Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand fuhr hoch. Der Grüne Mann? Die anderen sahen sie ebenfalls überrascht an, nur Loial nicht, dessen breites Gesicht sorgenvoll dreinblickte.
»Ich kann noch nicht einmal riskieren, nach Tar Valon zu kommen, um Hilfe zu holen«, fuhr Moiraine fort. »Die Zeit ist zu knapp. Selbst wenn wir ungehindert aus der Stadt reiten könnten, würden wir viele Wochen brauchen, um die Fäule zu erreichen, und ich fürchte, wir haben nicht mehr wochenlang Zeit.«
»Die Fäule!« Rand hörte, wie die anderen im Chor zu seinem Echo wurden, aber Moiraine beachtete sie nicht.
»Das Muster wirft uns in eine Krise und zeigt uns gleichzeitig einen Weg, sie zu überwinden. Wenn ich nicht wüßte, daß es unmöglich ist, würde ich beinahe glauben, der Schöpfer selbst habe eingegriffen. Es gibt einen Weg.« Sie lächelte, als habe sie einen ihr ganz eigenen Scherz gemacht, und wandte sich Loial zu. »Es gab einen Ogier-Hain hier in Caemlyn und auch ein Wegetor. Heute breitet sich die Neustadt dort aus, wo einst der Hain wuchs, also muß sich das Wegetor innerhalb der Mauern befinden. Ich weiß, daß heutzutage nicht mehr viele Ogier lernen, wie man die Kurzen Wege benützt, aber einer, der ein Talent besitzt und die alten Wachstumslieder lernt, muß sich doch von solchem Wissen angezogen fühlen, selbst wenn er glaubt, sie würden nie mehr benützt. Kennst du die Kurzen Wege, Loial?«
Der Ogier trat unsicher von einem Fuß auf den anderen. »Ja, ich kenne sie, Aes Sedai, aber... «
»Kannst du dich mit Hilfe der Kurzen Wege nach Fal Dara durchfinden?«
»Ich habe noch nie von Fal Dara gehört«, sagte Loial, und es klang erleichtert.
»In den Tagen der Trolloc-Kriege war es auch als Mafal Dadaranell bekannt. Kennst du diesen Namen?«
»Den kenne ich«, sagte Loial zögernd. »Aber... «
»Dann kannst du unseren Weg auch finden«, sagte Moiraine. »Das ist schon wirklich eine seltsame Wendung des Schicksals. Wenn wir weder bleiben noch uns auf irgendeinem normalen Weg fortstehlen können, höre ich von einer Bedrohung des Auges, und es befindet sich auch noch jemand bei uns, der uns in wenigen Tagen dorthin bringen kann. Ob es nun der Schöpfer selbst ist oder nur das Schicksal oder selbst der Dunkle König: Das Muster hat unseren Weg bestimmt.«
»Nein!« sagte Loial. Es klang wie ein aus dem tiefsten Inneren stammendes Donnergrollen. Jeder wandte sich ihm zu, und er blinzelte unter all der Aufmerksamkeit, doch in seinen Worten lag kein Zögern. »Wenn wir die Kurzen Wege betreten, werden wir alle sterben — oder vom Schatten verschlungen.«
43
Entscheidungen und Erscheinungen
Die Aes Sedai schien zu wissen, was Loial meinte, aber sie sagte nichts dazu. Loial sah zu Boden und rieb sich mit einem dicken Finger unter der Nase, als sei er von seinem eigenen Ausbruch peinlich berührt. Niemand wollte etwas sagen.
»Warum?« fragte Rand schließlich. »Warum würden wir sterben? Was sind die Kurzen Wege?«
Loial sah Moiraine an. Sie wandte sich ab und stellte einen Stuhl vor den Kamin. Die kleine Katze streckte sich — die Krallen kratzten über den Stein des Kaminunterbaus -, und dann tapste sie gelangweilt herüber, um ihren Kopf an ihren Beinen zu reiben. Moiraine kraulte sie mit einem Finger hinter dem Ohr. Das Schnurren der Katze bildete einen seltsamen Gegensatz zu der gleichmäßigen Stimme der Aes Sedai. »Es ist dein Wissen, Loial. Die Kurzen Wege stellen für uns den einzigen Weg in die Sicherheit dar, den einzigen Weg, um dem Dunklen König zuvorzukommen, wenn auch nur für kurze Zeit, doch es ist an dir, dies zu erklären.«
Den Ogier schien das, was sie sagte, nicht gerade zu beruhigen. Er rutschte ungeschickt auf seinem Stuhl hin und her, bevor er begann. »Während der Zeit des Wahns, als die Welt noch immer zerstört wurde und die Erde sich aufbäumte, wurde die Menschheit wie Staubkörner im Wind verstreut. Auch wir Ogier wurden verstreut, aus den Steddings vertrieben, hinein ins Exil und die Lange Wanderung, als das Sehnen sich in unsere Herzen grub.«
Er blickte wieder Moiraine von der Seite her an. Seine langen Augenbrauen zogen sich zu zwei Punkten zusammen. »Ich werde versuchen, mich kurz zu fassen, aber das ist keine Sache, die man so kurz erzählen kann. Ich muß nun von den anderen erzählen, den wenigen Ogiern, die in ihren Steddings blieben, obwohl um sie herum die Welt zerrissen wurde. Und von den Aes Sedai« — diesmal vermied er es, Moiraine anzusehen — »den männlichen Aes Sedai, die starben, während sie in ihrem Wahn die Welt zerstörten. Diesen Aes Sedai — denen, die bis dahin dem Wahn entgangen waren — machten die Steddings das Angebot, in ihnen Zuflucht zu suchen. Viele nahmen dieses Angebot an, denn in den Steddings waren sie vor dem Fluch des Dunklen Königs, der ihre Art ausrottete, geschützt. Aber sie waren auch von der Wahren Quelle abgeschnitten. Es war nicht nur, daß sie die Eine Macht nicht mehr benützen oder die Quelle berühren konnten, nein, sie konnten noch nicht einmal mehr fühlen, daß die Quelle überhaupt existierte. Am Ende konnte keiner diese Isolation ertragen, und einer nach dem anderen verließen sie die Steddings. Sie hofften, daß der Fluch mittlerweile verflogen sei. Das war eine Täuschung.«
»Einige in Tar Valon«, sagte Moiraine ruhig, »behaupten, daß die Hilfe der Ogier die Zerstörung verlängerte und noch schlimmer machte. Andere sagen, wenn man all diesen Männern gestattet hätte, auf einmal dem Wahn zu verfallen, wäre von der Welt nichts übriggeblieben. Ich gehöre zu den Blauen Ajah, Loial. Im Gegensatz zu den Roten Ajah teilen wir die zweite dieser Meinungen. Die Zuflucht half, alles zu retten, was gerettet werden konnte. Fahr bitte fort.«
Loial nickte dankbar. Er war erleichtert, erkannte Rand.
»Wie ich schon sagte«, fuhr der Ogier fort, »verließen uns die Aes Sedai — die männlichen Sedai — wieder. Aber bevor sie gingen, gaben sie den Ogiern zum Dank für die gebotene Zuflucht ein Geschenk. Die Kurzen Wege. Betrete ein Wegetor, laufe einen Tag lang weiter, und du kannst den Weg wieder durch ein anderes Wegetor verlassen, das hundert Meilen von dem entfernt ist, durch das du kamst. Oder fünfhundert. Zeit und Entfernung verhalten sich bei den Kurzen Wegen anders. Verschiedene Wege, verschiedene Brücken, führen zu unterschiedlichen Orten, und wie lange man braucht, um dorthin zu gelangen, hängt vom gewählten Weg ab. Es war ein wundervolles Geschenk, das mit der Zeit immer wertvoller wurde, denn die Kurzen Wege sind kein Teil der Welt, die wir sehen, und vielleicht auch kein Teil irgendeiner anderen Welt außer der eigenen. Nicht nur, daß die Ogier, die dieses Talent besaßen, künftig nicht mehr durch die Welt draußen reisen mußten — wo die Menschen sogar nach der Zerstörung noch wie die Tiere um ihr Leben kämpften -, um ein anderes Stedding zu erreichen, nein, innerhalb der Wege gab es keine Zerstörung. Das Gebiet zwischen zwei Steddings konnte sich zu tiefen Schluchten aufspalten oder zu neuen Bergen türmen, aber im Kurzen Weg zwischen ihnen änderte sich nichts.
Als die letzten Aes Sedai ein Stedding verließen, gaben sie den Ältesten einen Schlüssel, einen Talisman, der benützt werden konnte, weitere Wege wachsen zu lassen. In gewisser Weise sind es lebende Geschöpfe: die Kurzen Wege und die Wegetore. Ich verstehe es nicht, und kein Ogier hat das je verstanden. Man hat mir gesagt, selbst die Aes Sedai hätten es vergessen. Mit den Jahren endete für uns die Zeit des Exils. Wenn die Ogier, die von den Aes Sedai so beschenkt worden waren, ein Stedding fanden, zu dem Ogier nach der Langen Wanderung zurückgekehrt waren, dann ließen sie einen Kurzen Weg dorthin wachsen. Mit Hilfe der Kunst der Steinbearbeitung, die wir im Exil erlernt hatten, bauten wir Städte für die Menschen und pflanzten die Haine an, damit die beim Bau beschäftigten Ogier sich wohlfühlten und die Sehnsucht sie nicht überkam. Zu diesen Hainen ließ man Kurze Wege wachsen. Es gab einen Hain und ein Wegetor in Mafal Dadaranell, aber diese Stadt wurde während der Trolloc-Kriege geschleift. Kein Stein blieb auf dem anderen, und der Hain wurde gefällt und in Trollocfeuern verheizt.« Er ließ keinen Zweifel daran, welches das größere Verbrechen gewesen war.