Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
Arme Mutter! versetzte Albert, mit der Hand über seine Augen fahrend, ich weiß es wohl, dochbesser, sie stirbt hierüber, als sie stirbt vor Schande.
Sie sind also fest entschlossen, Albert? — Vorwärts!
Sie stiegen in ihren Wagen und ließen sich zum Grafen fahren. Als sie ausgestiegen waren, eilte Albert so schnell vorwärts, daß ihm der Freund kaum zu folgen vermochte. Baptistin empfing sie. Der Graf war von der Reise zurückgekommen, aber er saß imBade und hatte verboten, irgend jemand zu empfangen.
Doch nach demBade? — Wird der Graf in die Oper fahren.
Sind Sie dessen gewiß? — Vollkommen; der Herr Graf hat seine Pferde auf Punkt acht Uhrbestellt.
Sehr gut, versetzte Albert; mehr wollte ich nicht wissen. Dann sich zuBeauchamp wendend, sagte er: Beauchamp, ich zähle darauf, daß Sie mich in die Operbegleiten. Wenn Sie können, bringen Sie Chateau‑Renaud mit.
Beauchamp verließ Albert, nachdem er ihm versprochen, ihn abzuholen.
Nach Hause zurückgekehrt, benachrichtigte Albert Franz, Debray und Morel von seinem Wunsche, sie ebenfalls in der Oper zu sehen. Dannbesuchte er seine Mutter, die seit den Ereignissen des vorhergehenden Tages ihre Tür für jedermann verschlossen hatte. Er fand sie, vom Schmerz über die öffentliche Demütigung niedergeschmettert, imBette. Alberts Anblickbrachte auf sie die Wirkung hervor, die man davon erwarten konnte; sie drückte ihrem Sohne die Hand undbrach in ein Schluchzen aus.
Albertbliebeinen Augenblick stumm vor demBette seiner Mutter stehen. Man sah an seinembleichen Gesichte und an seiner gerunzelten Stirne, daß sein Racheentschluß sich immer mehr in seinem Herzen abstumpfte.
Meine Mutter, sagte Albert, kennen Sie irgend einen Feind des Herrn von Morcerf?
Mercedesbebte, denn sie hattebemerkt, daß der junge Mann nicht» von meinem Vater «sagte.
Mein Freund, sagte sie, die Menschen in der Stellung des Grafen haben viele Feinde, die sie nicht kennen. Und die Feinde, die man nicht kennt, sind die gefährlichsten.
Ja, ich weiß dies und wende mich daher an Ihren Scharfsinn. Meine Mutter, Sie sind eine so kluge Frau, daß Ihnen nichts entgeht.
Warum sagst du mir dies?
Weil Sie zumBeispielbemerkten, daß an unseremBallabend der Graf von Monte Christo nichtsbei uns hat nehmen wollen.
Mercedes erhobsich zitternd und rief: Herr von Monte Christo? Wie hängt das mit der Frage zusammen, die du an mich richtest?
Sie wissen, Herr von Monte Christo ist fast ein Orientale, und um ihre volle Rachefreiheit zubewahren, essen und trinken die Orientalen nichtsbei ihren Feinden.
Herr von Monte Christo unser Feind, sagst du, Albert? entgegnete Mercedes, weißer werdend, als das Tuch, das siebedeckte. Wer hat dir das gesagt? Warum? Dubist toll, Albert. Herr von Monte Christo hat uns nur Freundliches erwiesen; er hat dir das Leben gerettet, und du selbst hast ihn uns vorgestellt. Oh! ichbitte dich, mein Sohn, wenn du einen solchen Gedanken hegtest, so verbanne ihn, und wenn du auf meineBitte etwas gibst, sobleibe in gutem Einvernehmen mit ihm.
Meine Mutter, versetzte der junge Mann mit düsteremBlicke, Sie haben Ihre Gründe, daß Sie mir sagen, ich solle diesen Mann schonen.
Ich! rief Mercedes… und sie errötete ebenso schnell wie sie erbleicht war, und wurdebeinahe in demselben Augenblicke nochbleicher, als zuvor.
Ja, allerdings, Ihr Grund ist, daß der Graf unsBöses zufügen kann, nicht so?
Mercedesbebte und erwiderte, einen forschendenBlick auf ihren Sohn heftend: Du sprichst seltsam mit mir und hast, wie mir scheint, sonderbare Vorurteile. Was tat dir der Graf? Vor drei Tagen reistest du mit ihm in die Normandie; vor drei Tagenbetrachtete ich ihn als deinenbesten Freund, und du warst derselben Meinung.
Ein ironisches Lächeln umschwebte Alberts Lippen. Mercedes sah dieses Lächeln und erriet mit ihrem doppelten Instinkte der Frau und der Mutter alles; aber klug und stark, verbarg sie ihre Unruhe und ihrBeben.
Albert ließ das Gespräch fallen; nach einem Augenblick knüpfte es die Gräfin wieder an.
Dubist gekommen, um mich zu fragen, wie es mir gehe, sagte sie; ich antworte dir offen, ich fühle mich unwohl. Du solltest dich einrichten, Albert, mir Gesellschaft zu leisten, ich möchte nicht allein sein.
Meine Mutter, ich stände zu IhrenBefehlen, und Sie wissen wie gern, wenn mich nicht eine wichtige Angelegenheit zwänge, Sie heute abend zu verlassen.
Ah! gut, erwiderte Mercedes mit einem Seufzer, geh, Albert, ich will dich nicht zum Sklaven deiner kindlichen Liebe machen.
Albert stellte sich, als hörte er nicht, grüßte seine Mutter und ging.
Kaum war der junge Mann fort, als Mercedes einen vertrauten Diener rufen ließ; diesembefahl sie, Albert überall zu folgen, wohin er gehen würde, und ihr sogleich Meldung zu machen. Dann läutete sie ihrer Kammerfrau und ließ sich, so schwach sie war, ankleiden, um auf jeden Fallbereit zu sein.
Der demBedienten erteilte Auftrag war nicht schwer zu vollziehen. Albert kehrte in seine Wohnung zurück und kleidete sich äußerst sorglich an. Zehn Minuten vor acht Uhr kamBeauchamp.
Beide stiegen in Alberts Wagen, und dieser rief, da er keinen Grund hatte, zu verbergen, wohin er fuhr, ganz laut: In die Oper.
In seiner Ungeduld kam er vor dem Aufziehen des Vorhangs. Chateau‑Renaud, vonBeauchamp unterrichtet, saß auf seinem Sperrsitze. Erbemühte sich durchaus nicht, Albert abzuraten, sondernbeschränkte sich darauf, dem Freunde die Versicherung zu wiederholen, er stehe zu seiner Verfügung.
Debray war noch nicht eingetroffen; doch Albert wußte, daß er seltenbei einer Vorstellung der Oper ausblieb. Albert irrtebis zum Aufziehen des Vorhangs im Theater umher. Er hoffte, Monte Christo entweder im Gange oder auf der Treppe zu treffen. Dann ging er an seinen Platz und setzte sich im Orchester zwischen Chateau‑Renaud undBeauchamp.
Doch seine Augen verließen Monte Christos Loge nicht, die während des ersten Aktes hartnäckig geschlossenblieb. Endlich am Anfange des zweiten Aktes, als Albert zum hundertsten Male seine Uhrbefragte, öffnete sich die Tür der Loge: Monte Christo trat schwarzgekleidet ein und stützte sich auf das Geländer, um in den Saal zu schauen, dort gewahrte er einenbleichen Kopf und funkelnde Augen, die gierig seineBlicke anzuziehen schienen, und erkannte Albert. Ohne irgend eine seine Gedanken verratendeBewegung zu machen, setzte er sich, zog sein Opernglas hervor und schaute nach einer anderen Seite.
Doch während es den Anschein hatte, alsbemerke er Albert nicht, verlor ihn der Graf nicht aus dem Auge, und als der Vorhang am Ende des zweiten Aktes fiel, folgte sein unfehlbarerBlick dem jungen Mann, der, begleitet von seinen Freunden, das Orchester verließ. Dann erschien derselbe Kopf wieder in einer Loge der seinigen gegenüber. Der Graf fühlte, daß der Sturm gegen ihn losbrach, und als er den Schlüssel im Schlosse seiner Loge drehen hörte, wußte er, obgleich er in diesem Augenblick lächelnd mit dem neben ihm sitzenden Morel sprach, wasbevorstand, und war auf alles gefaßt.
Die Tür öffnete sich. Jetzt erst wandte sich Monte Christo um und erblickte Albert zitternd und leichenblaß. Hinter ihm standenBeauchamp und Chateau‑Renaud.
Sieh da! rief er mit jener wohlwollenden Höflichkeit, die gewöhnlich seinen Gruß von den Alltagsgrüßen unterschied, mein Reiter ist am Ziele angelangt. Guten Abend, Herr von Morcerf.
Und das Gesicht dieses Mannes, der auf eine so seltsame Weise seiner Herr war, drückte die vollkommenste Herzlichkeit aus.
Nun erst erinnerte sich Morel desBriefes, den er vom Vicomte empfangen, und worin ihn dieser ohne eine andere Erklärung gebeten hatte, sich in der Oper einzufinden, und erbegriff, daß etwas Furchtbares vor sich gehen sollte.
Wir kommen nicht hierher, um heuchlerische Höflichkeiten und falsche Freundschaftsbezeugungen auszutauschen, sagte der junge Mann; wir kommen, um eine Erklärung von Ihnen zu fordern, Herr Graf.