Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]
- Автор: Клемент Хол
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: WILHELM HEYNE VERLAG
- Переводчик: Wulf H. Bergner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]». Краткое содержание книги:
Der Autor hat seit Jahren in den Kreisen der SFAnhänger einen ausgezeichneten Ruf, weil er es wie kaum ein anderer versteht, die Reaktionen von Lebewesen in einer fremden Umgebung lebensecht zu schildern.
„Sie holen uns allmählich ein. Ich möchte wissen, wie lange die Feuer sie aufgehalten haben“, murmelte Nick vor sich hin, als er auf den Lichtschein aufmerksam wurde. Er erwähnte ihn Fagin gegenüber nicht, sondern hielt um so besorgter nach einem Fluß Ausschau.
Aber der Roboter nahm das Leuchten kurze Zeit später ebenfalls wahr und begriff sofort, was es zu bedeuten hatte.
„Wenn sie uns zu nahe kommen, bevor wir einen Flug finden, rennst du lieber allein weiter; vielleicht bist du schneller als sie.“
„Und was tust du?“
„Ich verschwinde im Meer.“
„Warum nimmst du mich nicht einfach mit? Wäre das nicht ebensogut wie ein Fluß?“
„Du hast vorher das Gegenteil behauptet. Ich möchte nicht daß du dort zu Schaden kommst; aber andererseits kann ich dich nicht gut verteidigen.“
„Richtig. Dein Vorschlag ist vielleicht besser.“
Allerdings brauchten sie sich doch nicht zu trennen. Als die Fackeln der Höhlenbewohner deutlicher leuchteten und als kein Zweifel mehr daran bestehen konnte, daß Swifts Leute Fagin und Nick innerhalb einer Stunde einholen würden, erreichten die beiden einen Fluß. Nick konnte nicht schätzen, wie breit er war, aber jedenfalls stand fest, daß sie einen guten Zufluchtsort gefunden hatten.
Fagin und Nick näherten sich dem Ufer; unter normalen Umständen hätten solche Wassermassen erschreckend gewirkt, aber jetzt empfanden sie nicht die geringste Angst davor. Nick warf seine Fackel ins Wasser, stellte zufrieden fest, daß sie sofort erlosch, und wandte sich an den Roboter.
„Ich bin bereit, Lehrer.“
Der Roboter rollte auf ihn zu, streckte vier Arme nach ihm aus und hob Nick vorsichtig hoch.
„Keine Angst“, sagte er dabei. „Am anderen Ufer versuche ich so rasch wie möglich einen Hügel zu erreichen. Du bist nicht lange bewußtlos.“
Nick entspannte sich völlig, als die Maschine in das Wasser rollte. Seine Körperwärme genügte, um eine größere Flüssigkeitsmenge in Gas zu verwandeln; aber auch das Gas enthielt keinen Sauerstoff mehr, und sein Aggregatzustand spielte für Nick keine Rolle. Schon dreißig Sekunden später hatte er das Bewußtsein verloren.
Swifts Krieger erreichten die Stelle, an der die Spur im Wasser endete, eine Viertelstunde darauf. Der Häuptling war nicht philosophisch genug veranlagt, um die mißlungene Verfolgung mit einem Schulterzucken abzutun.
7
„Wieviel Vorsprung haben Sie dadurch, Doktor?“
Raeker antwortete, ohne den Blick von den Bildschirmen des Roboters abzuwenden. „Wahrscheinlich die ganze restliche Nacht und noch einige Stunden dazu — wie lange eben der Fluß braucht, um nach Tagesanbruch auszutrocknen. Bis dahin sind es ungefähr zwanzig Stunden.“
„Vielleicht wachsen die Pflanzen in der Zwischenzeit genug, um die Spur des Roboters zu verdecken.
Wäre das nicht möglich?“
„Leider kann ich das nicht sagen.“
„Obwohl Sie diesen Planeten seit nunmehr sechzehn Jahren ununterbrochen beobachten? Wirklich, Doktor, allmählich müßten Sie etwas mehr darüber wissen.“
„In diesen sechzehn Jahren habe ich nie Gelegenheit gehabt, die Vegetation am Nordufer dieses Flusses zu beobachten“, erwiderte Raeker ungeduldig,
„und ich weiß nur von Nick, daß Swift ein guter Fährtenleser ist; wie gut, kann ich von hier aus nicht beurteilen. Ich weiß, daß die letzten drei Wochen bestimmt nicht leicht für Sie gewesen sind, Councillor; aber wenn Sie nichts als destruktive Kritik zu bieten haben, helfen Sie Ihrer Tochter keineswegs. Allmählich erinnert mich Ihre Art fast an Aminadabarlee.“
„Ich bin froh, daß Sie diesen Namen erwähnt haben.“ Rich schien überraschenderweise keineswegs beleidigt zu sein. „Doktor, mir ist durchaus klar, daß Sie unter der brüsken Art des Drommianers zu leiden haben — aber trotzdem müssen Sie anerkennen, daß Aminadabarlee im Vergleich zu seinen Landsleuten ein sanftmütiges Lamm ist, denn sonst hätte er diesen verantwortungsvollen Diplomatenposten nie bekommen. Deshalb muß ich Sie ausdrücklich bitten, in seiner Gegenwart nicht ungeduldig zu werden, selbst wenn er Sie herausfordert oder sogar beleidigt. Leider besteht tatsächlich die Möglichkeit, daß er seine Drohung wahrmacht. Was das bedeuten würde, brauche ich Ihnen wohl nicht ausführlicher zu erklären, denn ein Mann von Ihrer Intelligenz müßte die schwerwiegenden Folgen dieser Handlungsweise selbst überblicken können. Ich übertreibe keineswegs, wenn ich sage, daß ich noch nie in meiner gesamten Dienstzeit eine ähnliche Krisensituation erlebt habe.“
Raeker starrte Rich einen Augenblick lang an.
„Das war mir bisher noch nicht klar“, sagte er langsam. „Aber ich muß Ihnen leider mitteilen, daß diese Tatsache meine Bemühungen zur Rettung der beiden Kinder nicht beeinflussen wird; ich habe schon mein Bestes getan.“
„Das glaube ich, aber ich mußte mit Ihnen über diese andere Sache sprechen. Wäre Aminadabarlee nicht hier, hätten Sie es vermutlich einfacher; aber nachdem Sie sich nicht vor ihm verstecken können, müssen Sie ihn wenigstens zu verstehen versuchen.
Denken Sie immer daran — unter allen Umständen die Beherrschung bewahren! Ich versichere Ihnen, daß er Ihre Ruhe nicht für Feigheit halten wird; das entspräche gar nicht seiner Denkweise. Er wird Sie um so eher respektieren — und ich ebenfalls.“
„Ich werde mich bemühen“, versprach Raeker,
„aber im Augenblick bin ich froh, wenn er sich ein paar Stunden lang nicht sehen läßt. Ich muß Nick über den Fluß bringen, und Nick ist in gewisser Beziehung mein Kind. Wir können uns gern unterhalten, solange alles in Ordnung ist, aber Sie dürfen nicht überrascht sein, wenn ich mich mitten im Satz unterbreche. Haben Sie mit den Kindern gesprochen?“
„Ja. Sie halten sich bewundernswert. Zum Glück ist der Drommianer mit dort unten; ich fürchte, daß Easy schon einen Nervenzusammenbruch bekommen hätte, wenn sie sich nicht für ihren ›Mina‹ verantwortlich fühlen würde. Er scheint davon überzeugt zu sein, daß sie allen Schwierigkeiten gewachsen ist, so daß wir zunächst in dieser Beziehung keine Sorgen zu haben brauchen. Habe ich Ihnen schon erzählt, daß Mister Sakiiro festgestellt hat, weshalb die Elektrolyse nicht in Gang gekommen ist? Die Inspektionsluken waren noch nicht verschlossen, so daß die Kontakte korrodierten, als der Bathyskaph in die Planetenatmosphäre eindrang. Mister Sakiiro will versuchen, den Schaden von Ihren Leuten beheben zu lassen.“
„Ich weiß. Ich habe schon darüber nachgedacht; aber das bedeutet, daß wir sie zuerst finden müssen, und daß sie den Bathyskaphen finden müssen. Glücklicherweise können die Kinder unbegrenzt lange dort unten leben; die Maschine versorgt sie mit Essen, Wasser und Luft.“
„Richtig, aber Easy kann die starke Schwerkraft nicht ewig ertragen.“
Raeker runzelte die Stirn. „Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Haben die Ärzte Ihnen gesagt, wie lange sie es dort unten aushalten kann?“
„Sie wußten es selbst nicht. Erwachsene könnten monatelang leben, aber mit Kindern hat man bisher noch nie ähnliche Versuche unternommen.“
„Hm, das ist allerdings schwierig. Wenigstens haben Sie jetzt einen guten Grund, Aminadabarlee gegenüber energischer aufzutreten. Schließlich macht die Schwerkraft seinem Sohn nichts aus.“
„Nein, aber dafür etwas anderes. Der Bathyskaph erzeugt nur menschliche Synthetiknahrung.“
„Und? Haben die Drommianer denn nicht den gleichen Metabolismus wie wir? Sie atmen Sauerstoff, und ich habe selbst gesehen, daß sie an Bord der Vindemiatrix an unseren Mahlzeiten teilgenommen haben.“
„Richtig, aber sie brauchen trotzdem andere Vitaminkombinationen, obwohl sie die gleichen Fette, Kohlehydrate und Proteine aufnehmen. Wenn ›Mina‹ noch längere Zeit dort unten bleiben muß, leidet er bestimmt unter Vitaminmangel.“