Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Andrea, der Mörder! rief eine von den jungen Frauen.
Eugenie, Fräulein Danglars! murmelte Cavalcanti, vom Schrecken zum höchsten Erstaunen übergehend.
Zu Hilfe! zu Hilfe! schrie Fräulein d'Armilly, die Glocke aus Eugenies Händen nehmend und noch kräftiger läutend, als ihre Gefährtin.
Retten Sie mich, man verfolgt mich! sagte Andrea, die Hände faltend; Barmherzigkeit, Gnade, liefern Sie mich nicht aus!
Es ist zu spät, man kommt herauf, erwiderte Eugenie.
So verbergen Sie mich irgendwo! Sie sagen, Sie haben ohne Grund Furcht gehabt; Sie wenden den Verdacht abund retten mir das Leben.
Gut! es sei, sagte Eugenie; kehren Sie in den Kamin zurück, durch den Sie gekommen sind, Unglücklicher; gehen Sie und wir werden nichts sagen.
Da ist er! Da ist er! rief eine Stimme auf dem Vorplatz, ich sehe ihn!
DerBrigadier hatte wirklich sein Auge an das Schlüsselloch gedrückt und gesehen, wie Andrea flehend vor den Frauen stand.
Ein heftiger Kolbenschlag sprengte das Schloß, zwei weitere Schläge sprengten die Riegel; die Tür fiel zerschmettert nach innen.
Andrea lief an die andere Tür, die nach der Galerie des Hofes ging, und öffnete sie, um hinauszustürzen.
Diebeiden Gendarmen standen mit ihren Karabinern da und schlugen auf ihn an.
Andreabliebstehen; bleich, mit etwas zurückgeneigtem Körper hielt er sein unnützes Messer in der krampfhaft zusammengepreßten Hand.
Fliehen Sie doch! rief Fräulein d'Armilly, in deren Herzen das Mitleid in demselben Maße zunahm, in dem der Schreck daraus verschwand, fliehen Sie doch!
Oder töten Sie sich! sagte Eugenie mit dem Tone und der Gebärde einer jener Vestalinnen, die im Zirkus dem siegreichen Gladiator mit dem Daumenbefahlen, seinem niedergeworfenen Gegner das Lebenslicht vollends auszublasen.
Andreabebte und schaute das Mädchen mit einem verächtlichen Lächeln an, welchesbewies, daß sein verdorbenes Wesen diesen Appell an die Ehre nicht verstand.
Der Brigadier trat mit dem Säbel in der Faust auf ihn zu.
Vorwärts, sagte Cavalcanti, stecken Sie wieder ein, meinbraver Mann! Es ist nicht der Mühe wert, so viel Lärm zu machen, da ich mich selbst ergebe.
Dabei streckte er seine Hände aus, um Schellen daran legen zu lassen.
Die jungen Mädchen schauten voll Schrecken die häßliche Metamorphose an, die vor ihren Augen vorging: der Mann aus der vornehmen Welt legte seine Hülle abund wurde wieder derBagnoflüchtling.
Andrea wandte sich gegen sie um und fragte mit unverschämtem Lächeln: Haben Sie keinen Auftrag an Ihren Herrn Vater, Fräulein Eugenie, denn aller Wahrscheinlichkeit kehre ich nach Paris zurück.
Eugenie verbarg ihren Kopf in ihrenbeiden Händen.
Oh! oh! sagte Andrea, Sicbrauchen sich nicht zu schämen; ichbin Ihnen nichtböse, daß Sie mir mit der Post nachgeeilt sind; war ich nicht so gut wie Ihr Gatte?
Hierauf ging Andrea hinaus und ließ die Flüchtlinge der Scham und dem Spott der Menge preisgegeben zurück.
Eine Stunde nachher stiegenbeide in ihren Frauenkleidern in die Reisekalesche. Man hatte das Tor des Gasthofes geschlossen, um sie denBlicken der Leute möglichst zu entziehen; doch sie mußten nichtsdestoweniger durch eine doppelte Hecke von Neugierigen mit flammenden Augen und murmelnden Lippen fahren. Eugenie ließ die Vorhänge herab, aber wenn sie nichts sah, so hörte sie doch, und das laute Hohngelächter drangbis zu ihr.
Oh! warum ist die Welt nicht eine Wüste? rief sie, sich an dieBrust des Fräuleins d'Armilly werfend, während ihre Augen von Wut funkelten.
Am andern Tage stiegen sie im Hotel de Flandres inBrüssel ab. — Andrea war am Abend vorher in die Liste der Gefangenen der Conciergerie eingetragen worden.
Das Gesetz.
Während Danglars mit schweißbedeckter Stirnbeim Anschauen der vor ihm liegenden ungeheuren Kolonnen seiner Passiva dem Gespenste desBankerotts entgegenstarrte, wollte dieBaronin, nachdem sie sich von der ersten heftigsten Erschütterung des niederschmetternden Schlages, der sie getroffen, erholt hatte, bei Lucien Debray Rat holen, fand ihn aber nicht daheim.
Wieder in ihrem Zimmer angelangt, pochte sie an Eugenies Tür. Als sie keine Antwort erhielt, versuchte sie hineinzugehen; aber die Riegel waren vorgeschoben. Frau Danglars glaubte, von der furchtbaren Aufregung des Abends ermüdet, habe sich Eugenie zuBette gelegt und sei eingeschlafen.
Fräulein Eugenie, antwortete die Kammerfrau auf ihre Frage, ist mit Fräulein d'Armilly in ihr Zimmer zurückgekehrt; dann tranken sie miteinander Tee, und hierauf verabschiedeten sie mich mit derBemerkung, siebedürften meiner nicht mehr.
Frau Danglars legte sich hierauf ohne einen Schatten von Verdacht nieder, konnte aber in Erinnerung an die Vorgänge des Tages nicht einschlafen. Der Vorfall erschien ihr in immer trüberem Lichte, je mehr sie darüber nachdachte. Eugenie, sagte sie sich, ist verloren, und wir sind es ebenfalls. Die Geschichte, so wie sie dargestellt werden wird, bedeckt uns mit Schmach, denn in einer Gesellschaft, wie die unsere, sind gewisse Lächerlichkeiten einfach unerträglich und nicht wieder gutzumachen. Welch ein Glück, murmelte sie, daß Gott Eugenie den seltsamen Charakter gegeben hat, der mir oft solche Sorgebereitete.
Dann dachte sie wieder an Cavalcanti. Dieser Andrea war ein Elender, ein Dieb, ein Mörder, und dennochbesaß er Manieren, die auf eine gute Erziehung hindeuteten. Erbesaß anscheinend ein großes Vermögen; ehrenhafte Leute liehen ihm ihre Unterstützung.
Wie soll man klar in diesem Irrsale sehen? An wen sich wenden, um aus dieser grausamen Lage zu kommen? Da fiel ihr Herr von Villefort ein. An diesenbeschloß sie sich zu wenden. Er würde ihr, in Erinnerung an die Vergangenheit, sicherbeistehen, und er würde dann die Sache allmählich sich im Sande verlaufen oder wenigstens Cavalcanti fliehen lassen. Erstbei diesem Gedanken schlief sie ruhig ein.
Am andern Morgen um 9 Uhr stand sie auf und kleidete sich an, verließ heimlich das Hotel, stieg in einen Fiaker und ließ sich nach dem Hause des Herrn von Villefort fahren.
Seit einem Monatbot dieses Haus den finstern Anblick eines Lazaretts, in dem die Pest ausgebrochen ist. Ein Teil der Zimmer war von außen und von innen geschlossen, die Läden öffneten sich nur von Zeit zu Zeit einen Augenblick, um etwas Luft einzulassen; dann sah man am Fenster den verstörten Kopf einesBedienten erscheinen; das Fenster schloß sich wieder, und die Nachbarn fragten sich ganz leise: Werden wir heute abermals einen Sarg aus dem Hause des Staatsanwalts kommen sehen?
Frau Danglars wurdebei dem Anblicke dieses verödeten Hauses von einem Schauerbefallen; sie stieg aus, näherte sich mit zitternden Knien der geschlossenen Tür und läutete. Erst als zum dritten Male die Glocke ertönte, kam ein Portier und öffnete die Tür nur einen Zoll weit.
Öffnen Sie doch! sprach dieBaronin.
Sagen Sie mir zuerst, gnädige Frau, wer sind Sie? fragte der Portier.
Wer ichbin? Sie kennen mich ja.
Wir kennen niemand mehr, gnädige Frau.
Sie sind ein Narr, rief dieBaronin.
Gnädige Frau, es istBefehl. Entschuldigen Sie mich! Sagen Sie Ihren Namen und was Sie wollen.
Oh, was soll das heißen? Ich werde michbei Herrn von Villefort über die Unverschämtheit seiner Leutebeklagen.
Gnädige Frau, das ist keine Unverschämtheit, es ist Vorsicht; niemand darf hier herein ohne Erlaubnis des Herrn Doktor d'Avrigny, oder ohne mit dem Herrn Staatsanwalt gesprochen zu haben.
Wohl! Gerade mit dem Herrn Staatsanwalt habe ich zu tun. Vorwärts! Hier ist meine Karte, bringen Sie sie Ihrem Herrn.
Der Portier schloß die Tür und ließ Frau Danglars auf der Straße. Einen Augenblick nachher öffnete sich die Tür abermals, diesmal hinreichend, um derBaronin Durchgang zu gewähren; sie ging hinein, und die Tür schloß sich hinter ihr.