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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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Mit einem Schlag zerplatzte die Kälte wie eine Blase, und er blieb stehen, um Luft zu schöpfen. Er befand sich innerhalb der Kurzen Wege. Ein Stück vor ihm warteten Lan und Loial geduldig neben ihren Pferden. Um sie herum war eine Schwärze, die sich in die Unendlichkeit zu erstrecken schien. Ihre Laternen warfen kleine Lichtkreise um sie, zu klein; als drücke jemand das Licht weg oder verzehre es.

Plötzlich ängstigte er sich und riß an dem Zügel. Roter und das Packpferd sprangen durch und überrannten ihn beinahe. Er stolperte, fing sich und eilte zu dem Behüter und dem Ogier hinüber. Die scheuenden Pferde zog er hinter sich her. Die Tiere wieherten leise. Selbst Mandarb schien die Gegenwart der anderen Pferde gutzutun.

»Geh ganz entspannt hinein, wenn du durch ein Wegetor willst, Rand«, ermutigte ihn Loial. »Es ist drinnen in den Wegen... anders als draußen. Schau!«

Er blickte nach hinten, wohin der Ogier deutete. Er glaubte, er werde von hier aus das gleiche matte Schimmern sehen. Statt dessen jedoch blickte er in den Keller wie durch eine große, geschwärzte Glasscherbe. Es beunruhigte ihn, daß der ebenfalls schwarze Rahmen um dieses Fenster in den Keller hinein einen Eindruck von Tiefe erweckte, als stünde die Öffnung im leeren Raum -nichts daneben oder dahinter als die Dunkelheit. Er sprach das mit unsicherem Lachen aus, doch Loial nahm es durchaus ernst.

»Du könntest ganz außen herumgehen und würdest von der anderen Seite her absolut nichts sehen. Ich würde dir das aber nicht raten. Die Bücher drücken sich nicht gerade klar darüber aus, was sich hinter den Wegetoren befindet. Ich glaube, dort könntest du dich verirren und nie wieder den Weg zurück finden.«

Rand schüttelte den Kopf und bemühte sich, sich auf das Wegetor selbst zu konzentrieren und nicht auf das, was dahinter lag. Aber auf gewisse Weise wirkte auch das ziemlich beunruhigend. Wenn es in der Dunkelheit neben dem Wegetor etwas zum Ansehen gegeben hätte, hätte er dorthin geblickt. Der Blick durch die rauchige Düsternis in den Keller hinein zeigte ihm wohl Moiraine und die anderen ganz deutlich, doch sie bewegten sich wie in einem Traum. Jedes Augenzwinkern erschien wie eine bewußte, übertriebene Geste. Mat ging zum Wegetor, als schreite er durch einen See aus durchsichtiger Gelatine. Seine Beine bewegten sich wie schwimmend vorwärts.

»In den Kurzen Wegen dreht sich das Rad schneller«, erklärte Loial. Er sah in die sie umgebende Dunkelheit hinein, und sein Kopf sank tiefer zwischen seine Schultern. »Kein Lebender kennt mehr als nur Bruchstücke davon. Ich habe Angst vor dem, was ich über die Kurzen Wege nicht weiß, Rand.«

»Man kann den Dunklen König nicht besiegen«, sagte Lan, »wenn man kein Risiko eingeht. Aber jetzt sind wir am Leben, und wir können darauf hoffen, am Leben zu bleiben. Gib nicht auf, bevor du nicht geschlagen bist, Ogier.«

»Du würdet nicht so selbstsicher darüber sprechen, wenn du schon jemals die Kurzen Wege betreten hättest.« Loials normalerweise nach fernem Donner klingende Stimme klang nun gedämpft. Er blickte in die Dunkelheit hinein, als sehe er dort etwas. »Ich bin auch noch nie drinnen gewesen, aber ich habe Ogier gesehen, die durch ein Wegetor gegangen und wieder herausgekommen waren. Du würdest nicht so sprechen, hättest du dasselbe hinter dir.«

Mat schritt durch das Tor und gewann an Geschwindigkeit. Einen Augenblick lang sah er in die scheinbar endlose Dunkelheit hinein, und dann rannte er hinüber zu den anderen. Seine Laterne hüpfte an ihrer Stange, und sein hinter ihm hergaloppierendes Pferd hätte ihn beinahe zu Fall gebracht. Einer nach dem anderen kam nun durch: Perrin und Egwene und Nynaeve. Jeder hielt in erschreckter Lautlosigkeit inne und beeilte sich dann, sich zu den anderen zu gesellen. Jede Laterne verstärkte den Lichtschein, doch nicht in dem Maße, wie es hätte sein sollen. Es schien, als verdichte sich die Dunkelheit, je mehr Licht in sie fiel, als kämpfe sie gegen jede Verminderung an.

Diesen Gedankengang wollte Rand nicht weiter verfolgen. Es war schon schlimm genug, überhaupt hier zu sein. Da mußte man nicht auch noch der Dunkelheit einen Eigenwillen zuschreiben. Alle schienen aber diese erdrückende Stimmung zu fühlen. Hier kamen keine trockenen Kommentare von Mat, und Egwene sah aus, als wünschte sie, sie könne ihre Entscheidung mitzukommen noch einmal überdenken. Sie beobachteten alle schweigend das Wegetor, dieses letzte Fenster in die Welt, die sie kannten.

Schließlich befand sich nur noch Moiraine im Keller, der von ihrer mitgebrachten Laterne schwach beleuchtet wurde. Die Bewegungen der Aes Sedai wirkten traumähnlich. Ihre Hand kroch mühsam vorwärts, als sie das Avendesora-Blatt gefunden hatte. Auf dieser Seite befand es sich niedriger im Steinfries, bemerkte Rand. Es war genau dort, wo sie es auf der anderen Seite angedrückt hatte. Sie pflückte es und brachte es in die ursprüngliche Position zurück. Er fragte sich, ob sich das Blatt auf der anderen Seite gleich mit zurückbewegt habe.

Die Aes Sedai kam mit Aldieb im Schlepptau hindurch, und dann begannen sich die Torflügel hinter ihr langsam, ganz langsam zu schließen. Sie kam zu ihnen herüber. Der Lichtschein ihrer Laterne auf dem Tor verschwand, bevor es sich ganz geschlossen hatte. Der immer kleiner werdende Anblick des Kellers wurde schließlich von der Schwärze verschlungen. Der eingeschränkte Lichtkreis ihrer Laternen war völlig von Schwärze umgeben.

Plötzlich schien es ihnen, als seien die Laternen das einzige Licht, das in der Welt noch vorhanden war. Rand fiel erst jetzt auf, daß er Schulter an Schulter zwischen Perrin und Egwene eingequetscht war. Egwene sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an und drückte sich noch mehr an ihn, während Perrin sich nicht bewegte, ihm aber auch nicht Platz machte. Es lag etwas Beruhigendes darin, einen anderen Menschen zu berühren, wenn die ganze Welt gerade von der Dunkelheit verschluckt worden war. Selbst die Pferde schienen zu fühlen, daß sie von den Kurzen Wegen immer enger aneinander gedrängt wurden. Nach außen hin unbeeindruckt, schwangen sich Moiraine und Lan in die Sättel, und die Aes Sedai beugte sich nach vorn, den Arm auf ihren geschnitzten Stab gestützt, der quer über dem hohen Sattelhorn lag. »Wir müssen uns auf den Weg machen, Loial.«

Loial fuhr hoch und nickte lebhaft. »Ja. Ja, Aes Sedai, du hast recht. Wir sollten keine Minute länger als notwendig verharren.« Er deutete auf einen breiten, weißen Streifen unter ihren Füßen, und Rand trat hastig von ihm herunter. Alle von den Zwei Flüssen sprangen ab. Rand glaubte, der Boden sei einst ganz glatt gewesen, aber die Glätte war jetzt durchbrochen, als habe der Stein die Pocken. Die weiße Linie war an mehreren Punkten unterbrochen. »Dies führt uns vom Wegetor zum ersten Wegweiser. Von hier... « Loial sah sich ängstlich um. Dann kletterte er ohne die zuvor an den Tag gelegte Zurückhaltung auf sein Pferd. Das Pferd trug den größten Sattel, den der Stallmeister hatte finden können, aber Loial füllte ihn von einem Ende zum anderen aus. Seine Beine hingen auf beiden Seiten beinahe bis zu den Fesseln des Tieres herunter. »Keine Minute länger als notwendig«, murmelte er. Zögernd saßen die anderen auf.

Moiraine und Lan flankierten den Ogier, als dieser der weißen Linie durch die Dunkelheit folgte. Alle anderen drückten sich dahinter so nahe heran wie möglich. Die Laternen hüpften über ihren Köpfen auf und ab. Die Laternen hätten an sich genug Licht abgeben müssen, um ein ganzes Haus zu beleuchten, aber der Lichtschein reichte nur zehn Fuß weit. Die Schwärze hielt ihn so unvermittelt zurück, als sei er auf eine Wand getroffen. Das Knarren der Sättel und das Klappern der Hufeisen schien mit dem Ende des Lichtscheins ebenfalls zu enden.

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