Indiana Jones Die Gefiederte Schlange
- Автор: Хольбайн Вольфганг
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Indiana Jones Die Gefiederte Schlange». Краткое содержание книги:
Als hätte er nur auf diesen Gedanken gewartet, tat der Indio in diesem Moment ganz genau das. Indiana griff mit einer fast verzweifelten Bewegung nach dem letzten verbliebenen Seil, hangelte sich gleichzeitig einen halben Meter weiter in die Höhe und warf sich herum, als auch das dritte Kabelende vom Dach herabgestürzt kam. Diesmal entging er ihm nicht ganz. Die Trosse streifte ihn und riß sein linkes Hosenbein von der Hüfte bis zum Stiefelansatz auf, aber wie durch ein Wunder verletzte sie die Haut darunter nicht einmal.
Indiana sah nach unten. Die Kabine hing jetzt nur noch an einem einzigen Seil. Er glaubte, ein schwaches Zittern zu erkennen, war aber nicht sicher, und er verschwendete auch nicht viel Zeit damit, sich genauer zu überzeugen, denn in diesem Augenblick richtete sich der Maya wieder auf, blickte kurz zu ihm hoch und bückte sich, um seine Axt aufzuheben, die er fallen gelassen hatte.
Indiana starrte ihn fassungslos an. Sekundenlang weigerte er sich einfach zu glauben, was er sah. Was der Kerl da unten tat, das war Selbstmord!
«Laß das sein, du Idiot!« brüllte er.
Tatsächlich zögerte der Maya einen Moment. Er legte den Kopf schräg, sah zu ihm hoch und machte eine angefangene Bewegung, wie um seine Axt zu schleudern, aber er führte sie nicht zu Ende, sondern grinste plötzlich, schob das Beil unter den Gürtel seiner Hose und begann mit fast affenartiger Geschicklichkeit, an der Stahltrosse emporzuklettern.
Indiana fluchte und verdoppelte seine Anstrengungen, die Tür zu erreichen. Der Indio bewegte sich erstaunlich schnell und mit einem Geschick, das man einem Mann seiner Größe und Masse kaum zugetraut hätte. Aber Indiana hatte fünf oder sechs Meter Vorsprung. Die geschlossene Tür zur nächsten Etage befand sich jetzt schon fast zum Greifen nahe. Mit zusammengebissenen Zähnen kletterte er weiter, schlang das Bein um die Stahltrosse und suchte mit der linken Hand sicheren Halt, dann streckte er die rechte aus und tastete nach dem Hauch von einem Spalt zwischen den beiden Türhälften.
Er brach sich drei Fingernägel ab, bevor er einsah, daß es so nicht ging. Gehetzt blickte er nach unten. Der Indio war kaum mehr als eine Armeslänge von ihm entfernt. Er stieg mit so selbstverständlicher Gelassenheit an der Stahltrosse empor, als hätte er sein Lebtag lang nichts anderes getan.
Indiana setzte alles auf eine Karte. Als der Maya die Hand ausstreckte, um nach seinem Fuß zu greifen, ließ er sich einfach mit weit ausgestreckten Armen zur Seite kippen. Für einen kurzen Moment sah es so aus, als würde er abstürzen. Aber im allerletzten Augenblick fanden seine Finger Halt an einer schmalen Zementstufe unterhalb der Tür. Mit aller Kraft klammerte er sich fest, biß abermals die Zähne zusammen, als seine Knie schmerzhaft gegen die Schachtwand stießen, und zog sich Zentimeter für Zentimeter in die Höhe. Der Indio hinter ihm knurrte enttäuscht, aber natürlich gab er nicht auf.
Ganz im Gegenteiclass="underline" Er löste seine Hand und einen Fuß von seinem Halt und versuchte, mit der anderen Faust nach Indiana zu schlagen. Trotz seiner enorm langen Arme und der damit verbundenen Reichweite erreichte er ihn nicht ganz. Seine Finger berührten nur ganz sacht Indianas Rücken, und er zog die Hand mit einem enttäuschten Laut wieder zurück. Allerdings nicht, um nun wirklich aufzugeben, wie Indiana einen Sekundenbruchteil später voller Schrecken erkannte, sondern einzig, um die Axt aus dem Gürtel zu ziehen und damit seine Reichweite genau um die zwanzig Zentimeter zu verlängern, die ihm fehlten, um ihm endgültig den Garaus zu machen.
Indiana duckte sich verzweifelt, als die Axt heranzischte und kaum einen Fingerbreit neben seiner Wange Funken aus dem Stein schlug. Hastig arbeitete er sich ein Stück weiter nach rechts, aber der Indio vollführte die Bewegung mit, schwang, wie Tarzan an seiner Liane nur an einem Arm und Fuß hängend, an dem Stahlseil herum und schlug zum zweiten Mal mit dem Beil nach ihm. Die Axtschneide fuhr splitternd eine Handbreit über Indiana ins Holz der Tür und verkantete sich darin. Der Maya begann wütend, am Stiel seiner Waffe zu zerren, und Indiana riskierte noch einmal alles und löste seinerseits die rechte Hand von der schmalen Betonstufe.
Mit aller Gewalt ließ er seine Handkante auf das Gelenk des Maya krachen. Der Maya brüllte vor Schmerz auf und öffnete leicht die Hand. Hastig packte Indiana die Axt.
Er zwang sich, nicht zu dem Indio zurückzusehen und auch nicht an den Abgrund zu denken, der unter ihm lauerte, sondern schwang das Beil mit aller Gewalt und ließ es zielsicher auf den Türspalt krachen.
Wahrscheinlich war es reiner Zufall, daß er genau traf; aber die Klinge fuhr direkt zwischen die beiden Türhälften und verbreiterte den haarfeinen Riß zu einem fingerbreiten Spalt. Indiana griff mit beiden Händen zu, quetschte und zog und zerrte so lange, bis die Türen widerstrebend weiter auseinanderglitten, und schließlich bekam er einen Arm in den Spalt. Jetzt hatte er einen Hebel, den er ansetzen und durch den er seine ganze Kraft nutzen konnte. Schleifend glitten die beiden Türhälften auseinander, und Indiana machte einen taumelnden Schritt auf den Korridor hinaus. Die Axt fiel polternd neben ihm zu Boden.
Als er den zweiten Schritt machen wollte, stolperte er, denn eine Hand hatte sich um sein Fußgelenk gelegt und hielt sie mit unerbittlicher Kraft fest.
Indiana warf sich herum, trat blindlings um sich und sah, daß der Indio wie er zuvor alles riskiert und sich einfach nach vorn geworfen hatte. Seine linke Hand hatte die Zementstufe ergriffen, an der auch Indiana Halt gefunden hatte, während sich seine rechte mit der Kraft eines Schraubstockes um Indianas Fußgelenk schloß und ihn langsam, aber unerbittlich wieder zurück auf den Schacht zu zerrte.
Indiana grub die Hände in den Teppich und trat mit dem freien Fuß zu. Drei, vier, fünf Mal hintereinander traf er das Gesicht des Indios. Dessen Lippen platzten auf, und auch aus seiner Nase floß Blut, aber er gab nicht auf. Im Gegenteil; der Schmerz schien ihn eher noch wütender zu machen. Immer heftiger zog und zerrte er an Indianas Fuß, so daß der weiter auf den Liftschacht zu gerissen wurde.
Auf einmal fiel sein Blick auf die Axt, die neben ihm auf dem Teppich lag. Ohne wirklich zu überlegen, ergriff er sie, drehte sie herum und ließ das stumpfe Ende wuchtig auf die Hand herunterkrachen, die seinen Fuß umklammerte.
Der Indio heulte vor Schmerz auf, ließ Indianas Fuß los und hing einen Moment lang nur noch an den Fingerspitzen der linken Hand über dem Abgrund; ganz genau so lange, wie Indiana brauchte, um sich auf die Knie hochzustemmen und das stumpfe Ende des Beils ein zweites Mal auch auf diese Finger runterkrachen zu lassen.
Mit einem keuchenden Schrei kippte der Indio nach hinten und verschwand in der Tiefe. Indiana beugte sich vor, um ihm nachzublicken. Der Maya stürzte wie ein Stein, prallte auf halber Strecke gegen das einzige noch verbliebene Stahlseil der Liftkabine und schlug mit solcher Wucht auf ihrem Dach auf, daß er es glatt durchbrach. Den Bruchteil einer Sekunde später ertönte ein gellender Schrei und ein lang anhaltendes Splittern und Krachen und Bersten aus dem Inneren der Liftkabine. Und plötzlich war auch der Boden des Aufzuges verschwunden. Ein gezacktes Loch gähnte dort, wo der Indio eigentlich hätte liegen sollen …
Der Lift zitterte. Das letzte Stahlseil begann wie eine Bogensehne zu schwirren, und für einen Augenblick rechnete Indiana ernsthaft damit, daß es reißen und die ganze Kabine abstürzen würde. Aber wie durch ein Wunder hielt diese eine Trosse den Aufzug trotz seines Gewichts immer noch.
Indiana richtete sich auf, stemmte die Hände auf die Oberschenkel und atmete keuchend mehrmals hintereinander sehr tief ein und aus. Alles drehte sich um ihn. Seine Hände brannten wie Feuer, und die Muskeln in seinen Armen fühlten sich an wie überdehnte Gummibänder. Daß er überhaupt noch am Leben war, war schlicht und einfach Glück. Der Indio hatte möglicherweise die Kraft eines Ochsen, aber auch nicht sehr viel mehr Gehirn. Wäre es anders gewesen, dann hätte Indiana kaum eine Chance gehabt, ihm zu entkommen.