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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Er hat mir das gleiche erzählt. Ich glaube nicht, daß er uns kennt«, fügte er bedächtig hinzu. »Ich glaube nicht, daß er weiß, welcher von uns...« Welcher von uns was ist?

Als er sich aufrichtete, stach ein scharfer Schmerz durch seine Hand. Er ging zum Tisch, brachte es beim dritten Versuch fertig, die Kerze zu entzünden, und öffnete seine Hand in ihrem Licht. In seiner Handfläche steckte ein dicker Splitter aus dunklem Holz, auf einer Seite glatt und glänzend. Er starrte ihn an, und der Atem stockte ihm. Dann schnaufte er laut und zupfte ungeschickt und hastig an dem Splitter. »Was ist los?« fragte Mat.

»Nichts.«

Schließlich bekam er ihn zu fassen und riß ihn mit einem Ruck heraus. Mit einem angeekelten Knurren ließ er ihn fallen, doch das Knurren erstarb ihm in der Kehle. Sobald der Splitter aus seinem Finger heraus war, verschwand er. Allerdings hatte er immer noch die Wunde in seiner Hand, und sie blutete. In einem irdenen Krug befand sich Wasser. Er füllte damit die Waschschüssel. Seine Hände zitterten so stark, daß er Wasser auf dem Tisch verschüttete. Eilig wusch er sich die Hände. Er knetete seine Handfläche durch, bis unter seinem Daumen noch mehr Blut emporquoll, und dann wusch er sie nochmals. Der Gedanke daran, daß auch nur ein kleiner Splitter in seinem Fleisch zurückgeblieben sein könnte, ängstigte ihn. »Licht«, sagte Mat, »ich fühlte mich auch so schmutzig bei ihm.« Aber er lag noch immer wie vorher dort und umklammerte den Dolch mit beiden Händen.

»Ja«, sagte Rand. »Schmutzig.« Er kramte in dem Stapel neben der Waschschüssel nach einem Handtuch. Es klopfte an die Tür, und er erschrak. Es klopfte nochmals. »Ja?« sagte er.

Moiraine steckte den Kopf ins Zimmer. »Ihr seid schon wach? Gut. Zieht euch schnell an und kommt runter. Wir müssen vor Anbruch der Morgendämmerung weg sein.«

»Jetzt schon?« stöhnte Mat. »Wir haben kaum eine Stunde lang geschlafen.«

»Eine Stunde?« sagte sie. »Es waren vier Stunden. Jetzt beeilt euch; wir haben nicht viel Zeit.«

Rand wechselte einen verwirrten Blick mit Mat. Er konnte sich ganz deutlich an jede Sekunde des Traumes erinnern. Er hatte begonnen, sobald er die Augen geschlossen hatte, und er hatte nur Minuten lang gedauert.

Etwas an ihren Blicken mußte sich auch Moiraine mitgeteilt haben. Sie blickte sie durchdringend an und kam nun ganz herein. »Was ist geschehen? Die Träume?«

»Er weiß, wer ich bin«, sagte Mat. »Der Dunkle König kennt mein Gesicht.«

Rand hob wortlos die Hand, so daß sie die Handfläche sehen konnte. Selbst in dem düsteren Licht der einen Kerze war das Blut klar zu erkennen.

Die Aes Sedai trat vor und ergriff seine hochgehaltene Hand. Ihr Daumen bedeckte die Wunde. Kälte schnitt ihm bis in die Knochen. Es war so kalt, daß sich seine Finger verkrampften und er sich anstrengen mußte, um die Hand offen zu lassen. Als sie ihre Finger wegnahm, verschwand auch die Kälte.

Dann drehte er wie betäubt die Hand um und rubbelte den dünnen Blutschmierer weg. Die Wunde war verschwunden. Langsam hob er den Blick und sah der Aes Sedai in die Augen. »Beeilt euch«, sagte sie leise. »Es bleibt nicht viel Zeit.«

Er wußte, sie sprach nicht mehr von der Zeit für ihre Abreise.

44

Dunkelheit über den kurzen Wegen

In der Dunkelheit kurz vor Beginn der Dämmerung folgte Rand Moiraine hinunter zum rückwärtigen Flur, wo Meister Gill und die anderen bereits warteten. Nynaeve und Egwene wirkten genauso ängstlich wie Loial, während Perrin ebenso ruhig erschien wie der Behüter. Mat blieb Rand auf den Fersen, als habe er Angst davor, auch nur ein wenig allein zu sein, auch nur wenige Schritte entfernt zurückgelassen zu werden. Die Köchin und ihre Helferinnen richteten sich auf und sahen neugierig zu, wie die Gesellschaft leise in die Küche ging, die bereits hell erleuchtet war und wo die Frühstücksvorbereitungen auf vollen Touren liefen. Es war nichts Ungewöhnliches, daß zu dieser Stunde bereits Gäste auf den Beinen und unterwegs waren. Meister Gill sagte etwas Beruhigendes, und die Köchin schniefte vernehmlich und klatschte ihren Teig kraftvoll auf den Tisch. Sie waren alle bereits wieder damit beschäftigt, Backbleche einzufetten und Teig zu kneten, als Rand die Tür zum Stallhof erreichte.

Draußen herrschte immer noch pechschwarze Nacht. Rand nahm die anderen höchstens als noch dunklere Schatten wahr. Er folgte blind dem Wirt und Lan und hoffte, Meister Gills Kenntnis seines eigenen Stallhofs und Lans Instinkt würden sie hinüberbringen, ohne daß sich irgend jemand ein Bein brach. Loial stolperte mehr als einmal.

»Ich sehe nicht ein, warum wir nicht wenigstens ein kleines Licht mitführen sollten«, murrte der Ogier. »Im Stedding rennen wir auch nicht einfach in der Dunkelheit herum. Ich bin ein Ogier und keine Katze.« Rand stellte sich vor, wie Loials behaarte Ohren dabei nervös zuckten.

Plötzlich ragte der Stall in der Nacht vor ihnen auf -eine bedrohlichdunkle Masse, bis die Stalltür sich knarrend öffnete und sich ein schmaler Lichtstreifen in den Hof ergoß. Der Wirt öffnete sie nur gerade so weit, daß sie sich einzeln hindurchschieben konnten, und schloß sie hastig wieder hinter Perrin, dem er beinahe noch die Fersen eingequetscht hätte. Rand blinzelte in das unvermittelt helle Licht im Inneren.

Die Stallburschen waren bei ihrem Erscheinen nicht so überrascht wie die Köchin. Ihre Pferde waren bereits gesattelt und warteten. Mandarb stand arrogant da und beachtete niemanden außer Lan, aber Aldieb streckte die Nase in Moiraines Hand. Da standen noch ein Packpferd, das mit seinen auf beiden Seiten herunterhängenden Transportkörben unförmig wirkte, und ein riesiges Tier mit langem, zotteligem Haar selbst an den Fesseln -größer noch als der Hengst des Behüters -, das für Loial bestimmt war. Es sah groß genug aus, um ganz allein einen vollbeladenen Heuwagen zu ziehen, doch verglichen mit dem Ogier war es ein Pony.

Loial beäugte das große Pferd und murmelte zweifelnd: »Meine eigenen Füße sind bisher immer gut genug gewesen.«

Meister Gill winkte Rand heran. Der Wirt lieh ihm einen Braunen, der beinahe dieselbe Haarfarbe aufwies wie Rand selbst, mit großem, kräftigem Körperbau, jedoch — Rand war froh, das zu sehen — ohne das Feuer im Gang wie bei Wolke. Meister Gill sagte, er hieße Roter. Egwene ging geradewegs zu Bela hinüber und Nynaeve zu ihrer hochbeinigen Stute. Mat führte seinen Grauen zu Rand herüber. »Perrin macht mich nervös«, meinte er leise. Rand sah ihn durchdringend an. »Na ja, er benimmt sich so komisch. Merkst du das nicht auch? Ich schwöre dir, daß es keine Einbildung ist, oder... oder... «

Rand nickte. Dem Licht sei Dank, daß es nicht schon wieder der Dolch ist, der von ihm Besitz ergreift. »Das stimmt, Mat, aber nimm es nicht so schwer. Moiraine weiß Bescheid über... was es auch ist. Perrin geht es gut.« Er wünschte, er könne das glauben, aber Mat schien sich damit zufriedenzugeben, fürs erste jedenfalls.

»Natürlich«, beteuerte Mat schnell, während er Perrin aus den Augenwinkeln beobachtete. »Ich habe ja auch nie behauptet, er fühle sich nicht wohl.«

Meister Gill beriet sich mit dem Stallmeister. Der Mann mit der gegerbten Haut, dessen Gesicht auch an ein Pferd erinnerte, hob das Handgelenk an die Stirn und eilte zur Rückseite des Stalles. Der Wirt wandte sich mit einem zufriedenen Lächeln auf dem runden Gesicht an Moiraine. »Ramey sagt, daß der Weg frei ist, Aes Sedai.«

Die Rückwand des Stalles schien solide und stark gebaut. Schwere Gestelle zum Aufhängen von Geräten standen vor ihr. Ramey und ein weiterer Stallbursche räumten die Rechen, Harken und Schaufeln zur Seite und faßten dann hinter die Gestelle, um verborgene Riegel wegzuschieben. Plötzlich schwang ein ganzer Teil der Wand an so gut verborgenen Angeln nach innen, daß Rand noch nicht einmal sicher war, er könne sie auch jetzt, bei geöffneter Geheimtür, finden. Der Lichtschein aus dem Stall beleuchtete eine Ziegelsteinwand nur ein paar Schritte vor ihnen.

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