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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Fünf Minuten nachher erschien der Diener wieder. Aller Augen waren auf die Tür gerichtet, und ich selbst, sagteBeauchamp, teilte die allgemeine Spannung. Hinter dem Diener ging eine Frau, in einen großen Schleier gehüllt, der sie völlig verbarg.

Der Präsidentbat die Unbekannte, den Schleier zurückzuschlagen, und nun sah man, daß die Frau griechische Kleidung trug, und daß sie jung und außerordentlich schön war.

Ah! rief Morcerf, Haydee!

Wer hat Ihnen das gesagt?

Ach! ich errate es. Doch fahren sie fort, Beauchamp, ichbitte Sie, Sie sehen, ichbin ruhig und stark.

Herr von Morcerf, fuhrBeauchamp fort, schaute diese Frau mit einer Mischung von Angst und Erstaunen an. Für ihn sollte Leben oder Tod aus diesem reizenden Munde kommen.

Der Präsidentbot der jungen Frau mit der Hand einen Stuhl an; doch sie deutete durch ein Zeichen mit dem Kopfe an, sie wolle stehenbleiben.

Gnädige Frau, sagte der Präsident, Sie haben der Kommission geschrieben und sich angeboten, ihr Auskunft über dieBegebenheiten in Janina zu geben; Sie sind IhrerBehauptung nach Augenzeugin gewesen. — Das war ich auch, sagte die Unbekannte mit einem Tone voll rührender Traurigkeit und mit jenem den Orientalen eigenen Wohlklang. — Erlauben Sie mir, Ihnen zubemerken, daß Sie damals noch sehr jung waren, versetzte der Präsident. — Ich war vier Jahrs alt; doch da diese Ereignisse die höchsteBedeutung für mich hatten, so verlor sich kein Umstand aus meinem Geiste, entging keine Einzelheit meinem Gedächtnis. — WelcheBedeutung hatten für Sie diese Ereignisse, und wer sind Sie, daß diese große Katastrophe einen so tiefen Eindruck auf Sie hervorgebracht hat? — Es handelte sich um Leben oder Tod meines Vaters, antwortete das Mädchen; ich heiße Haydee undbin die Tochter von Ali Tependelini, Pascha von Janina, und von Wasiliki, seiner vielgeliebten Frau.

Diebescheidene und zugleich stolze Röte, diebei diesen Worten die junge Frau mit Purpur übergoß, das Feuer ihresBlickes, die Majestät ihrer Erscheinungbrachten eine unaussprechliche Wirkung auf die Versammlung hervor. Der Graf aber konnte nicht entsetzter sein, wenn einBlitz herabgefallen wäre und zu seinen Füßen einen Abgrund geöffnet hätte.

Gnädige Frau, sagte der Präsident, nachdem er sich ehrfurchtsvoll verbeugt hatte, erlauben Sie mir eine einfache Frage, die keinen Zweifel enthält und die letzte sein wird: Können Sie die Wahrheit IhrerBehauptung erweisen?

Ich kann es, mein Herr, sagte Haydee, unter ihrem Schleier ein Säckchen von parfümiertem Atlas hervorziehend; denn hier ist mein Geburtsschein, von meinem Vater abgefaßt und von seinen obersten Offizieren unterzeichnet; und hierbei meinem Geburtsschein ist mein Taufschein; mein Vater hatte nämlich eingewilligt, daß ich in der Religion meiner Mutter erzogen würde, und der Archimandrit von Macedonien hat diesem Scheine sein Siegel aufgedrückt. Hier ist endlich die Urkunde über den Verkauf meiner Person und meiner Mutter an den armenischen Kaufmann El‑Kobbir seitens des fränkischen Offiziers, der sichbei seinem schändlichen Handel mit der Pforte als seinenBeuteanteil Frau und Tochter seines Wohltäters vorbehalten hatte, die er für die Summe von 1000Beuteln, d. h. für ungefähr 400 000 Franken, feil gab.

Bei diesen schrecklichen Anschuldigungen, welche die Versammlung mit finsterem Stillschweigen aufnahm, überzog sich das Gesicht des Grafen mit grünlicherBlässe, und seine Augen wurden vonBlut unterlaufen.

Immer ruhig, aber viel drohender, als dies eine andere in ihrem Zorne gewesen wäre, überreichte Haydee dem Präsidenten die in arabischer Sprache abgefaßte Verkaufsurkunde.

Einer von den edlen Pairs, der die arabische Sprache während des Feldzuges in Ägypten erlernt hatte, las:

Ich, El‑Kobbir, Sklavenhändler und Lieferant des Harems Seiner Hoheit, erkenne hiermit, daß ich von dem fränkischen Herrn Grafen von Monte Christo einen Smaragd im Werte von zweitausendBeuteln als Preis für eine christliche, elf Jahre alte Sklavin, namens Haydee, anerkannte Tochter des verstorbenen Ali Tependelini, Paschas von Janina, und von Wasiliki, seiner Favoritin, erhalten habe, welche an mich vor sieben Jahren mit ihrerbald darauf gestorbenen Mutter durch einen fränkischen Obersten, im Dienste des Wesire Ali Tependelini, namens Fernand Mondego, verkauft worden ist. Der erwähnte Verkauf ist für Rechnung unseres erhabenen Sultans geschehen, von dem ich den Auftrag hatte, den Smaragd zu erwerben.

Ausgefertigt in Konstantinopel mit Vollmacht Seiner Hoheit im Jahre 1247 der Hedschra.

Unterzeichnet:

El‑Kobbir.

Die gegenwärtige Urkunde wird, um ihr volle Glaubwürdigkeit und Echtheit zu verleihen, mit dem kaiserlichen Siegel versehen werden, das der Verkäufer derselbenbeidrucken zu lassen sich verbindlich macht.

Neben der Unterschrift des Kaufmanns sah man das Siegel des Großherrn. Auf diese Vorlesung folgte ein furchtbares Stillschweigen; der Graf konnte seine Gedanken nur durch denBlick ausdrücken, und dieser unwillkürlich auf Haydee gehefteteBlick schien von Flammen undBlut zu sein.

Gnädige Frau, sagte der Präsident, kann man nicht den Herrn Grafen von Monte Christobefragen, der sich, wie ich glaube, bei Ihnen in Paris findet?

Der Graf von Monte Christo, mein zweiter Vater, ist seit drei Tagen in der Normandie.

Doch wer hat Ihnen diesen Schritt geraten, für den Ihnen die Kammer dankbar ist, und der auch nach Ihren Leiden nur natürlich erscheinen kann.

Mein Herr, antwortete Haydee, dieser Schritt ist mir von meiner kindlichen Ehrfurcht und von meinem Schmerze eingegeben worden. Gott vergebe mir! Obgleich Christin, dachte ich stets daran, meinen erhabenen Vater zu rächen. Als ich den Fuß auf die Erde Frankreichs setzte, als ich erfuhr, der Verräter wohne in Paris, waren meine Augen und Ohrenbeständig offen. Ich lebe zurückgezogen in dem Hause meines edlenBeschützers, doch ich lebe so, weil ich den Schatten und die Stille liebe, die mir in meinen Gedanken und in der Sammlung meines Geistes zu leben gestatten. Aber der Graf von Monte Christo umgibt mich mit seiner väterlichen Sorge, und alles, was das Leben ausmacht, ist mir vertraut, wenn es auch nur, wie aus der Ferne an mein Ohr schlägt. So lese ich alle Zeitungen, wie man mir alle illustriertenBlätter und alle Musikalien zukommen läßt; ich erfuhr daher, was heute morgen in der Kammer der Pairs vorgefallen war, und was heute abend geschehen sollte… dann schriebich. Der Graf hatte während dieser ganzen Zeit keinen Teil an Ihrem Schritte?

Er weiß durchaus davon, und ich fürchte sogar, er mißbilligt ihn, wenn er ihn erfährt. Es ist indessen ein schöner Tag für mich, fuhr das Mädchen fort, einen flammendenBlick zum Himmel aufschlagend, dieser Tag, an dem ich endlich Gelegenheit finde, meinen Vater zu rächen!

Der Graf hatte während dieser ganzen Zeit nicht ein einziges Wort gesprochen; seine Kollegen schauten ihn an undbeklagten ohne Zweifel den unter der Anklage einer Frau erfolgenden Zusammenbruch eines angesehenen Lebens: Sein Unglück prägte sich allmählich in den finsteren Zügen seines Antlitzes aus.

Herr von Morcerf, sagte der Präsident, erkennen Sie in dieser Frau die Tochter von Ali Tependelini, Pascha von Janina? — Nein, sagte Morcerf, indem er sich zu erheben versuchte, es ist dies ein von meinen Feinden angezetteltes Gewebe.

Haydee, die ihre Augen auf die Tür geheftet hatte, wandte sich ungestüm um, stieß, als sie den Grafen wieder aufrecht sah, einen furchtbaren Schrei aus und rief: Du erkennst mich, nicht; wohl, aber ich erkenne dich! Dubist Fernand Mondego, der fränkische Offizier, der die Truppen meines edlen Vaters unterrichtete. Dubist es, der die Schlösser von Janina übergeben hat! Du hast, von ihm nach Konstantinopel geschickt, um mit dem Sultan über Leben oder Tod deines Wohltäters zu unterhandeln, einen falschen Ferman zurückgebracht, in dem ihm vollständigeBegnadigung zugestanden war. Dubist es, der mit diesem Ferman den Ring des Paschas erhielt, der dirbei Selim, dem Feuerwächter, Gehorsam verschaffen sollte; dubist es, der Selim erdolchte und meine Mutter und mich verkaufte! Mörder! Mörder! Du hast noch auf deiner Stirn dasBlut deines Herrn; schaut alle!

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