Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Agelmar selbst erhob sich bei ihrem Eintreten und kam um den Tisch herum zu ihnen herüber. Auf dem Tisch lagen Landkarten und Papiere und Federn in Tintenfässern durcheinander. Auf den ersten Blick erschien Agelmar für diesen Raum als zu friedlich — in seinem blauen Samtmantel mit dem hohen, weiten Kragen und den weichen Lederstiefeln -, aber ein zweiter Blick überzeugte Rand vom Gegenteil. Wie bei allen Kriegern, die Rand hier gesehen hatte, war auch Agelmars Kopf bis auf den Haarknoten kahlgeschoren, und sein Haar war von reinstem Weiß. Sein Gesicht wirkte ebenso hart wie das Lans. Die einzigen Falten befanden sich an den Augenwinkeln, und diese Augen blickten drein, als bestünden sie aus braunem Stein, obwohl jetzt ein Lächeln in ihnen lag.
»Friede! Es ist wirklich gut, Euch zu sehen, Dai Shan«, sagte der Herr von Fal Dara. »Und Euch, Moiraine Aes Sedai, vielleicht noch mehr! Eure Gegenwart erwärmt mich, Aes Sedai.«
»Ninte calichniye no domashita, Agelmar Dai Shan«, erwiderte Moiraine förmlich, aber ein Unterton in ihrer Stimme verriet, daß sie alte Freunde waren. »Euer Willkommen erwärmt mich, Lord Agelmar.«
»Kodome calichniye ga ni Aes Sedai hei. Eine Aes Sedai ist hier immer willkommen.« Er wandte sich Loial zu. »Ihr seid fern von Eurem Stedding, Ogier, aber Ihr ehrt Fal Dara mit Eurer Anwesenheit. Ewige Ehre den Erbauern. Kiserai ti Wansho hei.«
»Ich bin unwürdig«, sagte Loial mit einer Verbeugung. »Ihr seid es, der mir Ehre erweist.« Er blickte die kahlen Steinwände an und schien mit sich selbst zu kämpfen. Rand war froh, daß der Ogier es fertigbrachte, sich weitere Kommentare zu verkneifen.
Diener in Schwarz und Gold erschienen auf leisen Sohlen. Einige brachten heiße, feuchte, zusammengefaltete Tücher auf Silbertabletts, mit denen sie sich den Staub von Gesichtern und Händen wischen konnten. Andere trugen Glühwein und Silberschalen mit getrockneten Pflaumen und Aprikosen. Lord Agelmar beauftragte sie, Zimmer vorzubereiten und ihnen Bäder zu richten.
»Eine lange Reise von Tar Valon hierher«, sagte er. »Ihr müßt müde sein.«
»Der Weg, den wir nahmen, war nur kurz«, sagte Lan zu ihm, »doch anstrengender als die lange Reise.«
Agelmar blickte überrascht drein, als Lan nichts hinzufügte, sagte aber lediglich: »Ein paar Tage Ruhe werden Euch alle wieder in einen guten Zustand versetzen.«
»Ich bitte nur um Unterkunft für eine Nacht, Lord Agelmar«, sagte Moiraine, »für uns und unsere Pferde. Und frische Vorräte am Morgen, wenn Ihr sie entbehren könnt. Ich fürchte, wir müssen Euch frühzeitig verlassen.«
Agelmar runzelte die Stirn. »Aber ich dachte... Moiraine Sedai, ich habe kein Recht, das von Euch zu verlangen, aber am Tarwin-Paß wärt Ihr soviel wert wie tausend Krieger. Und Ihr, Dai Shan. Und tausend Männer werden kommen, wenn sie hören, daß der Goldene Kranich wieder fliegt.«
»Die Sieben Türme sind zerstört«, sagte Lan grob, »und Malkier ist tot. Die wenigen Menschen, die noch am Leben sind, sind über die ganze Erde verstreut. Ich bin Behüter, Agelmar, und habe auf die Flamme von Tar Valon geschworen, und ich bin auf dem Weg in die Fäule.«
»Natürlich, Dai — Lan. Natürlich. Aber sicher machen doch ein paar Tage oder höchstens ein paar Wochen Verzögerung nicht viel aus. Ihr werdet gebraucht. Ihr und Moiraine Sedai.«
Moiraine nahm von einem der Diener einen silbernen Pokal entgegen. »Ingtar scheint der Meinung zu sein, daß Ihr diese Bedrohung beseitigen werdet, wie Ihr im Laufe der Jahre schon viele beseitigt habt.«
»Aes Sedai«, meinte Agelmar trocken, »wenn Ingtar allein zum Tarwin-Paß reiten müßte, würde er den ganzen Weg über verkünden, daß die Trollocs erneut zurückgeschlagen würden. Er ist beinahe stolz genug, um zu glauben, daß er es allein schaffen könnte.«
»Diesmal ist er sich nicht so sicher, wie Ihr glaubt, Agelmar.« Der Behüter hielt einen Pokal in der Hand, trank aber nicht. »Wie schlimm sieht es aus?«
Agelmar zögerte und zog eine Landkarte aus dem Durcheinander auf dem Tisch. Einen Moment lang sah er sie an, ohne wirklich zu sehen, was da gezeichnet war, und dann warf er sie zurück. »Wenn wir zum Paß reiten«, sagte er ruhig, »dann werden die Menschen in den Süden nach Fal Moran geschickt. Vielleicht können wir die Hauptstadt halten. Friede, sie muß einfach. Etwas muß gehalten werden.«
»So schlimm?« fragte Lan, und Agelmar nickte müde.
Rand tauschte besorgte Blicke mit Mat und Perrin. Es war nicht schwer, sich einzureden, daß die Trollocs in der Fäule hinter ihm her waren — hinter ihnen. Agelmar fuhr ernst fort: »Kandor, Arafel, Saldaea — die Trollocs haben sie alle den ganzen Winter hindurch ständig überfallen. So etwas ist seit den Trolloc-Kriegen nicht mehr vorgekommen; die Überfälle wurden noch nie so brutal, mit so vielen Kriegern und derart hartnäckig durchgeführt. Jeder König und jede Ratsversammlung ist überzeugt, daß ein großer Angriff aus der Fäule heraus kommen wird, und jedes der Grenzlande glaubt, er werde ihm gelten. Keiner ihrer Kundschafter und keiner der Behüter berichtet über solche Massierungen von Trollocs wie hier, aber sie glauben es eben, und jeder hat zuviel Angst, um Kämpfer irgendwo anders hin zu entsenden. Die Leute flüstern sich zu, daß das Ende der Welt nahe und der Dunkle König wieder frei sei. Schienar reitet allein zum Tarwin-Paß, und sie werden uns zahlenmäßig mindestens zehn zu eins überlegen sein. Mindestens. Es könnte die letzte Musterung der Lanzenträger werden.
Lan — nein! — Dai Shan, denn was immer Ihr auch sagt, Ihr seid ein mit dem Diadem gekrönter Kriegsherr von Malkier. Dai Shan, das Banner des Goldenen Kranichs in der Vorhut würde die Männer ermutigen, die wissen, daß sie nach Norden reiten, um zu sterben. Die Nachricht wird sich wie ein Lauffeuer ausbreiten, und obwohl ihre Könige ihnen befohlen haben, zu bleiben, wo sie sind, werden aus Arafel und Kandor und sogar aus Saldaea Soldaten kommen. Auch wenn sie zu spät kämen, um uns auf dem Paß zu helfen, könnten sie doch Schienar retten.«
Lan starrte in seinen Wein. Sein Gesichtsausdruck änderte sich nicht, aber Wein lief ihm über die Hand; der silberne Pokal wurde von seinem Griff zerdrückt. Ein Diener nahm ihm das zerstörte Gefäß ab und wischte die Hand des Behüters mit einem Tuch ab; ein zweiter drückte ihm einen neuen Pokal in die Hand, während der andere weggeschafft wurde. Lan schien es nicht zu bemerken. »Ich kann nicht!« flüsterte er heiser. Als er den Kopf hob, brannte eine wilde Flamme in seinen blauen Augen, doch seine Stimme klang wieder ruhig und teilnahmslos. »Ich bin Behüter, Agelmar.« Sein scharfer Blick strich über Rand und Mat und Perrin hinüber zu Moiraine. »Beim ersten Tageslicht reite ich zur Großen Fäule.«
Agelmar seufzte tief. »Moiraine Sedai, wollt Ihr nicht wenigstens kommen? Eine Aes Sedai könnte den Kampf entscheiden.«
»Ich kann nicht, Lord Agelmar.« Moiraine wirkte verstört. »Es muß wirklich eine Schlacht geschlagen werden, und es ist kein Zufall, daß sich die Trollocs in der Nähe von Schienar sammeln, doch unsere Schlacht, die wirkliche Schlacht mit dem Dunklen König, wird in der Fäule stattfinden, am Auge der Welt. Ihr müßt Eure Schlacht bestehen, und wir die unsere.«