Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Herr Staatsanwalt, sagte der eintretende Kammerdiener, hier eine Depesche aus dem Ministerium.
Villefort nahm denBrief und entsiegelte ihn rasch.
Frau Danglarsbebte vor Schrecken, Villefort vor Freude.
Verhaftet! rief Villefort; man hat ihn in Compiegne verhaftet, es ist vorbei.
Frau Danglars erhobsich kalt undbleich.
Leben Sie wohl, mein Herr! sagte sie.
Leben Sie wohl, gnädige Frau! erwiderte der Staatsanwalt fast freudig und führte siebis zur Tür zurück.
Dann trat er an einen Schreibtisch, schlug mit dem Rücken seiner rechten Hand auf denBrief und sagte: Gut, ich hatte eine Fälschung, drei Diebstähle und zweiBrandstiftungen, es fehlte mir nur ein Mord — hier ist er; die Tagung wird hübsch sein.
Die Erscheinung.
Valentine war noch nicht völlig wiederhergestellt; von unwiderstehlicher Müdigkeitbezwungen, hütete sie dasBett. Den Tag hindurch wurde sie noch etwas frisch erhalten durch Noirtiers Gegenwart, der sich zu seiner Enkelin tragen ließ und, sie mit seinem väterlichenBlickebewachend, bei ihrblieb; wenn sodann Villefort aus dem Justizpalaste zurückkam, verweilte er ebenfalls ein paar Stundenbei ihr. Um sechs Uhr zog sich Villefort in sein Kabinett zurück; um 8 Uhr erschien Herr d'Avrigny, der selbst den für die Krankebereiteten Trankbrachte; dann trug man Noirtier weg. Eine vom Arztbestellte Wärterinbliebzurück und entfernte sich erst gegen elf Uhr, wenn Valentine entschlummert war. Sie übergabhierauf die Schlüssel von Valentines Zimmer Herrn von Villefort, so daß man nur durch Frau von Villeforts Wohnung oder durch das Zimmer des kleinen Eduard zu der Kranken gelangen konnte.
Jeden Morgen kam Morel zu Noirtier, um Erkundigungen einzuziehen; doch erschien er sonderbarerweise von Tag zu Tag weniger unruhig zu sein. Einmal ging es von Tag zu Tagbei Valentinebesser, obgleich sie noch einer heftigen Aufregung preisgegeben war; sodann hatte ihm auch Monte Christo damals gesagt, wenn Valentine in zwei Stunden nicht tot wäre, so würde sie gerettet werden. Valentine lebte aber noch, und es warenbereits vier Tage vorüber. Die nervöse Aufregung verfolgte Valentinebis in ihren Schlaf oder vielmehrbis in den schlafsüchtigen Zustand, der auf ihr Wachsein folgte. Dann geschah es, daß sie in der Stille der Nacht und in dem Halbdunkel, das im Räume um sie her herrschte, jene Schatten erblickte, die das Zimmer der Krankenbevölkern, und die auf den Schwingen des Fiebers schweben. Dann kam es ihrbald vor, als obsie das drohende Antlitz ihrer Stiefmutter erblickte, bald als obMorel seine Arme nach ihr ausstreckte, bald als obsie ihr sonst fernstehende Wesen, wie den Grafen von Monte Christo, gewahrte! Alles schien ihr in diesen fieberhaften Augenblickenbeweglich und schwankend, und dies dauertebis um drei oder vier Uhr morgens, wo einbleierner Schlaf sich ihrerbemächtigte und siebis zum Tage gefesselt hielt.
Am Abend des Tages, als Valentine Eugenies Flucht und die VerhaftungBenedettos erfahren hatte, ereignete sich eine seltsame Szene in dem so sorgfältig geschlossenen Gemach. Die Wärterin hatte sich ungefähr seit zehn Minuten entfernt. Seit einer Stunde etwa von dem jede Nacht wiederkehrenden Fieber heimgesucht, ließ Valentine den gegen ihren Willen unbotmäßigen Kopf die rastlose Arbeit des Gehirnes fortsetzen, das sich in unablässiger Wiederholung derselben Gedanken oder in Erzeugung derselbenBilder erschöpfte. Von dem Dochte der Nachtlampe gingen tausend und abertausend Strahlen mit seltsamen Zeichen aus, als es Valentine plötzlich. schien, als schiebe sich ihreBibliothek, die neben dem Kamine in einer Mauervertiefung stand, beiseite, ohne daß die Angeln, auf denen sich eine Tür zu drehen schien, das geringste Geräusch hervorbrachten.
In jedem andern Augenblick hätte Valentine die Glocke genommen und um Hilfe gerufen; doch in der Lage, in der sie sichbefand, erschreckte sie nichts mehr. Sie hatte dasBewußtsein, alles, was ihren Sinnen sich vorstellte, sei eine Ausgeburt ihres Deliriums.
Hinter der Tür erschien eine menschliche Gestalt.
Valentine war infolge ihres Fiebers zu sehr vertraut mit solchen Erscheinungen, um darüber zu erschrecken; sie riß nur die Augen weit auf, in der Hoffnung, Morel zu erkennen.
Die Gestalt schritt auf ihrBett zu, dannbliebsie stehen und schien mit tiefer Aufmerksamkeit zu horchen.
In diesem Augenblick fiel ein Strahl der Lampe auf das Gesicht des nächtlichenBesuchers.
Valentine wartete regungslos, überzeugt, es sei nur ein Traum, und dieser Mensch werde, wie es in den Träumen geschieht, verschwinden oder sich in irgend eine andere Person verwandeln.
Sieberührte nur ihren Puls, und als sie ihn heftig schlagen fühlte, erinnerte sie sich, dasbeste Mittel, diese lästigen Erscheinungen verschwinden zu lassen, sei, zu trinken. Die Frische des Getränkes, das in der Absichtbereitet war, die Aufregung, über die sich Valentinebei dem Doktorbeklagte, zubeseitigen, linderte das Fieber und schärfte die Geisteskräfte.
Valentine streckte also die Hand aus, um ihr Glas von der kristallenen Trinkschale zu nehmen; doch während sie ihren zitternden Arm ausstreckte, machte die Erscheinung abermals, und noch lebhafter als zuvor zwei Schritte auf dasBett zu und gelangte so nahe zu Valentine, daß sie ihren Hauch hörte und den Druck ihrer Hand zu fühlen glaubte. Diesmal überstieg der Anschein der Wirklichkeit alles, was Valentinebis dahin erfahren hatte; sie fing an, sich für völlig wach zu halten; sie hatte dasBewußtsein, bei voller Vernunft zu sein, undbebte.
Der Druck, den Valentine gefühlt, hatte ihren Arm zurückhalten wollen.
Dann nahm diese Gestalt, von der sich ihrBlick nicht losmachen konnte, und die übrigens mehr einenbeschützenden alsbedrohlichen Eindruck machte, das Glas, hielt es an die Nachtlampe undbeschaute prüfend den Trank. Offenbar genügte die Augenprüfung nicht, denn dieser Mensch, oder vielmehr dieses Gespenst, schöpfte einen Löffelvoll aus dem Glase und verschluckte ihn.
Valentine schaute das, was vor ihren Augen vorging, mit größtem Erstaunen an. Sie glaubte wohl, alles werdebald verschwinden, um einem andern Gemälde Platz zu machen; doch, statt wie ein Schatten zu entweichen, trat der Mensch näher zu ihr und sagte, Valentine das Glas reichend, mit erschütterter Stimme: Nun, trinken Sie!
Valentinebebte. Es war das erstemal, daß eine von ihren Erscheinungen in so lebendigen Tönen zu ihr sprach. Sie öffnete den Mund, um einen Schrei auszustoßen.
Der Mensch legte einen Finger auf seine Lippen.
Der Graf von Monte Christo! murmelte sie.
An dem Schrecken, der sich in Valentines Augen ausprägte, an dem Zittern ihrer Hände, an der raschen Gebärde, mit der sie sich unter ihre Tücher steckte, konnte man den letzten Kampf des Zweifels gegen die Überzeugung erkennen; doch die Gegenwart Monte Christos zu einer solchen Stunde, sein phantastischer, geheimnisvoller, unerklärlicher Eintritt durch eine Wand erschienen Valentines erschüttertem Gehirn als etwas Unmögliches.
Rufen Sie nicht, erschrecken Sie nicht, sagte der Graf; hegen Sie keinen Schimmer von Verdacht, keine Spur von Unruhe; der, den Sie vor sich sehen, ist der ehrfurchtsvollste Freund, von dem Sie nur immer träumen konnten.
Valentine fand keine Antwort; sie hatte eine solche Furcht vor dieser Stimme, die ihr die wirkliche Gegenwart des Sprechendenbewies, daß sie ihre Stimme nicht damit zu verbinden wagte; doch ihr erschrockenerBlick sagte: Wenn Ihre Absichten rein sind, warumbefinden Sie sich hier?
Hören Sie mich, sagte der Graf, der ihre Herzensregung verstand, oder vielmehr schauen Sie mich an! Sie sehen meine geröteten Augen und mein ungewöhnlichbleiches Gesicht; seit vier Nächten wache ich über Sie, beschütze Sie, erhalte ich Sie für unseren Freund Maximilian.
EineBlutwoge der Freude stieg rasch in die Wangen der Kranken; denn der von dem Grafen ausgesprochene Name erstickte den Rest des Mißtrauens, den er ihr eingeflößt.