Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Ihr wollt doch nicht sagen, daß er frei ist!« Der felsengleiche Agelmar schien erschüttert, und Moiraine schüttelte schnell den Kopf.
»Noch nicht. Falls wir am Auge der Welt gewinnen, vielleicht nie mehr.«
»Könnt Ihr denn das Auge überhaupt finden, Aes Sedai? Falls es davon abhängt, ob der Dunkle König aufgehalten werden kann, könnten wir genausogut tot sein. Viele haben es versucht und sind gescheitert.«
»Ich kann es finden, Lord Agelmar. Noch ist die Hoffnung nicht verloren.«
Agelmar betrachtete erst sie und dann die anderen. Er schien mit der Anwesenheit von Nynaeve und Egwene nichts anfangen zu können; ihre Bauernkleidung bildete einen scharfen Kontrast zu Moiraines Seidenkleid, auch wenn alle von der Reise mitgenommen aussahen. »Sind sie auch Aes Sedai?« fragte er zweifelnd. Als Moiraine den Kopf schüttelte, schien er noch verwirrter. Sein Blick überflog die jungen Männer aus Emondsfeld und blieb bei Rand hängen, wobei er kurz das in Rot gehüllte Schwert an seiner Hüfte streifte. »Ihr führt eine eigenartige Leibwache mit Euch, Aes Sedai. Nur ein einziger Kämpfer.« Er musterte Perrin und die Axt, die an seinem Gürtel hing. »Vielleicht zwei. Aber beides kaum mehr als junge Burschen. Laßt mich Euch Männer mitgeben. Hundert Lanzen mehr oder weniger werden am Paß keinen Unterschied machen, aber Ihr werdet mehr als einen Behüter und drei Jungen brauchen. Und zwei Frauen werden keine Hilfe darstellen, außer es wären verkleidete Aiel. Die Fäule ist dieses Jahr noch schlimmer als gewöhnlich. Sie — rührt sich.«
»Hundert Lanzen wären zuviel«, sagte Lan, »und tausend wären nicht genug. Je größer die Gruppe, mit der wir in die Fäule hineinreiten, desto größer wäre die Wahrscheinlichkeit, daß wir Aufmerksamkeit erregen. Wir müssen das Auge möglichst ohne Kampf erreichen.
Ihr wißt, daß das Ergebnis schon vorher feststeht, wenn uns Trollocs in der Fäule den Kampf aufzwingen.«
Agelmar nickte grimmig, aber er weigerte sich, so schnell aufzugeben. »Also, dann eben weniger. Selbst zehn gute Männer würden Eure Aussichten verbessern, Moiraine Sedai und die anderen beiden Frauen zum Grünen Mann zu bringen — bessere Aussichten als nur mit diesen jungen Burschen.«
Rand wurde plötzlich klar, daß der Herr von Fal Dara annahm, es seien die beiden Frauen, die mit Moiraine zusammen gegen den Dunklen König kämpfen würden. Das war ein ganz natürlicher Irrtum. Diese Art von Kampf bedeutete, die Eine Macht einsetzen zu müssen, und das war Frauensache. Diese Art von Kampf bedeutet, daß man die Macht einsetzen muß. Er hakte seine Daumen hinter dem Schwertgürtel ein und packte die Schnalle ganz fest, damit seine Hände nicht zitterten.
»Keine Männer«, sagte Moiraine. Agelmar öffnete den Mund wieder, und sie fuhr fort, bevor er etwas sagen konnte. »Es ist die Natur des Auges und die Natur des Grünen Mannes. Wie viele aus Fal Dara haben den Grünen Mann und das Auge jemals gefunden?«
»Jemals?« Agelmar zuckte die Achseln. »Seit dem Hundertjährigen Krieg könntet Ihr sie an den Fingern einer Hand abzählen. Nicht mehr als einer in fünf Jahren, und das aus allen Grenzlanden zusammengenommen.«
»Keiner findet das Auge der Welt«, sagte Moiraine, »wenn nicht der Grüne Mann will, daß er es findet. Not -das ist der Schlüssel, und natürlich die damit verbundene Absicht. Ich weiß, wohin wir gehen müssen — ich war bereits zuvor dort.« Rands Kopf fuhr überrascht herum, und er war nicht der einzige Emondsfelder, der so reagierte. Doch die Aes Sedai schien es nicht zu bemerken. »Aber wenn nur einer von uns nach Ruhm strebt und seinen Namen diesen vieren hinzufügen will, werden wir es niemals finden, auch wenn ich uns genau zu dem Punkt führe, an den ich mich erinnere.«
»Ihr habt den Grünen Mann gesehen, Moiraine Sedai?« Der Herr von Fal Dara klang beeindruckt, aber im nächsten Augenblick runzelte er die Stirn. »Doch wenn Ihr ihn bereits einmal getroffen habt... «
»Die Not ist der Schlüssel«, sagte Moiraine leise, »und es kann keine größere Not geben als meine. Als unsere. Und ich habe etwas, das diese anderen Suchenden nicht haben.«
Sie wandte den Blick kaum von Agelmars Gesicht ab, und doch war Rand sicher, daß sie ganz kurz Loial angeblickt hatte — nur einen Augenblick lang. Rand sah dem Ogier in die Augen, und Loial zuckte die Achseln.
»Ta'veren«, sagte der Ogier leise.
Agelmar hob enttäuscht die Hände. »Wie Ihr wollt, Aes Sedai. Friede! Aber wenn die wirkliche Schlacht am Auge der Welt geschlagen wird, bin ich in Versuchung, das Banner des Schwarzen Falken dorthin zu bringen und nicht zum Paß. Ich könnte Euch den Weg freikämpfen... «
»Das würde zu einer Katastrophe führen, Lord Agelmar. Sowohl am Tarwin-Paß als auch am Auge. Ihr habt Eure Schlacht, und wir haben unsere zu schlagen.«
»Friede! Wie Ihr wollt, Aes Sedai.«
Nachdem er sich zu diesem Entschluß durchgerungen hatte, auch wenn es ihm schwergefallen war, schien der kahlgeschorene Herr von Fal Dara das Ganze zu vergessen. Er lud sie ein, mit ihm zu speisen, und machte die ganze Zeit über höfliche Konversation über Falken und Pferde und Hunde, erwähnte aber keine Trollocs, keinen Tarwin-Paß und kein Auge der Welt.
Das Zimmer, in dem sie aßen, war genauso kahl und einfach eingerichtet wie Lord Agelmars Arbeitszimmer.
Es gab kaum mehr Möbel als den Tisch und die Stühle. Auch sie waren in strenger Form gehalten. Schön, aber streng. Ein großer Kamin erwärmte den Raum, aber doch nicht so sehr, daß ein plötzlich nach draußen gerufener Mann von der dortigen Kälte betäubt worden wäre. Diener in Livree brachten Suppe und Brot und Käse, und man sprach über Bücher und Musik, bis es Lord Agelmar auffiel, daß die Emondsfelder so schweigsam waren. Wie ein guter Gastgeber fragte er sie ein wenig aus, um sie aus der Reserve zu locken.
Rand wetteiferte bald mit den anderen, von Emondsfeld und den Zwei Flüssen zu erzählen. Es kostete Mühe, nicht zuviel zu sagen. Er hoffte, die anderen würden ebenfalls ihre Zungen hüten, besonders Mat. Nur Nynaeve blieb zurückhaltend und aß und trank schweigend.
»Es gibt ein Lied in den Zwei Flüssen«, sagte Mat, »das heißt ›Rückkehr vom Tarwin-Paß‹.« Er endete zögernd, als werde ihm plötzlich klar, daß er von dem sprach, was sie alle gemieden hatten, doch Agelmar ging elegant darüber hinweg: »Kein Wunder. Nur wenige Länder haben keine Männer ausgesandt, um in all diesen Jahren die Fäule immer wieder zurückzudrängen.«
Rand sah Mat und Perrin an. Mat formte mit den Lippen lautlos das Wort Manetheren.
Agelmar flüsterte mit einem der Diener, und während andere den Tisch abdeckten, verschwand dieser Mann und tauchte bald darauf mit einem Behälter und Tonpfeifen für Lan, Loial und Lord Agelmar auf. »Tabak von den Zwei Flüssen«, sagte der Herr von Fal Dara, als sie ihre Pfeifen stopften. »Hier ist er schwer zu bekommen, aber er ist den Preis wert.«
Als Loial und die beiden älteren Männer zufrieden pafften, sah Agelmar den Ogier an. »Ihr wirkt besorgt, Erbauer. Doch nicht vom Heimweh gepackt, hoffe ich?
Wie lange seid Ihr schon von Eurem Stedding weg?«
»Es ist nicht das Heimweh — so lange bin ich noch nicht weg.« Loial zuckte die Achseln, und bei dieser Geste drehte sich eine blaugraue Rauchwolke aus seiner Pfeife spiralförmig über dem Tisch. »Ich erwartete — hoffte -, der Hain hier würde noch stehen. Wenigstens ein Überbleibsel von Mafal Dadaranell.«
»Kiserai ti Wansho«, murmelte Agelmar. »Die Trolloc-Kriege hinterließen nichts als Erinnerungen, Loial, Sohn des Arent, und Menschen, die darauf aufbauten. Sie konnten die Werke der Erbauer nicht nachmachen, genausowenig wie ich das könnte. Diese ausgefeilten Krümmungen und Muster, die Euer Volk erschuf, können von menschlichen Augen und menschlichen Händen nicht nachgeahmt werden. Vielleicht wollten wir es auch vermeiden, daß uns eine schlechte Imitation immer daran erinnern würde, was wir verloren hatten. Es liegt eine andere Art von Schönheit in der Schlichtheit, in einer einzelnen Linie, die gerade so verläuft, in einer einzelnen Blume zwischen den Felsen. Die Härte des Steins läßt die Blume noch wertvoller erscheinen. Wir versuchen, nicht zu sehr dem Vergangenen nachzutrauern. Unter dieser Belastung würde das stärkste Herz brechen.«