Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]
- Автор: Клемент Хол
- Год: 2011
- Язык: немецкий
- Год: WILHELM HEYNE VERLAG
- Переводчик: Wulf H. Bergner
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Botschafter von den Sternen [Close to Critical - de]». Краткое содержание книги:
Der Autor hat seit Jahren in den Kreisen der SFAnhänger einen ausgezeichneten Ruf, weil er es wie kaum ein anderer versteht, die Reaktionen von Lebewesen in einer fremden Umgebung lebensecht zu schildern.
„Wie steht es mit seinen Leuten?“
„Sie haben ihm dabei geholfen. Warum sollen wir sie also besser behandeln?“
„Nick, ich habe Verständnis für deinen Standpunkt, aber ich kann ihm trotzdem nicht beipflichten.
Vielleicht läßt du dich später überzeugen, aber im Augenblick ist die Zeit zu knapp.
Dein Plan — falls er diese Bezeichnung überhaupt verdient — hat einige gute, aber auch viele schlechte Punkte. Wenn diese Halbinsel tatsächlich eineinhalb Tage von hier entfernt ist, kann ich sie unmöglich vor Swift erreichen; du mußt berücksichtigen, daß er wesentlich rascher vorankommt als ich. Außerdem hast du ihnen jetzt das Feuer wiedergebracht, so daß ein Fluchtversuch bei Nacht schwerer als zuvor durchzuführen ist.“
„Was soll das heißen? Sie haben doch Feuer aus unserem Dorf mitgenommen!“
„Richtig, aber sie haben es schon am zweiten Tag nach unserer Ankunft ausgehen lassen und sitzen seitdem ohne Feuer da. Ich sollte ihnen zeigen, wie man Feuer macht, aber das ist nicht leicht — zum Beispiel kann ich die Schrillaute in ihrer Sprache nicht sehr gut nachmachen. Swift ist allerdings sehr geduldig mit mir gewesen. Wahrscheinlich ist er jetzt noch umgänglicher, aber ich glaube nicht, daß dadurch die Flucht leichter wird.“
„Dann hätte ich vielleicht doch lieber nicht kommen sollen, Lehrer. Tut mir leid.“
„Mir nicht. Mein ursprünglicher Plan hat sich bereits zerschlagen, so daß ich allen Grund habe, dir dankbar zu sein. Ich wollte nur sagen, daß wir scharf nachdenken müssen, bevor wir aus dieser Klemme heraus sind. Vielleicht versteckst du dich lieber einige Stunden lang, während ich nachdenke; schließlich hat es keinen Sinn, wenn du Swift in die Arme läufst.“
„Aber wie soll ich das anstellen? Swifts Leute haben jetzt wieder Feuer und können mich verfolgen — was sie ohnehin auf jeden Fall tun werden. Wenn der Regen einsetzt, muß ich eine Fackel anzünden, die meilenweit sichtbar ist. Ich dachte, du würdest gleich mitkommen.“
„Das sehe ich alles ein, aber ich weiß vorläufig noch nicht, was wir dagegen tun können. Wahrscheinlich taucht Swift innerhalb der nächsten Minuten hier auf.“ Fagin machte eine Pause, als denke er nach; Nick wußte selbstverständlich nicht, daß dergleichen Unterbrechungen aufgeregte Gespräche zwischen mehreren Männern an Bord der Vindemiatrix bedeuteten, die über zweihundertfünfzigtausend Kilometer entfernt im Raum schwebte. „Hör zu, Nick.
Hier liegt doch eine Menge brennbares Zeug herum?“
„Ja.“
„Und der einzige Weg von dem Grat ins Dorf herab führt durch einen engen Felsspalt?“
„Ja, wenn man nicht einen Umweg von mindestens vier Kilometern machen will…“
„Hm. Von mir aus dürften es zehn Kilometer sein.
Glaubst du, daß du ein großes Feuer am Ausgang der Felsspalte anzünden kannst, von dem Swifts Leute aufgehalten werden, während wir fliehen? Du mußt dich aber beeilen; wahrscheinlich kommen sie schon wieder herunter, wenn sie nicht noch nach dir suchen.“
„Ein Versuch kann nicht schaden.“ Nick wußte, daß er keine Zeit mehr zu verlieren hatte. „Vermutlich haben sie mich bereits gesehen, aber das ist nicht mehr zu ändern. Wenn ich dich nicht einhole, hältst du dich einfach nach Ostnordost, bis du das Meer erreichst, und folgst der Küste, wo du früher oder später auf die anderen triffst. Ich versuche Swift und seine Leute aufzuhalten; du machst dich lieber sofort auf den Weg.“
Nick wartete Fagins Antwort nicht ab, sondern rannte auf die Felswand zu, wobei er unterwegs Holz aufnahm. Seine Fackel war fast ausgebrannt, aber es gelang ihm trotzdem, den Holzstoß mit dem letzten Funken in Brand zu setzen. Dann machte er sich wieder auf die Suche und schleppte mehr Brennmaterial heran, bis der Felsspalt völlig versperrt war.
Als der Stoß hoch genug aufgetürmt war, machte Nick sich ebenfalls auf den Weg, wobei er Fagins Spur folgte. Das war ziemlich einfach, denn die zwei Meter breite Fährte des Roboters war nicht zu verkennen. Fagin hatte kaum einen Kilometer zurückgelegt, als Nick ihn einholte.
„In der gleichen Richtung weiter“, sagte Nick. „Ich will versuchen, ob ich Swift und seine Leute in die Irre führen kann.“ Er setzte einen Busch in Brand und rannte dann in einem weiten Bogen nach Norden weiter, wobei er ein Feuer nach dem anderen legte.
Schließlich erreichte er die Spur, die Fagin zurückgelassen hatte, als er aus dem Dorf entführt worden war. Nick folgte ihr einige Kilometer weit und hinterließ auch hier brennende Büsche. Die Höhlenbewohner mußten sie von dem Grat aus sehen können; vielleicht wurden sie dadurch getäuscht und schlugen die falsche Richtung ein.
Dann rannte Nick zu Fagin zurück, wobei er seine Fackel möglichst verdeckt trug. Er fand Fagins Spur ohne Schwierigkeit, obwohl der Roboter vernünftig genug war, sich möglichst nur in Tälern zu bewegen.
Fagin hörte sich Nicks Bericht an und schien zufrieden zu sein.
„Ausgezeichnet“, meinte er. „Ich glaube allerdings, daß wir bald Gesellschaft bekommen werden.“
„Ich auch“, gab Nick zu.
Trotzdem verstrichen die nächsten Stunden, ohne daß hinter ihnen Verfolger aufgetaucht wären. Nick konnte leicht mit dem Lehrer Schritt halten, obwohl er die Pfützen umgehen mußte, die Fagin in gerader Linie durchquerte. Die Regentropfen wurden durchsichtiger und gleichzeitig gefährlicher; Pfützen und Lachen breiteten sich immer weiter aus, als die unterste Schicht der Planetenatmosphäre wie in jeder Nacht in einen anderen Aggregatzustand überging.
„Obwohl ich eine deutliche Spur hinterlasse, müssen Swifts Leute bei der Verfolgung bereits Schwierigkeiten haben“, sagte Fagin. „Allmählich scheint sich unsere Lage zu bessern.“
„Das glaube ich nicht“, sagte Nick.
„Warum?“
„Die Teiche werden immer größer, und die Täler vor uns sind sehr lang und tief. Ich erinnere mich noch an die Flüsse, die ins Meer fließen. Wenn wir auf einen Fluß stoßen, was sich kaum vermeiden läßt, können wir nickt weiter.“
„Im Gegenteil, das wäre ausgezeichnet! Swift kann keinen Fluß durchqueren.“
„Ich auch nicht.“
„Nicht allein. Aber ich kann dich tragen, was völlig ungefährlich wäre; bisher kenne ich kein Tier, das in klarem Wasser leben kann — oder zumindest bei Bewußtsein bleibt.“
„Im Meer gibt es welche.“
„Das Meer besteht aber erst gegen Morgen aus klarem Wasser. Ich glaube, daß wir in dieser Beziehung nichts zu befürchten haben. Suchen wir lieber nach einem dieser Flüsse.“
„Einverstanden. Hoffentlich hast du recht.“ Nick war daran gewöhnt, in sauerstofffreiem Wasser das Bewußtsein zu verlieren, aber trotzdem war er von der Vorstellung nicht begeistert, sich in diesem Zustand wie ein Sack transportieren zu lassen. Wenn Fagin das jedoch für richtig hielt …
Zunächst schien er sich allerdings zu früh Sorgen gemacht zu haben. Die Tücke des Objekts wollte es, daß sie keinen Fluß fanden, als sie danach suchten.
Statt dessen erreichten sie einige Stunden vor Tagesanbruch das Meer.
Dieser Punkt lag weit südlich der Stelle, an der die übrigen Mitglieder der Gruppe warteten. Nick hatte Fagin absichtlich so geführt, damit kein Zweifel daran bestehen konnte, in welcher Richtung sie der Küste folgen mußten. Sie wandten sich nach links.
Selbstverständlich waren sie noch weit von der Halbinsel entfernt, die Nick als Falle für Swift und seine Leute hatte benützen wollen, aber deswegen machte er sich im Augenblick keine Sorgen. Viel schlimmer war, daß weit und breit kein Fluß sichtbar wurde; dazu kam noch ein deutlicher Lichtschein, der in einiger Entfernung hinter ihnen aufleuchtete. Seine Bedeutung war klar, denn selbst bei Tagesanbruch zeichnete sich kein so helles Leuchten am Horizont ab.