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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Der Herr von Fal Dara schüttelte sich, als erwache er aus einer Trance. »Südlich? Friede! Wir brauchen so was nicht, das Licht leuchte uns. Es wird getan werden.«

»Ist Fain uns durch die Kurzen Wege gefolgt?« fragte Perrin. »Es muß so sein.«

Moiraine nickte. »Fain würde Euch dreien ins Grab folgen, weil er es tun muß. Als der Myrddraal in Emondsfeld versagte, brachte er Fain mit den Trollocs auf unsere Fährte. Der Blasse ließ Fain nicht mitreiten. Obwohl er der Meinung war, er sollte das beste Pferd der Zwei Flüsse haben und an der Spitze der Horde reiten, zwang ihn der Myrddraal, mit den Trollocs zu rennen, und die Trollocs mußten ihn tragen, wenn ihm die Beine versagten. Sie sprachen so, daß er es verstehen konnte, und stritten sich darüber, wie man ihn am besten kochen sollte, wenn er seine Schuldigkeit getan hatte. Fain behauptet, er habe sich noch vor dem Erreichen des Taren gegen den Dunklen König entschieden. Doch manchmal trieft er förmlich vor Gier nach den versprochenen Belohnungen.

Als wir über den Taren entkommen waren, brachte der Myrddraal die Trollocs zurück zum nächsten Wegetor in den Verschleierten Bergen und schickte Fain allein hinüber. Da glaubte er, er sei frei, doch bevor er Baerlon erreichte, fand ihn ein anderer Blasser, und der war nicht so freundlich. Er ließ ihn zusammengerollt in einem Trolloc-Kessel schlafen, um ihn daran zu erinnern, was ihn erwartete, sollte er versagen. Dieser Blasse benützte ihn bis Shadar Logoth. Zu der Zeit hätte Fain dem Myrddraal auch seine eigene Mutter preisgegeben, wenn er dafür freigekommen wäre, aber der Dunkle König läßt niemals freiwillig jemanden laufen, der ihm bereits gehört.

Was ich dort tat, nämlich ein Trugbild unserer Spuren und unseres Geruchs in Richtung Berge zu senden, täuschte den Myrddraal, aber nicht Fain. Die Halbmenschen glaubten ihm nicht und schleiften ihn schließlich an einer Leine hinter sich her. Erst als wir ihnen immer ein Stück voraus zu sein schienen, gleich wie schnell sie auch marschierten, begannen einige, ihm Glauben zu schenken. Das waren die vier, die nach Shadar Logoth zurückkehrten. Fain behauptet, es sei Ba'alzamon selbst gewesen, der die Myrddraal dorthin trieb.«

Agelmar schüttelte verächtlich den Kopf. »Der Dunkle König? Pah! Der Mann lügt oder spinnt. Wenn Herzensbann frei wäre, dann wären wir alle mittlerweile tot oder noch schlimmer dran.«

»Fain sagte die Wahrheit, wie er sie sah«, sagte Moiraine. »Er konnte mich nicht anlügen, auch wenn er viel verbarg. Er sagte wörtlich: ›Ba'alzamon erschien wie die flackernde Flamme einer Kerze, verschwand und erschien wieder und befand sich niemals wieder am selben Platz. Seine Augen versengten die Myrddraal, und die Feuer seines Mundes peinigten uns.‹«

»Etwas«, sagte Lan, »trieb vier Blasse an einen Ort, den sie fürchteten — einen Ort, den sie beinahe genauso fürchten wie den Zorn des Dunklen Königs.«

Agelmar stöhnte auf, als habe man ihm einen Tritt versetzt, und er wirkte, als sei ihm schlecht.

»Es hieß Böses gegen Böses in den Ruinen von Shadar Logoth«, fuhr Moiraine fort, »Verderbtheit kämpfte gegen Gemeinheit. Als Fain davon erzählte, klapperten seine Zähne, und er winselte richtig. Viele Trollocs wurden getötet und von Mashadar und anderen ›Dingen‹ verschlungen, darunter auch der Trolloc, der Fains Leine gehalten hatte. Er floh aus der Stadt, als sei sie der Abgrund des Verderbens in der Nähe von Shayol Ghul.

Fain glaubte, er sei endlich frei. Er hatte vor wegzurennen, bis Ba'alzamon ihn nicht mehr finden konnte, wenn nötig bis zum Ende der Welt. Stellt Euch seinen Schreck vor, als ihm klar wurde, daß der Zwang zum Jagen nicht geringer wurde. Statt dessen wurde er mit jedem Tag, der verging, stärker. Er hatte nichts zu essen — nur das, was er aufsammeln konnte, während er Euch verfolgte: Käfer und Eidechsen, die er beim Rennen aufschnappte, und halbverfaulten Abfall, den er bei Nacht aus den Müllhaufen zog — aber er konnte auch nicht aufhören, bis er vor Erschöpfung wie ein leerer Sack in sich zusammenfiel. Und sobald er wieder genug zu Kräften gekommen war, um aufzustehen, trieb es ihn weiter. Als er schließlich Caemlyn erreichte, konnte er seine Beute selbst dann noch fühlen, wenn sie eine Meile entfernt war. Hier, dort drunten in der Zelle, blickte er manchmal nach oben, ohne es selbst zu bemerken. Er blickte in Richtung dieses Raumes.«

Rand juckte es plötzlich zwischen den Schulterblättern. Ihm war, als könne er Fains Blick auf sich ruhen fühlen, und das durch die Steinmauern hindurch. Die Aes Sedai bemerkte sein unsicheres Achselzucken, aber sie fuhr unbeirrt fort:

»Wenn Fain schon halb verrückt war, als er Caemlyn erreichte, so sank er noch tiefer, denn er erkannte, daß sich nur zwei der Gesuchten dort befanden. Er war gezwungen, Euch alle zu finden, aber andererseits konnte er auch nichts anderes tun, als den beiden zu folgen, die da waren. Er erzählte davon, geschrien zu haben, als sich das Wegetor in Caemlyn öffnete. Doch die Kenntnis, wie man es öffnet, war in seinem Verstand, auch wenn er nicht weiß, woher sie kam. Seine Hände bewegten sich selbständig, und wenn er versuchte, sie still zu halten, brannten sie unter dem Feuer Ba'alzamons. Fain ermordete den Eigentümer des Ladens, als der herunterkam, um zu sehen, was diesen Lärm verursachte. Nicht weil er unbedingt mußte, nein, er war neidisch auf einen Mann, der frei und ungebunden aus dem Keller steigen konnte, während ihn seine Beine unweigerlich in die Kurzen Wege hineintrugen.«

»Dann war Fain derjenige, den du wahrgenommen hast, als er uns folgte«, sagte Egwene. Lan nickte. »Wie entkam er... dem Schwarzen Wind?« Ihre Stimme zitterte, und sie unterbrach sich, um Speichel herunterzuschlucken. »Er war doch am Wegetor ganz nah hinter uns.«

»Er entkam — und auch wieder nicht«, sagte Moiraine. »Der Schwarze Wind fing ihn — und er behauptet, die Stimmen verstanden zu haben. Einige begrüßten ihn, da er ihnen ähnlich war, andere fürchteten sich vor ihm. Der Wind hatte Fain kaum umhüllt, da floh er schon.«

»Das Licht behüte uns!« Loials Flüstern klang, als brumme eine riesige Hummel. »Betet darum, daß es uns beschützt«, sagte Moiraine. »Es ist noch viel an Padan Fain verborgen geblieben, vieles, das ich herausfinden muß. In ihm reicht das Böse tiefer und ist stärker als in jedem Menschen, den ich bisher kennengelernt habe. Es kann sein, daß der Dunkle König bei dem, was er Fain angetan hat, etwas von sich selbst dem Mann aufgeprägt hat — vielleicht sogar unbewußt -, einen Teil seiner Absichten. Als ich das Auge der Welt erwähnte, schloß Fain den Mund ganz fest, doch hinter seinem Schweigen fühlte ich ein Wissen. Wenn ich jetzt nur genug Zeit hätte. Aber wir können nicht warten.«

»Wenn dieser Mann etwas weiß«, sagte Agelmar, »dann kann ich es aus ihm herausbekommen.« In seinem Gesicht stand kein Mitleid für Schattenfreunde geschrieben, und seine Stimme versprach auch kein Mitleid für Fain. »Wenn Ihr nur einen Teil dessen herausbekommen könnt, was in der Fäule auf Euch wartet, dann ist das einen weiteren Tag wert. Schlachten sind schon verloren gegangen, weil man nicht wußte, was der Feind vorhatte.«

Moiraine seufzte und schüttelte bedauernd den Kopf. »Lord Agelmar, wenn wir nicht eine Nacht Schlaf bräuchten, bevor wir uns in die Fäule hineinwagen, würde ich noch in dieser Stunde losreiten, obwohl das bedeuten würde, daß wir einen Trollocüberfall in der Nacht riskierten. Überdenkt einmal, was ich von Fain erfahren habe. Vor drei Jahren mußte der Dunkle König Fain nach Shayol Ghul bringen lassen, um ihn direkt zu berühren, obwohl Fain ja bis aufs Mark ein Schattenfreund war. Vor einem Jahr konnte der Dunkle König dem Schattenfreund Fain in seinen Träumen Befehle erteilen. Dieses Jahr geht Ba'alzamon durch die Träume von Menschen, die im Licht wandeln, und erscheint persönlich, wenn auch unter Schwierigkeiten, in Shadar Logoth. Natürlich nicht in seinem eigenen Körper, aber selbst ein Trugbild aus dem Geist des Dunklen Königs, sogar eines, das flackert und sich nicht hält, ist von tödlicherer Gefahr für die Welt als alle Trollochorden zusammen. Die Siegel von Shayol Ghul werden immer schwächer, Lord Agelmar. Es ist keine Zeit mehr zu verlieren.«

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