Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Alles war gleich, bis auf eine Sache. Auf der glänzenden Tischoberfläche standen drei kleine Statuen -die rohen, unbehauenen Gestalten menschenähnlich, als sei der Bildhauer zu schnell mit seinem Ton umgegangen. Neben der einen stand ein Wolf. Die gut erkennbaren Einzelheiten betonten noch die Grobheit der menschlichen Formen. Eine andere hielt einen winzigen Dolch, auf dessen Griff ein roter Punkt leuchtete. Die letzte hielt ein Schwert. Seine Nackenhaare sträubten sich. Er näherte sich der Figur, bis er das in allen Einzelheiten sichtbare Reiherzeichen auf der winzigen Klinge sehen konnte.
Sein Kopf fuhr in plötzlicher Panik hoch, und er blickte direkt in den einzigen Spiegel des Raumes. Immer noch war sein Spiegelbild verschwommen zu sehen, aber nicht so sehr wie zuvor. Beinahe konnte er seine Gesichtszüge erkennen. Wenn er sich vorstellte, daß er die Augen zusammengekniffen hatte, konnte er fast erkennen, wer es war.
»Du hast dich zu lange vor mir verborgen.«
Er wirbelte vor dem Tisch herum. Der Atem rasselte in seiner Kehle. Einen Moment zuvor war er noch allein im Raum gewesen, aber nun stand Ba'alzamon vor den Fenstern. Wenn er sprach, dann ersetzten Flammenhöhlen seine Augen und seinen Mund.
»Zu lang, aber nicht mehr lange.«
»Ich widerstehe dir«, sagte Rand heiser. »Ich bestreite, daß du Macht über mich besitzt. Ich bestreite, daß du existierst.«
Ba'alzamon lachte. Es war ein volles Lachen, das ihn vom Feuer her überrollte. »Glaubst du, es sei so leicht? Aber das hast du ja immer geglaubt. Jedesmal, wenn wir uns so gegenüberstanden, hast du geglaubt, du könntest mir widerstehen.«
»Was meinst du damit — jedesmal? Ich widerstehe dir!«
»Das tust du immer, jedenfalls zu Beginn. Diese Auseinandersetzung zwischen uns hat sich schon unzählige Male abgespielt. Jedesmal trägst du ein anderes Gesicht und einen anderen Namen, aber du bist doch immer derselbe.«
»Ich verweigere mich dir.« Es war ein verzweifeltes Flüstern.
»Jedesmal setzt du deine Zwergenkräfte gegen mich ein, und jedesmal weißt du zum Schluß, wer von uns der Meister ist. Zeitalter auf Zeitalter kniest du schließlich vor mir, oder du stirbst und wünschst dir dabei, du hättest noch die Kraft, niederzuknien. Armer Narr, du kannst mich niemals besiegen.«
»Lügner!« schrie er. »Vater der Lügen! Vater der Narren, wenn du nichts Besseres vorbringst als das! Die Menschen fanden dich im letzten Zeitalter, im Zeitalter der Legenden, und banden dich dort, wo du hingehörst.«
Ba'alzamon lachte wieder und immer wieder höhnisch, bis Rand sich die Ohren bedecken wollte, um es nicht mehr hören zu müssen. Er drückte sich gewaltsam die Hände an die Seiten. Ob er das Nichts heraufbeschwor oder nicht: Seine Hände zitterten, als das Gelächter endlich aufhörte.
»Du Wurm, du weißt überhaupt nichts. So unwissend wie ein Käfer unter einem Stein und genauso leicht zu zerdrücken. Dieser Kampf hat seit dem Augenblick der Schöpfung stattgefunden. Immer glauben die Menschen, es sei ein neuer Krieg, aber es ist nur derselbe wie vorher, den sie wiederentdeckt haben. Nur jetzt ergreift eine Veränderung die Winde der Zeit. Veränderung.
Diesmal wird es kein Zurück mehr geben. Diese stolzen Aes Sedai, die glauben, sie könnten dich gegen mich stellen. Ich werde sie in Ketten kleiden und nackt herumrennen lassen, um meine Forderungen zu erfüllen, oder ich werde ihre Seelen in die Hölle schicken, wo sie in Ewigkeit schreien werden. Alle außer denen, die mir bereits dienen. Sie werden nur eine Stufe unter mir stehen. Du kannst dich entscheiden, neben ihnen zu stehen und die Welt zu deinen Füßen kriechen zu sehen. Ich biete es dir noch einmal an, ein letztes Mal. Du kannst über ihnen stehen, über jeder Macht und jeder Herrschaft außer meiner. Es hat Zeiten gegeben, da du dich so entschieden hast und wo du lange genug lebtest, um deine Macht zu erkennen.«
Widerstehe ihm! Rand griff nach allem, dem er widersprechen konnte. »Dir dienen keine Aes Sedai. Wieder eine Lüge!«
»Haben sie dir das erzählt? Vor zweitausend Jahren führte ich meine Trollocs über die Welt, und selbst unter den Aes Sedai fand ich jene, deren Verzweiflung groß genug war, die wußten, daß die Welt Shai'tan nicht widerstehen kann. Zweitausend Jahre lang haben die Mitglieder der Schwarzen Ajah unentdeckt in den Schatten unter den anderen gelebt. Vielleicht sogar diejenigen, die behaupten, dir zu helfen.«
Rand schüttelte den Kopf und bemühte sich, damit auch die in ihm aufsteigenden Zweifel abzuschütteln, all die Zweifel in bezug auf Moiraine, was die Aes Sedai mit ihm anstellen wollten und was sie für ihn plante. »Was willst du von mir?« rief er. Widersteh ihm! Licht, hilf mir, ihm zu widerstehen!
»Knie nieder!« Ba'alzamon deutete auf den Boden vor seinen Füßen. »Knie nieder, und erkenne mich als deinen Herrn an. Schließlich wirst du es doch tun. Du wirst zu meiner Kreatur, oder du stirbst.«
Das letzte Wort hallte durch den Raum, kehrte als Echo zurück, wieder und wieder, bis Rand die Arme hochriß, als wolle er seinen Kopf gegen einen Schlag schützen. Er taumelte zurück, bis er gegen den Tisch prallte, und schrie, um den Klang in seinen Ohren zu übertönen: »Neeeeeiiiiin!«
Bei diesem Aufschrei fuhr er herum und fegte die Figuren zu Boden. Etwas stach in seine Hand, doch er beachtete es nicht und stampfte den Ton zu formlosen Klumpen zusammen. Aber als sein Schrei verflog, war das Echo immer noch da und wurde stärker: stirb-stirb-stirb-stirb-stirb-Stirb-Stirb-Stirb-Stirb-Stirb-STIRB-STIRB-STIRB-STIRB-STIRB. Der Klang zog ihn an wie ein Wasserwirbel, zog ihn in sich hinein und zerfetzte das Nichts in seinen Gedanken. Das Licht verdüsterte sich, und er blickte wie in einen dunklen Tunnel, an dessen Ende Ba'alzamon im letzten Fleckchen Lichtschein stand. Der Tunnel schrumpfte zur Größe seiner Hand zusammen, zur Größe eines Fingernagels, verschwand. Das Echo riß ihn in einem Strudel hinunter in Schwärze und Tod.
Sein dumpfer Aufschlag am Boden weckte ihn auf. Er kämpfte immer noch darum, aus dieser Dunkelheit auftauchen zu können. Das Zimmer war dunkel, aber nicht so dunkel wie diese andere Dunkelheit in ihm. Verzweifelt bemühte er sich, die Flamme heraufzubeschwören, die Angst hineinzuleeren, doch das Nichts zerrann. Ein Beben durchlief seine Arme und Beine, aber er konzentrierte sich so lange auf das Bild der einzelnen Flamme, bis das Blut nicht mehr in seinen Ohren pochte.
Mat warf sich auf seinem Bett hin und her und stöhnte im Schlaf. »... widerstehe dir, gib mich nicht hin, widerstehe... « Es verschwamm zu undeutlichem Stöhnen.
Rand faßte hinüber, um ihn wachzurütteln. Bei der ersten Berührung fuhr Mat mit einem würgenden Röcheln hoch. Eine Minute lang blickte er wild um sich, dann atmete er lang und zittrig ein und senkte den Kopf in seine Hände. Plötzlich drehte er sich um, steckte die Hand unter sein Kopfkissen und sank dann zurück. Er hielt den Dolch mit dem Rubingriff in beiden Händen vor seiner Brust. Er drehte den Kopf, um Rand anzublicken. Sein Gesicht war durch Schatten verborgen. »Er ist wieder da, Rand.«
»Ich weiß.«
Mat nickte. »Da waren diese drei Figuren... « »Ich habe sie auch gesehen.«
»Er weiß, wer ich bin, Rand. Ich nahm die eine mit dem Dolch in die Hand, und er sagte: ›Also, das bist du.‹ Und als ich wieder hinschaute, hatte die Figur mein Gesicht. Mein Gesicht, Rand! Es wirkte wie Fleisch und Blut. Es fühlte sich wie Fleisch an. Licht, hilf mir, ich konnte fühlen, wie meine eigene Hand mich ergriff, als sei ich die Statue.«
Rand schwieg einen Moment lang. »Du mußt ihn weiterhin verleugnen, Mat.«
»Das tat ich, und er lachte. Er erzählte ständig von einem ewigen Krieg und behauptete, wir hätten uns so schon tausendmal gegenübergestanden und... Licht, Rand, der Dunkle König kennt mich.«