Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand riß seine Hand zurück, bevor er ein Blatt berührt hatte, und dann wischte er sie an einem Hosenbein ab.
»Dann sind wir jetzt in der Fäule?« fragte Perrin. Seltsamerweise hörte er sich nicht ängstlich an.
»Nur am Rand«, sagte Lan ernst. Sein Hengst bewegte sich weiter, und er sprach nach hinten gewandt: »Die wirkliche Fäule liegt noch vor uns. Es gibt Dinge in der Fäule, die nach dem Gehör jagen, und einige davon könnten auch so weit nach Süden gewandert sein. Manchmal überqueren sie die Berge des Verderbens. Viel schlimmer als die Stöcke. Verhaltet euch leise und bleibt auf den Pferden, wenn Ihr am Leben hängt.« Er wartete nicht auf eine Antwort, sondern ritt stramm weiter.
Mit jeder zurückgelegten Meile wurde der Verfall des Landes in der Fäule deutlicher. Die Bäume wiesen einen immer üppigeren Blattwuchs auf, doch sie waren fleckig, gelb und schwarz verunziert, und Streifen lebhaften Rotes zogen sich wie die Streifen bei einer Blutvergiftung über sie hinweg. Jedes Blatt und jede Ranke schien aufgeschwemmt, als könnten sie bei einer leichten Berührung bereits platzen. Blüten hingen in einer Parodie von Frühling von den Bäumen und Unkräutern, kränklich, blaß und fleischig, Wachsblumen, die unter Rands Augen zu verfaulen schienen. Wenn er durch die Nase einatmete, dann machte ihn der süßliches schwere Verwesungsgeruch krank; wenn er durch den Mund atmete, würgte er beinahe. Die Luft schmeckte wie ein Mundvoll verdorbenen Fleisches. Unter den Hufen der Pferde platschte es leise, wenn überreife Früchte bei jedem Schritt zerplatzten.
Mat beugte sich aus dem Sattel und übergab sich, bis sein Magen leer war. Rand beschwor das Nichts herauf, doch Ruhe half wenig gegen die ätzende Säure, die ihm ständig die Kehle hoch kam. Leer oder nicht — Mat würgte eine Meile weiter schon wieder, doch es kam nichts mehr. Trotzdem wiederholte sich das später. Egwene machte ebenfalls den Eindruck, als wolle sie sich übergeben, so wie sie ständig schluckte, und Nynaeves Gesicht war eine bleiche Maske, doch voller Entschlossenheit. Ihr Kinn war vorgeschoben, und sie sah unverwandt Moiraines Rücken an. Die Seherin würde nie zugeben, daß ihr schlecht war, wenn die Aes Sedai es nicht auch zugab, aber Rand glaubte nicht, daß sie darauf lange warten müsse. Moiraines Augen waren zusammengekniffen und ihre Lippen blaß.
Trotz der feuchten Hitze wickelte Loial sich einen Schal um Nase und Mund. Als sein Blick den Rands traf, standen Zorn und Ekel in den Augen des Ogiers. »Ich hatte gehört...«, begann er, die Stimme durch die Wolle gedämpft, und dann hielt er inne, um das Gesicht zu verziehen und sich dabei zu räuspern. »Pfui! Es schmeckt wie... Pfui! Ich hatte von der Fäule gehört und gelesen, aber nichts entsprach... « Seine Geste umfaßte irgendwie sowohl den Gestank als auch den krankhaften Pflanzenwuchs. »Daß selbst der Dunkle König Bäumen so etwas antun kann! Pfui!«
Der Behüter war natürlich von alledem nicht betroffen, jedenfalls nicht für Rand sichtbar, aber zu seiner Überraschung zeigte sich auch Perrin unbeeindruckt.
Oder jedenfalls nicht so, wie die anderen alle. Der großgewachsene Jüngling blickte den Wald der Verderbnis, durch den sie ritten, so böse wie einen Feind an oder das Banner eines Feindes. Er streichelte die Axt an seinem Gürtel, als sei ihm nicht bewußt, was er da tat, und führte Selbstgespräche. Dabei knurrte er ein wenig, und zwar auf eine Art, die Rand die Nackenhaare zu Berge stehen ließ. Selbst im prallen Sonnenschein glühten seine Augen golden und wild.
Die Hitze legte sich nicht, als die blutige Sonne dem Horizont entgegenfiel. In einiger Entfernung erhoben sich im Norden Berge, höher als die Verschleierten Berge. Sie hoben sich schwarz vom Himmel ab. Manchmal fauchte eine eisige Böe von den scharfumrissenen Gipfeln bis herunter zu ihnen. Die stickige Feuchtigkeit schluckte fast alle Gebirgsfrische, doch was an Kühle spürbar war, war winterkalt, verglichen mit der Schwüle, die sie nur einen Moment lang verdrängte. Der Schweiß auf Rands Stirn fror geschwind zu Eiskörnern, und wenn der Wind erstarb, schmolz das Eis wieder und rann ihm in gezackten Linien die Wangen hinunter. Die drückende Hitze kehrte noch stärker zurück, als er sie vorher empfunden hatte. Wenn der Wind auffrischte, wurde der Gestank vertrieben, doch er hätte auf den Wind gern verzichtet. Seine Kälte war die Kühle des Grabes, und er wehte ihm den dumpfen Modergeruch einer soeben geöffneten Gruft in die Nase.
»Wir können die Berge nicht vor Einbruch der Dunkelheit erreichen«, sagte Lan, »und es ist gefährlich, bei Nacht weiterzureiten, selbst für einen Behüter allein.«
»Es gibt einen Platz, der nicht sehr weit weg ist«, sagte Moiraine. »Es wird ein gutes Omen für unsere Aufgabe, wenn wir dort unser Lager aufschlagen.«
Der Behüter warf ihr einen ausdruckslosen Blick zu und nickte zögernd. »Ja. Irgendwo müssen wir ja lagern. Es kann genausogut dort sein.«
»Das Auge der Welt lag jenseits der Paßhöhe, als ich es fand«, sagte Moiraine. »Es ist besser, die Berge des Verderbens bei hellem Tageslicht zu überqueren, am Mittag, wenn die Macht des Dunklen Königs auf dieser Welt am schwächsten ist.«
»Ihr sprecht, als sei das Auge nicht immer am selben Fleck.« Egwene hatte die Aes Sedai angesprochen, doch es war Loial, der antwortete: »Keine zwei Ogier haben es jemals an genau dem gleichen Fleck gefunden. Man kann offensichtlich den Grünen Mann dort finden, wo man ihn braucht. Aber es war immer jenseits der Paßhöhe. Die Pässe dort oben sind trügerisch und werden von Kreaturen des Dunklen Königs bevorzugt.«
»Wir müssen die Pässe erst einmal erreichen, bevor wir uns darüber Gedanken machen«, sagte Lan. »Morgen kommen wir endgültig in die Fäule hinein.«
Rand sah sich in dem sie umgebenden Wald um, wo jedes Blatt und jede Blüte krank war, wo jede Ranke verfaulte, während sie noch wuchs, und er konnte ein Schaudern nicht unterdrücken. Wenn das noch nicht die echte Fäule ist, was dann?
Lan ließ sie nach Westen reiten, in einem Winkel zur sinkenden Sonne. Der Behüter behielt das zuvor eingeschlagene Tempo bei, aber in der Haltung seiner Schultern lag ein Zögern.
Die Sonne war nur noch ein düsterroter Ball, der gerade die Baumwipfel berührte, als sie den Kamm eines Hügels erreichten und Lan sein Pferd anhielt. Im Westen unter ihnen lag ein Labyrinth von Seen. Das Wasser glitzerte dunkel im Schein der tiefstehenden Sonne. Es wirkte wie Perlen unterschiedlicher Größe an einer mehrfach um den Hals geschlungenen Kette. In der Entfernung lagen, von den Seen eingerahmt, Hügel mit gezackten Spitzen, die sich in den kriechenden Abendschatten zusammendrängten. Einen kurzen Moment lang erfaßten die Sonnenstrahlen die zerrissenen Spitzen, und Rand stockte der Atem. Keine Hügel. Die zerfetzten Überreste von sieben Türmen. Er war sich nicht sicher, ob einer der anderen das auch gesehen hatte; der Anblick war so schnell vorüber, wie er gekommen war. Der Behüter stieg vom Pferd. Sein Gesicht zeigte so wenig Gefühlsregung wie ein Stein.
»Könnten wir unser Lager nicht unten bei den Seen aufschlagen?« fragte Nynaeve, die ihr Gesicht mit einem Taschentuch abtupfte. »Drunten am Wasser muß es doch kühler sein.«
»Licht«, sagte Mat, »ich würde so gern meinen Kopf in einen davon stecken. Vielleicht würde ich ihn nie wieder herausnehmen.«