Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
»Was hast du für ein Gefühl, Lan?« fragte Moiraine. »Ist es etwas, das dem Dunklen König dient?«
Der Behüter schüttelte bedächtig den Kopf. »Ich weiß es nicht«, sagte er, als überrasche ihn diese Tatsache. »Ich kann es nicht sagen. Vielleicht liegt es an den Wegen und an dem verderblichen Einfluß. Alles ist irgendwie falsch.
Aber wer es auch sein mag oder was — es versucht nicht, uns einzuholen. Beinahe hätte er uns an der letzten Brücke eingeholt, und dann ist er über die Brücke zurückgehetzt, um das zu vermeiden. Allerdings könnte ich ihn vielleicht überraschen, wenn ich zurückbliebe, und sehen, wer oder was er ist.«
»Wenn du zurückbleibst, Behüter«, sagte Loial mit fester Stimme, »dann wirst du den Rest deines Lebens in den Kurzen Wegen verbringen. Selbst wenn du die Ogierschrift lesen kannst, habe ich doch noch nie von einem Menschen gehört oder gelesen, der sich auch nur von der ersten Insel aus ohne einen Ogierführer zurechtgefunden hätte. Kannst du die Ogierschrift lesen?«
Lan schüttelte erneut den Kopf, und Moiraine sagte: »Solange er uns nicht belästigt, solange tun wir ihm auch nichts. Wir haben keine Zeit. Keine Zeit.«
Als sie von der Brücke auf die nächste Insel ritten, sagte Loiaclass="underline" »Wenn ich mich richtig an den letzten Wegweiser erinnere, gibt es von hier aus einen direkten Weg nach Tar Valon. Höchstens einen Halbtagesritt weit. Nicht so lang, wie wir nach Mafal Dadaranell brauchen werden. Ich bin sicher, daß... «
Er brach ab, als der Schein ihrer Laternen den Wegweiser erreichte. Nahe der Spitze der Platte schnitten tief eingemeißelte Linien scharfe und eckige Wunden in den Stein. Plötzlich trat Lans Wachsamkeit klar zutage. Er hielt sich entspannt aufgerichtet im Sattel, aber Rand hatte plötzlich den Eindruck, daß der Behüter alles um sie herum fühlen könne, ja, sogar fühlte, wie sie atmeten. Lan lenkte seinen Hengst um den Wegweiser herum und ritt dann in Spirallinien weiter nach draußen. Er ritt, als sei er auf einen Angriff vorbereitet oder darauf, selbst angreifen zu müssen.
»Das erklärt viel«, sagte Moiraine leise, »und es ängstigt mich. So viel! Ich hätte es wissen müssen. Die Verderbnis, der Verfall. Ich hätte es wissen müssen.«
»Was wissen?« fragte Nynaeve im gleichen Moment, als Loial fragte: »Was denn? Wer hat das gemacht? Ich habe niemals etwas Ähnliches gesehen oder davon gehört.«
Die Aes Sedai blickte sie ruhig an. »Trollocs.« Sie mißachtete ihr ängstliches Nach-Luft-Schnappen. »Oder Blasse. Das hier sind Trolloc-Runen. Die Trollocs haben herausgefunden, wie man die Kurzen Wege betritt. So müssen sie unentdeckt auch die Zwei Flüsse erreicht haben; durch das Wegetor in Manetheren. Es gibt in der Fäule auch zumindest ein Wegetor.« Sie blickte zu Lan hinüber, bevor sie fortfuhr. Der Behüter war weit genug entfernt, daß man nur noch den schwachen Schein seiner Laterne sehen konnte. »Manetheren wurde zerstört, aber es gibt fast nichts, was ein Wegetor zerstören könnte. Auf diese Weise konnten die Blassen eine kleine Armee in die Umgebung von Caemlyn bringen, ohne in jeder Nation zwischen der Fäule und Andor einen Alarm auszulösen.« Sie schwieg und berührte in Gedanken ihre Lippen. »Aber sie kennen bestimmt noch nicht alle Wege, sonst wären sie durch das gleiche Tor nach Caemlyn hineingestürmt, das wir benützten. Ja.«
Rand schauderte. Durch ein Wegetor gehen, und dann warteten Trollocs in der Dunkelheit — Hunderte davon, vielleicht Tausende, hybride Giganten mit halb tierischen Fratzen, die sie anfauchten, wenn sie aus der Schwärze sprangen, um zu töten. Oder noch Schlimmeres taten.
»Es fällt ihnen nicht leicht, die Kurzen Wege zu benützen«, rief Lan ihnen zu. Seine Laterne befand sich nicht mehr als zwanzig Spannen weit entfernt, aber ihr Lichtschein war nur wie ein verfilzter, trüber Ball, der jenen am Wegweiser sehr weit entfernt schien. Moiraine führte sie zu ihm hin. Rand wünschte, sein Magen sei leer, als er sah, was der Behüter gefunden hatte.
Am Fuß einer der Brücken erhoben sich die erstarrten Körper von Trollocs, die in dem Moment eingefangen waren, als sie mit Hakenäxten und Sichelschwertern um sich schlugen. Grau und rissig wie der Stein selbst, waren die riesigen Körper halb in die geschwollene, blasendurchsetzte Oberfläche eingesunken. Einige der Blasen waren geplatzt, und darin sah man weitere Gesichter mit Tierschnauzen, die in ewiger Furcht fauchten. Rand hörte, wie jemand hinter ihm würgte, und er mußte ganz schön schlucken, um es demjenigen nicht gleichzutun. Selbst für Trollocs war das ein fürchterlicher Tod gewesen.
Wenige Fuß hinter den Trollocs war die Brücke zu Ende. Die Wegweisersäule war in tausend Scherben zerschlagen.
Loial stieg übervorsichtig vom Pferd und beäugte die Trollocs, als glaube er, daß sie wieder zum Leben erwachen könnten. Er untersuchte eilig die Überreste der Säule, wobei er versuchte, die in den Stein eingelassene Metallschrift zu entziffern. Dann kletterte er in den Sattel zurück. »Das war die erste Brücke des Wegs von hier nach Tar Valon«, sagte er.
Mat rieb sich mit dem Handrücken den Mund, von den Trollocs abgewandt. Egwene verbarg ihr Gesicht in den Händen. Rand ließ sein Pferd näher an Bela herantreten und berührte ihre Schulter. Sie wand sich herum und klammerte sich schaudernd an ihn. Er hätte auch am liebsten gezittert, aber ihre Umklammerung bewahrte ihn davor.
»Dann ist es ja gut, daß wir noch nicht nach Tar Valon gehen«, sagte Moiraine.
Nynaeve fuhr die Aes Sedai an: »Wie kannst du das so gelassen hinnehmen? Uns könnte dasselbe passieren!«
»Vielleicht«, sagte Moiraine ernst, und Nynaeve knirschte so laut mit den Zähnen, daß Rand es noch hören konnte. »Es ist allerdings wahrscheinlicher«, fuhr Moiraine unbeeindruckt fort, »daß die Männer, die Aes Sedai, die die Wege gemacht haben, sie auch schützten und für die Kreaturen des Dunklen Königs Fallen einbauten. Sie müssen das doch damals schon befürchtet haben, bevor die Halbmenschen und Trollocs in die Fäule getrieben wurden. Auf jeden Fall können wir hier nicht verweilen, und jeder Weg, den wir auch wählen, vorwärts oder rückwärts, könnte uns in eine Falle führen. Loial, weißt du, welche Brücke wir als nächste nehmen müssen?«
»Ja. Ja, den entsprechenden Teil des Wegweisers haben sie, dem Licht sei Dank, nicht zerstört.« Zum ersten Mal schien Loial genauso darauf bedacht, schnell weiterzureiten, wie Moiraine. Sein großes Pferd war schon in Bewegung, als er noch nicht einmal ausgeredet hatte.
Egwene hing noch zwei Brücken lang an Rands Arm. Er fand es schade, als sie ihn schließlich mit einer leisen Entschuldigung und einem verlegenen Lachen wieder losließ, und das nicht nur, weil es ein schönes Gefühl gewesen war, daß sie sich so an ihm festgehalten hatte. Es war leichter, tapfer zu sein, das war ihm klar geworden, wenn jemand seinen Schutz benötigte.
Moiraine glaubte vielleicht nicht, daß sie in eine Falle liefen, aber trotz aller Hast ließ sie die Gruppe langsamer vorrücken als bisher und wartete, bevor sie jemand auf eine Brücke oder von einer Brücke auf eine Insel ließ. Sie ließ Aldieb jedesmal vortreten und prüfte die Luft vor sich mit einer ausgestreckten Hand. Nicht einmal Loial oder Lan erlaubte sie vorwärtszureiten, bevor sie den Weg freigegeben hatte.
Rand mußte sich in bezug auf Fallen auf ihr Urteilsvermögen verlassen, doch er spähte angestrengt in die Dunkelheit hinein, als könne er weiter als nur zehn Fuß blicken, und er lauschte genauso angespannt. Wenn die Trollocs die Kurzen Wege benutzen konnten, dann war ihr Verfolger möglicherweise eine weitere Kreatur des Dunklen Königs. Oder mehr als eine. Lan hatte gesagt, in den Wegen könne er das einfach nicht feststellen. Aber als sie eine Brücke nach der anderen überquerten, ihr Mittagessen im Sattel verzehrten und dann weitere Brücken hinter sich ließen, war alles, was er hören konnte, das Knarren ihrer eigenen Sättel, das Klappern der Pferdehufe und manchmal das Husten eines der anderen. Gelegentlich führte der eine oder andere auch Selbstgespräche. Später hörte er auch den fernen Wind irgendwo in der Schwärze draußen. Er wußte nicht, aus welcher Richtung das Geräusch kam. Zuerst dachte er, er bilde sich das nur ein, doch mit der Zeit war er sicher.