Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]
- Автор: Клемент Хол
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: WILHELM HEYNE VERLAG
- Переводчик: Wulf H. Bergner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]». Краткое содержание книги:
Der Autor hat seit Jahren in den Kreisen der SFAnhänger einen ausgezeichneten Ruf, weil er es wie kaum ein anderer versteht, die Reaktionen von Lebewesen in einer fremden Umgebung lebensecht zu schildern.
„Ich bin kein Ingenieur“, sagte Raeker, „aber ich kann mir trotzdem vorstellen, wie lange der Bau eines zweiten dauern würde. Ich bin Biologe, und meiner Überzeugung nach wären beide Kinder längst tot, bevor der Bathyskaph einsatzbereit gemacht werden könnte. Wenn Rich und der Drommianer es damit versuchen wollen, werde ich sie nicht davon abhalten; der Versuch kann nicht schaden, und vielleicht wird die Maschine sogar schneller fertig. Aber ich bin trotzdem der Meinung, daß wir unseren bisherigen Plan weiterhin verfolgen müssen.“
„Hat der Drommianer recht gehabt?“
„Sie meinen, daß wir Nick und seine Gruppe einsetzen wollen, damit sie die Reparatur vornehmen?
Ja. Der Gedanke ist keineswegs so lächerlich, wie Aminadabarlee behauptet hat. Ich habe Nick und die anderen sechzehn Jahre lang ausgebildet; sie sind genauso intelligent wie Menschen und können bestimmt ein paar Drähte spleißen.“
Der Wachoffizier runzelte zweifelnd die Stirn.
„Wenn sie nur die richtigen Drähte miteinander verbinden“, murmelte er. „Und womit wollen sie das Zeug isolieren?“
„Sie stellen einen Leim aus Tierschuppen her — ich habe ihnen das Verfahren erklärt. Natürlich müssen wir erst feststellen, ob er genügend isoliert, aber deswegen mache ich mir noch keine Sorgen.“
„Obwohl Sie annehmen müssen, daß ein Teil der Körperflüssigkeit dieser Eingeborenen aus Schwefelsäure besteht?“
„Keine größeren Sorgen, wollte ich sagen“, antwortete Raeker. „Im Augenblick besteht unser größtes Problem darin, daß wir Nicks Gruppe in die Nähe des Bathyskaphen bringen. Können Sie die Position der Maschine und des Roboters wirklich nicht genauer bestimmen?“
„Leider nicht. Die Chancen, daß die beiden nicht mehr als vierzig Kilometer voneinander entfernt sind, stehen etwa fünfzig zu fünfzig. Außerdem können wir mit neunzigprozentiger Sicherheit behaupten, daß sie nicht weiter als hundert Kilometer entfernt sein dürften. Mehr kann ich nicht versprechen, denn unsere Messungen sind zu ungenau, weil die Ortungsmöglichkeiten sehr beschränkt sind.“
„Das ist eben nicht zu ändern. Ich muß mir die Umgebung von Easy beschreiben lassen und sie mit Nicks Karten vergleichen. Wenigstens brauchen wir die Eingeborenen nicht bis an den Bathyskaphen zu führen; die Scheinwerfer sind kilometerweit sichtbar.“ Der Offizier nickte, und die beiden Männer starrten schweigend auf den Bildschirm. Falls Easy weiterhin Wache hielt, wie sie versprochen hatte, war sie jedenfalls nicht in dem Kontrollraum. Von Zeit zu Zeit hörten die Männer leise Geräusche; vermutlich trieb das Schiff weiter in einer Strömung, aber bisher hatten sich noch keine Veränderungen ergeben, die das Mädchen erwähnenswert gefunden hätte.
Raeker döste schließlich in seinem Sessel ein. Der Offizier blieb wach, erhielt aber nur die kurze Benachrichtigung, daß Easy jetzt schlief, während Aminadorneldo die Beobachtung übernahm. Auch er schien nichts Bemerkenswertes zu sehen; der Lautsprecher blieb stumm, nachdem das Mädchen sich abgemeldet hatte.
Der Bathyskaph trieb weiter. Gelegentlich blieb er für Sekunden oder sogar Minuten unbeweglich; aber die Reise führte stets wieder weiter, denn die Strömung riß ihn über die Hindernisse hinweg. Easy wachte wieder auf und bereitete eine reichlich fade Mahlzeit zu — so drückte sie sich wenigstens aus.
Aminadorneldo war höflich genug, alles auf die Synthetiknahrung zu schieben; schließlich kann man aus Aminosäuren, Fetten und Traubenzucker nicht allzuviel machen, selbst wenn man Vitaminpulver zugibt.
Die lange Nacht auf Tenebra war noch nicht vorüber; Raeker nahm wieder seinen Dienst in dem Kontrollraum auf und führte Nick und Fagin bis an eine Stelle, die seiner Meinung nach in der Nähe der Gruppe lag. Eine Nacht auf einem Planeten, dessen Rotationsgeschwindigkeit fast hundert Stunden für eine Drehung um die eigene Achse erfordert, kann ziemlich langweilig sein. Allerdings brauchte sie es nicht zu sein, überlegte Raeker, als er sich an die Nacht erinnerte, in der Swift das Dorf überfallen hatte.
Nach Tagesanbruch schien eine Besserung in Sicht — aber jetzt war Raeker bereits wieder schläfrig. Nick erkannte die Gegend wieder, in der er sich im Augenblick mit Fagin befand, und behauptete zuversichtlich, daß sie innerhalb der nächsten beiden Stunden auf den Rest der Gruppe stoßen würden. Raekers Ablösung meldete sich und mußte genauestens eingewiesen werden. Aus der Nachrichtenzentrale kam die Mitteilung, daß der Bathyskaph sich nicht mehr bewegte.
„Richten Sie bitte Leutnant Wellenbach aus, daß er nach Möglichkeit hier einen Bildschirm installieren lassen möchte, der mit der Zentrale verbunden ist“, sagte Raeker zu der Ordonnanz, die die Nachricht gebracht hatte. „Ich hoffe, daß ich mich schon bald mit dem Bathyskaphen und meinen Schülern unterhalten muß.“
„Selbstverständlich, Sir“, antwortete die Ordonnanz. „Das läßt sich bestimmt ohne weiteres machen.“
„Ausgezeichnet. Ich gehe jetzt in die Zentrale, höre mir Easys Bericht an und komme wieder zurück, wenn der Bildschirm installiert ist.“
„Sie sollten lieber schlafen, Doktor“, mahnte der Mann, der ihn abgelöst hatte.
„Eigentlich schon, aber vorläufig habe ich keine Zeit dazu. Sie machen auch nach meiner Rückkehr Dienst und schreiten sofort ein, wenn ich irgendwelchen Blödsinn anstelle.“
„Wird gemacht.“ Der andere zuckte mit den Schultern. Raeker wußte, daß er unvernünftig war, aber vorläufig würde er ohnehin nicht schlafen können. Er ging in die Nachrichtenzentrale.
Rich und Aminadabarlee waren ebenfalls dort. Der Diplomat hatte den Drommianer offenbar beruhigt, denn Raekers Erscheinen verursachte keinen neuen Wutanfall. Easy sprach, als der Biologe den Raum betrat.
„… Minuten, seit wir uns zuletzt bewegt haben.
Draußen ist es nicht heller geworden, aber unterdessen muß es Tag geworden sein, wenn ich richtig mitgerechnet habe. Wahrscheinlich hat die Strömung nachgelassen, weil das Wasser bereits verdampft.“
Sie machte eine Pause, und Raeker sprach sie an.
„Easy, haben Sie oder ›Mina‹ irgendwelche Tiere im Wasser beobachtet?“
„Nein, nur Pflanzen — oder was uns wie Pflanzen erschien.“
„Wie steht es jetzt damit?“
„Noch immer nichts.“
„Dann haben Sie meiner Auffassung nach das Meer noch nicht erreicht. Dort gibt es nämlich Tiere, von denen Nick berichtet hat. Andererseits besteht die Möglichkeit, daß sie wegen der Scheinwerfer nicht zu nahe kommen. Können Sie die Lampen fünf Minuten lang ausmachen und sie dann plötzlich wieder einschalten? Vielleicht ist dann etwas zu sehen.“
„Einverstanden, solange ich die Innenbeleuchtung nicht ausschalten muß. Hier sind ohnehin keine Bullaugen, so daß der Lichtschein nicht nach außen dringen kann. Ich möchte die Beleuchtung nicht gern ausschalten, weil ich dann in der Dunkelheit den falschen Schalter betätigen könnte.“
„Sie haben recht; daran hätte ich nie gedacht.“
„Ich habe in den vergangenen drei Wochen über vieles nachgedacht.“
Einen Augenblick lang erkannten die Männer hinter der zuversichtlichen Maske, die Easy für ›Mina‹ aufgesetzt hatte, die nervöse, erschrockene Zwölfjährige, deren Selbstbeherrschung bis an die Grenze des Möglichen beansprucht worden war. Rich biß sich auf die Unterlippe und ballte die Fäuste; die anderen Männer sahen nicht zu ihm hinüber. Aminadabarlee ließ keine Gefühle erkennen; Raeker fragte sich, ob er überhaupt welche empfand. Dann wandte das Mädchen sich wieder in ihrer üblichen Art an den jungen Drommianer.
„Gehst du bitte an das Bullauge im Arbeitsraum,
›Mina‹? Wenn du dort bist, rufst du, damit ich die Scheinwerfer ausschalten kann.“
„Sofort, Easy.“ Sekunden später meldete ›Mina‹ sich aus dem Nebenraum. Das Mädchen betätigte nacheinander die Lichtschalter.