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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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»Le duc d’Oldenbourg Supporte son malheur avec une force de caractère et une résignation admirable«, bemerkte Boris, sich ehrerbietig ins Gespräch mischend.

Er sagte das deshalb, weil er auf der Durchreise in Petersburg die Ehre gehabt hatte, dem Herzog vorgestellt zu werden. Fürst Nikolaj Andrejewitsch sah den jungen Mann an, als wolle er daraufhin etwas zu ihm sagen, überlegte es sich aber dann anders, weil er ihn für zu jung dafür hielt.

»Ich habe unsern Protest, die oldenburgische Angelegenheit betreffend, gelesen und war über die schlechte Abfassung dieser Note recht erstaunt«, sagte Graf Rastoptschin in dem lässigen Ton eines Menschen, der über eine Sache, die ihm wohlbekannt ist, ein Urteil fällt.

Pierre sah Rastoptschin mit naivem Erstaunen an, er konnte nicht begreifen, wie man sich an der schlechten Abfassung einer Note stoßen könne.

»Ist das denn nicht ganz gleich, Graf, wie eine Note abgefaßt ist«, sagte er, »wenn nur ihr Inhalt Hand und Fuß hat?«

»Mon cher, avec nos 500 mille hommes de troupes, il serait facile d’avoir un beau style«, erwiderte Graf Rastoptschin.

Da begriff Pierre, warum dem Grafen Rastoptschin die Abfassung der Note mißfallen hatte. »Die Gattung der Federfuchser scheint sich ja jetzt reichlich vermehrt zu haben«, bemerkte der alte Fürst. »Dort in Petersburg schreibt ja jetzt alles; und nicht nur Noten, auch neue Gesetze werden da zu Papier gebracht. Mein Andrjuscha hat da für Rußland einen ganzen Band Gesetze zusammengeschrieben. Heutzutage schreibt ja jedermann!« Und er lachte unnatürlich auf.

Die Unterhaltung verstummte einen Augenblick. Der alte General hüstelte und zog damit die Aufmerksamkeit auf sich.

»Haben Sie schon von den Zwischenfällen bei der letzten Parade in Petersburg gehört? Wie sich da der neue französische Gesandte benommen hat!«

»Was meinen Sie damit? Ja, ich hörte so etwas, daß er in Anwesenheit Seiner Majestät etwas Ungeschicktes gesagt haben soll.«

»Seine Majestät machte ihn auf eine Division Grenadiere und auf unseren Parademarsch aufmerksam«, fuhr der General fort, »und da soll der Gesandte das gar nicht weiter beachtet und geäußert haben: ›Wir in Frankreich haben für solche Spielereien gar keinen Sinn.‹ Der Kaiser hat ihn keines Wortes weiter gewürdigt. Auch auf der nächsten Parade soll er sich nicht ein einziges Mal an ihn gewandt haben.«

Alle schwiegen: über diese Tatsache, die sich wieder auf die Person des Kaisers bezog, durfte sich niemand ein Urteil erlauben.

»Impertinente Menschen!« sagte der Fürst. »Kennen Sie Métivier? Den habe ich heute zum Hause hinausgejagt. Er war hier, man hatte ihn hereingelassen, obgleich ich darum gebeten hatte, alle abzuweisen«, sagte der Fürst mit einem ärgerlichen Blick auf seine Tochter.

Und er erzählte seine ganze Unterhaltung mit dem französischen Arzt und legte die Gründe dar, warum er zu der Überzeugung gekommen war, daß Métivier ein Spion sei. Obgleich diese Gründe nicht sehr stichhaltig und ziemlich unklar waren, wagte doch niemand, ihm zu widersprechen.

Nach dem Braten wurde Champagner gereicht. Die Gäste standen von ihren Plätzen auf und beglückwünschten den alten Fürsten. Prinzessin Marja ging ebenfalls zu ihm hin.

Er sah sie mit einem kalten, bösen Blick an und hielt ihr seine runzlige, glattrasierte Backe hin. Sein ganzer Gesichtsausdruck sagte ihr, daß er das Gespräch von heute morgen noch nicht vergessen habe, daß er seinen Entschluß mit der früheren Festigkeit aufrechterhalte, und daß er ihr das jetzt nur wegen der Anwesenheit der Gäste nicht sage.

Nachdem man zum Kaffee in den Salon hinübergegangen war, setzten sich die alten Herren zusammen.

Fürst Nikolaj Andrejewitsch wurde immer lebhafter und legte seine Ansicht über den bevorstehenden Krieg dar.

Er sagte, unsere Kriege mit Bonaparte würden so lange unglücklich verlaufen, wie wir mit den Deutschen Bündnisse suchten und uns in europäische Händel einließen, in die wir durch den Tilsiter Frieden hineingezogen worden seien. Wir hätten weder für Österreich noch gegen Österreich Krieg zu führen. Unsere Politik dürfe sich nur auf den Osten beschränken, und gegen Bonaparte brauchten wir bloß eine bewaffnete Grenzmacht und etwas Festigkeit in der Politik, und dann werde er nie wieder wagen, die russischen Grenzen zu überschreiten wie Anno 1807.

»Aber wie sollten wir denn gegen die Franzosen kämpfen, Fürst?« rief Graf Rastoptschin. »Können wir gegen unsere Lehrmeister, gegen unsere Götter Krieg führen? Sehen Sie nur unsere Jugend, sehen Sie nur unsere Damen an! Unsere Götter sind nun einmal die Franzosen, und unser Himmelreich – Paris.«

Er fing an, lauter zu sprechen, sichtlich aus dem Grund, damit ihn alle hören sollten: »Wir kleiden uns französisch, wir denken französisch, wir fühlen französisch. Da haben Sie heute diesen Métivier mit einem Fußtritt aus dem Hause gejagt, weil er ein Franzose, ein Halunke ist, unsere Damen aber rutschen auf den Knien vor ihm herum. Gestern war ich auf einer Abendgesellschaft, da waren von fünf Damen drei katholisch und durften nach einer Entscheidung des Papstes sonntags auf Kanevas sticken. Dabei saßen sie aber fast nackt da wie – wenn ich mir diesen Vergleich erlauben darf – die Gestalten auf den Reklameschildern der öffentlichen Badeanstalten. Ach, Fürst, wenn man so unsere Jugend ansieht, da möchte man am liebsten den alten Stock Peters des Großen aus der Kunstkammer hervorholen und ihnen einmal auf russisch den Buckel vollhauen, damit der ganze Unfug herausspränge!«

Alle schwiegen. Der alte Fürst sah Rastoptschin lächelnd an und nickte bestätigend.

»Aber nun leben Sie wohl, Durchlaucht, lassen Sie sich von der Krankheit nicht unterkriegen!« sagte Rastoptschin, stand mit der ihm eigenen Behendigkeit auf und reichte dem Fürsten die Hand.

»Leb wohl, mein Lieber, ich höre immer gern deiner Unterhaltung zu«, sagte der alte Fürst, hielt seine Hand fest und reichte ihm die Wange zum Kuß hin. Mit Rastoptschin zusammen erhoben sich auch die übrigen.

4

Prinzessin Marja hatte inzwischen im Salon gesessen und den Reden und Urteilen der alten Herren zugehört, ohne etwas von dem, was sie hörte und sah, zu begreifen: sie hatte nur immer den einen Gedanken, ob nicht alle Gäste die feindliche Stimmung ihres Vaters gegen sie bemerkt hätten. So hatte sie nicht einmal die besondere Aufmerksamkeit und Liebenswürdigkeit wahrgenommen, die ihr Drubezkoj, der heute schon zum drittenmal bei ihnen war, während der ganzen Zeit des Mittagessens entgegengebracht hatte.

Mit einem zerstreut fragenden Blick sah Prinzessin Marja zu Pierre auf, der als letzter der Gäste mit dem Hut in der Hand und einem Lächeln auf den Lippen noch einmal zu ihr herantrat, nachdem der Fürst schon hinausgegangen war und sie beide im Salon allein zurückgeblieben waren.

»Darf ich noch einen Augenblick Platz nehmen?« fragte er und ließ seinen gewichtigen Körper schwerfällig in einen Sessel neben Prinzessin Marja fallen.

»Aber gewiß«, sagte sie. Sie haben nichts bemerkt? fragte ihr Blick.

Pierre befand sich in jener angenehmen Gemütsverfassung, in die er sich nach Tisch immer versetzt fühlte. Er sah vor sich hin und lächelte unmerklich.

»Kennen Sie diesen jungen Menschen schon lange, Prinzessin?« fragte er.

»Welchen jungen Menschen?«

»Drubezkoj.«

»Nein, noch nicht lang …«

»Gefällt er Ihnen?«

»Ja, er ist ein netter Mensch … Aber warum fragen Sie mich danach?« sagte Prinzessin Marja, war aber in Gedanken immer noch bei ihrem Gespräch mit dem Vater von heute morgen.

»Deshalb, weil ich eine Beobachtung gemacht habe: die jungen Leute kommen gewöhnlich von Petersburg nach Moskau auf Urlaub, nur um sich hier eine reiche Frau zu suchen.«

»Das haben Sie beobachtet?« fragte Prinzessin Marja.

»Ja«, fuhr Pierre lächelnd fort. »Und dieser junge Mann, von dem wir eben sprachen, macht es jetzt hier so, daß er immer da auftaucht, wo ein reiches junges Mädchen ist. Ich lese in ihm wie in einem aufgeschlagenen Buch. Er schwankt jetzt noch, wo er den ersten Sturmangriff wagen solclass="underline" bei Ihnen oder bei Julie Karagina. Il est très assidu auprès d’elle.«

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