nicht ein Pferd leihen?

Wohl oder übel hat ein Wirt immer ein Pferd. Der Wirt rief den Hausknecht, befahl, den Schimmel zu satteln, und weckte seinen siebenjährigen Sohn, der hinter dem Herrn aufsitzen sollte.

Andrea gabdem Wirt 20 Franken und ließ, während er sie aus der Tasche zog, absichtlich eine Visitenkarte mit dem Namen eines vornehmenBekannten auf denBoden fallen, um den Wirt zu dem Glauben zubringen, er habe sein Pferd an diesen Herrn vermietet.

Der Schimmel ging nicht schnell, doch einen gleichmäßigen Schritt; in drei und einer halben Stunde war Andrea in Compiegne, es schlug vier, als er auf den Marktplatz kam. Hier entließ er das Kind und wandte sich zu dem Wirtshaus zur Glocke, wo er schon früherbei Jagdausflügen eingekehrt war; denn erbedachte ganz richtig, daß er dreibis vier Stunden vor sich habe, und daß es dasbeste sei, sich durch einen guten Schlaf und ein gutes Mahl gegen die künftigen Anstrengungen zu wappnen.

Mein Freund, sagte Andrea zu dem Kellner, der öffnete, ich komme von Saint‑Jean‑au‑Bois, wo ich zu Mittag gespeist habe, ich wollte den Wagen nehmen, der um Mitternacht durchfährt, verirrte mich aber und laufe seit vier Stunden im Walde umher. Geben Sie mir eines von den hübschen Zimmern, die nach dem Hofe gehen, undbringen Sie mir ein kaltes Huhn nebst einer FlascheBordeaux.

Andrea sprach mit der vollkommensten Ruhe; er hatte die Zigarre im Mund und die Hände in den Taschen seines Paletots, seine Kleider waren elegant, seinBart frisch rasiert; er sah in der Tat aus wie ein verspäteter Edelmann aus der Nachbarschaft.

Während der ahnungslose Kellner sein Zimmerbereitete, stand die Wirtin auf. Andrea empfing sie mit dem reizendsten Lächeln; er fragte sie, ober nicht Nr. 3 haben könnte, das erbei seinem letzten Aufenthalte in Compiegne gehabt habe. Leider war Nr. 3 von einem jungen Mannebesetzt, der mit seiner Schwester reiste.

Andrea schien in Verzweiflung, er tröstete sich nur, als ihm die Wirtin versicherte, Nr. 7 habe ganz dieselbe Lage, wie Nr. 3. In seinem inzwischen vorbereiteten Zimmer fand Andrea ein zartes Huhn, eine Flasche alten Wein und ein helles knisterndes Feuer. Er speiste mit so gutem Appetit, als obnichts vorgefallen wäre. Dann legte er sich nieder und versankbald in einen vortrefflichen Schlaf.

Andreas Plan war folgender: Mit Tagesanbruch stand er auf, verließ das Wirtshaus, erreichte den Wald, erkaufte, unter dem Vorwand, Malerstudien zu machen, die Gastfreundschaft einesBauern und verschaffte sich den Anzug eines Holzhauers und eine Axt. Mit künstlich gebräunten Händen und Gesichtszügen wollte er, nurbei Nacht marschierend und tagsüber sich verbergend, von Wald zu Wald zur nächsten Grenze gelangen und sich dabeibewohnten Orten nur nähern, um von Zeit zu Zeit ein StückBrot zu kaufen.

War die Grenze überschritten, so machte Andrea seine Diamanten zu Geld und war mit Einschluß von zehnBanknoten, die er für den Fall der Not immerbei sich trug, abermals imBesitze von 50 000 Franken. Dabei rechnete er darauf, die Familie Danglars werde alles aufbieten, den Lärm über die ihr peinliche Geschichte zu ersticken.

Um früher aufzuwachen hatte Andrea die Läden nicht geschlossen; erbegnügte sich, den Riegel an der Tür vorzuschieben und auf seinem Nachttische ein gewisses sehr scharfes und spitziges Messer von vortrefflich gehärtetem Stahlbereit zu legen.

Als er nach langem, erquickendem Schlafe erwachte, war sein erster Gedanke, er habe zu lange geruht. Er sprang aus demBette, lief ans Fenster und sah einen Gendarm durch den Hof gehen.

Ein Gendarm ist schon für einen harmlosen Menschen einebemerkenswerte Erscheinung, für jedes furchtsame Gewissen ist seine Uniform aber ein entsetzliches Schreckbild.

Warum ein Gendarm? fragte sich Andrea.

Dann sagte er sich plötzlich: Ein Gendarm in einem Gasthof ist nichts Auffälliges; ich will mich also nicht wundern, sondern rasch ankleiden; ich warte, bis er weggegangen ist, und mache mich sodann aus dem Staube. Bald darauf trat er abermals ans Fenster und hobzum zweiten Male den Musselinvorhang auf.

Der erste Gendarm war nicht nur nicht weggegangen, sondern der junge Mann erblickte eine zweite Uniform, unten an der Treppe, der einzigen, auf der er hinabgehen konnte, während ein dritter Gendarm, zu Pferde und den Karabiner in der Faust, als Schildwache am Hoftore hielt.

Teufel! Man sucht mich, war Andreas erster Gedanke.

Blässe überströmte seine Stirn, und er schaute ängstlich umher. Sein Zimmer hatte nur einen Ausgang nach der allenBlicken ausgesetzten äußeren Galerie.

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