Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Er kann an meiner Statt gehen«, murmelte Mat Rand zu. Lan sah sie beide scharf an. Mat schlug die Augen nieder und wurde knallrot.
»Jeder von uns hat seinen Anteil am Muster, Ingtar«, sagte Moiraine mit fester Stimme. »Von hier aus müssen wir unseren Faden allein weben.«
Ingtars Verbeugung fiel steifer aus, als es selbst die Rüstung zuließ. »Wie Ihr wünscht, Aes Sedai. Ich muß Euch nun verlassen und scharf reiten, um den Tarwin-Paß zu erreichen. Zumindest dort ist es mir... gestattet..., gegen Trollocs zu kämpfen.«
»Seid Ihr wirklich so kampfbegierig?« fragte Nynaeve. »Um gegen Trollocs zu kämpfen?«
Ingtar sah sie verblüfft an und blickte dann zu Lan hinüber, als solle der Behüter die Erklärung abgeben. »Das ist meine Aufgabe, Lady«, sagte er dann bedächtig. »Das ist Sinn und Zweck meines Daseins.« Er erhob eine Hand in ihrem schweren Kampfhandschuh grüßend in Richtung Lan. Die offene Handfläche war dem Behüter zugewandt. »Suravye ninto manshima taishite, Dai Shan. Der Friede begleite Euer Schwert.« Dann riß er sein Pferd herum und ritt mit seinem Bannerträger und seinen hundert Lanzen nach Osten. Sie ritten in ruhigem, gleichmäßigem Tempo, so schnell die gepanzerten Pferde konnten, wenn man die große Entfernung berücksichtigte, die sie noch zurückzulegen hatten.
»Welch eigenartiger Gruß«, meinte Egwene. »Warum sagen sie so was? Friede!«
»Wenn man etwas bisher nur im Traum erlebt hat«, sagte Lan und trieb Mandarb an, »dann bedeutet es schon etwas mehr als nur ein gutes Omen.«
Als Rand dem Behüter an dem steinernen Grenzpfosten vorbei folgte, drehte er sich im Sattel um und blickte zurück. Ingtar und seine Lanzen verschwanden hinter kahlen Bäumen, dann verschwanden der Grenzpfosten und zuletzt die Türme auf ihren Hügelspitzen, die bis dahin noch über den Baumwipfeln sichtbar gewesen waren. Nur zu bald waren sie ganz allein und ritten unter den entlaubten Wipfeln des Waldes einher. Rand gab sich einem wachsamen Schweigen hin, und endlich einmal wußte auch Mat nichts zu sagen.
An diesem Morgen hatten sich die Tore von Fal Dara mit der Morgendämmerung geöffnet. Lord Agelmar, nun wie seine Soldaten gerüstet, ritt vor den Bannern mit dem Schwarzen Falken und den Drei Füchsen aus dem Osttor auf die Sonne zu, die immer noch nur als roter Schein über den Bäumen sichtbar war. Wie eine stählerne Schlange, die sich zu den Wirbeln der an Pferde gehängten Kesselpauken wand, schob sich die vier Glieder tiefe Reihe der Soldaten aus der Stadt heraus. Agelmar, der an der Spitze ritt, war bereits im Wald verborgen, bevor noch der Schwanz der Schlange die Festung von Fal Dara verlassen hatte. Es gab keine Hurrarufe auf den Straßen, um sie zu verabschieden. Nur ihre eigenen Pauken und das Knattern der Wimpel im Wind begleiteten sie, und ihre Augen blickten ganz bewußt hin zur aufgehenden Sonne. Im Osten würden sie sich anderen stählernen Schlangen anschließen, die aus Fal Moran kamen, geführt von König Easar selbst mit seinen Söhnen an der Seite, und aus Ankor Dail, das die Östlichen Moore und das Rückgrat der Welt bewachte; aus Mos Shirare und Fal Sion und Camron Caan und all den anderen Festungen von Schienar, groß oder klein. Zu einer noch größeren Schlange vereint würden sie sich nach Norden wenden, auf den Tarwin-Paß zu.
Zur gleichen Zeit hatte ein anderer Auszug begonnen, und zwar vom Königstor aus, das auf die Straße nach Fal Moran führte. Karren und Wagen, Berittene und Fußgänger, sie trieben ihr Vieh, trugen die Kinder auf dem Rücken, und ihre Gesichter waren so lang wie die Morgenschatten. Zögern, ihre Heimat — vielleicht für immer — zu verlassen, verlangsamte ihre Schritte, doch die Angst vor dem, was kommen mochte, trieb sie an, so daß sie stoßweise vorwärtsmarschierten, einmal mit schleppenden Schritten, dann rannten sie ein Dutzend Schritte weit, nur um gleich wieder langsam durch den Staub zu schlurfen. Ein paar von ihnen blieben außerhalb der Stadt stehen und beobachteten, wie sich die gepanzerte Schlange von Soldaten in den Wald hineinwand. In einigen Augen glimmte Hoffnung auf, und es wurden Gebete gemurmelt, Gebete für die Soldaten, Gebete für das eigene Leben. Dann wandten sie sich wieder mühselig stapfend nach Süden.
Der kleinste Zug kam aus dem Malkier-Tor. Zurückgelassen wurden nur wenige, die bleiben wollten, Soldaten und vereinzelte ältere Männer, deren Frauen gestorben waren und deren erwachsene Kinder sich auf dem langsamen Weg nach Süden befanden. Eine letzte Handvoll, damit unabhängig von dem, was am Tarwin-Paß geschah, Fal Dara nicht ungeschützt in die Hände des Gegners fallen würde. Ingtars Graue Eule führte sie an, doch es war Moiraine, die sie nach Norden brachte. Der wichtigste von all diesen Zügen und zugleich der verzweifeltste.
Mindestens eine Stunde lang, nachdem sie den Grenzpfosten hinter sich gelassen hatten, blieben Landschaft und Wald unverändert. Der Behüter schlug ein scharfes Tempo an, so schnell die Pferde eben gehen konnten, aber Rand fragte sich die ganze Zeit, wann sie wohl die Fäule erreichten. Die Hügel wurden ein wenig höher, doch die Bäume und die Ranken und das Unterholz unterschieden sich in nichts von denen, die sie in Schienar gesehen hatten. Alles war grau und fast völlig kahl. Allmählich fühlte er sich wärmer, warm genug, um seinen Umhang über das Sattelhorn zu legen.
»Das ist das beste Wetter, das wir dieses Jahr erlebt haben«, sagte Egwene und wand sich aus ihrem eigenen Umhang.
Nynaeve schüttelte den Kopf und runzelte die Stirn, als lausche sie dem Wind. »Ich fühle, daß es irgendwie schlecht ist.«
Rand nickte. Auch er konnte es fühlen, auch wenn er nicht hätte sagen können, was er eigentlich genau fühlte. Das Gefühl der Verderbtheit, das er empfand, bezog sich nicht nur auf die erste Wärme im Freien, an die er sich dieses Jahr erinnern konnte — es war auch mehr als die einfache Tatsache, daß es so weit im Norden nicht so warm sein dürfte. Es mußte die Fäule sein, aber die Landschaft war unverändert.
Die Sonne stieg höher, ein roter Ball, der trotz des wolkenlosen Himmels nicht so viel Wärme abgeben konnte. Eine kleine Weile später knöpfte er seinen Mantel auf. Schweiß lief ihm über das Gesicht.
Er war nicht der einzige. Mat zog den Mantel aus und stellte offen den Gold-und-Rubin-Dolch zur Schau. Er wischte sich mit dem Ende seines Schals über das Gesicht. Zwinkernd wickelte er sich den Schal neu als schmales Band um die Stirn. Nynaeve und Egwene fächerten sich Luft zu; sie ritten zusammengesunken, als verwelkten sie. Loial knöpfte seine Jacke mit dem hohen Stehkragen von oben bis unten auf und auch noch sein Hemd. Der Ogier hatte mitten auf der Brust einen schmalen Haarstreifen, so dicht wie Fell. Er murmelte nach allen Seiten hin Entschuldigungen.
»Ihr müßt mir vergeben. Stedding Schangtai liegt in den Bergen und es ist dort kühl.« Seine breiten Nasenflügel bebten und sogen Luft ein, die ständig wärmer wurde. »Ich mag diese feuchte Hitze nicht.«
Es war feucht, das bemerkte auch Rand jetzt. Er hatte ein Gefühl wie im Sumpf mitten im Sommer, daheim in den Zwei Flüssen. In diesem mit großen Lachen durchsetzten Sumpf atmete man wie durch eine mit heißem Wasser durchtränkte Wolldecke. Hier gab es keinen schlammigen Boden — nur ein paar Teiche und Bäche, Rinnsale für jemanden, der an den Wasserwald gewöhnt war -, aber die Luft war genauso wie in jenem Sumpf. Nur Perrin, der seinen Mantel noch an hatte, atmete frei. Perrin und der Behüter.
Man sah nun auch einige Blätter, auch an Bäumen, die nicht das ganze Jahr über Laub trugen. Rand streckte die Hand aus, um einen Ast anzufassen, und hielt inne, kurz bevor er die Blätter berührte. Das Rot des neuen Wuchses war von krankhaftem Gelb und schwarzen Flecken durchsetzt. »Ich sagte doch, daß du nichts anfassen sollst.« Die Stimme des Behüters klang ausdruckslos. Er trug immer noch seinen farbverändernden Umhang, als könne ihn die Hitze genausowenig beeindrucken wie die Kälte. Sein kantiges Gesicht schien beinahe frei über Mandarbs Rücken zu schweben. »In der Fäule können Blumen töten und Blätter Wunden schlagen. Es gibt da ein kleines Ding, das man Stock nennt. Das verbirgt sich gern dort, wo die Blätter am dichtesten stehen, und sieht so aus, wie es heißt. Es wartet darauf, daß jemand es anfaßt. Wenn das geschieht, beißt es zu. Kein Gift. Der Saft beginnt, das Opfer des Stocks zu verdauen. Das einzige, was dich dann retten kann, ist, den gebissenen Arm oder das Bein abzuschneiden. Aber ein Stock beißt nicht, wenn er nicht berührt wird. Andere Dinge in der Fäule dagegen tun es.«