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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Doch nun war es Nill egal, dass ihre Haare im Sonnenlicht so grün schimmerten wie das Moos unter ihr. Sie lauschte dem Knarren der alten Bäume, dem Fispeln der Blätter.

Etwas wird passieren, dachte sie. Heute ist ein besonderer Tag.

Eine Weile spielte sie mit dem Gedanken, ihr Leben könnte aufregend werden, aber in diesem Augenblick war keiner ihrer Wünsche größer als der, einfach nichts zu tun. Könnte sie doch für immer so liegen bleiben, mitten im Wald und eins mit dem Licht!

Nill reckte die Arme in die Höhe und beobachtete, wie die Sonne ihre Hand umfloss. Wie ein goldenes Band zog es sich um ihre Finger. Dann ließ sie die Arme hinter den Kopf sinken und atmete tief ein. Es roch nach Moos und Baumharz und der Wärme eines endenden Sommertages.

»Nill!«, hallte es durch den Wald. Und lauter:

»NIIILL!«

Nill fuhr zusammen. Binnen eines Wimpernschlags war sie aufgesprungen, ihre Träume und das Sonnenlicht und alle Zukunftsgedanken waren zerstoben. Hastig ergriff sie die beiden Wassereimer, die an den Wurzeln einer Zeder standen, und lief los.

Sie hätte nicht so lange trödeln dürfen. Vor einer halben Stunde war sie losgegangen, um Wasser vom nahen Fluss zu holen, und sie hätte schon lange wieder zurück sein müssen.

»NILL!«

Nills Herz zog sich zusammen. Eilig lief sie über Moos und Wurzeln und Gestein, bedacht, dabei das Wasser nicht zu verschütten. »NIILL!«

»Ich komme!«, japste sie, sprang über Steine und einen umgestürzten Baumstamm, wich dem Dornengestrüpp aus, das zwei verschlungene Eichen umwucherte, und duckte sich unter den Zweigen der Fichten hindurch. Plötzlich blieb ihr Fuß unter einer Wurzel stecken. Sie stieß einen verblüfften Schrei aus, die Eimer rutschten ihr aus den Händen. Kaltes Wasser ergoss sich über ihren Rock, als sie auf die Knie fiel. Aber noch bevor sie einen Laut von sich geben konnte, erklang ein seltsames Rumpeln. Stöhnend drehte sie sich um.

Die Wurzel, über die sie gestolpert war, hatte sich aus dem Boden erhoben: Tatsächlich, Erdklumpen und Steinchen rieselten von ihr herab! Aber das seltsame Grummeln kam nicht von der Wurzel. Sondern aus der Birke vor Nill.

Erschrocken und auf allen Vieren wich sie vor dem grollenden Baum zurück. Blätter und kleine Zweige segelten herab und fielen auf Nills Kopf. Mit einem Knarren öffnete sich die weiß- und schwarzscheckige Rinde des Stammes. Der Riss wuchs und wuchs wie von Zauberhand, bis sich die Birke in ihrer Mitte zu einem finsteren Schlitz gespalten hatte.

Dann erst verebbte das Ächzen des Holzes; nur ein leises Rumoren, kaum hörbar, hallte in die Tiefen der hohlen Birke zurück.

Nill hatte sich von ihrem ersten Schrecken erholt.

Mit klopfendem Herzen starrte sie auf den Baum, der sich vor ihr geöffnet hatte. War sie verrückt? Sie rieb sich mit dem Handrücken über die Augen und sah noch genauer hin. Aber es bestand kein Zweifeclass="underline" Da klaffte ein Spalt in der Birke, der zuvor nicht gewesen war.

»Das ist unmöglich!«, flüsterte Nill. Doch noch während sie es sagte, näherte sie sich der Birke auf Händen und Knien. Tausend Geschichten kamen ihr gleichzeitig in den Sinn. Legenden, Märchen und Abenteuer fingen damit an, dass ein mutiger Held etwas Außergewöhnliches fand. Aber Nill war keine Heldin, und ihr Leben war auch bestimmt keine Legende – es war stinklangweilig! Trotzdem kamen ihr in Sekundenbruchteilen neue Vorstellungen davon, was sie in dem hohlen Baum erwarten mochte ... ein Schatz ... ein gefangener Geist ... eine neue Welt ...

Bebend streckte sie die Hand aus. Aus der Finsternis der Birke blitzte ihr etwas entgegen. Ihre Finger fuhren durch den Spalt, ertasteten die feuchte Kühle des hohlen Baumstammes ...

Und nichts. Sie fühlte einen modrigen Boden und wurmzerfressene Wände. Hastig zog Nill die Hand zurück und spürte, wie die Enttäuschung Besitz von ihr ergriff. Was hatte sie sich bloß gedacht: dass ein hohler Baum sich öffnen würde, damit sie ein Abenteuer erlebte?

»NILL!«

Sie besann sich bei diesem Ruf, der mittlerweile ziemlich wütend klang, und stand mühevoll auf. Jetzt hatte sie einen Eimer verschüttet, und ihr Rock war nass. Innerlich verfluchte sie die Wurzel. Nill wollte gerade die Eimer aufheben und losgehen, da zögerte sie noch einmal. Es war, als ziehe sie ein unsichtbarer Faden zum Baum zurück ... Geh nicht!

Dreh dich um ... Hast du nicht etwas blitzen gesehen?

Ein zweites Mal streckte sie die Hand durch den Spalt im Baum. Ihre Finger fassten in Finsternis. Und ergriffen einen unebenen Gegenstand.

Verdutzt starrte Nill das Ding an, das plötzlich in ihrer Hand lag. Es sah aus wie ein schwarzer, schlanker Dorn aus Stein. Der Dorn glänzte an seinen Kanten und Unebenheiten und Nill erkannte mit einem Mal, dass er etwas Besonderes war. Etwas Bedeutsames.

Ohne nachzudenken, schob Nill sich den Steindorn in die Rocktasche. Rasch ergriff sie die Wassereimer, schüttelte das Bein, sodass der nasse Rock ihr nicht mehr auf der Haut klebte, und lief los.

Mit jedem Schritt spürte sie, wie ihr der lange Stein gegen die Hüfte schlug. Ihre Gedanken flirrten.

Wieso hatte sie ihn bloß mitgenommen? Je weiter sie lief, desto deutlicher erkannte sie, dass das Gefühl, das der Steindorn hervorgerufen hatte, eine Vorahnung war. Eine unbestimmte dunkle Vorahnung.

Schauder rieselten ihr zwischen den Schulterblättern herab. Plötzlich schien es kühl geworden zu sein, die Sonne war untergegangen. Rauschende Winde brausten durch die Baumkronen und ließen Blätter in der Luft tanzen. Ihr war, als höre sie verzerrte Stimmen im Flüstern des Laubes – aufgeregte, tuschelnde, rufende Stimmen. Warnende Stimmen. Bald lichteten sich die mächtigen Bäume und ein Haus trat aus dem Grauschimmer der Dämmerung.

Eine hagere Frauengestalt stand in dem Hof, der Haus und Bäume trennte, und starrte in den Wald.

Ihre Hand umschloss den Hals eines toten Huhns.

»Nill!«, zeterte sie, als das Mädchen aus der Dunkelheit des Waldes auftauchte. »Wo bist du solange gewesen?«

Nach Luft ringend blieb Nill stehen und stellte die Eimer ab. »Entschuldige, Agwin«, sagte sie und fuhr sich mit der Hand über den feuchten Rock.

Agwin war eine knochige Frau, die trotz ihrer dichten blonden Haare alt wirkte. In ihrem Haus war Nill aufgenommen worden. Denn Nill lebte nicht bei ihren Eltern – sie wusste nicht mal, wer sie waren.

Ihr Vater musste ein Mann des Dorfes sein, doch er hatte sich nie zu erkennen gegeben. Und ihre Mutter war eine Elfe.

Ja, Nill war halbelfisch. Ein Kind der Wilden für die Menschen und ein Kind der Barbaren für die Elfen. Eines Tages hatte man vor den Toren des Dorfes einen Säugling gefunden, gewickelt in die Stoffe des Elfenvolkes. Man hatte sich das Kind angesehen, seine grünbraunen Haare, die hellen Augen, die für einen Menschen viel zu groß waren, die zarten Knochen, die kein Menschensäugling hatte, und die Ohren, nur eine Spur zu spitz, um normal zu sein. Und man hatte sofort erkannt, dass es ein Bastard war.

Und doch, aufgrund der Barmherzigkeit der Menschen, die, wie Agwin immer wieder betonte, dem Elfenvolk schlichtweg fehle, hatte man Nill aufgenommen, und Agwin zog sie groß wie ihr eigenes Kind. Vielleicht stimmte das auch – womöglich hätte Agwin ihre eigene Tochter genauso behandelt wie Nill, hätte sie leibliche Kinder gehabt.

Nun musterte Agwin Nill mit dem verächtlichen Mitleid, das ihr so vertraut und zuwider war. Sie folgte Agwins Blick, der langsam an ihr hinaufwanderte, und strich sich hastig die Blätter und Moosstückchen aus den Haaren. Dann fiel Agwin auf, dass nur einer der beiden Eimer voll war.

»Was soll das sein?«, fragte sie scharf. Ihr Zeigefinger deutete auf den leeren Eimer und das tote Huhn in ihrer Faust schwenkte auf Nill zu.

»Ich bin hingefallen. Soll ich vielleicht noch einmal zurücklaufen und –«

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