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Nijura - das Erbe der Elfenkrone

Электронная книга - «Nijura - das Erbe der Elfenkrone». Краткое содержание книги:

Als die junge Halbelfe Nill im Wald ein rätselhaftes Messer findet, ahnt sie nicht, dass sie damit zur Schlüsselfigur in einem alles bedrohenden Konflikt geworden ist. Ein unglaubliches Verbrechen hat den Frieden der Welt erschüttert: Elrysjar, die magische Halbkrone der Moorelfen, wurde von einem Menschen gestohlen! Als ihr Träger ist er unverwundbar und erlangt die blinde Ergebenheit aller Moorelfen. Verführt von seiner neuen Macht, hat der geheimnisvolle Menschenkönig bereits eine Armee Grauer Krieger um sich geschart, um die Welt mit seiner Schreckensherrschaft zu überziehen. Nur eine Waffe kann ihm Einhalt gebieten – geschmiedet aus der zauberkräftigen Halbkrone der Freien Elfen, die dem neuen König noch nicht Untertan sind.
Das Messer braucht eine Trägerin – und es hat sich dafür Nill erwählt. Schnell wird Nill zum Spielball aller Mächte und Interessen. Gejagt von den Grauen Kriegern und unterstützt nur von einigen wenigen mutigen Gefährten, macht sich Nill auf die gefährliche Reise zum Turm des Königs.
Mit atemberaubender Spannung verstrickt Jenny-Mai Nuyen ihre Leser in eine Fantasy-Welt voller überraschender Wendungen – und in eine bewegende Geschichte über Liebe, Loyalität und Verrat.
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Scapa wurde zum Geist.

Arane, Arane – das war alles, woran er denken konnte. Tage und Nächte verbrachte er vor dem Wachhaus, lief auf und ab und betete, sie möge wieder auftauchen. Doch je länger er wartete, desto sicherer wurde er sich, dass sie niemals zurückkehren würde.

Irgendwann rang er sich dazu durch, die Brücke von Grejonn aufzusuchen. Wie ein geprügelter Hund schlich er an den toten Verbrechern vorbei, suchte mit dem Blick die aufgestellten Köpfe ab, war bei jedem fremden Gesicht erleichtert, dass es nicht Arane war, und verzweifelt, weil er von ihr nichts finden konnte.

Scapa befragte die Straßenkinder, die Wäscherinnen, die Wirte und Händler und Diebe. Doch wer bemerkte schon das Verschwinden eines Mädchens von der Straße, jetzt, während die Bandenkriege wüteten und die Grauen Krieger Tausende verschleppten und ermordeten? Aranes Name ging unter in den Wirren der aufschäumenden Stadt.

Scapa gab sie noch nicht auf. Er durchsuchte die finstersten Winkel von Kesselstadt, fischte in den übel riechendsten Kanälen, und je wahnsinniger er nach Arane suchte, desto öfter stieß er auf den Tod.

Der Tod umgab ihn. Er folgte ihm wie ein Schatten, sein fauligsüßer Atem brannte sich in seine Nase.

Aber Arane fand er nirgends, keinen Hinweis auf sie, keinen Stofffetzen von ihr, kein einziges Zeichen.

Wenn Scapa schlaflos durch den Fuchsbau strich, stellte er sich vor, was mit ihr geschah. Grässliche Bilder und Visionen trieben ihn um, sodass er vor Verzweiflung gegen die Wände schlug und alles auf der Welt, sich selbst und die Grauen Krieger zu hassen begann.

Lange stand er in der großen Halle des Fuchsbaus und starrte die beiden Stühle auf der Empore an, auf denen er nie wieder mit Arane sitzen würde. Er hörte kaum, wie Fesco sich näherte.

»Scapa?«, fragte Fesco leise.

Er regte sich nicht.

»Scapa ... Scapa!«

Scapa warf ihm einen glühenden Blick über die Schulter zu. Fesco erschrak sichtlich, als er seinem Freund ins Gesicht sah, und wäre fast einen Schritt zurückgestolpert. »Was?«, zischte Scapa.

Fesco musste angesichts von Scapas rot umränderten Augen und seinem bleichen Gesicht schwer schlucken.

»Scapa ... was geschieht bloß mit dir?«, flüsterte er.

»Was geschieht mit mir?«, wiederholte Scapa dumpf. Geschehen – was war schon geschehen? Arane war verschwunden. Nichts sonst. Nichts hatte sich verändert. Noch verhöhnte das Leben die Menschen, die so armselig um ihr Glück strampelten. Verhöhnte ihn, Scapa ... Wut packte ihn, die letzte verzweifelte Wut, die in ihm steckte.

»Es ist nichts geschehen! Die Sonne scheint noch und der Mond leuchtet in der Nacht! Und die Menschen schreien auf den Straßen – hörst du sie denn nicht?« Er rannte auf die Wand der Halle zu und begann mit dem Ellbogen gegen die alten Steine zu schlagen. Die Mauer begann zu bröckeln.

»Scapa ... nicht!«

Dunstige Sonnenstrahlen drangen durch die Dunkelheit. Scapa wich mit zusammengekniffenen Augen zurück und hustete im aufwirbelnden Staub. Ohne auf Fesco zu achten, lief Scapa auf die Empore zu.

»Gar nichts!«, brüllte er. »Es ist nie was gewesen! Es gab nie was!«

Er packte einen der Stühle und warf ihn von der Empore. Das Holz prallte auf, ein Stuhlbein brach ab. Als er das heisere Wimmern nicht mehr zurückhalten konnte, sank Scapa zu Boden und presste die Handballen gegen seine Augen.

»Was soll ich tun?«, schluchzte Fesco. »Scapa ... was soll ich denn machen?«

»Geht alle. Macht, was ihr immer gemacht habt. Raubt und klaut und stehlt und bestecht und lebt euer dreckiges Elend. MACHT SCHON!«

Fesco rannte aus der Halle. Das war das Ende, erkannte er. Das Ende von Arane, ganz sicher, und von Scapa ebenfalls. Die große Legende vom Dieb und der Straßenprinzessin war vorbei. Es dauerte nicht lange, da hatten die Waschweiber sie vergessen.

Die Tage verstrichen, die Wochen, die Monate. Scapa war nun überzeugt, dass Arane den Tod gefunden hatte. Bestimmt wollte der geheimnisvolle König verhindern, dass jemand das Messer fand, das ihn bedrohte, und er hatte Arane aus Furcht vor ihrer Vision töten lassen. Anfangs schien Scapa Aranes Tod unvorstellbar – viel zu deutlich konnte er ihr Gesicht vor sich sehen und ihre Stimme hören, ihr Lachen, und sich die Bewegungen ihrer Hände in Erinnerung rufen. Vielleicht begann er schließlich trotz alldem an ihren Tod zu glauben, weil es noch viel unvorstellbarer war, dass sie an einem fernen Ort ohne ihn weiterlebte.

Dann wurde ihr Gesicht in seiner Erinnerung immer durchsichtiger. Ihre Augen wurden heller, bis sie nur noch weiße Lichtflecken waren, wie Sterne, die über Scapa wachten und doch weiter weg waren als jeder Traum.

Allmählich vergaß man Aranes Verschwinden.

Die Straßenkinder stahlen und raubten, wie sie es immer getan hatten, und brachten ihre Beute in die Schatzkammern ihres Herrn, als hätten sie auch das schon immer getan. Es war, als hätte es nie etwas anderes gegeben, weder einen Torron, noch ein Kesselstadt ohne die Grauen Krieger, noch eine Arane und ihren Scapa ... Denn auch Scapa war verschwunden. An seine Stelle war ein fremder Anführer getreten. Er wachte finster und schweigsam in der großen Halle des Fuchsbaus, saß auf seinem Thron aus Eichenholz und Eisen und gebot über die Scharen seiner Diebe. Sein Gesicht war eine Maske. Nur manchmal, wenn jemand seinen Namen sagte, schnell, leise, versehentlich – Scapa – dann schien ein fernes Licht durch seine dunklen Augen zu wandern.

Die Einsamkeit wurde ein Teil von Scapas Leben.

Und als die Zeit verstrich, als die Sommer und die Winter kamen und vergingen und wieder kamen, nistete sie sich tief in seinem Herzen ein.

So fand die Legende von Scapa, dem Dieb, ihr Ende.

ZWEITES BUCH

Das Dornenmädchen

Der Fund

So findet deine Geschichte einen Anfang ...

Nill sank mit einem leisen Seufzen ins Moos.

Hundert Stimmen hauchten ihr aus den Kronen der Bäume zu.

Etwas wird passieren, ein Anfang.

Deine Geschichte, dein Leben.

Nill....

Sie öffnete die Augen und blinzelte. Über ihr rauschten die Pinien und Buchen. Dahinter funkelte Sonnenlicht, tanzte in flimmernden Punkten über ihr Gesicht. Sie lächelte, weil sie das Grün und das Licht so liebte, weil es schön war und weil auch sie sich in diesem Moment schön fühlen durfte – auch wenn sie wusste, dass sie es nicht wirklich war. Ihre Nase war zu kantig, ihre Augen waren zu grün, zu merkwürdig, um den Vorstellungen der Menschen zu entsprechen, und ihre dichten, struppigen Haare fielen ihr unordentlich über die Schultern. Das Schlimmste aber war nicht, dass ihre Haare so widerspenstig waren, sondern dass sie grün schimmerten. Das war eine Eigenart, die Nill schon mit allen erdenklichen Mitteln zu vertuschen versucht hatte: mit scharf riechenden Ölen, Kräutersud, Baumharzgemischen und sogar eingeriebener Asche. Nichts davon half.

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