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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Er heißt gegenwärtig Graf von Morcerf und ist Mitglied der Kammer der Pairs

So erschien also das furchtbare Geheimnis, dasBeauchamp so edelmütigbegraben hatte, abermals wie ein schreckendes Gespenst zwei Tage, nachdem Albert nach der Normandie abgereist war, in einer andern Zeitung.

Das Urteil.

Um acht Uhr morgens traf AlbertbeiBeauchamp wie derBlitz ein. Der Kammerdiener war unterrichtet; er führte Morcerf in das Zimmer seines Herrn.

Nun! sagte Albert zu ihm.

Armer Freund, ich erwarte Sie, erwiderteBeauchamp.

Hierbin ich. Ichbrauche Ihnen nicht zu sagen, Beauchamp, daß ich Sie für zu rechtschaffen und zu gut halte, um mit irgend jemand hierüber gesprochen zu haben; nein, mein Freund. Überdies ist mir derBote, den Sie mir schickten, einBürge für Ihre Zuneigung, Verlieren wir also keine Zeit mit Umschweifen! Haben Sie eine Ahnung, von welcher Seite dieser Schlag kommt?

Ich werde Ihnen sogleich zwei Worte sagen.

Doch vorher, Freund, müssen Sie mir alle Einzelheiten dieses abscheulichen Verrates mitteilen.

Beauchampberichtete hierauf dem vor Scham und Schmerz niedergebeugten jungen Mann kurz folgendes.

Zwei Tage vorher war der Artikel in einer Zeitung erschienen, die unter dem Einfluß der Regierung stand, was der Sache noch mehr Gewicht verlieh. Beauchamp frühstückte, als ihm die Nachricht zu Gesicht kam; er eilte, ohne sein Mahl zu vollenden, in dasBureau der Zeitung. Obgleich der Redakteur eine andere politische Richtung vertrat wieBeauchamp, war er doch dessen vertrauter Freund.

Als er zu ihm kam, las der Redakteur sein eigenesBlatt.

Ah, bei Gott! riefBeauchamp, da Sie Ihre Zeitung in der Hand haben, mein lieber sobrauche ich Ihnen nicht zu sagen, was mich hierher führt.

Ich wüßte nicht; doch warum kommen Sie?

Wegen des Artikels über Morcerf.

Ah! ja; nicht wahr, das ist seltsam?

So seltsam, daß Sie sich der Gefahr aussetzen, einen sehr zweifelhaften Verleumdungsprozeß an den Hals zubekommen.

Keineswegs; wir haben mit der Zuschrift alleBeweisstücke empfangen und sind fest überzeugt, daß Herr von Morcerf sich ruhig verhalten wird. Überdies heißt es dem Lande einen Dienst leisten, wenn man die Elendenbloßstellt, die der Ehre unwürdig sind, die man ihnen erweist.

Beauchamp war verblüfft.

Aber wer hat Sie denn so gut unterrichtet? fragte er, denn meine Zeitung, welche die Sache zuerst angeregt hatte, mußte sie in Ermangelung vonBeweisen fallen lassen, und wir sind doch mehr dabei interessiert, als Sie, Herrn von Morcerf an den Pranger zu stellen, da er Pair von Frankreich ist und wir die Regierung angreifen.

Lieber Freund, wir sind dem Skandal nicht nachgelaufen, er hat uns aufgesucht. Es kam gestern ein Mensch von Janina an, der den ganzen Aktenstoß mitbrachte, und als wir Anstand nahmen, die Anklage gegen den Grafen zu erheben, bemerkte er, er werde sich an eine andere Zeitung wenden. Sie wissen, Beauchamp, was eine wichtige Nachricht ist; wir wollten uns diese nicht entgehen lassen. Nun ist der Schlag getan; er ist furchtbar und wirdbis an das Ende Europas widerhallen.

Beauchamp entfernte sich in Verzweiflung, um einen Kurier an Morcerf abzuschicken.

Was er aber Albert nicht hatte schreiben können, — denn es geschah nach der Abreise seines Kuriers, — war, was an demselben Tage in der Kammer der Pairs vor sich ging. Fast alle Pairs waren früher erschienen und unterhielten sich über das unselige Ereignis, das die öffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen und auf eines derbekanntesten Mitglieder des erhabenen Körpers lenken sollte.

Man las mit leiser Stimme den Artikel, man kommentierte ihn und tauschte Erinnerungen aus. Der Graf von Morcerf war unter seinen Standesgenossen nichtbeliebt. Wie alle Emporkömmlinge zeigte er sich übermäßig hochmütig. Als er am andern Morgen zu seiner gewöhnlichen Stunde, ohne Ahnung von der Zeitungsnachricht — denn er hielt und las dasBlatt nicht — vor der Kammer ankam, stieg er aus dem Wagen, schritt mit erhobenem Kopfe, herausforderndem Auge und stolzem Gange durch die Räume und trat in den Saal, ohne das Zögern des Saaldieners und die gezwungenen Grüße seiner Kollegen zubemerken.

Seine Miene und sein Gang erschienen allen hochmütiger als gewöhnlich, und seine Gegenwart schien unter den Umständen sobeleidigend für die auf ihre Ehre eifersüchtige Versammlung, daß alle dadurch noch mehr erbittert wurden. Die Kammerbrannte offenbar vorBegierde, den Kampf zubeginnen. Man sah das anklagende Journal in allen Händen, doch wie gewöhnlich zögerte jeder, die Verantwortlichkeit des Angriffs auf sich zu nehmen. Endlich stieg einer von den ehrenwerten Pairs, ein erklärter Feind des Grafen von Morcerf, feierlich auf die Rednerbühne.

Es herrschte ein furchtbares Stillschweigen; Morcerf allein wußte nichts von der Ursache der ernsten Aufmerksamkeit, die man diesmal einem Redner schenkte, dem man gewöhnlich nicht so gefällig zuhörte. Den Grafen ließ auch die Einleitung ruhig, in der der Redner äußerte, er habe von einer so heiligen, so ernsten Sache, von einer für die Kammer sobedeutungsvollen Frage zu sprechen, daß er die ganze Aufmerksamkeit seiner Kollegen in Anspruch nehme. Jedochbei dem ersten Wort von Janina und vom Obersten Fernand erbleichte der Graf von Morcerf so, daß eineBewegung durch die Versammlung ging, derenBlicke insgesamt auf den Grafen gerichtet waren.

Die moralischen Wunden haben das Eigentümliche, daß sie sich verbergen, aber nicht wieder schließen; stets schmerzhaft, stetsbereit, zubluten, wenn man sieberührt, bleiben sie frisch und klaffend im Herzen.

Als der Artikelbis zum Schlusse gelesen war, setzte der Ankläger seineBedenken auseinander und machte einigeBemerkungen über die Schwierigkeit seiner Aufgabe. Es sei die Ehre des Herrn von Morcerf, es sei die Ehre der ganzen Kammer, die er verteidige, indem er eine Debatte über so heikle persönliche Fragen hervorrufe. Endlich schloß er mit dem Antrage auf eine Untersuchung, die schnell genug eingeleitet werden sollte, um die Verleumdung zu Schanden zu machen, ehe sie Zeit gehabt hätte zu wachsen, und um Herrn von Morcerf in der Stellung, die ihm die öffentliche Meinung längst eingeräumt, wiederherzustellen.

Morcerf war so niedergebeugt, erbebte dermaßenbei dem plötzlichen Hereinbrechen dieses ungeheuren und unerwarteten Ungemachs, daß er kaum mit irrem Auge ein paar Worte zu stammeln vermochte. Diese Verzagtheit, die man ebensogut dem Erstaunen des Unschuldigen, wie der Scham des Schuldigen zuschreiben konnte, erwarbihm wieder einige Sympathien. Wahrhaft edle Menschen sind stets geneigt, mitleidig zu werden, wenn das Unglück ihres Feindes die Grenzen ihres Hasses überschreitet. Der Präsident ließ abstimmen, und es wurde eine Untersuchungbeschlossen.

Man fragte den Grafen, wieviel Zeit erbrauche, um seine Rechtfertigung vorzubereiten. Dieser hatte seinen Mut wiedergewonnen, sobald er nach diesem furchtbaren Schlage noch Leben in sich fühlte.

Meine Herren Pairs, antwortete er, nicht mit der Zeit schlägt man einen Angriff zurück, wie der, den in diesem Augenblicke unbekannte und im Dunkel sichbergende Feinde gegen mich richten; auf der Stelle, mit einem Donnerschlag muß ich denBlitz erwidern, der mich einen Augenblick geblendet hat. Warum wird es mir nicht vergönnt, statt einer solchen Rechtfertigung, meinBlut zu vergießen, um meinen edlen Kollegen zubeweisen, daß ich würdigbin, als ihresgleichen einherzuschreiten!

Diese Worte machten einen günstigen Eindruck.

Ich verlange also, rief er, daß die Untersuchung sobald als möglich stattfinde, und ich werde der Kammer alle erforderlichenBeweisstücke liefern.

Welchen Tagbestimmen Sie? fragte der Präsident.

Ich stelle mich von heute an zur Verfügung der Kammer.

Der Präsident rührte seine Glocke und fragte: Ist die Kammer der Ansicht, daß diese Untersuchung noch heute statthaben soll?

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