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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Großer Herr, Eure Macht ist unumstritten, doch kann sie auf ewig dem Dunklen König standhalten? Findet Ihr Euch nicht oft mit dem Rücken zur Wand? Vergebt mir meine Kühnheit, großer Herr, doch am Ende wird er Euch zerschmettern, wie Ihr dasteht. Ich weiß es; glaubt mir, ich weiß es. Doch ich kann Euch zeigen, wie Ihr den Schatten aus dem Land treibt, großer Herr.« Sein Tonfall wurde noch öliger, auch wenn die Stimme hochnäsig klang. »Wenn Ihr nur ausprobiert, was ich Euch rate, werdet Ihr es erleben, großer Herr. Ihr werdet das Land säubern. Ihr, großer Herr, könnt es schaffen, wenn Ihr Eure Macht in die richtige Richtung leitet. Vermeidet es, Euch von Tar Valon einwickeln zu lassen und Ihr könnt die Welt retten. Großer Herr, Ihr werdet der Mann sein, den die Geschichte feiert, weil er dem Licht den endgültigen Sieg gebracht hat.« Die Wachen standen unbeweglich da, aber ihre Hände glitten an den langen Schäften der Hellebarden entlang, als wollten sie sie gleich benutzen.

»Er hält große Stücke auf sich, jedenfalls für einen Händler«, sagte Agelmar nach hinten zu Lan gewandt. »Ich glaube, Ingtar hat recht. Er ist verrückt.«

Fains Augen zogen sich zornig zusammen, aber seine Stimme blieb weiterhin ölig. »Großer Herr, ich weiß, daß meine Worte Euch großspurig vorkommen mögen, doch falls Ihr nur... « Er brach mit einemmal ab und trat zurück, als Moiraine sich erhob und langsam um den Tisch herumkam. Nur die gesenkten Hellebarden der Wachen hielten Fain davon ab, sich nach hinten aus dem Raum zu schleichen.

Moiraine blieb hinter Mats Stuhl stehen, legte ihm eine Hand auf die Schulter und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Was sie auch gesagt haben mochte, jedenfalls wich die Anspannung aus seinem Gesicht, und er nahm die Hand unter seinem Mantel hervor. Die Aes Sedai ging weiter, bis sie neben Agelmar und genau Fain gegenüber stand. Als sie stehenblieb, sank der Händler wieder zu seiner gebückten Haltung in sich zusammen.

»Ich hasse ihn«, wimmerte er. »Ich will frei von ihm sein. Ich will wieder im Licht wandeln.« Seine Schultern bebten, und Tränen strömten ihm noch stärker als zuvor übers Gesicht. »Er hat mich dazu gebracht.«

»Ich fürchte, er ist mehr als nur ein Händler, Lord Agelmar«, sagte Moiraine. »Weniger als ein Mensch, schlimmer als das Böse, gefährlicher, als Ihr Euch ausmalen könnt. Er kann gebadet werden, nachdem ich mit ihm gesprochen habe. Ich wage es nicht, auch nur eine Minute zu verschwenden. Komm, Lan!«

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Noch mehr darüber, was das Rad schon webte

Die Ruhelosigkeit trieb Rand dazu, neben dem Eßtisch auf und ab zu gehen. Zwölf Schritte. Der Tisch war genau zwölf Schritte lang, ganz gleich, wie oft er die Länge abschritt. Gereizt zwang er sich dazu, mit dem Zählen aufzuhören. Dummes Zeug, sowas zu tun. Es ist mir gleich, wie lang der blutige Tisch sein mag. Ein paar Minuten später ertappte er sich dabei, wie er die Anzahl seiner Tischrunden zählte. Was erzählt er denn nun Moiraine und Lan? Weiß er, warum der Dunkle König hinter uns her ist? Weiß er, welchen von uns der Dunkle König haben will?

Er sah seine Freunde an. Perrin hatte ein Stück Brot zerkrümelt und schob abwesend mit einem Finger die Krümel auf der Tischfläche herum. Seine gelben Augen blickten ohne zu blinzeln auf die Krümel, doch sie schienen etwas Fernes wahrzunehmen. Mat hing mit halb geschlossenen Augen und einem nicht ganz vollendeten Grinsen auf dem Gesicht auf seinem Stuhl. Es war ein nervöses Grinsen, das nicht von Vergnügen zeugte. Nach außen hin wirkte er wie der alte Mat, doch von Zeit zu Zeit berührte er unbewußt durch seinen Mantelstoff hindurch den Dolch aus Shadar Logoth. Was sagt ihr Fain? Was weiß er?

Wenigstens wirkte Loial nicht besorgt. Der Ogier betrachtete die Wände. Zuerst hatte er sich in die Mitte des Raums gestellt und sich langsam beim Betrachten im Kreis herum gedreht. Jetzt drückte er beinahe seine breite Nase am Stein platt, und dabei fuhr er sanft mit Fingern, die dicker waren als die Daumen der meisten Menschen, eine bestimmte Linie nach. Manchmal schloß er die Augen, als sei das Gefühl dabei wichtiger als der Anblick. Seine Ohren zuckten gelegentlich, und er führte Selbstgespräche in der Ogiersprache. Er schien vergessen zu haben, daß sich noch andere mit ihm im Raum befanden.

Lord Agelmar stand mit Nynaeve und Egwene vor dem langen Kamin am Ende des Raumes und unterhielt sich leise mit ihnen. Er war ein guter Gastgeber, geschult darin, die anderen ihre Sorgen vergessen zu machen. Einige seiner Geschichten brachten Egwene zum Kichern. Einmal lachte sogar Nynaeve schallend los. Rand fuhr bei dem unerwarteten Geräusch hoch und dann noch mal, als Mats Stuhl krachend zu Boden fiel.

»Blut und Asche!« grollte Mat und ignorierte die Art, wie Nynaeve ob seiner Ausdrucksweise den Mund verzog. »Warum braucht sie so lang?« Er richtete seinen Stuhl wieder auf und setzte sich hin, ohne irgend jemanden anzuschauen. Seine Hand verirrte sich zu seinem Mantel.

Der Herr von Fal Dara blickte Mat mißbilligend an -sein Blick schloß auch Rand und Perrin ein, ohne freundlicher zu werden -, und dann wandte er sich wieder den Frauen zu. Rands nervöses Hin- und Hergehen hatte ihn in deren Nähe gebracht.

»Lord Agelmar«, sagte Egwene gewandt, als habe sie ihr ganzes Leben lang schon solche Titel benützt, »ich dachte, er sei einfach Behüter, aber Ihr nennt ihn Dai Shan und sprecht vom Banner des Goldenen Kranichs, genau wie die anderen Männer. Manchmal sprecht Ihr von ihm, als sei er ein König. Ich erinnere mich, daß Moiraine ihn einmal den letzten Herrn der Sieben Türme nannte.

Wer ist er eigentlich?«

Nynaeve betrachtete plötzlich eingehend ihren Pokal, aber für Rand war es ganz offensichtlich, daß sie noch genauer hinhörte als Egwene. Rand blieb stehen und bemühte sich zuzuhören, ohne den Eindruck zu erwecken, daß er sie belausche.

»Herr der Sieben Türme«, sagte Agelmar mit gerunzelter Stirn. »Ein uralter Titel, Lady Egwene. Nicht einmal die Hochlords von Tear führen einen älteren, obwohl die Königin von Andor dem nahekommt.« Er seufzte auf und schüttelte den Kopf. »Er spricht nicht darüber, aber man kennt die Geschichte hier an der Grenze recht gut. Er ist König, oder hätte es sein sollen, al'Lan Mandragoran, Herr der Sieben Türme, Herr der Seen, ungekrönter König von Malkier.« Sein geschorener Kopf war hoch erhoben, und in seinen Augen glänzte etwas wie der Stolz eines Vaters. Seine Stimme wurde kräftiger, erfüllt von der Macht seiner Gefühle. Der ganze Raum konnte mithören, ohne daß sich jemand anstrengen mußte. »Wir aus Schienar nennen uns Grenzleute, aber vor weniger als fünfzig Jahren gehörte Schienar noch nicht zu den Grenzlanden. Nördlich von uns und Arafel lag Malkier. Die Lanzen von Schienar ritten nordwärts, doch es war Malkier, das die Fäule zurückhielt. Malkier, Friede seinem Angedenken und das Licht erleuchte seinen Namen!«

»Lan kommt aus Malkier«, sagte die Seherin sanft und blickte auf. Sie schien beunruhigt.

Es war keine Frage gewesen, aber Agelmar nickte. »Ja, Lady Nynaeve, er ist der Sohn von al'Akir Mandragoran, dem letzten gekrönten König von Malkier. Wie das aus ihm wurde, was er jetzt ist? Am Anfang stand wohl Lain. In einem kühnen Angriff führte Lain Mandragoran, der Bruder des Königs, seine Lanzen durch die Fäule in das Versengte Land, vielleicht sogar bis Shayol Ghul selbst. Lains Frau, Breyan, hatte ihn dazu getrieben, denn in ihrem Herzen brannte der Neid, da al'Akir statt Lain auf den Thron erhoben worden war. Der König und Lain hatten sich so nahegestanden, wie Brüder nur können, nah wie Zwillinge; sogar noch, nachdem Akirs Name das königliche al' dazuerhalten hatte, aber Breyan wurde von Eifersucht geplagt. Lain war ob seiner kühnen Taten ein gefeierter Held, und das zu Recht, aber selbst er konnte den Ruhm al'Akirs nicht übertreffen. Er war, als Mann wie als König, ein Mensch, wie man ihn, wenn überhaupt, nur alle hundert Jahre einmal antrifft. Friede seinem Namen und dem el'Leannas!

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