Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
So sehr Frau Danglars von ihrem eigenen Ungemach, das sie hergeführt hatte, beunruhigt war, so kam ihr doch der Empfang, der ihr hier zuteil geworden war, so unwürdig vor, daß sie sich vor allem hierüberbeklagte.
Doch Villefort hobsein vom Schmerz gebeugtes Haupt empor und schaute sie mit einem so traurigen Lächeln an, daß die Klagen auf ihren Lippen erstarben.
Entschuldigen Sie meine Diener wegen eines Schreckens, aus dem ich ihnen keinen Vorwurf machen kann.
Sie sind also auch unglücklich? sagte dieBaronin.
Ja, gnädige Frau. Und Siebegreifen, was mich hierher führt?
Sie wollen von dem sprechen, was vorgefallen ist, nicht wahr?
Ja, mein Herr, ein furchtbares Unglück.
Das heißt ein Unfall.
Ein Unfall!
Ach! gnädige Frau, entgegnete der Staatsanwalt mit unzerstörbarer Ruhe, ichbin dahin gekommen, daß ich nur unwiederbringliche Dinge ein Unglück nenne.
Glauben Sie, daß man es vergessen wird?
Alles vergißt sich. Ihre Tochter wird sich morgen verheiraten, wo nicht heute; in acht Tagen, wenn nicht morgen. Was aber den Verlust desBräutigamsbetrifft, so glaube ich nicht, daß Sie diesen sehr zubeklagen haben.
Frau Danglars schaute Villefort an, denn sie war über diesebeinahe spöttische Ruhe ganz, erstaunt.
Bin ich zu einem Freunde gekommen? fragte sie mit einem Tone voll schmerzlicher Würde.
Sie wissen, daß dies der Fall ist, antwortete Villefort, dessenbleiche Wangen sichbei dieser Versicherung mit einer leichten Rötebedeckten.
So seien Sie liebevoller, mein teurer Villefort, sagte dieBaronin, sprechen Sie mit mir als Freund und nicht als Staatsbeamter, und wenn ich unendlich unglücklichbin, so sagen Sie mir nicht, ich solle heiter sein.
Villefort verbeugte sich und erwiderte: Gnädige Frau, ich habe seit drei Monaten, wenn ich von Unglück sprechen höre, die ärgerliche Gewohnheit, an das meinige zu denken, und unwillkürlich nimmt mein Geist eine selbstsüchtige Vergleichung vor. Darum kam mir Ihr Unglück gegen das meinige nur wie ein Unfall vor; darum erschien mir neben meiner traurigen Lage die Ihrige alsbeneidenswert; doch das verdrießt Sie, und wir wollen darüber weggehen. Sie sagten, gnädige Frau? Ich wollte von Ihnen erfahren, mein Freund, wie es mit demBetrüger jetzt steht?
Betrüger! wiederholte Villefort; Sie wollen offenbar gewisse Dinge mildern und andere übertreiben; Herr Andrea Cavalcanti oder vielmehr HerrBenedetto einBetrüger! Sie täuschen sich, gnädige Frau, Benedetto ist ein Mörder.
Mein Herr, ich leugne die Richtigkeit IhrerBemerkung nicht, doch je mehr Sie sich mit Strenge gegen diesen Unglücklichen waffnen, desto härter treffen Sie unsere Familie. Vergessen Sie ihn einen Augenblick, statt ihn zu verfolgen; lassen Sie ihn fliehen!
Sie kommen zu spät, dieBefehle sindbereits gegeben.
Nun! wenn man ihn verhaftet… Glauben Sie, man werde ihn verhaften? — Ich hoffe es.
Wenn man ihn verhaftet; nun so lassen Sie ihn im Gefängnis!
Der Staatsanwalt machte ein verneinendes Zeichen.
Wenigstensbis meine Tochter verheiratet ist.
Unmöglich, gnädige Frau, die Justiz hat ihre strengen Formen.
Selbst für mich? versetzte dieBaronin, halbernst, halblächelnd.
Für alle, und für mich, wie für die andern.
Ah! rief dieBaronin, ohne in Worte umzusetzen, was siebei diesem Ausruf dachte.
Ja, ich weiß, was Sie sagen wollen, versetzte Villefort, Sie spielen auf die in der Welt verbreiteten furchtbaren Gerüchte an, alle die Todesfälle, die mich seit drei Monaten in Trauer kleiden, auch Valentines schwere Erkrankung seien nicht natürlich?
Ich dachte nicht daran, erwiderte lebhaft Frau Danglars.
Doch, gnädige Frau, Sie dachten daran, und das war kein Unrecht, denn Sie mußten notwendig daran denken, und Sie sagten sich ganz leise: Du, der du das Verbrechen verfolgst, verantworte dich. Warum gibt es au deiner Seite Verbrechen, die unbestraftbleiben?
Die Baronin erbleichte.
Nicht wahr, Sie sagten sich das? — Ich gestehe es.
Ich will Ihnen antworten, und Villefort näherte seinen Stuhl dem der Frau Danglars; dann stützte er seinebeiden Hände auf seinen Schreibtisch und sprach mit einem dumpferen Tone als gewöhnlich: Es gibt Verbrechen, die unbestraftbleiben, weil man die Verbrecher nicht kennt und ein unschuldiges Haupt statt eines schuldigen zu treffenbefürchtet; doch wenn die Verbrecherbekannt sind, so sollen sie, bei dem lebendigen Gott, sterben, gnädige Frau, wer sie auch sein mögen. Nachdem Sie meinen Eid, den ich halten werde, gehört haben, wagen Sie es noch, mich um Gnade für den Elenden zubitten?
Ei! mein Herr, sind Sie sicher, daß er so schuldig ist, wie manbehauptet?
Hören Sie, hier liegen die ihnbetreffenden Akten: Benedetto wurde zuerst im Alter von sechzehn Jahren zu fünf Jahren Galeeren wegen Fälschung verurteilt; Sie sehen, der junge Mensch versprach etwas; dann ist er entwichen, dann Mörder geworden.
Und wer ist dieser Unglückliche?
Weiß man das? Ein Vagabund, ein Korse.
Er ist also von niemand reklamiert worden?
Von niemand; man kennt seine Verwandten nicht.
Doch der andere war aus Lucca?
Auch ein Gauner, wie er, vielleicht sein Genosse.
DieBaronin faltete die Hände und flüsterte mit ihrem süßesten und einschmeichelndsten Tone: Villefort!
Um Gotteswillen, gnädige Frau, entgegnete der Staatsanwalt mit einer trockenen Festigkeit, um Gotteswillen, verlangen Sie doch von mir nicht dieBegnadigung eines Schuldigen. Werbin ich denn? Das Gesetz, das Gesetz. Hat das Gesetz Augen, Ihre Traurigkeit zu sehen? Hat das Gesetz Ohren, Ihre weiche Stimme zu hören? Hat das Gesetz ein Gedächtnis für Ihre zarten Gedanken? Nein, gnädige Frau, das Gesetzbefiehlt, und wenn esbefohlen hat, schlägt es! Sie werden mir sagen, ich sei ein lebendiges Wesen und kein Kodex, ein Mensch und keinBuch. Schauen Sie mich an, gnädige Frau, schauen Sie um mich her! Haben die Menschen mich alsBruderbehandelt, haben sie mich geliebt? Haben sie mich geschont? Hat jemand Gnade für Herrn von Villefort verlangt? Nein! Nein! Nein! Geschlagen, stets geschlagen! Als Frau, das heißt als Sirene, schauen Sie michbeharrlich mit dembezaubernden, ausdrucksvollen Auge an, das mich daran erinnert, daß ich erröten muß. Wohl! es sei, ja, erröten über das, was Sie wissen, und vielleicht noch über etwas anderes! Doch, seitdem ich gefehlt habe und vielleicht ärger als die andern gefehlt habe, habe ich die Kleider der andern geschüttelt, um das Geschwür darunter zu finden, und ich habe es immer gefunden; ich sage noch mehr, ich habe es mit Glück, mit Freude gefunden, dieses Siegel der Schwäche oder der menschlichen Verkehrtheit! Denn jeder Mensch, den ich als schuldig erkannte, und jeder Schuldige, den ich schlug, erschien mir als ein neuerBeweis dafür, daß ich selbst keine häßliche Ausnahme war! Ah! die ganze Welt istböse, beweisen wir dies, und schlagen wir denBösen!
Villefort sprach diese Worte mit einer fieberhaften Wut, die ihm eine wildeBeredsamkeit verlieh.
Oh, mein Herr! rief dieBaronin, Sie sind unbarmherzig gegen die andern! Wohl, so sage ich Ihnen, man wird unbarmherzig gegen Sie sein!
Es sei! sagte Villefort, seine Arme mit drohender Gebärde zum Himmel emporstreckend.
Verschieben Sie wenigstens den Prozeß des Unglücklichen, wenn er verhaftet wird, bis zur nächsten Schwurgerichtstagung; das gibt doch sechs Monate zum Vergessen.
Nein, ich habe noch fünf Tage, und die Voruntersuchung ist fertig. Bedenken Sie auch, daß ich ebenfalls vergessen muß! Wenn ich arbeite, wie ich es Tag und Nacht tue, dann gibt es Augenblicke, wo ich mich nicht mehr erinnere, und dannbin ich glücklich nach Art der Toten, und das ist immer nochbesser als leiden.
Er ist entflohen; so lassen Sie ihn entfliehen! Die Saumseligkeit ist eine geringe Nachsicht.
Aber ich sagte Ihnenbereits, daß es zu spät ist; mit Tagesanbruch hat der Telegraph gespielt, und zu dieser Stunde…