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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Der Abbé ließ ihn den Geruch des Fläschchens einatmen, der Verwundete öffnete die Augen wieder. Seine Rachgier hatte ihn während seiner Ohnmacht nicht verlassen.

Ah! Sie werden alles sagen, nicht wahr, Herr Abbé?

Alles werde ich sagen, er habe Ihnen ohne Zweifel den Plan dieses Hauses in der Hoffnung gegeben, der Graf würde Sie töten. Ich werde sagen, er habe den Grafen durch einBillettbenachrichtigt; ich werde sagen, in Abwesenheit des Grafen habe ich diesesBillett empfangen und gewacht, um Sie zu erwarten.

Und man wird ihn hinrichten, nicht wahr? versetzte Caderousse, Sie versprechen es mir? Ich sterbe mit dieser Hoffnung, sie wird mir den Tod erleichtern.

Ich werde sagen, er sei hinter Ihnen gekommen, er habe die ganze Zeit gelauert und sei, als er Sie habe weggehen sehen, an die Ecke gelaufen, wo er sich verborgen.

Sie haben also dies alles gesehen?

Erinnern Sie sich meiner Worte: Wenn du unversehrt nach Hause kommst, glaube ich, daß Gott dir verziehen hat, und verzeihe dir ebenfalls.

Und Sie haben mich nicht gewarnt? rief Caderousse, indem er versuchte, sich auf seinen Ellenbogen zu erheben; Sie wußten, daß ichbeim Weggehen ermordet werden würde, und haben mich nicht gewarnt?

Nein, denn in der HandBenedettos sah ich die Gerechtigkeit Gottes, und ich hätte einen fluchwürdigen Frevel zubegehen geglaubt, würde ich mich den Absichten der Vorsehung widersetzt haben.

Die Gerechtigkeit Gottes! Sprechen Sie mir nicht davon, Herr Abbé, wenn es eine Gerechtigkeit Gottes gäbe, so müßten, wie Siebesser wissen, als irgend jemand, gewisse Personen gestraft sein, die es nicht sind.

Geduld, sagte der Abbé mit einem Tone, der den Sterbendenbeben ließ, Geduld!

Caderousse schaute ihn erstaunt an.

Und dann, sagte der Abbé, ist Gott vollBarmherzigkeit gegen alle, wie er es auch gegen dich gewesen ist; er ist Vater, ehe er Richter ist.

Ah! Sie glauben also an Gott?

Wenn ich das Unglück gehabt hätte, bis jetzt nicht an ihn zu glauben, so würde ich esbei deinem Anblick tun.

Caderousse hobdie geballten Fäuste zum Himmel empor.

Höre, sagte der Abbé, die Hand über den Verwundeten ausstreckend, höre, was dieser Gott, den du in deinem letzten Augenblicke verleugnen willst, für dich getan hat. Er hat dir deine Gesundheit, deine Kraft, eine sichere Arbeit, sogar Freunde, kurz ein Leben gegeben, wie es den Menschen erscheinen muß, um süß zu sein. Statt diese Gaben des Herrn zubenutzen, hast du dich der Trägheit, der Trunkenheit hingegeben, und in der Trunkenheit einen deinerbesten Freunde verraten.

Zu Hilfe! rief Caderousse, ichbrauche keinen Priester, sondern einen Arzt; vielleichtbin ich noch nicht auf den Tod verwundet, vielleicht werde ich noch nicht sterben, vielleicht kann man mich noch retten.

Dubist so sicher auf den Tod verwundet, daß du ohne die drei Tropfen, die ich dir soeben gegeben, bereits verschieden wärest. Höre also!

Ah! murmelte Caderousse, was für ein seltsamer Priester sind Sie, der Sie die Sterbenden in Verzweiflungbringen, statt sie zu trösten.

Höre, fuhr der Abbé fort, als du deinen Freund verraten hattest, fing Gott an, nicht dich zu schlagen, sondern zu warnen. Du versankst in Armut und littest Hunger; du hattest die Hälfte deines Lebens statt mit Arbeit mit Neid hingebracht und dachtestbereits an Verbrechen, als Gott ein Wunder für dich tat und dir durch meine Hände mitten in deinem Elend ein für dich glänzendes Vermögen schickte. Doch dieses unverhoffte Vermögen genügte dir nicht mehr, sobald du esbesaßest; du wolltest es verdoppeln, durch welches Mittel? Durch einen Mord. Da faßte dich Gott und führte dich vor die menschliche Gerechtigkeit.

Nicht ich wollte den Juden töten, sondern die Carconte.

Ja, auch gestattete der stetsbarmherzige Gott, daß deine Richter von deinen Worten gerührt wurden und dir das Leben ließen.

Ja, vortrefflich, um mich für mein ganzes Dasein in dasBagno zu schicken: eine schöne Gnade!

Diese Gnade, Elender, hast du doch als eine Gnadebetrachtet, als man sie dir gewährte; dein feiges Herz, das vor dem Tode zitterte, hüpfte vor Freudebei der Ankündigung einer ewigen Schmach, denn du sagtest dir: Es gibt eine Tür amBagno, das Grababer hat keine. Und du hattest recht, denn diese Tür öffnete sich unerwartet für dich; ein Engländerbesuchte Toulon, er hatte das Gelübde getan, zwei Menschen der Ehrlosigkeit zu entziehen, und seine Wahl fällt auf dich und deinen Gefährten. Ein zweites Glück kommt für dich vom Himmel herab, du findest zugleich Gold und Ruhe, du kannst wieder anfangen, das Leben aller redlichen Menschen zu führen. Da versuchst du Gott zum drittenmale. Ich habe nicht genug, sagst du, während du mehr hattest, als je, und dubegehst ein drittes Verbrechen, ohne Grund, ohne Entschuldigung. Gott war müde, Gottbestrafte dich.

Caderousse wurde sichtbar immer schwächer.

Zu trinken! sagte er; ich habe Durst… ichbrenne!

Monte Christo reichte ihm ein Glas Wasser.

VerfluchterBenedetto! sagte Caderousse, das Glas zurückgebend, er wird entkommen!

Niemand wird entkommen, das sage ich dir, Caderousse,…Benedetto wirdbestraft werden.

Dann werden Sie auchbestraft, erwiderte Caderousse, denn Sie haben Ihre Priesterpflicht nicht getan… Sie hättenBenedetto verhindern sollen, mich zu töten.

Ich! sagte der Graf mit einem Lächeln, das den Sterbenden vor Schrecken in Eis verwandelte, ich, Benedetto verhindern, dich zu töten, in dem Augenblick, wo du dein Messer an meinem Panzerhemde zerbrochen hattest!.. Ja, vielleicht;… würde ich dich demütig und voll Reue gefunden haben, so hätte ichBenedetto am Ende abgehalten, dich zu töten; aber ich fand dich hochmütig undblutgierig und ließ Gottes Willen sich erfüllen.

Ich glaube nicht an Gott! heulte Caderousse, du glaubst ebensowenig an ihn, du lügst!

Schweig! sagte der Abbé, Du glaubst nicht an Gott und stirbst, von Gott getroffen!.. Und Gott, der doch nur ein Gebet, eine Träne, ein Wort verlangt, um zu verzeihen… Gott, der den Dolch des Mörders so lenken konnte, daß du auf der Stelle verschieden wärest, Gott hat dir eine Viertelstunde zur Reue gegeben… Gehe also in dich, Unglücklicher, undbereue!

Nein, sagte Caderousse, ichbereue nicht, es gibt keinen Gott, keine Vorsehung, es gibt nur einen Zufall.

Es gibt eine Vorsehung, es gibt einen Gott, sagte Monte Christo, und zumBeweise dient, daß du hier liegst, in Verzweiflung, Gott leugnend, während ich, aufrecht, reich, glücklich, gesund vor dir stehe und die Hände vor diesem Gotte falte, den du leugnen willst, während du im Grunde deines Herzens doch an ihn glaubst.

Aber wer sind Sie denn? fragte Caderousse, seine sterbenden Augen auf den Grafen heftend.

Schau mich wohl an, versetzte der Graf, sich die Kerze an das Gesicht haltend.

Nun! der Abbé… der AbbéBusoni… Monte Christo nahm die entstellende Perrücke abund ließ die schönen, schwarzen Haare zurückfallen, die so harmonisch seinbleiches Gesicht umrahmten.

Oh! rief Caderousse erschrocken, wenn nicht diese schwarzen Haare wären, so würde ich sagen, Sie seien der Engländer, ich würde sagen, Sie seien Lord Wilmore.

Ichbin weder der AbbéBusoni, noch Lord Wilmore, sagte Monte Christo; schauebesser, schaue ferner, schaue in deine ersten Erinnerungen!

In diesen Worten des Grafen lag ein magnetischer Klang, von dem die erschöpften Sinne des Elenden zum letztenmale wiederbelebt wurden. Oh! in der Tat, sagte er, es kommt mir vor, als hätte ich Sie einst gesehen, als hätte ich Sie einst gekannt.

Ja, Caderousse, ja, du hast nach gekannt.

Aber wer sind Sie denn? Und warum lassen Sie mich sterben, wenn Sie mich gekannt haben?

Weil nichts dich retten kann, weil deine Wunden tödlich sind. Wenn du hättest gerettet werden können, so würde ich darin eine letzteBarmherzigkeit des Herrn gesehen haben, und hätte es versucht, das schwöre ich dirbei dem Grabe meines Vaters, dich dem Leben und der Reue zurückzugeben.

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