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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Ichbin verloren! war sein zweiter Gedanke.

Für einen Menschen in Andreas Lagebedeutete Verhaftung: Schwurgericht, Verurteilung, Tod, ohneBarmherzigkeit.

Einen Augenblick preßte er krampfhaft seinen Kopf zwischen seine Hände. Während dieses Augenblicks wäre er vor Angstbeinahe verrückt geworden. Dochbald sprang aus der Welt der seinen Kopf durchkreuzenden Gedanken ein Hoffnungsstrahl hervor; einbleiches Lächeln trat auf seine entfärbten Lippen und auf seine zusammengezogenen Wangen. Er schaute umher: die Gegenstände, die er suchte, fanden sich auf dem Marmor eines Sekretärs, nämlich Feder, Tinte und Papier. Er tauchte die Feder in die Tinte und schriebmit fester Hand folgende Zeilen aus einBlatt Papier:

Ich habe kein Geld, um zubezahlen, bin aber kein unehrlicher Mensch; ich lasse als Unterpfand diese Nadel zurück, die zehnmal mehr wert ist, als meine Zeche. Aus Scham habe ich mich schon mit Tagesanbruch davongemacht.

Er nahm seine Nadel aus seiner Halsbinde und legte sie auf das Papier. Hernach zog er den Riegel zurück, öffnete die Tür ein wenig, als ober siebeim Weggehen offen gelassen hätte, schlüpfte in den Kamin wie ein Mensch, der an solche gymnastische Übungen gewöhnt ist, verwischte mit seinen Füßen die Spur seiner Tritte in der Asche und fing an, in der gebogenen Röhre, die ihm noch den einzigen Weg der Rettungbot, hinaufzuklettern.

In diesem Augenblick kam der erste Gendarm, der Andrea aufgefallen war, die Treppe herauf; der Polizeikommissar ging ihm voran, und unten an der Treppebliebder zweite Gendarm stehen.

Welchem Umstände hatte Andrea diesen frühen Polizeibesuch zu verdanken? Mit Tagesanbruch spielten die Telegraphen in allen Richtungen und mahnten die Polizei, eifrig nach Caderousses Mörder zu forschen.

Compiegne ist eine königliche Residenz, eine Jagdstadt, eine Garnisonstadt und im Überfluß mitBehörden, Gendarmen und Polizeikommissaren versehen; die Nachsuchungenbegannen also sogleich nach Ankunft des telegraphischenBefehls, und da das Gasthaus zur Glocke das erste Gasthaus der Stadt ist, so machte man natürlich hier den Anfang. Die Schildwache, die dem Gasthofe gegenüber vor dem Rathause stand, erinnerte sich, einige Minuten nach vier Uhr einen jungen Mann auf einem Schimmel mit einemBauernknaben gesehen zu haben, der Mann sei auf dem Platze abgestiegen, habe denBauernknaben und das Pferd entlassen, an den Gasthof geklopft und dort Einlaß gefunden.

Auf Grund dieser Angaben gingen der Polizeikommissar, der Gendarm und einBrigadier auf Andreas Tür zu.

Oh! oh! rief derBrigadier, ein in Gaunerstreichen wohl erfahrener alter Fuchs, eine offene Tür ist ein schlechtes Zeichen! Ich wollte lieber, sie wäre dreifach verriegelt. Der Vogel ist ausgeflogen.

Der Zettel auf dem Tische und die wertvolle Nadel schienen die Annahme der Flucht zubestätigen.

DerBrigadier schaute umher, senkte seinenBlick unter dasBett, öffnete die Vorhänge, die Schränke und stand endlich vor dem Kamin still.

Hier war die Möglichkeit eines Ausgangs gegeben und darum, obwohl Andreas Vorsicht jede Spur verwischt hatte, doch sorgfältige Nachforschung geboten.

DerBrigadier ließ sich ein Reisbündel und Strohbringen und legte Feuer daran.

Das Feuer ließ dieBacksteine krachen; eine undurchsichtige Rauchsäule drängte sich durch die Röhren und stieg zum Himmel empor, aber einen Erfolg hatte das Manöver nicht.

Seit seiner Jugend im Kampfe mit der Gesellschaft, stand Andrea einem Gendarmen an List nicht nach. Er hatte denBrand vorhergesehen, war auf das Dach geklettert und kauerte sich hinter den Schornstein.

Einen Augenblick hoffte er, gerettet zu sein, denn er hörte denBrigadier den Gendarmen zurufen: Er ist nicht mehr da! Doch als erbehutsam den Hals ausstreckte, sah er, daß die Gendarmen, statt sich zurückzuziehen, wie esbei einer solchen Ankündigung natürlich gewesen wäre, im Gegenteil ihre Aufmerksamkeit verdoppelten.

Er schaute sich nun ebenfalls um: das Rathaus, ein kolossales Gebäude aus dem sechzehnten Jahrhundert, erhobsich wie ein düsterer Wall zu seiner Rechten, und durch die Öffnungen desBaudenkmals konnte man in alle Winkel und Ecken des Daches schauen, wie man von einemBerge herabins Tal schaut.

Andrea sagte sich, er werde auf der Stelle den Kopf desBrigadiers an einer von den Öffnungen erscheinen sehen. War er einmal entdeckt, so war er auch verloren — eine Jagd auf den Dächernbot ihm keine Hoffnung auf Entkommen. Erbeschloß also, nicht durch denselben Kamin, sondern durch einen ähnlichen hinabzusteigen.

Er suchte mit den Augen einen Kamin, aus dem er keinen Rauch hervorkommen sah, erreichte ihn, über das Dach hinkriechend, und verschwand durch seine Öffnung, ohne wahrgenommen worden zu sein.

In derselben Sekunde öffnete sich ein kleines Fenster des Rathauses und ließ den Kopf des Gendarmerie‑Brigadiers erscheinen. Einen Augenblickbliebdieser Kopf unbeweglich, wie eines von den steinernen Reliefs, welche das Gebäude zieren; dann verschwand er wieder.

Kalt und ruhig wie das Gesetz, dessen Vertreter er war, ging derBrigadier, ohne auf die tausend Fragen der versammelten Menge zu antworten, über den Platz und kehrte in den Gasthof zurück.

Nun, wie steht es? fragten die Gendarmen.

Meine Söhne, antwortete derBrigadier, der Räuber muß sich wirklich sehr frühzeitig heute morgen aus dem Staube gemacht haben; doch wir schicken Leute auf die Straße von Villers‑Cotterets und Noyon und durchstreifen den Wald, wo wir ihn zweifellos finden werden.

Der ehrenwerte Mann hatte kaum dieses Wort gesprochen, als ein langer Schreckensruf, begleitet von einem heftigen Klingeln einer Glocke, durch das Haus erscholl.

Oh! oh! was ist das? rief derBrigadier. Das ist ein Reisender, der große Eile zu haben scheint, sprach der Wirt. Wo läutet man? — In Nummer 3.

Laufe dahin, Kellner!

In diesem Augenblick verdoppelten sich das Geschrei und der Lärm der Glocke. Der Kellner wollte hinlaufen.

Nein, nein! sagte derBrigadier, den dienstbaren Geist zurückhaltend; es kommt mir vor, als wollte der, welcher läutet, etwas anderes, als einen Kellner; wir wollen ihm einen Gendarmen schicken. Wer wohnt in Nummer 3?

Der kleine junge Mann, der gestern abend mit seiner Schwester angekommen ist und ein Zimmer mit zweiBetten verlangt hat.

Die Glocke erscholl zum dritten Male mit angstvollen Tönen.

Herbei! Herr Kommissar! rief derBrigadier, folgen Sie mir undbeschleunigen Sie Ihre Schritte.

Warten Sie einen Augenblick, sagte der Wirt; zu Nr. 3 führen zwei Treppen, eine äußere und eine innere.

Gut! sagte derBrigadier, ich wähle die innere, das ist mein Departement. Sind die Karabiner geladen?

Ja, Brigadier.

Gut! so wachen Sie an der äußern Treppe, und, wenn er fliehen will, geben Sie Feuer auf ihn! Es ist ein großer Verbrecher, wie der Telegraph sagt.

Mit dem Polizeikommissar verschwand derBrigadier auf der innern Treppe.

Andrea war sehr geschicktbis auf zwei Drittel des Kamines hinabgestiegen; doch hier war sein Fuß ausgeglitten, und er war mit größerer Schnelligkeit undbesonders mit mehr Geräusch, als ihm liebwar, hinabgerutscht. Wäre das Zimmer verlassen gewesen, so hätte dies nichts zubedeuten gehabt, doch zum Unglück war esbewohnt.

Zwei Frauen, die in einemBett schliefen, wurdenbei dem Geräusch wach. IhreBlicke richteten sich nach dem Punkte, von wo der Lärm kam, und sie sahen durch die Öffnung des Kamins einen Menschen erscheinen.

Eine von denbeiden Frauen, eineBlonde, war es gewesen, die den furchtbaren Schrei ausstieß, von dem das ganze Haus widerhallte, während die andere nach der Klingelschnur stürzte und mit aller Gewalt daran zog.

Andrea hatte, wie man sieht, Unglück.

Barmherzigkeit! rief er, bleich, verwirrt, ohne die Personen anzuschauen, an die er sich wandte, rufen Sie nicht, retten Sie mich! Ich will Ihnen nichtsBöses tun.

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