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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Die zitternde Stimme des jungen Mannes drang kaum durch seine geschlossenen Zähne.

Eine Erklärung in der Oper? sagte der Graf mit dem ruhigen Tone und dem durchdringenden Auge des stets seiner selbst sicheren Mannes. So wenig ich mit den Pariser Gewohnheiten vertrautbin, so hätte ich doch nicht geglaubt, daß man hier Erklärungen zu fordern pflege.

Wenn sich jedoch die Leute verleugnen lassen, sagte Albert, unter dem Vorwande, sie seien imBad, so muß man sich an sie wenden, wo man sie trifft.

Ichbin nicht so schwer zu treffen, denn noch gestern, wenn mich mein Gedächtnis nicht täuscht, waren Siebei mir.

Gestern, mein Herr, entgegnete der junge Mann, dessen Kopf in Flammen geriet, gesternbefand ich michbei Ihnen, weil ich nicht wußte, wer Sie waren.

Bei diesen Worten hatte Albert die Stimme dergestalt erhoben, daß die Inhaber derbenachbarten Logen, sowie die Personen, die sich in den Gängenbefanden, ihn hörten, stehenblieben und sich umsahen.

Woher kommen Sie denn, mein Herr? sagte Monte Christo, scheinbar ohne jede Erregung. Ich glaube, Sie erfreuen sich nicht Ihres ganzen Verstandes.

Wenn ich Ihre Treulosigkeitbegreife, und es mir gelingt, Ihnenbegreiflich zu machen, daß ich mich rächen will, werde ich noch vernünftig genug sein, versetzte Albert wütend.

Mein Herr, ich verstehe Sie nicht, erwiderte Monte Christo, und wenn ich Sie auch verstände, so würden Sie immer noch zu laut sprechen. Ichbin hierbei mir und alleinberechtigt, meine Stimme über andere zu erheben. Gehen Sie, mein Herr!

Und Monte Christo wies Albert mit einerbewundernswert gebieterischen Gebärde die Tür.

Ah! ich werde es wohl dahinbringen, daß Sie hinausgehen, sagte Albert, krampfhaft seinen Handschuh zerknitternd, den der Graf nicht aus dem Gesichte verlor.

Gut, gut! erwiderte phlegmatisch Monte Christo, Sie suchen Streit mit mir, mein Herr, das sehe ich; doch eines, Vicomte, merken Sie sich: es ist eine schlechte Sitte, mit Geschrei herauszufordern, Herr von Morcerf.

Ein Gemurmel des Erstaunens durchliefbei diesem Namen wie ein Schauer die Zuhörer dieser Szene. Seit dem vorhergehenden Tage war der Name Morcerf in aller Mund.

Besser als alle und zuerst von allenbegriff Albert die Anspielung und machte eineBewegung, seinen Handschuh dem Grafen ins Gesicht zu schleudern; aber Morel faßte ihnbei der Faust, währendBeauchamp und Chateau‑Renaud, in der Furcht, die Szene könne die Grenzen einer Herausforderung überschreiten, ihn von hinten zurückhielten.

Monte Christo aber streckte, ohne aufzustehen und nur seinen Stuhl neigend, die Hand aus, zog aus den krampfhaft zusammengepreßten Fingern des jungen Mannes den feuchten Handschuh und sagte mit einem furchtbaren Ausdrucke: Mein Herr, ich nehme Ihren Handschuh als geworfen an und werde Ihnen denselben um eine Kugel gewickelt zurückschicken. Nun gehen Sie von hier weg, oder ich rufe meine Diener und lasse Sie hinauswerfen.

Trunken, verwirrt, mitblutigen Augen machte Albert zwei Schritte rückwärts.

Morelbenutzte diese Gelegenheit, um die Tür wieder zu schließen. Monte Christo ergriff sein Doppelglas und fing an hindurchzuschauen, als obnichtsBesonderes vorgefallen wäre. Dieser Mann hatte ein Herz von Erz und ein Gesicht von Marmor. Morel neigte sich an sein Ohr und sagte zu ihm: Was haben Sie ihm getan?

Ich? Nichts, persönlich wenigstens, sagte Monte Christo.

Diese seltsame Szene muß doch einen Grund haben?

Die Geschichte des Grafen von Morcerfbringt den unglücklichen jungen Mann ganz außer sich.

Haben Sie denn Anteil daran?

Die Kammer ist durch Haydee von dem Verrate seines Vaters unterrichtet worden.

Man hat mir in der Tat davon erzählt, sagte Morel, doch ich wollte nicht glauben, daß die griechische Sklavin die Tochter Ali Paschas ist. — Es ist die reine Wahrheit.

Oh! mein Gott, ichbegreife nun alles, und diese Szene ist absichtlich herbeigeführt worden. — Wieso?

Ja. Albert schreibt mir, ich möchte mich heute abend in der Oper einfinden; er wollte mich also zum Zeugen der von ihmbeabsichtigtenBeleidigung haben.

Wahrscheinlich, sagte Monte Christo mit seiner unstörbaren Ruhe.

Aber was werden Sie mit ihm machen?

Mit Albert? versetzte Monte Christo in demselben Tone, was ich mit ihm machen werde, Maximilian? So wahr Sie hier sind und ich Ihnen die Hand drücke, töte ich ihn morgen vormittag um zehn Uhr; das werde ich machen.

Morel nahm ebenfalls Monte Christos Hand in die seinige undbebte, als er diese kalte und ruhige Hand fühlte.

Ah! Graf, sagte er, sein Vater liebt ihn so sehr!

Sagen Sie mir das nicht! rief Monte Christo mit der ersten Regung des Zornes, der ihn zu fassen schien, er mag leiden!

Morel ließ erstaunt die Hand fallen.

Graf! Graf! sagte er.

Lieber Maximilian, sagte der Graf, hören Sie doch, wiebewunderungswürdig Duprez die Worte singt: O Mathilde! idole de mon âme!..Bravo! Bravo!

Morel sah, daß hier jedes weitere Wort überflüssig war, und wartete. Der Vorhang, der am Ende der Szene mit Albert aufging, gingbald wieder herunter. Man klopfte an die Tür.

Herein, rief Moute Christo, ohne daß seine Stimme die geringsteBewegung erriet. Beauchamp trat ein.

Guten Abend, HerrBeauchamp, grüßte Moute Christo, als ober den Journalisten an diesem Abend zum ersten Male sähe; setzen Sie sich doch!

Beauchamp grüßte, trat ein und setzte sich.

Mein Herr, sagte er zu Monte Christo, ichbegleitete soeben, wie Sie wahrnehmen konnten, Herrn von Morcerf.

Das heißt, Sie wollen sagen. Sie haben miteinander zu Mittag gespeist, erwiderte lachend Monte Christo. Ichbin glücklich, zubemerken, mein lieber HerrBeauchamp, daß Sie nüchterner sind, als er.

Mein Herr, sagteBeauchamp, ich gestehe, Albert hat unrecht gehabt, in Hitze zu geraten, und ich komme auf meine eigene Rechnung, um Entschuldigung zubitten. Nun aber, da dies geschehen ist, hoffe ich, Sie werden mir eine Erklärung geben über Ihre Verbindungen mit den Leuten in Janina. Dann zwei Worte über die junge Griechin…

Genug, genug, mein Herr! fiel ihm der Graf ins Wort. Ich sehe, Sie verlangen für Ihren Freund Erklärungen von mir. So sagen Sie dem Vicomte. In unserbeider Adern fließtBlut, das wir zu vergießen Lust haben, morgen vor zehn Uhr werde ich die Farbe des seinigen gesehen haben.

Esbleibt also nur noch übrig, die Anordnungen des Zweikampfes festzustellen.

Das ist mir vollkommen gleichgültig, entgegnete Monte Christo; es war also unnötig, mich im Schauspiel wegen einer solchen Lappalie zu stören. In Frankreich schlägt man sich mit Degen oder auf Pistolen; in den Kolonien greift man zurBüchse; in Arabien nimmt man den Dolch. Sagen Sie Ihrem Klienten, daß ich ihm, obgleichbeleidigt, die Wahl der Waffen überlasse und alles ohne Widerrede annehme; alles, hören Sie wohl? Sogar den Zweikampf durch das Los, was immer albern ist. Dochbei mir ist es etwas anderes, ichbin sicher, zu gewinnen.

Sicher, zu gewinnen! wiederholteBeauchamp, den Grafen mitbestürztem Auge anschauend.

Ganz gewiß, sagte Monte Christo, leicht die Achseln zuckend. Sonst würde ich mich nicht mit Herrn von Morcerf schlagen. Ich werde ihn töten, es muß sein, es wird sein. Nur die Stunde und die Waffe lassen Sie mich heute abend wissen, ich lasse nicht gern auf mich warten.

Auf Pistolen, morgens um acht Uhr, im Walde von Vincennes, sagteBeauchamp, ganz aus der Fassung gebracht.

Gut, mein Herr, sagte Monte Christo; da nun alles in Ordnung ist, so lassen Sie mich dem Gesange zuhören, ichbitte Sie, und sagen Sie Ihrem Freunde Albert, er möge heute abend nicht wiederkommen; lassen Sie ihn nach Hause gehen und schlafen.

Beauchamp entfernte sich, im höchsten Grade erstaunt.

Sagen Sie, sprach Monte Christo, sich gegen Morel umwendend, nicht wahr, ich kann auf Sie zählen?

Gewiß, Sie können über mich verfügen, Graf;… und wer ist Ihr zweiter Zeuge?

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