Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Er zog seinen Umhang enger um sich. Sein Blick ruhte auf dem matten Glänzen des Wegetores. Neben ihm beugte sich Lan im Sattel vor, eine Hand am Schwert. Mann und Pferd waren angespannt, als rechneten sie damit, zurückreiten zu müssen, falls Moiraine nicht auftauchte.
Das Wegetor stand in einer Geröllhalde am Fuß eines Hügels, von Büschen verdeckt, außer an den Stellen, wo die fallenden Steinbrocken die kahlen, braunen Äste abgebrochen hatten. Neben den Verzierungen auf den Überresten des Tores wirkte das Unterholz lebloser als der Stein.
Langsam beulte sich die rauchige Oberfläche aus, als steige eine eigenartige, lange Blase in einem Teich hoch. Moiraines Rücken brach durch die Blase. Zeitlupenhaft traten die Aes Sedai und ihr Spiegelbild getrennt hervor. Sie hielt immer noch ihren Stab vor sich gestreckt und ließ ihn auch dort, als sie Aldieb hinter sich aus dem Wegetor zog. Die weiße Stute tänzelte mit angstvoll verdrehten Augen. Moiraine zog sich zurück, beobachtete aber immer weiter das Tor.
Das Wegetor verdunkelte sich. Das verschwommene Schimmern wurde trüber, wandelte sich von Grau zu Anthrazit und dann zu einem so tiefen Schwarz wie im Herzen der Wege. Wie aus großer Entfernung heulte der Wind zu ihnen herüber, versteckte Stimmen, von einer unstillbaren Gier nach lebendigen Dingen erfüllt, einer Gier nach Schmerz, doch voller Enttäuschung.
Die Stimmen schienen Rand direkt in die Ohren zu flüstern, am Rande der Verständlichkeit und sogar innerhalb des Verständlichen. So feines Fleisch, so fein zu zerfetzen, die Haut zu schlitzen; Haut zum Abziehen, zum Flechten, so schön, die Streifen zu flechten, so schön, so rot sind die fallenden Tropfen; so rot das Blut, so rot, so süß; süße Schreie, singende Schreie, schrei dein Lied, sing deine Schreie...
Das Flüstern verflog, die Schwärze lichtete sich, verblaßte, und das Wegetor war wieder ein verschwommenes Schimmern, das man durch einen verzierten Steinbogen hindurch sah.
Rand atmete lang und bebend aus. Er war nicht der einzige, der so aufatmete — er hörte das auch von anderen. Egwene hatte Bela neben Nynaeves Pferd treten lassen, und die beiden Frauen hatten sich in die Arme genommen und jeweils den Kopf an die Schulter der anderen gelehnt. Selbst Lan wirkte erleichtert, obwohl sein kantiges Gesicht nichts aussagte. Es lag mehr an der Art, wie er auf Mandarb saß; seine Schulterpartie wirkte entspannter, als er Moiraine ansah, der Kopf war etwas geneigt.
»Er konnte nicht durchkommen«, sagte Moiraine. »Ich dachte es mir und hoffte darauf. Pffffff!« Sie warf ihren Stab zu Boden und wischte sich die Hände an ihrem Umhang ab. Mehr als die Hälfte der Länge des Stabes war von dickem, schwarzem Ruß bedeckt. »Das Mal des Dunklen Königs verdirbt alles an jenem Ort.«
»Was war das?« wollte Nynaeve wissen.
Loial schien verwirrt. »Na, Machin Shin natürlich. Der Schwarze Wind, der die Seelen stiehlt.«
»Aber was ist das?« bohrte Nynaeve weiter. »Selbst bei einem Trolloc ist es doch so, daß man ihn anschauen kann und sogar berühren, wenn man keinen schwachen Magen hat. Aber das...« Sie zitterte krampfartig.
»Vielleicht etwas, das aus der Zeit des Wahns übriggeblieben ist«, antwortete Moiraine. »Oder sogar vom Schattenkrieg her, dem Krieg um die Macht. Etwas, das sich schon so lange in den Kurzen Wegen versteckt gehalten hat, daß es nicht mehr herauskann. Niemand, nicht einmal unter den Ogiern, weiß, wie weit oder wie tief die Wege wirklich führen. Es könnte sogar ein Teil der Wege selbst sein. Wie Loial schon sagte, sind die Wege lebendige Wesen, und alles, was lebt, hat auch Parasiten. Vielleicht sogar eine Kreatur der Verderbnis, etwas, das aus dem Verfall geboren wurde. Etwas, das Leben und Licht haßt.«
»Halt!« rief Egwene. »Ich will nichts mehr hören! Ich konnte hören, wie es sagte... « Sie brach zitternd ab.
»Es gibt noch Schlimmeres, dem wir die Stirn bieten müssen«, sagte Moiraine sanft. Rand glaubte nicht, daß diese Bemerkung für ihre Ohren bestimmt gewesen war.
Die Aes Sedai kletterte erschöpft in ihren Sattel zurück und setzte sich mit einem dankbaren Seufzer zurecht. »Das ist gefährlich«, sagte sie und blickte zu dem zerschmetterten Tor hinüber. Ihrem verkohlten Stab widmete sie nur einen kurzen Blick. »Das Wesen kann nicht hinaus, aber irgend jemand könnte hineingeraten. Agelmar muß Männer ausschicken, die es einmauern, sobald wir Fal Dara erreichen.« Sie deutete nach Norden, wo sich in dunstverhüllter Entfernung über den kahlen Baumwipfeln Türme erhoben.
46
Fal Dara
Das Umland des Wegetores bestand aus bewaldeten Hügeln, aber von dem Tor selbst abgesehen gab es kein Anzeichen für einen Ogier-Hain. Die meisten Bäume wirkten wie graue Skelette, die in den Himmel griffen. Es waren weniger Nadelbäume zu sehen, als Rand das gewohnt war, und auch sie wiesen zum Teil nur tote, braune Nadeln auf. Loial sagte nichts dazu. Er schüttelte lediglich traurig den Kopf.
»Ebenso tot wie das Versengte Land«, sagte Nynaeve mit gerunzelter Stirn. Egwene zog den Umhang um sich zusammen und schauderte.
»Zumindest sind wir draußen«, sagte Perrin, und Mat fügte hinzu: »Aber wo draußen?«
»In Schienar«, sagte Lan. »Wir sind in den Grenzlanden.« In seiner harten Stimme schwang etwas mit, das ihnen sagte: beinahe zu Hause.
Rand raffte seinen Umhang um seine Schultern, weil es so kalt war. Die Grenzlande. Dann war auch die Fäule nah. Die Große Fäule. Das Auge der Welt. Und das, was sie dort tun mußten.
»Wir sind in der Nähe von Fal Dara«, sagte Moiraine. »Es ist nur ein paar Meilen entfernt.« Über den Baumwipfeln im Norden und im Osten erhoben sich Türme. Sie hoben sich dunkel vom Vormittagshimmel ab. Als sie über die Hügel und durch die Wälder ritten, verschwanden die Türme oftmals aus ihrer Sicht, tauchten aber wieder auf, wenn sie eine besonders hohe Erhebung überschritten.
Rand bemerkte Bäume, die wie vom Blitz gespalten schienen. »Es ist die Kälte«, antwortete Lan, als er ihn danach fragte. »Manchmal ist der Winter hier so kalt, daß der Saft der Bäume gefriert und die Baumstämme bersten. Es gibt Nächte, da kannst du sie wie Feuerwerk krachen hören, und die Luft ist dann so beißend, daß du glaubst, sie könne ebenfalls zerspringen. Im vergangenen Winter war das noch häufiger als sonst der Fall.«
Rand schüttelte den Kopf. Berstende Bäume? Und das in einem normalen Winter! Wie mußte es dann erst in diesem Winter ausgesehen haben? Für ihn unvorstellbar.
»Wer behauptet, daß der Winter vorbei sei?« fragte Mat mit klappernden Zähnen.
»Aber das hier ist doch ein schöner Frühling, Schafhirte«, sagte Lan. »Ein schöner Frühling, in dem man sich so richtig lebendig fühlt. Aber wenn dir Wärme lieber ist, na ja, in der Fäule ist es schon warm.«
Leise murmelte Mat: »Blut und Asche. Blut und blutige Asche!« Rand konnte ihn kaum verstehen, aber es klang, als komme es von Herzen.
Ihr Weg führte sie an Bauernhöfen vorbei, aber obwohl es Mittagessenszeit war, stieg kein Rauch aus den hohen gemauerten Schornsteinen. Auf den Feldern sah man weder Mensch noch Tier — nur manchmal stand ein verlassener Pflug oder Karren da, als könne der Eigentümer jede Minute zurückkommen.
Auf einem nahegelegenen Hof scharrte eine einsame Henne nach Futter. Ein Türflügel der Scheune wurde vom Wind hin und her gezerrt, der andere war am unteren Scharnier abgebrochen und hing schief. Das hohe Haus, das den Zwei-Flüsse-Augen Rands mit seinem spitzgiebligen, mit großen Holzschindeln gedeckten und beinahe bis zum Boden reichenden Dach eigenartig vorkam, lag still da. Kein Hund kam heraus, um sie anzukläffen. Mitten im Hühnerhof lag eine Sense. Neben dem Brunnen lagen umgeworfene Eimer.