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Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn

Электронная книга - «Die Tribute Von Panem. Flammender Zorn». Краткое содержание книги:

Möge das Gute siegen! Möge die Liebe siegen! Das grandiose Finale! Katniss gegen das Kapitol! Schwer verletzt wurde Katniss von den Rebellen befreit und in Distrikt 13 gebracht. Doch ihre einzige Sorge gilt Peeta, der dem Kapitol in die Hände gefallen ist. Die Regierung setzt alle daran, seinen Willen zu brechen, um ihn als Waffe gegen die Rebellen einsetzen zu können. Gale hingegen kämpft weiterhin an der Seite der Aufständischen, und das, zu Katniss' Schrecken, ohne Rücksicht auf Verluste. Als sie merkt, dass auch die Rebellen versuchen, sie für ihre Ziele zu missbrauchen, wird ihr klar, dass sie alle nur Figuren in einem perfiden Spiel sind. Es scheint ihr fast unmöglich, die zu schützen, die sie liebt.
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Mit einem kurzen Schlenker abwärts landet das Hovercraft in den Außenbezirken von Distrikt 8. Im nächsten Augenblick öffnet sich die Tür, die Treppe fährt aus und wir werden auf dem Asphalt abgesetzt. Sobald der Letzte draußen ist, wird die Treppe wieder eingefahren, das Hovercraft hebt ab und verschwindet. Da stehe ich mit meiner Leibwache Gale, Boggs und zwei weiteren Soldaten. Das Fernsehteam besteht aus zwei stämmigen Kameraleuten aus dem Kapitol, deren Körper von den schweren tragbaren Kameras wie von Insektenpanzern eingeschlossen werden, einer Regisseurin namens Cressida mit grünen Rankentattoos auf dem kahl rasierten Kopf sowie ihrem Assistenten Messalla. Messalla ist ein schlanker junger Mann mit mehreren Reihen Ohrringen und einem Zungenpiercing in Form einer murmelgroßen silbernen Kugel.

Boggs scheucht uns sofort weg von der Straße, hin zu einer Ansammlung von Lagerhäusern. Gleich darauf landet ein zweites Hovercraft, das Kisten mit Arzneimitteln sowie ein sechsköpfiges Ärzteteam absetzt, wie ich an der auffälligen weißen Kleidung sehe. Wir folgen Boggs in die Gasse zwischen zwei düsteren grauen Lagerhäusern, deren verschrammte Metallwände nur ab und zu von Leitern unterbrochen werden, die aufs Dach führen. Als wir an der nächsten Straße wieder herauskommen, ist es, als hätten wir eine andere Welt betreten. Die Verletzten der Bombardements von heute Morgen werden herbeigebracht. Auf selbst gemachten Tragen, in Schubkarren, auf Leiterwagen, gestützt auf Schultern, von Armen gehalten. Blutend, verstümmelt, bewusstlos. Von verzweifelten Menschen zu einem Lagerhaus getrieben, über dessen Eingang flüchtig ein rotes Kreuz gemalt wurde. Eine Szene, wie ich sie aus unserer alten Küche kenne, wo meine Mutter die Sterbenden versorgte, nur um den Faktor zehn, fünfzig, hundert gesteigert. Ich hatte ausgebombte Gebäude erwartet, stattdessen werde ich mit zerstörten Körpern konfrontiert.

Und hier soll ich gefilmt werden? Ich wende mich an Boggs. »Das wird nicht funktionieren«, sage ich. »Hier wird das nichts.«

Vermutlich sieht er die Panik in meinem Blick, denn er hält kurz inne und legt mir die Hände auf die Schultern. »Du machst das schon. Sie sollen dich nur sehen. Damit kannst du mehr für sie tun als alle Ärzte der Welt.«

Eine Frau, die den eintreffenden Patienten Plätze zuweist, bemerkt uns, muss noch mal hingucken. Dann kommt sie energisch auf uns zu. Ihre dunkelbraunen Augen sind vor Erschöpfung geschwollen, sie riecht nach Metall und Schweiß. Der Verband um ihren Hals hätte schon vor Tagen gewechselt werden müssen. Der Riemen des Maschinengewehrs, das sie auf dem Rücken trägt, ist ein Stück nach hinten gerutscht und schnürt sie ein. Sie bewegt die Schulter, um ihn wieder zurechtzurücken. Mit dem Daumen weist sie die Ärzte an, ins Lagerhaus zu gehen. Sie gehorchen anstandslos.

»Das ist Commander Paylor aus Distrikt 8«, sagt Boggs. »Commander, darf ich Ihnen Soldat Katniss Everdeen vorstellen?«

Für einen Commander sieht sie jung aus. Anfang dreißig.

Aber ihre Stimme hat einen gebieterischen Klang, an dem man merkt, dass ihre Ernennung nicht willkürlich erfolgt sein kann. Neben ihr komme ich mir in meinem funkelnagelneuen Aufzug, geschrubbt und glänzend, vor wie ein frisch geschlüpftes Küken, das erst lernen muss, wie man sich in der Welt bewegt.

»Ich weiß, wer das ist«, sagt Paylor, und dann, zu mir gewandt: »Du lebst also. Wir waren uns nicht ganz sicher.« Irre ich mich oder schwingt da ein Vorwurf mit?

»Ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher«, erwidere ich.

»Krankenstation.« Boggs tippt sich an den Kopf. »Üble Gehirnerschütterung«, sagt er und senkt kurz die Stimme: »Fehlgeburt. Aber sie wollte unbedingt herkommen und eure Verwundeten sehen.«

»Na, davon haben wir mehr als genug«, sagt Paylor.

»Haltet ihr das für eine gute Idee?«, fragt Gale und blickt stirnrunzelnd auf das Lazarett. »Alle eure Verwundeten auf einem Haufen?«

Insgeheim pflichte ich ihm bei. Eine ansteckende Krankheit würde sich an diesem Ort rasend schnell ausbreiten.

»Auf jeden Fall besser, als sie sterben zu lassen, denke ich«, sagt Paylor.

»Das habe ich nicht gemeint«, entgegnet Gale.

»Im Moment ist das nun mal die einzige Alternative. Aber wenn ihr eine andere Idee habt und Coin damit einverstanden ist - ich bin ganz Ohr.« Paylor winkt mich herein. »Tritt ein, Spotttölpel. Und bring doch deine Freunde mit.«

Ich werfe einen Blick hinter mich auf meine skurrile Begleiterschar und folge ihr ins Lazarett, auf das Schlimmste gefasst. Ein schwerer Industrievorhang hängt auf ganzer Länge des Gebäudes herunter und trennt einen ziemlich breiten Gang ab, in dem Seite an Seite tote Körper liegen. Der Vorhang streicht über ihre Köpfe, weiße Bandagen verbergen die Gesichter. »Etwas westlich von hier haben wir ein Massengrab ausgehoben, aber ich habe im Moment nicht genug Leute, um sie rüberzuschaffen«, sagt Paylor. Sie findet einen Schlitz im Vorhang und schlägt ihn beiseite.

Ich klammere mich an Gales Handgelenk. »Lass mich hier bloß nicht allein«, flüstere ich ihm zu.

»Ich bin bei dir«, antwortet er leise.

Ich trete durch den Vorhang und erlebe einen Anschlag auf meine Sinne. Mein erster Impuls ist es, mir die Nase zuzuhalten, um den Gestank nach schmutzigen Laken, verfaulendem Fleisch und Erbrochenem abzuwehren, der von der Hitze, die im Lagerhaus herrscht, ins Unerträgliche gesteigert wird. Die Luken hoch oben im Metalldach stehen offen, doch die frische Luft vermag den Dunst darunter nicht aufzulösen. Die schwachen Sonnenstrahlen bilden die einzige Lichtquelle, und als meine Augen sich ans Zwielicht gewöhnt haben, sehe ich Reihe um Reihe von Verletzten, auf Feldbetten, Strohsäcken und auf dem Boden - so viele, dass nirgends ein freier Platz ist. Das Summen der schwarzen Fliegen, das Stöhnen der leidenden Menschen und das Schluchzen ihrer Angehörigen verbinden sich zu einem herzzerreißenden Chor.

In den Distrikten gibt es keine richtigen Krankenhäuser. Wir sterben zu Hause, was bei dem Anblick, der sich mir hier bietet, eine annehmbare Alternative darstellen würde. Dann wird mir bewusst, dass die meisten Leute hier nach den Bombardements wahrscheinlich kein Zuhause mehr haben.

Der Schweiß läuft mir nur so herunter und sammelt sich in meinen Handflächen. Damit ich den Gestank nicht so stark wahrnehme, atme ich durch den Mund. Schwarze Flecken wandern über mein Gesichtsfeld, mir ist, als könnte ich auf der Stelle ohnmächtig werden. Aber da merke ich, dass Paylor mich scharf beobachtet. Sie will herausfinden, aus was für einem Holz ich geschnitzt bin und ob sie alle zu Recht gedacht haben, sie könnten auf mich zählen. Ich lasse Gale los und zwinge mich, weiter ins Lagerhaus vorzudringen, den schmalen Durchgang zwischen den Liegenden zu betreten.

»Katniss?«, krächzt eine Stimme irgendwo links von mir und übertönt den allgemeinen Lärm. »Katniss?« Durch den Dunst fasst eine Hand nach mir. Ich greife danach wie nach einem rettenden Strohhalm. Die Hand gehört zu einer jungen Frau mit verletztem Bein. Der schwere Verband ist blutgetränkt und von Fliegen bedeckt. In ihrem Gesicht spiegelt sich der Schmerz, aber auch etwas anderes, etwas, das überhaupt nicht zu ihrer Lage zu passen scheint. »Bist du das?«

»Ja«, stoße ich hervor.

Sie freut sich. Man sieht es in ihrem Gesicht. Beim Geräusch meiner Stimme hellt es sich auf, für kurze Zeit wird das Leiden überdeckt.

»Du lebst! Wir waren uns nicht sicher. Es ging das Gerücht, aber wir wussten es nicht!«, sagt sie erregt.

»Ich war ziemlich angeschlagen. Aber jetzt geht es mir wieder gut«, sage ich. »Und du wirst auch wieder gesund.«

»Das muss ich meinem Bruder erzählen!« Die Frau setzt sich mühsam auf und ruft jemanden, der ein paar Betten weiter liegt. »Eddy! Eddy! Sie ist hier! Das ist Katniss Everdeen!«

Ein etwa zwölfjähriger Junge dreht sich zu uns hin. Er hat das halbe Gesicht bandagiert. Die Seite seines Mundes, die ich sehen kann, öffnet sich, als wollte er etwas rufen. Ich gehe zu ihm, streiche ihm die nassen braunen Locken aus der Stirn. Murmele einen Gruß. Er kann nicht sprechen, aber mit seinem gesunden Auge starrt er mich so intensiv an, als wollte er sich jede Einzelheit meines Gesichts einprägen.

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