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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Es ist nur ein schmaler Durchgang zwischen den Gebäuden«, sagte der Wirt, »aber außerhalb dieses Stalles kann niemand sehen, daß es von hier aus einen Weg da hinein gibt. Weißmäntel oder weiße Abzeichen — es wird keine Beobachter geben, die sehen, wo Ihr herauskommt.«

Die Aes Sedai nickte. »Denkt daran, guter Wirt, falls Ihr befürchtet, deswegen in Schwierigkeiten zu kommen, dann schreibt an Sheriam Sedai von der Blauen Ajah in Tar Valon, und sie wird Euch helfen. Ich fürchte, meine Schwestern und ich haben bereits eine Menge gutzumachen an denjenigen, die mir geholfen haben.«

Meister Gill lachte. Es war nicht das Lachen eines besorgten Mannes. »Aber, Aes Sedai, Ihr habt mir doch schon die einzige Schenke in Caemlyn verschafft, in der es keine Ratten gibt. Was kann ich mir sonst noch wünschen? Damit allein kann ich die Zahl meiner Gäste verdoppeln.« Sein Grinsen verflog, und er wurde ernst. »Was immer Ihr auch vorhabt: Die Königin hält zu Tar Valon, und ich halte zur Königin, und so wünsche ich Euch Glück. Das Licht leuchte Euch, Aes Sedai. Das Licht leuchte Euch allen.«

»Das Licht leuchte auch Euch, Meister Gill«, antwortete Moiraine, und sie nickte ihm zu. »Aber wenn das Licht auf uns scheinen soll, dann müssen wir uns nun beeilen.« Sie wandte sich kurz und bündig an Loial. »Bist du bereit?«

Nach einem mißtrauischen Blick auf das Gebiß des Pferdes nahm der Ogier die Zügel des großen Tieres in die Hand. Er bemühte sich, das Pferdegebiß auf Zügellänge von seiner Hand entfernt zu halten. So führte er das Tier zu der Öffnung in der Stallrückwand. Ramey hüpfte vor Ungeduld von einem Fuß auf den anderen. Er wollte die Tür wieder schließen. Einen Moment lang hielt Loial mit schräggehaltenem Kopf inne, als spüre er einen Lufthauch auf seiner Wange. »Hier entlang«, sagte er und bog in den schmalen Durchgang ein.

Moiraine folgte gleich hinter Loial. Danach kam Rand, dann Mat. Rand war als erster dran, das Packpferd zu führen. Nynaeve und Egwene bildeten den Mittelteil der Gruppe, Perrin kam dahinter, und am Ende ritt Lan. Die verborgene Tür schloß sich hastig, sobald Mandarb in den Schmutz der Gasse geschritten war. Das Klick-Klack der vorgeschobenen Riegel, das sie von der Schenke abschnitt, klang für Rand unnatürlich laut.

Der Durchgang, wie ihn Meister Gill genannt hatte, war tatsächlich sehr eng und noch dunkler als der Stallhof, falls das überhaupt möglich war. Auf beiden Seiten befanden sich hohe Ziegelsteinmauern oder Holzwände, und über ihnen war nur ein schmaler Streifen Himmel zu erkennen. Die großen, grobgeflochtenen Körbe, die man dem Packpferd umgeschnallt hatte, schabten zu beiden Seiten an den Gebäuden entlang. Die Körbe waren voll von Vorräten für ihre Reise. Vor allem Tonkrüge mit Öl befanden sich darinnen. Ein Bündel Stangen war der Länge nach auf den Rücken des Pferdes geschnallt, und an jedem Ende baumelte eine Laterne. In den Kurzen Wegen, so hatte Loial gesagt, sei es dunkler als in der dunkelsten Nacht.

In den zum Teil gefüllten Laternen schwappte das Öl bei jeder Bewegung des Pferdes, und sie schlugen mit einem blechernen Geräusch gegeneinander. Es war kein sehr lautes Geräusch, doch in der Stunde vor Beginn der Dämmerung herrschte in Caemlyn Stille. Die gedämpften, metallischen Geräusche klangen, als könne man sie eine Meile weit hören.

Als der Durchgang sie schließlich auf eine Straße hinausführte, wählte Loial ohne Zögern eine Richtung. Er schien nun genau zu wissen, wohin er sich wenden mußte, als werde ihm die Strecke, der er folgen mußte, immer klarer. Rand verstand nichts wie der Ogier das Wegetor finden konnte, und Loial hatte es auch nicht richtig erklären können. Er wußte es einfach, sagte er; er könne es fühlen. Loial behauptete, es sei genauso schwer wie zu erklären, auf welche Weise er atme.

Als sie die Straße schnell hinaufritten, blickte Rand zurück in die Richtung, wo Der Königin Segen lag. Wie Lambgwin behauptet hatte, befanden sich immer noch ein halbes Dutzend Weißmäntel nicht weit von der nächsten Ecke entfernt. Sie konzentrierten sich ganz auf die Schenke, doch ein lautes Geräusch würde sie schnell aufmerksam machen. Zu dieser Stunde befand sich niemand draußen, jedenfalls nicht aus einem anständigen Anlaß. Die Hufeisen klangen wie Glocken auf dem Pflaster. Die Laternen klapperten, als schüttle sie das Packpferd mit Absicht. Er hörte erst auf sich umzusehen, als sie eine weitere Ecke hinter sich hatten. In dem Moment hörte er auch die erleichterten Seufzer der anderen Emondsfelder.

Loial schien den direktesten Weg zum Wegetor zu wählen, wo auch immer er sie hinführte. Manchmal ritten sie breite Straßen entlang, die bis auf einen gelegentlichen Hund, der sich im Dunklen herumtrieb, leer waren. Manchmal trabten sie durch enge Gassen, die genauso schmal waren wie der Durchgang hinter dem Stall, wo Dinge unter den unbedachten Tritten der Pferde zermatscht wurden. Nynaeve beklagte sich leise über die davon herrührenden Gerüche, aber keiner ritt deswegen langsamer.

Die Dunkelheit wich allmählich und wandelte sich zu einem dunklen Grau. Über den Dächern im Osten war der Himmel gesprenkelt von dem ersten schwachen Lichtschimmer der Dämmerung. Ein paar Leute erschienen auf den Straßen, der Morgenkälte wegen vermummt, die Köpfe gesenkt und mit den Gedanken noch im Bett. Die meisten achteten nicht auf andere. Nur eine Handvoll warf einen Blick auf die von Loial angeführte Reihe der Menschen und Pferde, und nur einer davon nahm sie wirklich wahr.

Dieser eine Mann blickte sie wie die anderen uninteressiert an und wollte schon wieder in seine eigenen Gedanken versinken, doch dann stolperte er plötzlich und wäre beinahe gestürzt, als er herumfuhr und sie noch einmal anblickte. Das Licht reichte gerade aus, um die Umrisse zu erkennen, aber selbst das war schon zuviel. Wenn man ihn einzeln auf eine gewisse Entfernung gesehen hätte, hätte man ihn für einen großen Mann mit einem normalen Pferd halten können oder für einen normalgroßen Mann mit einem etwas kleingeratenen Pferd. Doch sie alle bewegten sich in einer Linie hintereinander, und aus dieser Perspektive sah Loial so groß aus, wie er tatsächlich war, nämlich um die Hälfte größer, als ein Mann sein durfte. Dieser Mann also sah sie an und rannte mit einem erstickten Schrei und flatterndem Umhang weg.

Bald würden sich mehr Menschen auf den Straßen befinden — zu bald. Rand beobachtete eine Frau, die auf der anderen Straßenseite vorbeihastete und nichts als das Pflaster vor ihren Füßen sah. Bald würden weitere Leute sie bemerken. Der Himmel im Osten wurde heller.

»Dort«, verkündete Loial schließlich. »Es ist da drunter.« Er zeigte auf einen Laden, der immer noch von der Nacht her geschlossen hatte. Die Tische vor der Tür waren leer, die Markise darüber war fest zusammengerollt und die Tür verrammelt. Die Fenster oben, wo der Ladeninhaber wohnte, waren nach dunkel.

»Drunter?« fragte Mat ungläubig. »Wie beim Licht können wir...?«

Moiraine hob eine Hand und schnitt ihm das Wort ab. Dann bedeutete sie ihnen, ihr in die Gasse neben dem Laden zu folgen. Die Pferde und sie zusammen füllten die Gasse zwischen den beiden Gebäuden. Im Schatten der Hauswände war es dunkler als auf der Straße, beinahe wieder wie in der Nacht.

»Es muß doch eine Kellertür geben«, murmelte Moiraine. »Ah, ja.«

Plötzlich glühte ein Licht auf. Ein kühl glimmender Ball von der Größe einer Männerfaust schwebte über der Handfläche der Aes Sedai und bewegte sich, wenn sich ihre Hand bewegte. Rand dachte bei sich, daß es schon deutlich zeigte, was sie durchgemacht hatten, wenn jeder das als ganz selbstverständlich hinnahm. Sie hielt es nahe an die Tür, die sie entdeckt hatte. Die befand sich als Falltür beinahe waagrecht angebracht im Boden und wurde durch ein Schließband mit dicken Bolzen und einem Eisenschloß gesichert, das größer als Rands Hand war und von altem Rost verkrustet. Loial zog an dem Schloß. »Ich kann es wegreißen, mitsamt dem Verschluß und allem, aber das wird so viel Lärm machen, daß die ganze Nachbarschaft aufwacht.«

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