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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Agelmar nickte zustimmend, aber als er den Kopf wieder hob, lag immer noch ein widerspenstiger Zug um seinen Mund. »Aes Sedai, ich kann es hinnehmen, daß es -wenn ich die Lanzen zum Tarwin-Paß führe — nicht mehr als ein Ablenkungsmanöver sein wird oder ein Scharmützel im Randbereich der wirklichen Schlacht. Genauso wie das Muster führt auch die Pflicht Männer, wohin sie eben muß, und in keinem von beiden Fällen ist gewährleistet, daß unsere Taten von historischer Größe sein werden. Doch unser Scharmützel ist nutzlos, selbst wenn wir gewinnen, falls Ihr die Schlacht verliert. Wenn Ihr sagt, daß Eure Gruppe klein sein muß, dann sage ich: Gut und schön, doch ich bitte Euch, alles zu tun, um sicherzugehen, daß Ihr gewinnen könnt. Laßt diese jungen Männer hier, Aes Sedai. Ich schwöre Euch, ich kann drei erfahrene Männer finden, die keinen Gedanken an Ruhm und Ehre verschwenden, um sie zu ersetzen — gute Schwertkämpfer, die sich in der Fäule fast genauso gut zurechtfinden wie Lan. Laßt mich in dem Bewußtsein zum Paß reiten, daß ich alles getan habe, was in meiner Macht steht, um Euch zum Sieg zu verhelfen.«

»Ich muß sie und keine anderen mitnehmen, Lord Agelmar«, sagte Moiraine mit sanfter Stimme. »Sie sind es, die die Schlacht am Auge der Welt schlagen werden.«

Agelmars Kinnlade klappte herunter, und er starrte Rand und Mat und Perrin an. Plötzlich trat der Herr von Fal Dara einen Schritt zurück, und seine Hand griff unbewußt nach dem Schwert, das er innerhalb der Festung niemals trug. »Sie sind doch nicht... Ihr seid keine Rote Ajah, Moiraine Sedai, aber sicher würdet nicht einmal Ihr...« Schweiß glitzerte auf seinem kahlen Kopf.

»Sie sind ta'veren«, sagte Moiraine beruhigend. »Das Muster webt sich um sie herum. Der Dunkle König hat bereits mehr als einmal versucht, jeden der drei zu töten. Drei ta'veren am gleichen Ort reichen aus, um das Leben um sie herum so zu verändern, wie ein Wasserstrudel den Kurs eines Strohhalms ändert. Wenn der Ort das Auge der Welt ist, könnte das Muster vielleicht sogar den Vater der Lügen in sich einweben und ihn damit wieder zur Harmlosigkeit verdammen.«

Agelmar hörte auf, nach seinem Schwert zu tasten, sah aber immer noch Rand und die anderen zweifelnd an. »Moiraine Sedai, wenn Ihr sagt, daß nur sie die Richtigen sind, dann stimmt das, aber ich kann nichts davon erkennen. Bauernjungen. Seid Ihr sicher, Aes Sedai?«

»Das alte Blut«, sagte Moiraine, »hat sich geteilt wie ein Fluß, der in tausendmal tausend Bäche ausläuft, doch manchmal fließen die Bäche wieder ineinander und bilden wieder einen Fluß. Das alte Blut von Manetheren fließt stark und rein in fast allen diesen jungen Männern. Zweifelt Ihr an der Kraft des Bluts von Manetheren, Lord Agelmar?«

Rand sah die Aes Sedai von der Seite her an. Fast alle. Er riskierte einen Blick zu Nynaeve hinüber. Sie hatte sich Moiraine zugewandt, um sie zu sehen und ihr zu lauschen, vermied es aber immer noch, Lan anzublicken. Er erhaschte den Blick der Seherin. Sie schüttelte den Kopf; sie hatte der Aes Sedai nicht erzählt, daß er nicht im Gebiet der Zwei Flüsse geboren war. Was weiß Moiraine?

»Manetheren«, sagte Agelmar bedächtig und nickte. »Dieses Blut stelle ich nicht in Zweifel.« Dann, etwas hastiger: »Das Rad bringt uns seltsame Zeiten. Bauernjungen tragen die Ehre von Manetheren in die Fäule, und doch, wenn irgendein Blut dem Dunklen König einen schweren Schlag versetzen kann, dann ist es das Blut von Manetheren. Es wird getan, wie Ihr es wünscht, Aes Sedai.«

»Dann laßt uns jetzt in unsere Zimmer gehen«, sagte Moiraine. »Wir müssen bei Sonnenaufgang weg, denn die Zeit läuft uns davon. Die jungen Männer müssen in meiner Nähe schlafen. Die Zeit vor der Schlacht ist zu knapp, um dem Dunklen König zu gestatten, nochmals einen Schlag gegen sie zu führen. Zu knapp.«

Rand fühlte ihren Blick auf sich ruhen, wie sie ihn und seine Freunde betrachtete und ihre Stärke abschätzte, und er schauderte. Zu knapp.

48

Die große Fäule

Der Wind peitschte Lans Umhang, so daß er manchmal sogar im Sonnenschein kaum zu erkennen war. Ingtar und die hundert Lanzen, die Lord Agelmar mitgeschickt hatte, um sie für den Fall eines Trolloc-Überfalls bis an die Grenze zu begleiten, sahen prachtvoll aus, wie sie in einer Doppelreihe in glänzenden Rüstungen mit roten Wimpeln und ihren stahlbewehrten Pferden einherritten, angeführt von Ingtars Banner mit der Grauen Eule. Sie sahen genauso gut aus wie hundert Reiter aus der königlichen Garde, doch Rand sah nicht sie an, sondern die Türme, die gerade vor ihnen in Sicht kamen. Er hatte schon den ganzen Vormittag Zeit gehabt, die Lanzenträger aus Schienar zu betrachten.

Jeder Turm stand hoch aufragend und massiv auf einer Hügelspitze, eine halbe Meile vom nächsten entfernt. Im Osten und im Westen erhoben sich weitere, und dahinter noch mehr. Um jeden Steinzylinder herum zog sich spiralförmig eine breite Rampe mit einer Außenmauer. Sie wand sich einmal ganz herum, bevor sie das schwere Tor auf halber Höhe unter der zinnenbewehrten Turmspitze erreichte. Ein Ausfall aus der Garnison würde durch die Mauer bis unten hin zum Boden geschützt, doch die Feinde, die versuchten, das Tor zu erreichen, müßten unter einem Hagel von Pfeilen und Steinen und heißem Öl aus den großen Kesseln, die über ihnen auf nach außen gerichteten Plattformen standen, emporklimmen. Ein großer Stahlspiegel, im Moment vorsichtigerweise von der Sonne weggerichtet, schimmerte auf jeder Turmspitze unter der auf einem Sockel angebrachten Eisenschüssel, in der man Signalfeuer entzünden konnte, wenn die Sonne nicht schien. Das Signal würde von Turm zu Turm weitergespiegelt, weg von der Grenze und immer weiter zu den Festungen im Herzland, von wo aus die Lanzen losreiten würden, um den Überfall abzuwehren. Jedenfalls würden sie das in normalen Zeiten schaffen.

Männer beobachteten ihren Anmarsch von den beiden nächsten Turmspitzen aus. Nur ein paar Posten standen auf jeder und spähten neugierig über die Zinnen. In den besten Zeiten waren die Türme nur wenig bemannt, eben genug zur Selbstverteidigung, da man sich mehr auf die starken Mauern verließ als auf die starken Arme, doch jetzt ritt jeder Mann, den man entbehren konnte, zum Tarwin-Paß. Der Fall der Türme würde keine Rolle mehr spielen, falls die Lanzen den Paß nicht halten konnten.

Rand schauderte, als sie zwischen den Türmen hindurchritten. Es war beinahe, als sei er durch eine Wand aus kühler Luft geritten. Das hier war die Grenze. Das Land jenseits sah nicht anders aus als in Schienar, doch dort draußen, irgendwo jenseits der kahlen Bäume, lag die Fäule.

Ingtar hob eine stählerne Faust, um die Lanzen kurz vor einem einfachen Steinpfosten in Sichtweite der Türme anhalten zu lassen. Es war ein Grenzpfosten, der die Grenze zwischen Schienar und dem, was einst Malkier gewesen war, markierte. »Verzeiht, Moiraine Aes Sedai. Verzeiht, Dai Shan. Verzeiht, Erbauer. Lord Agelmar befahl mir, nicht weiter zu reiten.« Er klang, als sei er unglücklich und überhaupt vom Leben angewidert.

»Das planten wir so, Lord Agelmar und ich«, sagte Moiraine.

Ingtar brummte verdrießlich. »Verzeiht, Aes Sedai«, entschuldigte er sich, auch wenn es nicht ernsthaft klang. »Euch hierher zu begleiten bedeutet, daß wir möglicherweise den Paß nicht erreichen werden, bevor der Kampf vorüber ist. Ich habe keine Gelegenheit, mit den anderen zu kämpfen, und andererseits habe ich den Befehl, keinen Schritt weiter als bis zum Grenzpfosten zu reiten, als ob ich noch nie in der Fäule gewesen sei. Und Lord Agelmar verschweigt mir den Grund.« Hinter den Gitterstäben seines Visiers blickten seine Augen bei den letzten Worten die Aes Sedai fragend an. Er weigerte sich, Rand und die anderen anzublicken, da er erfahren hatte, daß sie Lan in die Fäule begleiten würden.

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