Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Sie winkten und jubelten ihnen zu.
»Dai Shan!« rief einer und schüttelte seine in stahlbewehrten Handschuhen steckenden Fäuste über seinem Kopf, als sie vorüberritten. »Dai Shan!«
Einige unter den anderen schrien: »Ehre den Erbauern!« und »Kiserai ti Wansho!« Loial blickte überrascht drein, und dann grinste er über das ganze Gesicht und winkte den Wächtern zu.
Ein Mann rannte ein kurzes Stück neben Lans Pferd einher, als hindere ihn die Rüstung dabei überhaupt nicht. »Wird der Goldene Kranich wieder fliegen, Dai Shan?«
»Friede, Ragan«, war alles, was der Behüter darauf sagte, und der Mann blieb zurück. Er erwiderte das Winken der Wächter, doch sein Gesicht wirkte noch ernster als vorher.
Als sie durch gepflasterte Straßen ritten, die mit Menschen und Wagen angefüllt waren, blickte Rand sorgenvoll drein. Fal Dara platzte aus allen Nähten, doch diese Menschen glichen weder den neugierigen Menschenmassen von Caemlyn, die in der Drängelei noch die Pracht der Stadt bewundern konnten, noch den wimmelnden Menschenmengen Baerlons. Dicht gedrängt beobachteten diese Leute ihre vorbeireitende Gruppe mit bleischweren Blicken und ausdruckslosen Mienen. Karren und Wagen verstopften jede Gasse und die Hälfte der Straßen. Auf sie hatte man Möbel und andere Haushaltsutensilien und beschnitzte Truhen so hoch aufgestapelt, daß die Kleidung herausquoll. Obendrauf saßen die Kinder. Die Erwachsenen sorgten dafür, daß die Kleinen oben blieben, wo man sie sehen konnte, und sie ließen sie nicht einmal zum Spielen runter. Die Kinder waren noch stiller als die Erwachsenen, ihre Augen größer. Der Ausdruck ihrer Augen verfolgte Rand. Die Lücken und Durchgänge zwischen den Wagen waren mit zotteligen Rindern und schwarzgefleckten Schweinen in provisorischen Gehegen angefüllt. Käfige mit Hühnern und Enten und Gänsen sorgten in unregelmäßigen Abständen dafür, daß trotz des Schweigens der Menschen Lärm herrschte. Jetzt wußte er, wohin all die Bauern gegangen waren.
Lan führte sie zu der Festung in der Mitte der Stadt, einem wuchtigen Steinklotz auf dem höchsten Hügel. Ein trockener, tiefer und breiter Burggraben zog sich um die Festungsmauer mit ihren vielen Türmen. Im Boden des Burggrabens steckte ein mannshoher Wald von scharfen Stahldornen mit Spitzen wie Rasiermesser. Ein letzter Zufluchtsort, wenn der Rest der Stadt gefallen war. Von einem der Tortürme rief ein Mann in Rüstung herunter: »Willkommen, Dai Shan!« Ein anderer rief ins Innere der Festung hinein: »Der Goldene Kranich! Der Goldene Kranich!«
Die Hufe polterten auf den schweren Holzbohlen der heruntergelassenen Zugbrücke, als sie den Graben überquerten und unter den scharfen Spitzen der mächtigen Fallgitter hindurchritten. Als sie aus dem Torbau herauskamen, schwang sich Lan aus dem Sattel und führte Mandarb weiter. Er gab den anderen ein Zeichen, ebenfalls abzusteigen.
Der erste Innenhof war ein riesiger quadratischer Platz, mit großen Steinplatten gepflastert und von so wehrhaften Türmen und Zinnen umrahmt, daß sie denen draußen nicht nachstanden. So groß diese Fläche war, so erschien der Innenhof doch genauso überfüllt wie die Straßen der Stadt, und es herrschte die gleiche Betriebsamkeit. Doch hier war eine gewisse Ordnung spürbar. Überall sah man gerüstete Männer und Pferde in Kampfausrüstung. In einem halben Dutzend Schmieden rund um den Innenhof dröhnten die Hämmer, und große, jeweils von zwei Männern in Lederschürzen bediente Blasebälge ließen die Schmiedefeuer aufprasseln. Ein stetiger Strom von Jungen rannte dazwischen herum und brachte den Hufschmieden neue Hufeisen. Pfeilmacher waren fleißig am Werk, und jedesmal, wenn ein Korb voll war, wurde er sofort weggerissen und ein leerer hingestellt.
Uniformierte Lakaien in Schwarz und Gold erschienen, eifrig und lächelnd. Rand band schnell seine Besitztümer hinter dem Sattel los und übergab den Braunen einem der Lakaien. In dem Moment verbeugte sich ein ledergekleideter Mann mit einem Schuppenpanzer höflich vor ihnen. Über seiner Rüstung trug er einen hellgelben Umhang mit rotem Besatz. Auf der Brust prangten der Schwarze Falke und ein abgebildeter gelber Wappenrock mit einer grauen Eule darauf. Er trug keinen Helm, und sein Kopf war wahrhaftig kahl, denn er hatte sich die Haare abgeschoren bis auf einen Knoten obenauf, der mit einer Lederschnur zusammengebunden war. »Es ist lange her, Moiraine Aes Sedai. Es ist gut, Euch zu sehen, Dai Shan. Sehr gut.« Er verbeugte sich erneut, diesmal vor Loial, und murmelte: »Ehre den Erbauern. Kiserai ti Wansho.«
»Ich bin unwürdig«, erwiderte Loial dem Protokoll entsprechend, »und die Arbeit gering. Tsingu ma choba.«
»Ihr ehrt uns, Erbauer«, sagte der Mann. »Kiserai ti Wansho.« Er wandte sich wieder Lan zu. »Lord Agelmar wurde von Eurem Kommen benachrichtigt, Dai Shan, sobald man Euch sah. Er erwartet Euch. Hier entlang, bitte.«
Während sie ihm in die Festung hinein folgten und durch zugige Korridore mit bunten Wandbehängen und langen Seidenvorhängen gingen, die Jagd- und Schlachtenszenen zeigten, fuhr er fort: »Ich bin froh, daß Euch unsere Botschaft erreichte, Dai Shan. Werdet Ihr das Banner des Goldenen Kranichs noch einmal enthüllen?« Die Säle waren bis auf die Wandbehänge leer, und selbst auf diesen hatte man nur so wenige Figuren und so wenige Linien wie möglich verwendet, um die Bedeutung gerade noch klar werden zu lassen — aber alles in bunten Farben.
»Steht es wirklich so schlecht, wie es aussieht, Ingtar?« fragte Lan ruhig. Rand fragte sich, ob seine Ohren auch so zuckten wie die Loials.
Der Haarknoten des Mannes schwankte, als er den Kopf schüttelte, aber er zögerte, bevor er schließlich doch grinste. »Die Lage ist niemals so schlimm, wie es aussieht, Dai Shan. In diesem Jahr stehen die Dinge ein wenig schlimmer als gewöhnlich, das ist alles. Die Überfälle setzten sich den ganzen Winter hindurch fort, selbst in den kältesten Perioden. Aber sie waren nicht schlimmer als sonst irgendwo an den Grenzen. Sie kommen immer noch in den Nächten, aber was könnte man auch sonst im Frühling erwarten, falls man das Frühling nennen kann? Kundschafter kehren aus der Fäule zurück — diejenigen, die es zurück schaffen — und bringen Berichte über Trolloc-Lager mit. Immer neue Berichte über immer neue Lager. Aber wir werden am Tarwin-Paß auf sie warten, Dai Shan, und sie zurückschlagen, wie wir das immer getan haben.«
»Natürlich«, sagte Lan, aber es klang nicht überzeugend.
Ingtars Grinsen versagte, er riß sich aber gleich wieder zusammen. Schweigend führte er sie in Lord Agelmars Arbeitszimmer, und dann erklärte er, ihn riefen dringende Pflichten, und er entfernte sich.
Der Raum war genauso zweckmäßig angelegt wie der ganze Rest der Festung: Schießscharten in der Außenwand und ein schwerer Riegel für die dicke Tür, die ihre eigenen Schießscharten aufwies und mit Eisenbändern verstärkt war. Hier gab es nur einen einzigen Wandbehang. Er bedeckte eine ganze Wand und zeigte Männer, im Zeichenstil gerüstet wie die von Fal Dara, die auf einer Paßhöhe gegen Myrddraal und Trollocs kämpften.
Ein Tisch, eine Truhe und ein paar Stühle waren die einzigen Möbelstücke, abgesehen von zwei Halterungen an der Wand, und die zogen Rands Blicke genauso stark an wie der Wandbehang. An der einen hingen ein Zweihandschwert, größer als ein Mann, ein normaleres Breitschwert und darunter ein Morgenstern und ein langer, drachenförmiger Schild, auf dem drei Füchse abgebildet waren. An der anderen hing eine vollständige Rüstung ganz so, wie man sie sonst trug. Ein Helm mit Helmbusch und heruntergeklapptem Visier über einem mit zwei Schichten von Metallschuppen versehenen Halsschutz. Ein Kettenhemd mit Schlitzen zum Reiten und ein ledernes Wams, das vom vielen Tragen abgewetzt glänzte. Brustpanzer, Handschuhe mit aufgenähten Stahlstücken, Knie- und Ellenbogenkappen und offene Panzerplatten für Schultern, Arme und Beine. Selbst hier im Herzen der Festung schienen Waffen und Rüstungen bereitzustehen, um jeden Moment angelegt werden zu können. Wie die Möbel waren auch sie schlicht und würdig mit Gold verziert.