Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Ehe der Graf sich entfernte, ging er zu Haydee hinauf, benachrichtigte sie von seiner Abreise, nannte ihr den Ort, wohin er ging, und stellte das ganze Haus zu ihrenBefehlen.
Albert war pünktlich. Seine anfängliche Niedergeschlagenheit wichbald unter dembloßen Einfluß der ganz unglaublichen Schnelligkeit.
Aber wo, zum Teufel, finden Sie denn solche Pferde? fragte Albert, es scheint, Sie lassen sie ausdrücklich züchten.
Ganz richtig, sagte der Graf, vor sechs Jahren fand ich in Ungarn einen ausgezeichneten, wegen seiner Schnelligkeitberühmten Hengst; ich kaufte ihn, ich weiß nicht, für wieviel. In demselben Jahre hatte er 32 Sprößlinge: alle gleich schwarz ohne einen einzigen Flecken, einen Stern auf der Stirn ausgenommen.
Doch was machen Sie mit allen diesen Pferden?
Sie sehen, ich reise damit.
Doch Sie reisen nicht immer.
Wenn ich sie nicht mehrbrauche, so verkauft sieBertuccio, und erbehauptet, er gewinne 30bis 40 000 Franken an ihnen.
Graf, soll ich Ihnen einen Gedanken mitteilen, der mir gekommen ist? — Tun Sie das.
HerrBertuccio muß nach Ihnen der reichste Privatmann Europas sein.
Sie täuschen sich, Vicomte, ichbin fest überzeugt, daß Sie, wenn Sie die TaschenBertuccios umdrehen, nicht für zehn Sous Wert darin fänden.
Warum? fragte der junge Mann; Bertuccio ist also ein Phänomen. Ah! lieber Graf, treiben Sie das Wunderbare nicht zu weit, oder ich glaube Ihnen nicht mehr.
Bei mir gibt es nichts Wunderbares, mein lieber Albert, Zahlen und Vernunft, sonst nichts. Antworten Sie mir: Warum stiehlt ein Intendant?
Verdammt! weil es in seiner Natur liegt, wie mir scheint; er stiehlt, um zu stehlen.
Nein, Sie täuschen sich, er stiehlt, weil er eine Frau, Kinder, eitle Wünsche für sich und seine Familie hat. Er stiehlt hauptsächlich, weil er nicht sicher ist, ober seinen Herrn wieder verlassen muß, weil er sich eine Zukunft schaffen will. Bertuccio aber ist allein auf der Welt, er nimmt aus meinerBörse, ohne mir Rechenschaft zu geben, er ist sicher, daß er mich nie zu verlassen hat.
Warum? — Weil ich keinenBessern finden werde.
Oho, sind Sie dessen so gewiß?
Ganz gewiß. Der gute Diener ist für mich der, bei dem ich ein Recht über Leben und Tod habe.
Und Sie haben das Recht über Leben und Todbei HerrnBertuccio? — Ja, antwortete kalt der Graf.
Es gibt Worte, die das Gespräch schließen, wie eine eiserne Tür; das Ja des Grafen war ein solches Wort. Der Rest der Reise vollzog sich mit derselben Geschwindigkeit; man kam mitten in der Nacht vor dem Tore eines schönen Parkes an. Der Hausmeister stand davor und hielt das Gitter offen.
Es war halbzwei Uhr morgens. Als man Morcerf in sein Zimmer führte, fand er einBad und ein Abendessenbereit. Ein Diener stand zu seinenBefehlen, undBaptistinbediente den Grafen. Albert nahm seinBad, speiste und legte sich schlafen. Die ganze Nacht hindurch wurde er von dem schwermütigen Geräusche der Wellen gewiegt. Als er aufstand, ging er gerade auf das Fenster zu, öffnete es undbefand sich auf einer kleinen Terrasse, wo man das Meer vor sich hatte und hinter sich einen hübschen Park, der nach einem kleinen Wäldchen führte.
In einerBucht von mäßiger Größe schaukelte sich eine kleine Korvette mit schmalem Kiel und hohem Mast, die auf der Spitze eine Flagge mit dem Wappen des Grafen trug. Um die Korvette her lagen mehrere kleine Kähne, die den Fischern derbenachbarten Dörfer gehörten. Hier, wie an allen andern Orten, wo sich der Graf aufhielt, war alles wunderbarbequem eingerichtet. Albert fand in seinem Vorzimmer zwei Flinten und alles für einen Jäger Erforderliche, ein anderes Zimmer im Erdgeschoß enthielt Fischereigeräte.
Der ganze Tag verging mit Jagen und Fischen; man schoß ein Dutzend Fasanen im Park, man fing Forellen in denBächen, man speiste in einem Kiosk zu Mittag, der die Aussicht auf das Meer hatte, und servierte den Tee in derBibliothek.
Am Abend des dritten Tages schlummerte Albert, den dieses Leben ermüdete, ein wenig in einem Lehnstuhl am Fenster, als das Geräusch eines auf der Straße heransprengenden Pferdes den jungen Mann erweckte und aufschauen ließ. Er sah durch das Fenster und erblickte zu seinem größten Erstaunen seinen Kammerdiener aus Paris.
Florentin hier! rief er von seinem Stuhle aufspringend, ist meine Mutter krank? Und er stürzte aus dem Zimmer.
Monte Christo folgte ihm mit den Augen und sah ihn auf den Diener zueilen, der, noch ganz atemlos, aus seiner Tasche einenBrief und eine Zeitung zog.
Von wem ist derBrief? fragte Albert rasch.
Von HerrnBeauchamp, antwortete Florentin. Er ließ mich zu sich kommen, gabmir das zur Reise erforderliche Geld und nahm nur das Versprechen ab, ohne Verzug zu Ihnen zu eilen.
Albert öffnete denBrief. Bei den ersten Zeilen stieß er einen Schrei aus und griff sichtbar zitternd nach der Zeitung. Plötzlich verfinsterten sich seine Augen, und seineBeine schienen unter ihm zu weichen.
Armer, junger Mann! murmelte Monte Christo so leise, daß er selbst den Klang dieser Worte des Mitleids nicht hören konnte; es ist also gewiß, daß die Sünde der Väter auf die Kinderbis in das dritte und vierte Geschlecht zurückfällt!
Inzwischen hatte Albert seine Kräfte wieder gesammelt; er fuhr fort zu lesen, schüttelte seine Haare auf dem schweißbedeckten Haupte und sagte, denBrief und die Zeitung zerknitternd: Florentin, ist dein Pferd imstande, den Weg nach Paris zurückzumachen?
Es ist eine schlechte, hinkende Märe.
Oh! mein Gott! und wie stand es zu Hause, als du fortgingst?
Ziemlich gut; doch als ich von HerrnBeauchamp zurückkam, fand ich die gnädige Frau in Tränen. Sie hatte mich rufen lassen, um sich zu erkundigen, wann Sie zurückkämen. Ich sagte ihr, ich sei imBegriff, Sie im Auftrage des HerrnBeauchamp zu holen. Ihre ersteBewegung war, den Arm auszustrecken, als wollte sie mich zurückhalten, aber nach kurzem Überlegen sagte sie: Ja, gehe, Florentin, und sage ihm, er möge zurückeilen.
Ja, meine Mutter, ja, sagte Albert, ich komme sogleich, sei unbesorgt und wehe dem Schändlichen! Doch vor allem muß ich abreisen. Hierauf kehrte er in das Zimmer zurück, wo er Monte Christo gelassen hatte.
Graf, sagte er, ich danke Ihnen für Ihre Gastfreundschaft, die ich gern noch länger genossen hätte, aber ich muß nach Paris zurückkehren.
Was ist denn vorgefallen? — Ein großes Unglück; doch erlauben Sie mir, abzureisen, es handelt sich um eine Sache, die viel kostbarer ist als mein Leben. Keine Frage, Graf, ichbitte Sie zugleich um ein Pferd!
Meine Ställe stehen zu Ihren Diensten, Vicomte, erwiderte Monte Christo; aber die Anstrengung eines ununterbrochenen Postrittes wird Sie töten, nehmen Sie lieber einen Wagen.
Nein, das würde zu lange dauern, und ichbedarf der Anstrengung, sie wird mir wohl tun.
Monte Christo stand am Fenster und rief: Ali, ein Pferd für Herrn von Morcerf! Schnell, es ist dringend!
Ich danke, rief der junge Mann, sich in den Sattel schwingend und wollte fortjagen, hielt aber noch einmal an und sagte: Sie finden vielleicht meine Abreise seltsam, unnatürlich, wahnsinnig! Siebegreifen vielleicht nicht, wie ein paar Zeilen in einem Journal einen Menschen in Verzweiflungbringen können; nun wohl, lesen Sie diese Nachricht hier, aber erst, wenn ich fortbin, damit Sie meine Schamröte nicht sehen.
Und während der Graf die Zeitung nahm, gabMorcerf dem Roß die Sporen und flog davon.
Der Graf schaute dem jungen Manne mit einem Gefühle unendlichen Mitleids nach, und erst, als er völlig verschwunden war, wandte er seineBlicke auf die Zeitung und las wie folgt:
Der französische Offizier im Dienste Alis, Paschas von Janina, über den vor drei Wochen der Impartial eine Mitteilungbrachte, und der nicht nur die Schlösser von Janina übergab, sondern auch seinen Wohltäter an die Türken verkaufte, hieß wirklich Fernand, wie angegeben wurde. Doch seitdem hat er seinem Namen einen adeligen Titel hinzugefügt.