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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Scapa konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen. Was war da los? Ausgerechnet jetzt, wo wahrlich genug in seinem Leben geschah, tauchte irgendein König auf! Die ganze Geschichte erschien ihm vollkommen absurd.

Er erhob sich. Auch Arane stand auf. Als sie losgingen, schlichen ihnen die anderen murmelnd aus der Halle und durch die Gänge des Fuchsbaus hinterher. Scapa lief die Turmtreppe Rundung um Rundung hinauf. Auf der Sonnenterrasse stützte er sich mit beiden Händen an eine Steinsäule und rang nach Luft.

Der Wind brauste ihnen kühl entgegen und brachte die Wassertropfen am Turmdach zum Zittern. Ihm war, als höre er im Wind verzerrte Schreie und Rufe.

In den Straßen, die sich rings um sie erstreckten, wimmelte es vor grau gekleideten Gestalten. Sie liefen in Häusern ein und aus, waren überall, und hinter ihnen schritten, aufrecht und starr, Männer, Frauen und Kinder.

»Das sind sie«, flüsterte Cev. »Das sind die Grauen Krieger des neuen Königs.«

Eine Windböe heulte um den Turm und riss Scapa den neuen schwarzen Mantel zurück. Aranes Hand umschloss unbemerkt seine Finger.

Die Elfenjungen hinter ihnen verkrampften sich.

Etwas hatte ihre Gesichter erfrieren lassen. Ohne ein Wort drehten sie sich um.

Die Straßenkinder beobachteten bleich vor Schreck, wie die Elfen die Sonnenterrasse verließen, hinabstiegen und aus dem Fuchsbau gingen, um sich den Grauen Kriegern anzuschließen. Seltsame Dinge gingen in Kesselstadt vor sich.

Dass der Fuchsbau in die Hände der Straßenkinder gefallen war, ging in der allgemeinen Panik vollkommen unter.

Denn die Moorelfen verschwanden reihenweise aus der Stadt. Einen Tag, nachdem die Grauen Krieger des Königs aufgetaucht waren, schienen ganze Stadtviertel wie ausgestorben. Märkte waren nicht mehr da, Häuser standen plötzlich leer. Schausteller, Akrobaten und Flötenspieler entschwanden aus den Straßen, und mit ihnen der Rauchgeruch der elfischen Pfeifen und das Rufen in einer Sprache, die die Menschen nie verstanden hatten. Die Moorelfen, die verbannt waren und darum nicht mehr der Macht ihres Königs unterstanden, verließen Kesselstadt ebenfalls in Scharen; Angst und schreckliche Gerüchte gingen um, man munkelte nämlich, dass bald auch die Verstoßenen von den Grauen Kriegern geholt würden.

Je weniger Moorelfen in Kesselstadt zurückblieben, desto zahlreicher schienen die grau gekleideten Krieger des Königs zu werden. Sie bewegten sich starr und langsam wie in einem merkwürdigen Rausch. Manche behaupteten, die Krieger könnten nicht sprechen, aber Scapa wusste, dass das nicht stimmte. Er hatte sie einmal sprechen gehört, in der raschen Sprache ihres Volkes, knapp und seltsam gehetzt, als fürchteten sie etwas.

Die Gerüchteküche brodelte. Man erzählte sich hinter vorgehaltener Hand, der Fürst sei längst tot und Kesselstadt in der Hand des geheimnisvollen Königs: Auf Marktplätzen hielten Gesandte der Freien Elfen Reden und versuchten den wenigen Moorelfen, die in Kesselstadt verblieben waren, Mut zu machen.

»Eure Brüder«, rief einer, »sind bei euch! Die Krone Elyor der Freien Elfen ist in das magische Messer verwandelt worden, das den unverwundbaren Träger Elrysjars töten kann! Die Freien Elfen der Dunklen Wälder werden bald einschreiten! Kein Mensch wird unser Volk zugrunde richten!«

Der Gesandte der Freien Elfen predigte weiter, bis eine Schar Grauer Krieger kam. Die Zuhörer rannten erschrocken davon, als sie den Gesandten von seinem Podest zerrten.

»Wo bringen sie ihn hin?«, fragte Arane leise.

Ein Moorelf stand mit erschrockenen Augen neben ihnen und rührte sich nicht. »Das, das muss der König sein! Er will das magische Messer finden und zerstören ... Unser Volk ist dem Untergang geweiht. Wir gehen unter. Wir verschwinden vom Gesicht der Welt ...«

Als der Elf zu weinen begann, liefen Scapa und Arane fort. Womöglich würden sie den Redner bald auf der Brücke von Grejonn wiedersehen – oder besser gesagt, seinen Kopf. Aber in diesen Tagen verschwanden Männer und Frauen auch spurlos, und nicht einmal der Tod war mehr gewiss.

Allmählich glaubten Scapa und Arane, dass der Fürst beseitigt worden war. Seine Soldaten hatten sich aufgelöst. Für Recht und Ordnung sorgten nun die Grauen Krieger des geheimnisvollen Königs, und zwar noch weniger als die Soldaten zuvor, die wenigstens mit Geld zu kaufen gewesen waren.

Das alles hatte auch auf die Unterwelt Kesselstadts Auswirkungen. Jetzt war es an den Menschen, die Geschäfte der verschwundenen Moorelfen zu übernehmen und weiterzuführen, und um diese Anrechte wurde bitter gekämpft. Es kam zu Straßenschlachten, Meuterei und Überfällen. Die letzten Moorelfen, die in Kesselstadt geblieben waren, wurden Opfer hass- und neiderfüllter Menschen – schließlich gab es jetzt niemanden mehr, der einen getöteten »Schlammfresser« rächen würde. Das mächtige Imperium der elfischen Hehler zerfiel und wurde in Trümmerstücken von den Menschen übernommen.

Scapa und Arane sahen hilflos zu, wie die Stadt vor ihren Augen im Chaos versank.

Die Vision

»Es gibt keine Hoffnung mehr. Früher hatten die Banden die Herrschaft in Kesselstadt. Jetzt fürchtet man nicht mehr den mächtigsten Mann der Stadt, sondern die Grauen Krieger eines Königs, dessen Vergangenheit und Name niemand kennt. Wir wären Fürsten geworden. Die Fürsten von Kesselstadt ... Aber jetzt ... Ich bin keine Fürstin.«

Arane hielt einen bangen Augenblick den Atem an. Wie Scapa neben ihr blickte sie zum dunklen Baldachin auf, der sich über ihr Bett spannte. Es war beinahe finster, nur durch einen schmalen Türspalt drang der matte Schein einer Fackel. Augenblicke der Stille verstrichen, während sie in den kostbaren Decken und Kissen versunken lagen wie in einem Meer aus Stoff.

Jetzt, da ihnen der gesamte Fuchsbau gehörte, mussten sie sich natürlich kein Zimmer mehr teilen, und schon gar kein Bett. Aber es war die Gewohnheit, neben jemandem einzuschlafen, Scapas leises Atmen zu hören, die Arane immer wieder zu ihm führte. Nachts, wenn alle Bewohner des Fuchsbaus schliefen, konnte Scapa sich sicher sein, bald das Trappeln von Füßen auf dem Steinflur zu vernehmen. Dann das Knarren seiner Zimmertür, die sich einen Spalt öffnete, gerade weit genug, dass Arane hindurchschlüpfen konnte. Er würde merken, wie die Matratze unter ihm nachgab, da ein vorsichtiges Knie im Bett aufsetzte. Die Decken würden rascheln und schon schlänge sich ein Arm um seine Brust. Er würde ein Flüstern hören, Scapa, und dann, nach einer Weile, den ruhigen Atem einer Schlafenden. Und wie froh war er, dass es so geblieben war – sonst würde er sich verloren und allein in dem Bett mit der feinen Wäsche fühlen.

Auch jetzt lag Arane neben ihm wie in so vielen Nächten schon, ihre Locken kitzelten ihn am Hals und ihr Arm ruhte, warm und vertraut, neben dem seinen. Das alles milderte die Beklommenheit, die schon seit Nächten das große Bett mit ihnen teilte. »Hier gibt es keine Hoffnung mehr, unsere Träume zu erfüllen, Scapa. Einfluss, das ist nur noch ein leeres Wort, gestohlen von diesem furchtbaren König –«

Sie legte den Kopf an seine Schulter und seufzte.

»Du hast doch immer gesagt, am liebsten sei es dir, Kesselstadt gehöre allein den Menschen und die Elfen wären allesamt fort. Das ist ja nun wahr geworden.«

Trotz der Dunkelheit war Scapa sich sicher, dass Arane ihm einen wütenden Blick zuwarf. »Willst du mich provozieren? Es geht hier nicht um die verflixten Elfen – es geht um das, was der neue König uns weggenommen hat: die Macht über Kesselstadt!«

Scapa fasste ihre Hände und drückte sie, so fest er konnte. »Arane! Bist du total übergeschnappt? Sieh dich doch um: Wir haben alles, was wir uns erträumen konnten! Du liegst in einem Bett mit weißen Laken und Samtkissen. Du hast fünf verschiedene Schuhpaare und uns gehört ein ganzes Haus! Hast du vergessen, wo wir herkommen? Hast du vergessen, dass wir vor drei Wochen noch auf der Straße waren? Was willst du mehr als das, was wir schon haben?«

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