Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rands Hand kehrte immer wieder zu seinem Schwert zurück. Es war nicht so, daß er glaubte, hier gebe es irgend etwas, wogegen er sein Schwert hätte gebrauchen können, um sich zu verteidigen. Es schien vielmehr, daß es überhaupt nichts gab, wo dieses Etwas hätte sein können. Die Lichtblase um sie herum hätte auch eine von Stein umhüllte Höhle sein können, aus der heraus es keinen Weg gab. Die Pferde hätten sich genauso um eine Tretmühle herum bewegen können, so wenig abwechslungsreich war ihre Umgebung. Er umklammerte den Knauf, als könne der Druck seiner Hand den Stein wegdrücken, dessen Last er auf sich ruhen fühlte. Wenn er das Schwert berührte, konnte er sich an die Lehren Tams erinnern. Eine Zeitlang fand er die Ruhe im Nichts. Aber die Last kehrte immer wieder zurück und zerdrückte das Nichts zu einer bloßen Höhle in seinem Geist, und dann mußte er wieder von vorn beginnen und Tams Schwert berühren, um sich erneut darauf konzentrieren zu können.
Es war eine echte Erleichterung, als sich schließlich doch etwas änderte, auch wenn es nur eine hohe Felsplatte war, die hochkant vor ihnen aus der Dunkelheit auftauchte. Die breite weiße Linie hörte an ihrem unteren Ende auf. Die breite Oberfläche wurde von eingelegten, elegant gekrümmten Metallfäden durchzogen, die Rand in ihrer Anmut an Ranken und Blätter erinnerten. Verfärbte Pockennarben verunzierten sowohl Stein als auch Metall.
»Der Wegweiser«, sagte Loial, und er beugte sich aus dem Sattel, um finster auf die geschwungene Metalleinlage zu starren.
»Ogierschrift«, sagte Moiraine, »aber so weit zerstört, daß ich kaum lesen kann, was da steht.«
»Mir fällt es auch schwer«, sagte Loial, »aber ich kann genug erkennen, um zu wissen, daß wir dort hinüber müssen.« Er drehte sein Pferd von dem Wegweiser weg.
Am Rand des Lichtscheins waren andere Steingegenstände zu sehen. Es schien sich um Brücken mit Steingeländern zu handeln, die in die Dunkelheit hineinführten, und manchmal auch um sanft geneigte Rampen ohne irgendein Geländer, die hinauf oder hinab führten. Zwischen den Brücken und den Rampen zog sich eine brusthohe Balustrade entlang, als sei die Gefahr des Fallens dort in jedem Fall gegeben. Die Balustrade bestand aus einfachem weißen Stein, dessen sanfte Kurven und Rundungen zu komplizierten Mustern zusammengefügt waren. Etwas daran kam Rand irgendwie bekannt vor, aber er wußte, daß seine Einbildung nach allem griff, was in dieser fremdartigen Umgebung nach Bekanntem aussehen mochte.
Am Fuß einer der Brücken hielt Loial sein Pferd an und las die einzige Zeile auf der engen Steinsäule am Aufgang. Er nickte und ritt auf die Brücke hinaus. »Das ist die erste Brücke auf unserem Weg«, sagte er nach hinten zu.
Rand fragte sich, was die Brücke überhaupt vor dem Einsturz bewahrte. Die Pferdehufe knirschten derart, als blätterte bei jedem Tritt Stein ab. Alles, was er sah, war mit flachen Aushöhlungen bedeckt, manche nur wie winzige Nadelstiche, während andere unregelmäßig geformten, flachen, einen vollen Schritt breiten Kratern glichen. Hatte es hier Säure geregnet, oder verfaulte der Stein? Auch das Geländer wies Risse und Löcher auf. An manchen Stellen war es bis zu einer Spanne weit ganz verschwunden. Die Brücke mochte ja aus festem Stein bestehen, der bis hinunter zum Mittelpunkt der Erde reichte, aber das, was er sah, ließ ihn hoffen, daß sie wenigstens noch lange genug stehen würde, damit sie das andere Ende noch erreichten. Wo auch immer das sein mag.
Die Brücke war dann schließlich zu Ende, und es sah dort nicht anders aus als an ihrem Anfang. Alles, was Rand sehen konnte, war das, was von ihrem kleinen Lichtkreis berührt wurde, aber er gewann den Eindruck, daß sie sich auf einer großen Fläche befanden, wie ein abgeflachter Hügel, von dem nach allen Seiten Brücken und Rampen wegführten. Loial nannte das eine Insel. Ein weiterer von Schriftzeichen bedeckter Wegweiser war auch vorhanden. Rand nahm an, daß er in der Mitte der Insel stand, hatte aber keine Möglichkeit, die Richtigkeit seiner Annahme zu überprüfen. Loial las und führte sie dann eine der Rampen hinauf, die sich immer weiter nach oben wand.
Nach einer endlosen, ständig gewundenen Klettertour führte sie die Rampe auf eine weitere Insel, die genauso aussah wie die am Anfang ihres Weges. Rand versuchte, sich die Lage der Rampe vorzustellen und die Windungen nachzuvollziehen, doch gab er es bald auf. Diese Insel kann sich doch nicht direkt auf der anderen befinden. Das kann nicht sein.
Loial studierte eine weitere mit Ogierschrift bedeckte Felsplatte, fand wieder eine Wegweisersäule und führte sie auf die nächste Brücke. Rand hatte keine Ahnung mehr, in welche Richtung sie sich eigentlich bewegten.
In ihrem heimeligen kleinen Lichtkreis inmitten des Dunkels sah eine Brücke genauso aus wie die andere, mit dem Unterschied, daß bei einigen das Geländer Lücken aufwies und bei anderen nicht. Nur der Grad der Beschädigung der Wegweiser ließ die Inseln unterschiedlich aussehen. Rand verlor jegliches Zeitgefühl. Er war sich nicht einmal mehr sicher, wie viele Brücken sie überquert und wie viele Rampen sie erklommen hatten. Doch der Behüter mußte wohl eine Uhr im Kopf haben. Gerade als Rand den ersten Hunger verspürte, verkündete Lan ruhig, daß es Mittag sei. Er stieg ab und verteilte Brot und Käse und Trockenfleisch von den Vorräten auf dem Packpferd. Perrin war gerade mit dem Führen des Tieres an der Reihe. Sie befanden sich auf einer Insel, und Loial war damit beschäftigt, die Inschrift auf dem Wegweiser zu entziffern.
Mat wollte schon aus dem Sattel steigen, doch Moiraine sagte: »Die Zeit in den Kurzen Wegen ist zu kostbar, als daß wir sie verschwenden könnten. Viel zu kostbar für uns. Wir werden anhalten, wenn es an der Zeit ist zu schlafen.« Lan saß bereits wieder auf Mandarb.
Rand verging der Appetit, als er sich vorstellte, in den Kurzen Wegen zu schlafen. Hier herrschte wohl immer Nacht, aber es war keine Nacht zum Schlafen. Aber er aß, wie auch die anderen, beim Reiten. Es war eine ziemlich schwierige Angelegenheit zu versuchen, das Essen, die Laternenstange und die Zügel gleichzeitig zu halten, aber trotz seiner eingebildeten Appetitlosigkeit leckte er sich die letzten Brot- und Käsekrümel von den Händen, als er fertig war. Er stellte sich mit Vergnügen vor, mehr davon zu essen. Er neigte sogar allmählich zu der Ansicht, daß die Kurzen Wege doch nicht so schlimm seien, jedenfalls lange nicht so schlimm, wie Loial behauptete. Sie lösten ja vielleicht das schwere Gefühl der Stunde vor einem Sturm aus, aber es änderte sich nichts. Nichts geschah. Die Kurzen Wege waren schon beinahe langweilig.
Dann wurde die Stille von einem überraschten Laut Loials gebrochen. Rand stand in seinen Steigbügeln auf, um an dem Ogier vorbeischauen zu können, und er schluckte schwer bei dem Anblick. Sie befanden sich in der Mitte einer Brücke, und ein paar Fuß weit vor Loial brach die Brücke mit einem Mal an einer zerfetzt erscheinenden Kante ab.
45
Was im Schatten folgt
Der Lichtschein ihrer Laternen reichte gerade bis auf die andere Seite der Lücke, wo das gegenüberliegende Ende wie der abgebrochene Zahn eines Riesen aus der Dunkelheit ragte. Loials Pferd stampfte nervös mit einem Huf auf, und ein loser Stein fiel in die bodenlose Schwärze hinunter. Falls es einen Laut gab, als der Stein auf festen Boden krachte, hörte ihn Rand nicht.
Er ließ den Braunen ein wenig näher an die Lücke herantänzeln. Soweit er seine Laterne an ihrer Stange hinunterschieben konnte, gab es nichts zu sehen. Schwärze unten und Schwärze oben, die das Licht abschnitt. Falls es einen Grund gab, konnte der tausend Fuß tiefer liegen. Oder auch nirgendwo. Andererseits konnte er wenigstens sehen, was unter der Brücke war und sie stützte: Nichts. Weniger als eine Spanne dick war sie, und es gab absolut nichts darunter.