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Die Suche nach dem Auge der Welt

Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:

In dem abgeschiedenen Dorf Emondsfelde erzählt man sich noch immer die alten Geschichten um den Dunklen König und die Magierinnen der Aes Sedai, die das Rad der Zeit drehen. Niemand ahnt, auch der junge Bauernsohn Rand al'Thor nicht, wieviel Wahrheit in diesen Legenden steckt. Dann jedoch berfallen blutrnstige Trollocs, die Häscher des Dunklen Königs, das Dorf und brennen den Bauernhof von Rands Familie nieder. Die Magierin Moiraine verhilft dem Jungen in letzter Minute zur Flucht. Eine phantastische Reise beginnt, während der Rand in sein Schicksal hineinwachsen wird, der Wiedergeborene Drache und der Retter der Welt zu sein ... Dieser Band vereint — wie in der Originalausgabe — den kompletten Auftakt zu Robert Jordans Meisterwerk Das Rad der Zeit.
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»Wegetore sind fast unzerstörbar«, sagte Moiraine, »und die Menschheit nicht viel weniger Es leben immer noch Menschen in Fal Dara, wenn auch nicht in der großen, von Ogiern erbauten Stadt, und auch das Wegetor steht noch.«

»Wie haben sie die denn gemacht?« fragte Egwene. Ihr verblüffter Blick erfaßte gleichzeitig Moiraine und Loial. »Die Aes Sedai, die Männer. Wenn sie in einem Stedding die Eine Macht nicht benützen konnten, wie konnten sie dann die Kurzen Wege machen? Oder haben sie die Macht vielleicht überhaupt nicht benützt? Ihr Teil der Wahren Quelle war befleckt. Ist immer noch befleckt. Ich weiß noch nicht soviel darüber, was Aes Sedai leisten können. Vielleicht ist es eine dumme Frage.«

Loial erklärte: »Jedes Stedding hat an der Grenze ein Wegetor, aber außerhalb! Deine Frage ist keineswegs dumm. Du hast den wunden Punkt getroffen, warum wir es nicht wagen, die Kurzen Wege zu benützen. Kein Ogier hat während meines Lebens und auch schon vorher die Wege benützt. Es war ein Beschluß der Ältesten, aller Ältesten aller Steddings, daß es keinem gestattet wird, weder Ogier noch Mensch.

Die Kurzen Wege wurden von Männern geschaffen, die eine vom Dunklen König befleckte Macht benützten. Vor ungefähr tausend Jahren, während einer Zeit, die ihr Menschen den Hundertjährigen Krieg nennt, begannen sich die Wege zu verändern. Zu Anfang geschah das so langsam, daß es niemand richtig bemerkte. Sie wurden feucht und trüb. Dann kam Dunkelheit über die Brücken. Einige, die hineingingen, wurden nie wieder gesehen. Reisende erzählten davon, daß sie aus dem Dunkel heraus beobachtet wurden. Die Anzahl der Verschwundenen wuchs, und einige, die herauskamen, waren dem Wahnsinn verfallen. Sie phantasierten etwas von Machin Shin, dem Schwarzen Wind. Aes-Sedai-Heiler konnten einigen von ihnen helfen, aber trotz der Hilfe durch die Aes Sedai wurden sie nie wieder ganz hergestellt. Und sie erinnerten sich nicht mehr an das, was vorgefallen war. Und doch war es, als sei die Dunkelheit in ihre Knochen eingesickert. Sie lachten nie wieder und fürchteten das Heulen des Windes.«

Einen Augenblick lang herrschte Stille, nur vom Schnurren der Katze neben Moiraines Stuhl unterbrochen und natürlich dem Prasseln und Knacken des Feuers, wenn die Funken stoben. Dann brach es zornig aus Nynaeve heraus: »Und du erwartest, daß wir dir dorthinein folgen? Du mußt wahnsinnig sein!«

»Was würdest du statt dessen vorschlagen?« fragte Moiraine ruhig. »Die Weißmäntel in Caemlyn oder die Trollocs draußen? Denke daran, daß allein meine Gegenwart schon einen gewissen Schutz gegen die Untaten des Dunklen Königs darstellt.«

Nynaeve lehnte sich mit einem ergebenen Seufzer zurück. »Du hast mir immer noch nicht erklärt«, sagte Loial, »warum ich die Regel der Ältesten brechen soll.

Und ich verspüre auch keinerlei Wunsch, die Wege zu betreten. Auch wenn sie oft schlammig sind, so haben mir doch die von Menschen gemachten Straßen bisher gut genug gedient, seit ich das Stedding Schangtai verließ.«

»Ob Menschheit oder Ogier, alles was lebt befindet sich im Krieg mit dem Dunklen König«, sagte Moiraine. »Der größere Teil der Welt weiß das noch nicht einmal, und die meisten jener, die es wissen, kämpfen in bloßen Geplänkeln und glauben, es seien Schlachten. Solange die Welt sich weigert, an diesen Krieg zu glauben, befindet sich der Dunkle König am Rande des Sieges. Das Auge der Welt enthält genug Macht, um sein Gefängnis zu öffnen. Falls der Dunkle König irgendeinen Weg gefunden hat, um das Auge der Welt seinem Willen zu unterwerfen... «

Rand wünschte, die Lampen im Raum wären entzündet worden. Der Abend kroch über Caemlyn dahin, und das Feuer im Kamin gab nicht genug Licht. Er wollte keine Schatten im Raum.

»Was können wir tun?« platzte Mat heraus. »Warum sind wir so wichtig? Warum müssen wir in die Fäule gehen? Die Fäule!«

Moiraine erhob die Stimme keineswegs, doch sie füllte den Raum und appellierte an sie. Ihr Stuhl beim Feuer erschien ihnen plötzlich wie ein Thron. In diesem Moment wäre sogar Morgases Pracht in ihrer Gegenwart verblaßt. »Eines können wir tun: Wir können es versuchen. Was wie Zufall aussieht, ist oft einfach das Muster. Drei Schicksalsfäden haben sich hier getroffen, und jeder enthielt eine Warnung: das Auge. Das kann kein Zufall sein, das ist ein Muster! Ihr drei habt nicht gewählt; ihr wurdet vom Muster erwählt. Und ihr befindet euch hier, wo die Gefahr bekannt ist. Ihr könnt euch drücken und vielleicht die Welt dem Untergang preisgeben. Wegrennen und Verstecken wird euch nicht vor dem Weben des Musters bewahren. Oder eben, ihr versucht es. Ihr könnt zum Auge der Welt gehen, drei ta'veren, drei Herzstücke des Musters, um dort zu sein, wo die Gefahr liegt. Laßt das Muster sich dort um euch herum formen, und ihr könnt möglicherweise die Welt vor dem Schatten bewahren. Es liegt bei euch. Ich kann euch nicht zum Gehen zwingen.«

»Ich gehe«, sagte Rand und bemühte sich dabei, entschlossen zu klingen. So sehr er auch versuchte, das Nichts heraufzubeschwören — immer huschten störende Bilder durch seinen Kopf. Tam und der Hof und die Herde auf der Weide. Es war ein gutes Leben gewesen; er hatte niemals wirklich höher hinaus gewollt. Es half ein wenig — sehr wenig -, daß Perrin und Mat dem zustimmten. Sie klangen, als seien ihre Münder genauso ausgetrocknet wie seiner.

»Ich schätze, Egwene und ich haben auch keine andere Wahl«, sagte Nynaeve.

Moiraine nickte. »Auch ihr seid ein Teil des Musters, ihr beide, auf gewisse Weise jedenfalls. Vielleicht nicht ta'veren — vielleicht -, aber auf jeden Fall sehr stark. Das weiß ich seit Baerlon. Und zweifellos wissen das mittlerweile auch die Blassen. Und Ba'alzamon. Und doch steht ihr zumindest vor der gleichen Wahl wie die jungen Männer: Ihr könntet hier bleiben und nach Tar Valon weiterziehen, sobald wir anderen weg sind.«

»Zurückbleiben!« rief Egwene. »Euch alle in die Gefahr hineinrennen lassen, während wir uns hier unter der Bettdecke verstecken? Nein danke!« Der Blick der Aes Sedai traf sie, und sie schreckte ein wenig zurück, aber ihr Widerstandsgeist verflog nicht. »Das werde ich nicht«, murmelte sie stur.

»Ich schätze, das bedeutet, wir beide werden euch begleiten.« Nynaeves Stimme klang nach Resignation, aber ihre Augen blitzten, als sie hinzufügte: »Ihr braucht noch immer meine Kräuter, Aes Sedai, außer ihr habt plötzlich noch eine Fertigkeit entwickelt, die ich nicht kenne.« In ihrer Stimme schwang eine Herausforderung mit, die Rand nicht verstand, aber Moiraine nickte bloß und wandte sich dem Ogier zu.

»Also, Loial, Sohn des Arent, Sohn des Halan?«

Loial öffnete zweimal den Mund, und seine behaarten Ohren zuckten, bis er endlich antwortete: »Ja, nun gut. Der Grüne Mann. Das Auge der Welt. Sie werden natürlich in den Büchern erwähnt, aber ich glaube nicht, daß irgendein Ogier sie seit, oh, eben seit sehr langer Zeit gesehen hat. Ich denke... Aber müssen es wirklich die Kurzen Wege sein?« Moiraine nickte, und seine langen Augenbrauen sackten herunter, bis ihre Enden seine Wangen berührten. »Also gut dann. Ich glaube, dann muß ich euch führen. Der Älteste Haman würde sagen, ich hätte auch nichts anderes verdient, wenn ich schon immer so vorschnell bin.«

»Dann haben wir uns also entschieden«, sagte Moiraine. »Und nun, da das abgeklärt ist, müssen wir uns entscheiden, was zu tun ist und wie wir es anpacken.«

Sie planten bis lange in die Nacht hinein. Moiraine arbeitete am härtesten. Loial beriet sie, was die Wege anbetraf, aber sie hörte auch die Fragen und Vorschläge aller. Sobald die Dunkelheit anbrach, kam auch Lan dazu und fügte seine Kommentare in seinem typischen stahlgefärbten Tonfall hinzu. Nynaeve machte eine Liste, welche Vorräte sie brauchten. Sie stippte mit ruhiger Hand ihre Feder in das Tintenfaß, wobei sie immer wieder vor sich hinmurmelte.

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