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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Durch wen hast du dir diesen Paß verschafft?

Als ich zu Herrn von Mont: Christo ging und ihn umBriefe an die Direktoren der Theater in Rom und Neapelbat, drückte ich ihm meineBefürchtungen darüber aus, daß ich allein reisen sollte. Erbegriff mich vollkommen, bot an, mir einen Männerpaß zu verschaffen, und zwei Tage nachher erhielt ich diesen, dem ich mit meiner Hand die Worte: Reist mit seiner Schwester, beigefügt habe.

Wirbrauchen also nur noch unsern Koffer zu packen und abzureisen.

Überlege es wohl, Eugenie.

Oh! ich habe es wohl überlegt? ichbin es müde, von nichts sprechen zu hören, als vonBilanzen, Monatsabschlüssen, von Steigen und Fallen der Rente, von spanischen Fonds, von Haytischen Papieren. Statt dessen, Luise, begreifst du! die Luft, die Freiheit, der Gesang der Vögel, die Ebenen der Lombardei, die Kanäle Venedigs, die Paläste Roms, das Gestade Neapels. Wievielbesitzen wir, Luise?

Dasbefragte Mädchen zog aus einem eingelegten Sekretär ein kleines Portefeuille mit Schloß, öffnete es und zählte dreiundzwanzigBanknoten.

Dreiundzwanzigtausend Franken, sagte Luise.

Und für wenigstens ebensoviel Perlen, Diamanten und Juwelen, sagte Eugenie. Wir sind mit 45 000 Franken reich, wir können zwei Jahre lang wie Prinzessinnen, oder vier Jahre lang anständig leben. Doch ehe sechs Monate vergehen, haben wir, du mit deiner Musik, ich mit meiner Stimme, unser Kapital verdoppelt. Vorwärts! Übernimm du das Geld, ich übernehme das Kistchen mit den Edelsteinen, so daß, wenn eine von uns das Unglück hätte, ihren Schatz zu verlieren, die andere immer noch den ihrigenbesäße. Und nun den Koffer, rasch den Koffer.

Mit einer wunderbaren Geschäftigkeit fingen diebeiden an, in einem Koffer alle Gegenstände aufzuhäufen, die sie für ihre Reise nötig zu haben glaubten.

Gut, nun schließe den Koffer, während ich die Kleider wechsele, sagte Eugenie.

Sie zog eine Schublade auf, aus der sie einenblauseidenen Regenmantel für Fräulein d'Armilly nahm, mit dem diese sofort ihre Schulternbedeckte, und einen vollständigen Männeranzug, von den Stiefelchenbis zum Oberrock, nebst einem Vorrat von Wäsche. Mit einer Geschwindigkeit, diebewies, daß sie nicht zum ersten Male Männerkleider anzog, schlüpfte Eugenie in ihre Stiefelchen, in dieBeinkleider, band sich eine Krawatte um, knöpfte die Westebis zum Halse zu und legte den Oberrock an, der ihre zarte, schön gewachsene Gestalt hervorhob.

Oh! In der Tat, das ist sehr gut! sagte die Tonkünstlerin, Eugenie mitBewunderung anschauend; doch diese schönen, schwarzen Haare, wird sie ein Männerhut zusammenhalten?

Du wirst es sehen, sagte Eugenie.

Mit der linken Hand die Flechte ergreifend, die ihre langen Finger kaum umspannen konnten, faßte sie mit der rechten eine große Schere, undbald fiel das weiche, glänzende Haar zu den Füßen des Mädchens nieder. Als die obere Flechte abgeschnitten war, ging Eugenie zu denen an den Schläfen über, die sie nach und nach ebenfalls abschnitt, ohne daß ihr die geringste Klage entschlüpfte; ihre Augen, unter ihren ebenholzschwarzenBrauen, funkelten im Gegenteil freudiger als gewöhnlich.

Oh! die herrlichen Haare! sagte Luise mitBedauern.

Ei! bin ich nicht so hundertmalbesser dran? rief Eugenie, die zerstreuten Locken ihres ganz männlich gewordenen Kopfes glättend, und findest du mich nicht schöner?

Oh! Dubist schön, immer schön! rief Luise. Doch wohin gehen wir?

NachBelgien, wenn du willst, es ist die nächste Grenze. Wir erreichenBrüssel, Lüttich, Aachen; wir fahren den Rhein hinaufbis nach Straßburg, reisen durch die Schweiz und steigen über den St. Bernhard nach Italien hinab; bist du damit einverstanden?

Jawohl! — Wasbetrachtest du?

Ichbetrachte dich. In der Tat, dubist anbetungswürdig; man sollte meinen, du entführst mich.

Ei, bei Gott! man würde recht haben.

Und die Freundinnen, von denen man hätte meinen sollen, sie seien in Tränen versunken, brachen in ein Gelächter aus.

Nachdem sie ihre Lichter ausgelöscht, öffneten die Flüchtlinge, spähend und horchend, die Tür eines Ankleidezimmers, das auf eine in den Hof führende Gesindetreppe ging. Eugenie schritt voran und hielt mit einer Hand den Henkel des Koffers, den an dem entgegengesetzten Henkel Fräulein d'Armilly kaum mit ihrenbeiden Händen aufzuheben vermochte. Der Hof war leer, und nurbeim Portier war noch Licht. Auf Eugenies Verlangen, die Tür zu öffnen, ging er einige Schritte vor, um die Person zu erkennen, die hinausgehen wollte; als er aber einen jungen Mann sah, der ungeduldig seinBeinkleid mit seinem Stöckchen peitschte, öffnete er auf der Stelle. Sogleich schlüpfte Luise wie eine Eidechse durch die halboffene Tür und sprang leise hinaus. Scheinbar ruhig folgte ihr Eugenie.

Es kam ein Dienstmann vorüber, dem man den Koffer übergab. Die jungen Mädchenbezeichneten ihm als Ziel ihrer Wanderung die Rue de la Victoire No. 26 und marschierten hinter dem Mann her, dessen Gegenwart Luiseberuhigte.

Man kam an das angegebene Ziel. Eugeniebefahl, den Koffer niederzusetzen, gabdem Manne etwas Münze und schickte ihn fort, nachdem sie an den Laden geklopft hatte.

Dieser Laden war der einer zum vorausbenachrichtigten Wäscherin; sie hatte sich noch, nicht zuBette gelegt und öffnete.

Fräulein, sagte Eugenie, lassen Sie vom Portier den Wagen vorziehen und schicken Sie ihn nach der Post, um die Pferde zu holen. Hier sind fünf Franken für seine Mühe.

Die Wäscherin sah ganz erstaunt aus, doch da sie verabredetermaßen zwanzig Louisd'orbekommen sollte, so machte sie nicht die geringsteBemerkung.

In einer Viertelstunde kam der Hansmeister mit einem Postillon und mit Pferden zurück.

Hier ist der Paß, sagte der Postillon; welchen Weg schlagen wir ein, junger Herr?

Die Straße nach Fontainebleau, antwortete Eugenie mit einer fast männlich klingenden Stimme.

Was sagst du? fragte Luise.

Ich gebe einen falschen Weg an, erwiderte Eugenie; die Frau, der wir zwanzig Louisd'or geschenkt haben, kann uns für vierzig verraten; auf demBoulevard nennen wir eine andere Richtung. Und das Mädchen sprang in den vortrefflich zum Schlafen eingerichteten Wagen.

Du hast immer recht, Eugenie, sagte die Gesanglehrerin, neben ihrer Freundin Platz nehmend.

Eine Viertelstunde nachher fuhr der Postillon, auf den rechten Weg gewiesen, durch dieBarriere Saint‑Martin.

Herr Danglars hatte keine Tochter mehr.

Das Wirtshaus zur Glocke.

Jetzt lassen wir Fräulein Danglars und ihre Freundin auf der Straße nachBrüssel dahinfahren und kehren zu dem armen Andrea Cavalcanti zurück, der auf eine so unselige Weise mitten im Aufschwünge seines Glückes ausgehalten wurde. Er war trotz seines noch sehr wenig vorgerückten Alters ein äußerst gewandter und gescheiter Junge. Wir sahen ihnbei dem ersten Geräusche im Salon sich der Tür nähern, zwei Zimmer durchschreiten und endlich verschwinden. In einem von diesen Zimmern war derBrautschatz der Verlobten ausgestellt, Schmuckkästchen mit Diamanten, Kaschmirschale, Brüsseler Spitzen, englische Schleier, kurz alle jene lockenden Dinge, deren Name schon das Herz der jungen Mädchen hüpfen läßt.

Beim Durchschreiten dieses Zimmers raffte Andrea die wertvollsten Schmuckstücke an sich und fühlte sich nun, mit diesem Reisegeld versehen, um so leichter im stande, durch das Fenster zu springen und den Händen der Gendarmen zu entschlüpfen. Groß und schlank, dabei muskulös wie ein Spartaner, lief er eine Viertelstunde lang, ohne auf die Richtung zu achten, einzig und allein in der Absicht, sich von dem gefährlichen Orte zu entfernen, wo man ihn hatte festnehmen wollen.

Bin ich verloren? fragte er sich. Nein, wenn ich mehr hinter mich zubringen vermag als meine Feinde. Meine Rettung ist folglich eine einfache Meilenfrage geworden.

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