Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Ja! lautete die einstimmige Antwort der Versammlung.
Man ernannte eine Kommission von zwölf Mitgliedern, welche die von Morcerf zu lieferndenBeweisstücke untersuchen sollte. Die Stunde der ersten Sitzung dieser Kommission wurde auf acht Uhr abends in denBüros der Kammer festgesetzt. Als diese Entscheidung gefaßt war, bat Morcerf um Erlaubnis, sich zurückziehen zu dürfen; er mußte dieBeweisstücke zusammenfassen, die er seit langer Zeit aufgehäuft, um einem unvorhergesehenen Sturme Trotz zubieten.
Dies alles erzählteBeauchamp dem jungen Manne.
Albert hörte ihm zu, bald vor Hoffnung, bald vor Zorn, bald vor Scham zitternd, denn er fragte sich, wie es dem Schuldigen gelingen könne, seine Unschuld zubeweisen.
AlsBeauchamp schwieg, fragte Albert: Und dann?
Mein Freund, dieses Wort versetzt mich in eine furchtbare Notwendigkeit. Fassen Sie Mut, Albert, nie haben Sie dessen mehrbedurft.
Albert fuhr mit der Hand über seine Stirn, als wollte er sich seiner eigenen Kraft versichern, wie ein Mensch, der sein Leben zu verteidigen sich anschickt, seinen Panzer versucht und seine Degenklingebiegt. Er fühlte sich stark, denn er hielt sein Fieber für Energie. Reden Sie, sagte er.
Es kam der Abend, fuhrBeauchamp fort, ganz Paris wartete auf den Ausgang der Sache. Vielebehaupteten, Ihr Vater habe sich nur zu zeigen, um die Anklage zuBoden zu schlagen; viele sagten, er werde sich nicht einfinden, andere versicherten, sie hätten ihn nachBrüssel abreisen sehen, manche gingen sogar zur Polizei und fragten, obes wahr sei, daß der Graf seine Pässe genommen habe.
Ich muß Ihnen gestehen, daß ich alles tat, um von einem der Mitglieder der Kommission, einem mirbefreundeten jungen Pair, in die Kammer geführt zu werden. Um sieben Uhr holte er mich abund empfahl mich, ehe jemand gekommen war, einem Saaldiener, der mich in eine Loge einschloß. Ich war durch eine Säule gedeckt und in völliger Dunkelheit und konnte hoffen, die furchtbare Szene, die sich entwickeln sollte, vom Anfangbis zum Ende zu hören und zu sehen.
Herr von Morcerf tratbei dem letzten Schlage der achten Stunde ein. Er hatte einige Papiere in der Hand, und seine Haltung schien ruhig. Gegen seine Gewohnheit war sein Gang einfach, sein Anzug würdig, und er trug nach Art alter Offiziere seinen Rock von obenbis unten zugeknöpft. Seine Erscheinungbrachte diebeste Wirkung hervor; die Kommission war durchaus nicht übelgesinnt, und mehrere Mitglieder gingen dem Grafen entgegen und reichten ihm die Hand.
Albert fühlte, wie sein Herzbei diesemBerichtbeinahebrach, und dennoch regte sich unter seinem Schmerze ein Gefühl der Dankbarkeit; gern hätte er alle diese Menschen umarmen mögen, die seinem Vater während einer so großen Gefährdung seiner Ehre die Hand reichten.
In diesem Augenblick trat ein Diener ein und übergabdem Präsidenten einenBrief. — Sie haben das Wort, Herr von Morcerf, sagte der Präsident, denBrief entsiegelnd.
Der Grafbegann seine Verteidigungsrede, und ich versichere Ihnen, Albert, fuhrBeauchamp fort, er entwickelte eine außerordentlicheBeredsamkeit und Geschicklichkeit; erbrachte Papiere vor, diebewiesen, daß ihn der Wesir von Janinabis zur letzten Stunde mit seinem ganzen Vertrauenbeehrt undbesonders mit einer Unterhandlungbei dem Sultan selbstbeauftragt hatte, wobei es sich um Leben oder Tod gehandelt. Er wies den Ring vor, ein Zeichen des Oberbefehls, mit dem Ali selbst gewöhnlich seineBriefe siegelte und den er ihm gegeben, damit erbei seiner Rückkehr, zu welcher Stunde des Tages oder der Nacht es auch sei, und wäre er sogar in seinem Harem, zu ihm dringen könnte. Unglücklicherweise, sagte er, scheiterte seine Unterhandlung, und als er zurückkam, um seinen Wohltäter zu verteidigen, war erbereits tot. Doch sterbend, behauptete der Graf, habe ihm Ali Pascha, so groß sei sein Vertrauen gewesen, seine erste Favoritin und seine Tochter anvertraut.
Albertbebtebei diesen Worten; denn währendBeauchamp sprach, trat ihm Haydees Erzählung vor sein geistiges Auge, und er erinnerte sich dessen, was die schöne Griechin von dieserBotschaft, von diesem Ringe und von der Art und Weise, wie sie verkauft und in die Sklaverei geführt worden war, gesagt hatte.
Und was war die Wirkung der Rede des Grafen?
Ich gestehe, daß sie mich erschütterte, und ebenso, wie mich, auch die ganze Kommission, sagteBeauchamp. Der Präsident warf die Augen kaum auf denBrief, den man ihm gebracht hatte; dochbei den ersten Zeilen wurde seine Aufmerksamkeit rege, er las das Schreiben, las es abermals, und sagte, seineBlicke auf Herrn von Morcerf heftend: Herr Graf, Sie sagen uns, der Wesir von Janina habe Ihnen seine Frau und seine Tochter anvertraut? — Ja, mein Herr, antwortete Morcerf; doch hierin, wie im übrigen, verfolgte mich das Unglück. Bei meiner Rückkehr waren Wasiliki und ihre Tochter Haydee verschwunden. — Sie kennen diebeiden? — Mein vertrauter Umgang mit dem Pascha und der feste Glaube, den er zu meiner Treue hatte, erlaubten mir, sie mehr als zwanzigmal zu sehen. — Haben Sie irgend eine Ahnung, was aus ihnen geworden ist? — Ja, mein Herr, ich habe sagen hören, sie seien ihrem Kummer und vielleicht ihrer Armut unterlegen. Ich war nicht reich, ich sah mein Leben großen Gefahren preisgegeben und konnte zu meinemBedauern keine Nachforschungen anstellen.
Der Präsident runzelte unmerklich die Stirn und sagte: Meine Herren, Sie haben den Herrn Grafen gehört. Herr Graf, können Sie zur Unterstützung Ihrer Angaben einige Zeugen liefern? — Nein, antwortete der Graf, alle die, welche den Wesir umgaben und mich an seinem Hofe kannten, sind tot oder zerstreut; soviel ich weiß, habe ich diesen furchtbaren Krieg allein überlebt. Ichbesitze nur dieBriefe von Ali Tependelini, die vor Ihren Augen liegen; ichbesitze nur den Ring, das Pfand seines Willens, das Sie hier sehen; ich habe endlich den überzeugendstenBeweis, den ich liefern kann, nämlich die Anonymität des Angriffs, den Mangel jedes Zeugen gegenüber meinem Wort als dem eines ehrlichen Mannes und gegenüber der Unbeflecktheit meines militärischen Lebens.
Ein Gemurmel desBeifalls durchlief die ganze Versammlung; Albert, wäre nichts Neues dazwischen getreten, so hätte Ihr Vater die Sache gewonnen gehabt. Da nahm der Präsident das Wort und sagte: Meine Herren und Sie, Herr Graf, ich denke, es wird Ihnen nicht unangenehm sein, einen sehr wichtigen Zeugen zu hören, der sich von selbst einfindet; dieser Zeuge, wir zweifeln nicht daran, ist nach allem, was uns der Graf gesagt hat, berufen, die vollkommene Unschuld unseres Kollegen darzutun. Hier ist einBrief, den ich soeben empfangen habe; soll er verlesen werden, oder entscheiden Sie, daß wir darüber weggehen und unsbei diesem Zwischenfalle nicht aufhalten?
Herr von Morcerf erbleichte und preßte krampfhaft die Papiere zusammen, die er in der Hand hielt. Die Kommission entschied sich für die Verlesung. DerBrief lautete:
Herr Präsident,
Ich kann der Untersuchungskommission, die mit der Prüfung desBenehmens des Herrn Grafen von Morcerf in Epirus und Macedonienbeauftragt ist, diebestimmteste und sicherste Auskunft geben.
Ich warbeim Tode Ali Paschas an Ort und Stelle; ich wohnte seinen letzten Augenblickenbei; ich weiß, was aus Wasiliki und Haydee geworden ist; ich stelle mich zur Verfügung der Kommission und fordere sogar die Ehre, gehört zu werden. Ich werde in dem Augenblick, wo man Ihnen diesesBillett übergibt, im Vorsaale der Kammer sein.
Und wer ist dieser Zeuge oder vielmehr dieser Feind? fragte der Graf mit einer Stimme, in der eine tiefe Erschütterung nicht zu verkennen war. — Wir werden es erfahren, antwortete der Präsident. Ist die Kommission der Ansicht, daß der Zeuge gehört werden soll? — Ja! ja! sprachen gleichzeitig alle Stimmen. Man rief den Saaldiener, und der Präsident fragte ihn, objemand im Vorsaale warte. — Ja, Herr Präsident, erwiderte der Diener, eine Frau, begleitet von einem Diener. — Alle schauten sich an. Lassen Sie die Frau eintreten, sagte der Präsident.