Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Es wäre gut, wieder Wind zu spüren, selbst wenn er kalt ist.
Plötzlich riß er die Augen auf. »Loial, hast du nicht gesagt, in den Wegen gebe es keinen Wind?«
Loial brachte sein Pferd kurz vor der nächsten Insel zum Stehen und neigte den Kopf, um zu lauschen. Langsam wich die Farbe aus seinem Gesicht, und er leckte sich die Lippen. »Machin Shin«, flüsterte er heiser. »Der Schwarze Wind. Das Licht leuchte und beschütze uns. Es ist der Schwarze Wind.«
»Wie viele Brücken noch?« fragte Moiraine in scharfem Ton. »Loial, wie viele Brücken sind es noch?«
»Zwei. Ich glaube, zwei.«
»Also, dann schnell«, sagte sie und ließ Aldieb auf die Insel traben. »Findet schnell den Weg!«
Loial führte ein Selbstgespräch, oder er redete mit dem, der eben gerade zuhörte, während er die Schrift auf dem Wegweiser las. »Sie kamen wahnsinnig heraus und schrien etwas von Machin Shin. Licht, hilf uns! Selbst die von den Aes Sedai geheilten... « Hastig überflog er die Schrift im Stein und galoppierte los, auf die erwählte Brücke zu, wobei er rief: »Hier entlang!«
Diesmal wartete Moiraine nicht, um sich erst zu orientieren. Sie ließ sie hinterhergaloppieren. Die Brücke erzitterte unter den Hufen ihrer Pferde, und die Laternen schwankten wild an ihren Stangen. Loial überflog gehetzt die Schrift an der nächsten Säule und riß wie ein Rennreiter sein großes Reittier herum, bevor es überhaupt noch richtig zum Stehen gekommen war. Das Geräusch des Windes hinter ihnen wurde lauter. Rand konnte es über den Lärm der Hufschläge auf dem Steinboden hinweg hören. Und die Windstöße kamen naher.
Sie kümmerten sich nicht um den letzten Wegweiser. Sobald im Laternenschein die davon ausgehende weiße Linie sichtbar wurde, bogen sie im Galopp in diese Richtung ein. Die Insel verschwand hinter ihnen, und es gab nur noch den zerklüfteten, grauen Steinboden unter ihren Füßen sowie die weiße Linie. Rand atmete so schwer, daß er sich nicht mehr sicher war, ob er den Wind noch hörte.
In der Dunkelheit vor ihnen tauchte das Tor auf; mit Ranken verziert stand es einsam in der Schwärze wie ein winziges Stück Mauer in der Nacht. Moiraine beugte sich aus dem Sattel und streckte die Hand nach den Verzierungen aus. Plötzlich fuhr sie zurück. »Das Avendesora-Blatt ist nicht da!« sagte sie. »Der Schlüssel ist weg!«
»Licht!« schrie Mat. »Verdammtes Licht!« Loial warf den Kopf in den Nacken und stieß einen traurigen Laut aus, ähnlich einem Todesschrei.
Egwene berührte Rand am Arm. Ihre Lippen zitterten, aber sie sah ihn nur an. Er legte seine Hand auf die ihre und hoffte, daß er nicht noch ängstlicher dreinblickte als sie. Er fühlte es. Hinter dem Wegweiser heulte der Wind. Er bildete sich fast ein, er könne darin Stimmen unterscheiden, Stimmen, die unsagbar Furchtbares riefen, das ihm — wenn er es auch nur halb verstand -Magenkrämpfe bereitete.
Moiraine hob ihren Stab, und von seinem Ende stach eine Flamme hervor. Es war nicht die reine, weiße Flamme, an die sich Rand von Emondsfeld und von dem Kampf vor Shadar Logoth her erinnerte. Das Feuer war von krankhaftem Gelb und langsam hindurchtreibenden schwarzen Flecken durchsetzt, die wie Rußflocken wirkten. Dünner, säuerlich riechender Rauch erhob sich von der Flamme, ließ Loial husten und die Pferde nervös tänzeln, aber Moiraine richtete die Flamme auf das Tor. Der Rauch biß in Rands Kehle und brannte in ihm in der Nase.
Stein schmolz wie Butter. Blatt und Ranke verschmorten in der Flamme und verschwanden. Die Aes Sedai führte die Flamme, so schnell sie nur konnte, aber eine Öffnung hineinzuschneiden, die groß genug war, daß alle hindurchkommen konnten, war keine schnell zu lösende Aufgabe. Rand schien es, als kröche die Schnittlinie geschmolzenen Steins im Schneckentempo vorwärts. Sein Umhang flatterte, als sei er von einer leichten Brise erfaßt worden, und sein Herz erstarrte.
»Ich kann ihn fühlen«, sagte Mat mit bebender Stimme. »Licht, ich kann ihn verdammt noch mal fühlen!«
Die Flamme erlosch, und Moiraine senkte ihren Stab. »Geschafft«, sagte sie. »Zur Hälfte jedenfalls.«
Eine dünne Schnittlinie zog sich über die verzierte Steinplatte. Rand bildete sich ein, er könne Licht — düster, aber doch eben Licht — durch den Spalt sehen. Aber trotz des Schnittes standen die beiden großen, geschwungenen Steinbögen immer noch fest da. Die Öffnung würde groß genug sein, daß jeder durchreiten konnte — nur Loial mußte sich wohl platt auf sein Pferd legen. Wenn die beiden Steinpfeiler weg waren, würde es passen. Er fragte sich, wieviel sie wohl wiegen mochten. Tausend Pfund? Vielleicht müssen wir uns alle bücken und schieben. Vielleicht können wir einen der beiden wegbekommen, bevor der Wind da ist. Ein Windstoß zerrte an seinem Umhang. Er bemühte sich, nicht zuzuhören, was die Stimmen schrien.
Als Moiraine zurücktrat, sprang Mandarb nach vorn, geradewegs auf das Tor zu. Lan duckte sich im Sattel. Im letzten Moment drehte sich das Streitroß zur Seite und prallte mit der Schulter gegen den Stein, so wie es gelernt hatte, im Kampf andere Pferde zu rammen. Mit einem Krachen kippte der Stein nach außen, und der Behüter und sein Pferd wurden von ihrem Schwung durch das rauchige Schimmern eines Wegetores getragen. Das Licht, das von außen hereinfiel, war der blasse, dünne Lichtschein eines trüben Vormittags, aber Rand schien es, als brenne ihm die Mittagssommersonne ins Gesicht.
Auf der anderen Seite des Tors verlangsamten sich die Bewegungen von Lan und Mandarb. Sie kamen ins Wanken, als der Behüter sein Pferd in Richtung auf das Tor herumriß. Rand wartete nicht. Er schob Belas Kopf in Richtung auf die Öffnung und klatschte der ewig zerzausten Stute auffordernd auf die Kruppe. Egwene hatte gerade noch genug Zeit, um sich überrascht nach ihm umzuschauen, dann trug Bela sie aus den Kurzen Wegen heraus.
»Ihr alle — raus!« befahl Moiraine. »Schnell! Reitet!«
Beim Sprechen erhob die Aes Sedai ihren Stab und hielt ihn mit ausgestrecktem Arm von sich. Sie zeigte damit zurück zu dem Wegweiser. Etwas fuhr aus dem Ende des Stabs — wie flüssiges Licht, zu zähflüssigem Feuer verwandelt -, ein leuchtender, weißer, roter und gelber Speer, der in die Schwärze hineinzuckte, explodierte, wie zerschmetterte Diamanten in tausend Kristallen funkelte. Der Wind kreischte in Todesangst und schrie vor Wut. Die tausend verschiedenen Stimmen, die sich im Wind verbargen, brüllten donnernd auf. Es war das Brüllen Wahnsinniger. Halb hörbare Stimmen lachten gackernd und heulten Versprechen, bei denen Rand schwindelte, sowohl der Freude wegen, die darin lag, als auch der Dinge wegen, die er beinahe verstand.
Er ließ den Braunen die Stiefel spüren und drängte sich hinter den anderen in die Öffnung. Alle zwängten sich gleichzeitig durch das rauchige Schimmern. Wieder durchlief ihn der eisige Schauer, das eigenartige Gefühl, langsam mit dem Gesicht nach unten in einen winterlichkalten Teich gelegt zu werden. Das kalte Wasser kroch Stückchen für Stückchen an seiner Haut hoch. Wie zuvor schien es ewig so weiterzugehen, während sein Verstand raste. Er fragte sich, ob der Wind sie wohl einholen könne, während sie so festgehalten wurden.
So plötzlich wie eine Blase platzte, verschwand die Kälte, und er war draußen. Sein Pferd bewegte sich einen Moment lang zweimal so schnell wie vorher, stolperte, und er flog beinahe über seinen Kopf nach vorn weg. Er warf dem Braunen beide Arme um den Hals und klammerte sich verzweifelt an ihn. Während er sich dann wieder richtig in den Sattel zog, schüttelte der Braune sich und trabte so gelassen, als sei gar nichts Besonderes geschehen, zu den anderen hinüber. Es war kalt — nicht die beißende Kälte des Wegetores, sondern eine willkommene, natürliche Winterkälte, die ihnen langsam, aber stetig in die Knochen zog.