Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
In diesem Moment bewegte etwas das Wasser im nächstgelegenen See. Das dunkle Wasser phosphoreszierte, als sich ein riesiger Körper unter der Oberfläche herumwälzte. Länger und immer länger zeigte sich der Koloß. Wellenringe breiteten sich aus. Immer noch wälzte er sich herum, und schließlich erhob sich ein Schwanz, der in einem Stachel wie dem einer Wespe auslief, einen Moment lang in die Dämmerung hinein. Er war mindestens fünf Spannen lang. An der ganzen Länge des Schwanzes zeigten sich dicke Tentakel, die sich wie monströse Würmer wanden — so viele, wie ein Tausendfüßler Beine hat. Dann glitt er langsam unter die Oberfläche zurück und war verschwunden. Nur die ausrollenden Wellen zeugten davon, daß er jemals dagewesen war.
Rand klappte den Mund zu und wechselte einen Blick mit Perrin. Perrins gelbe Augen blickten genauso ungläubig drein, wie seine eigenen wirken mußten. Nichts derart Großes konnte in einem See dieser Größe leben. Das können doch keine Hände gewesen sein, am Ende dieser Tentakel! Das kann nicht sein.
»Auf den zweiten Blick«, sagte Mat schwach, »gefällt es mir hier oben doch recht gut.«
»Ich werde rund um diesen Hügel Amulette als Wächter aufstellen«, sagte Moiraine. Sie war bereits von Aldieb abgestiegen. »Eine stärkere Abwehr würde unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich ziehen, so wie Fliegen vom Honig angezogen werden, aber auf diese Weise werde ich es wissen, falls irgendeine Schöpfung des Dunklen Königs oder etwas, das dem Schatten dient, auf eine Meile an uns herankommt.«
»Ich wäre über eine magische Sperre froh«, sagte Mat, als seine Stiefel den Boden berührten, »wenn sie nur dieses... dieses Ding abhalten könnte.«
»Ach, sei endlich ruhig, Mat«, sagte Egwene kurz angebunden zur gleichen Zeit, als Nynaeve bemerkte: »Und dann warten sie auf uns, wenn wir am Morgen aufbrechen? Du bist ein Narr, Matrim Cauthon.« Mat funkelte die beiden Frauen an, während sie abstiegen, aber er hielt den Mund.
Als er Belas Zügel ergriff, grinsten sich Rand und Perrin an. Einen Augenblick lang war es fast wie zu Hause, wenn Mat zum unmöglichsten Zeitpunkt etwas sagte, das er besser nicht gesagt hätte. Dann verflog das Lächeln auf Perrins Gesicht. In der Dämmerung glühten seine Augen wirklich, als schiene ein gelbes Licht hinter ihnen. Auch Rands Grinsen verschwand. Es ist doch überhaupt nicht wie zu Hause.
Rand und Mat und Perrin halfen Lan beim Absatteln und legten den Pferden Fußfesseln an, während die anderen sich daran machten, das Lager herzurichten.
Loial führte schon wieder Selbstgespräche, als er den winzigen Herd des Behüters aufstellte, aber seine dicken Hände langten kräftig zu. Egwene summte vor sich hin, während sie den Teekessel aus einem bauchigen Wasserschlauch füllte. Rand wunderte sich nicht mehr, warum der Behüter so viele volle Wasserschläuche mitgebracht hatte.
Er legte den Sattel des Braunen neben die anderen, schnallte seine Satteltaschen und die Deckenrolle von der Hinterpausche ab und hielt, von plötzlicher Angst gepackt, inne. Der Ogier und die Frauen waren verschwunden, genauso wie der Herd und all die Korbbehälter, die das Packpferd getragen hatte. Die Hügelspitze war bis auf die abendlichen Schatten leer.
Mit einer tauben Hand griff er nach seinem Schwert. Er hörte undeutlich, wie Mat fluchte. Perrin hatte die Axt gezückt, und sein zerzauster Kopf drehte sich, um die Gefahr auszumachen.
»Schafhirten«, knurrte Lan. Unbeirrt schlenderte der Behüter über den Kamm des Hügels, und beim dritten Schritt verschwand er.
Rand wechselte Blicke aus weit aufgerissenen Augen mit Mat und Perrin, und dann rannten sie plötzlich alle auf den Fleck zu, an dem der Behüter verschwunden war. Rand kam schlitternd zum Stehen, machte noch mal einen Schritt, und dann prallte Mat auf seinen Rücken. Egwene blickte auf. Sie stellte gerade den Kessel auf den winzigen Herd. Nynaeve schloß den Zylinder einer zweiten entzündeten Laterne. Sie waren allesamt anwesend. Moiraine saß mit übergeschlagenen Beinen da, Lan stützte sich auf einen Ellenbogen, und Loial nahm gerade ein Buch aus seiner Tasche.
Vorsichtig blickte sich Rand um. Der Abhang des Hügels lag so da wie vorher, genau wie die im Schatten liegenden Bäume und die Seen, die dahinter in der Dunkelheit versanken. Er fürchtete sich davor zurückzutreten, fürchtete, alle würden dann wieder verschwinden, und diesmal wäre er vielleicht nicht mehr in der Lage, sie wiederzufinden. Perrin atmete erleichtert auf und schob sich vorsichtig um Rand herum.
Moiraine bemerkte, daß sie alle drei mit offenem Mund dastanden. Perrin blickte reumütig drein und steckte die Axt zurück in die schwere Gürtelschlaufe, als glaube er, daß sie dort von niemandem bemerkt würde. Ihre Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. »Es ist eine ganz einfache Sache«, sagte sie. »Das Licht wird gebeugt, so daß jedes Auge, das uns anschaut, statt dessen um uns herum blickt. Wir können es nicht zulassen, daß die Augen, die sich dort draußen befinden werden, heute abend unsere Lichter sehen. Doch die Fäule ist kein Ort, an dem man sich im Dunkeln aufhalten kann.«
»Moiraine Sedai meint, ich könne es schaffen.« Egwenes Augen strahlten. »Sie sagt, ich beherrsche jetzt schon genug von der Einen Macht.«
»Nicht ohne gezielte Übung, Kind«, warnte Moiraine. »Auch die einfachste Sache kann für Ungeübte gefährlich werden, wenn es um die Eine Macht geht — und auch für Menschen aus ihrer Umgebung.« Perrin schnaubte, und Egwene blickte so betrübt drein, daß Rand sich fragte, ob sie nicht vielleicht ihre Fähigkeiten bereits ausprobiert habe.
Nynaeve stellte die Laterne zu Boden. Die winzige Flamme des Herdes und dazu die beiden Laternen — das ergab doch einen relativ großen Lichtkreis. »Wenn du nach Tar Valon gehst, Egwene«, sagte sie bedächtig, »gehe ich vielleicht auch mit.« Sie warf Moiraine einen seltsam trotzigen Blick zu. »Es wird gut für sie sein, zwischen all den Fremden ein bekanntes Gesicht zu sehen.
Sie wird jemanden brauchen, der ihr mal einen Rat gibt und keine Aes Sedai ist.«
»Vielleicht ist es das Beste, Seherin«, sagte Moiraine schlicht.
Egwene lachte und klatschte in die Hände. »Oh, das wäre wirklich wundervoll. Und du, Rand. Du kommst doch auch mit, oder?« Er wollte sich gerade auf der anderen Seite des Herdes ihr gegenüber niederlassen, hielt bei ihrer Frage kurz inne und setzte sich dann langsam. Er hatte ihre Augen noch nie als größer empfunden oder strahlender als jetzt. Sie waren wie Seen, in denen er sich verlieren konnte. Rote Flecken erschienen auf ihren Wangen, und sie lachte ein wenig zurückhaltender. »Perrin, Mat, ihr beide kommt auch mit, ja? Wir werden alle vereint sein.« Mat knurrte undeutlich etwas, das alles bedeuten konnte, und Perrin zuckte nur die Achseln. Sie nahm es als Zustimmung. »Siehst du, Rand? Wir werden alle zusammen sein.«
Licht, ein Mann könnte in diesen Augen mit Wonne ertrinken. Verlegen räusperte er sich. »Gibt es in Tar Valon Schafe? Ich kann doch sonst nichts und verstehe nur etwas von Schafzucht und Tabakanbau.«
»Ich denke«, sagte Moiraine, »man wird in Tar Valon etwas für dich zu tun finden. Für euch alle. Nicht gerade Schafehüten, aber doch etwas Interessantes.«
»Seht ihr?« sagte Egwene, als alle saßen. »Ich weiß schon. Wenn ich eine Aes Sedai bin, mache ich dich zu meinem Behüter. Du wärst doch gern ein Behüter, nicht wahr? Mein Behüter?« Sie klang selbstbewußt, doch er sah die Frage, die in ihren Augen stand. Sie wollte eine Antwort haben, brauchte eine Antwort.
»Ich wäre gern dein Behüter«, sagte er. Sie ist nicht für dich bestimmt und du nicht für sie. Warum mußte Min mir das sagen?
Die Dunkelheit senkte sich schwer über sie, und alle waren müde. Loial war der erste, der sich zur Seite rollte und einschlief, doch die anderen folgten bald seinem Beispiel. Keiner benützte die Decken, außer als Kopfkissen. Moiraine hatte etwas in das Öl der Lampen getan, das den Gestank der Fäule auf der Spitze des Hügels zerstreute, aber nichts konnte die Hitze vertreiben. Der Mond gab einen ungleichmäßigen, wäßrigen Lichtschein ab, aber was die Kühle einer Nacht betraf, so hätte genausogut die Sonne im Zenith stehen können.