Die Suche nach dem Auge der Welt
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #1
- Год: 2004
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Suche nach dem Auge der Welt». Краткое содержание книги:
Rand wünschte, er könne alles so selbstverständlich nehmen wie die Seherin. Er konnte nicht aufhören, hin und her zu gehen, als habe er zuviel Energie, die aus ihm herauswollte. Er wußte, daß sein Entschluß feststand, wußte, daß ihm bei seinem Wissensstand nichts anderes übrigblieb, aber deshalb gefiel es ihm noch lange nicht. Die Fäule. Shayol Ghul befand sich irgendwo in der Fäule, jenseits der Versengten Länder.
Er konnte die gleichen Sorgen an Mats Augen ablesen, die gleiche Angst, von der er wußte, daß sie sich auch in seinen Augen zeigte. Mat saß mit gefalteten Händen da. Die Knöchel waren weiß vor Anstrengung. Wenn er losließe, dachte sich Rand, dann würde er wieder den Dolch aus Shadar Logoth ergreifen.
Auf Perrins Gesicht zeigte sich dagegen überhaupt kein Unbehagen, doch dafür etwas Schlimmeres: Es war eine Maske erschöpfter Resignation. Perrin wirkte, als habe er gegen etwas gekämpft, bis er nicht mehr konnte und nur noch darauf wartete, daß es mit ihm Schluß mache. Und doch, manchmal...
»Wir tun, was sein muß, Rand«, sagte er. »Die Fäule...« Einen Moment lang blitzte in diesen gelben Augen Eifer auf. Sie durchbrachen die starre Erschöpfung seines Gesichts, als führten sie ein Eigenleben — getrennt von dem des großen Schmiedlehrlings. »Die Jagd am Rand der Fäule entlang ist gut«, flüsterte er. Dann schauderte er, als habe er gerade erst bemerkt, was er da sagte, und wieder wirkte sein Gesicht resigniert.
Und Egwene. An einem Punkt zog Rand sie zur Seite, hinüber zum Kamin, wo die anderen, die am Tisch saßen und planten, sie nicht hören konnten. »Egwene, ich... « Ihre Augen, die ihn wie zwei große, dunkle Seen in sich aufnahmen, ließen ihn innehalten und schlucken.
»Ich bin es, hinter dem der Dunkle König her ist, Egwene. Mat und Perrin und ich. Es ist mir gleich, was Moiraine Sedai sagt. Morgen früh können Nynaeve und du die Heimreise antreten oder nach Tar Valon ziehen oder wo auch immer ihr hinwollt, und niemand wird versuchen, euch davon abzuhalten. Keine Trollocs, keine Blassen, niemand. Solange ihr nicht bei uns seid. Geh heim, Egwene. Oder geh nach Tar Valon. Aber vor allem — geh!«
Er wartete darauf, daß sie ihm entgegenhielt, sie habe das gleiche Recht wie er, hinzugehen, wo sie wolle, und daß er kein Recht habe, ihr zu sagen, was sie zu tun habe. Zu seiner Überraschung lächelte sie und berührte seine Wange.
»Danke, Rand«, sagte sie sanft. Er blinzelte und schloß den Mund, als sie weitersprach: »Aber du weißt, daß ich nicht kann. Moiraine Sedau erzählte uns, was Min damals in Baerlon sah. Du hättest mir sagen sollen, wer Min ist. Ich dachte... Na ja, Min behauptet, auch ich sei ein Teil dieses Ganzen. Und Nynaeve. Vielleicht bin ich nicht ta'veren«, sie stolperte über dieses Wort, »aber das Muster schickt auch mich zum Auge der Welt, wie es scheint. Was immer dich betrifft, betrifft auch mich.«
»Aber, Egwene... «
»Wer ist Elayne?«
Eine Minute lang blickte er sie einfach nur an, und dann sagte er schlicht die Wahrheit: »Sie ist die TochterErbin des Thrones von Andor.«
Ihre Augen schienen Feuer zu fangen. »Wenn du nicht einmal eine Minute lang ernst bleiben kannst, Rand al'Thor, dann will ich nicht mit dir sprechen.«
Ungläubig sah er zu, wie sie mit steifem Kreuz zum Tisch zurückkehrte und sich neben Moiraine auf ihre Ellenbogen stützte, um zu hören, was der Behüter sagte. Ich muß mit Perrin sprechen, dachte er. Er weiß, wie man mit Frauen umgeht.
Meister Gill kam mehrmals herein — zuerst, um die Lampen zu entzünden, dann, um selbst das Essen hereinzutragen, und später, um zu berichten, was draußen vorging. Weißmäntel hielten die Schenke in beiden Richtungen die Straße hinunter unter Beobachtung. Am Tor zur Innenstadt hatte es Ausschreitungen gegeben, und die königliche Garde hatte sowohl weiße als auch rote Abzeichenträger festgenommen. Irgend jemand hatte versucht, den Drachenzahn auf die Eingangstür zu kritzeln, und war dafür von Lambgwins Stiefel wegbefördert worden. Falls der Wirt es eigenartig fand, daß Loial bei ihnen war, dann ließ er sich das nicht anmerken. Er beantwortete die wenigen Fragen, die ihm Moiraine stellte, ohne zu versuchen herauszufinden, was sie planten, und jedesmal, wenn er kam, klopfte er an die Tür und wartete, bis Lan sie ihm öffnete, gerade so, als seien das nicht seine Schenke und seine Bibliothek. Bei seinem letzten Erscheinen gab ihm Moiraine das Blatt Pergament, das mit Nynaeves sauberer Schrift bedeckt war.
»Das wird um diese Zeit in der Nacht nicht leicht werden«, sagte er und schüttelte den Kopf, während er die Liste überflog, »aber ich werde mich um alles kümmern.«
Moiraine fügte einen kleinen Beutel aus Waschleder hinzu, in dem es klimperte, als sie ihn an den Schnüren hielt und ihn ihm reichte. »Gut. Und sorgt bitte dafür, daß wir vor Tagesanbruch geweckt werden. Dann werden die Beobachter am wenigsten wachsam sein.«
»Wir werden sie eine leere Schachtel bewachen lassen, Aes Sedai.« Meister Gill grinste.
Rand gähnte, als er schließlich zusammen mit den anderen aus dem Raum schlurfte und nach Bad und Bett suchte.
Als er sich mit einem rauhen Lumpen in der einen und einem großen Brocken gelber Seife in der anderen Hand abschrubbte, wanderte sein Blick hinüber zu dem Hocker neben Mats Badewanne. Das Ende des in eine goldene Scheide gesteckten Dolches aus Shadar Logoth lugte unter dem Zipfel von Mats sauber zusammengefaltetem Mantel hervor. Auch Lan blickte von Zeit zu Zeit dorthin. Rand fragte sich, ob er wirklich nun so unschädlich sei, wie Moiraine behauptete.
»Denkst du, daß mein Pa mir das jemals glauben wird?« Mat lachte und schrubbte sich den Rücken mit einer langstieligen Bürste. »Ich und die Welt retten? Meine Schwestern werden sich nicht entscheiden können, ob sie lachen oder weinen sollen.«
Es klang nach dem alten Mat. Rand wünschte, er könne den Dolch vergessen.
Es war pechschwarze Nacht, als er und Mat endlich ihr Zimmer unter den Dachbalken betraten. Die Sterne wurden von Wolken verdeckt. Zum ersten Mal nach langer Zeit zog sich Mat aus, bevor er ins Bett ging. Aber er steckte auch ganz selbstverständlich den Dolch unter sein Kopfkissen. Rand pustete die Kerze aus und kroch in sein Bett. Er konnte spüren, daß sich im anderen Bett etwas Böses verbarg — nicht Mat jedoch; es kam durch sein Kopfkissen. Er machte sich immer noch Sorgen deswegen, als ihn der Schlaf überfiel.
Gleich von Beginn an wußte er, daß es ein Traum war, einer von der Sorte, die nicht nur Träume waren. Er stand da und sah die Holztür an, deren Oberfläche dunkel und rissig und von Splittern bedeckt wirkte. Die Luft war kalt und feucht, und der Geruch nach Fäulnis durchzog sie. In einiger Entfernung tropfte Wasser. Das Klatschen der Tropfen warf ein hohles Echo in den Steingängen.
Widerstehe. Widerstehe ihm, und seine Macht versagt.
Er schloß die Augen und konzentrierte sich auf Der Königin Segen, auf sein Bett und auf sich selbst, wie er schlafend im Bett lag. Wenn er die Augen öffnete, war die Tür immer noch da. Das hallende Klatschen der Tropfen kam im Rhythmus seines Herzschlags, als ob sein Puls die Sekunden für sie zähle. Er suchte Flamme und Nichts, wie Tam es ihm beigebracht hatte, und fand innere Ruhe, doch außerhalb seines Geistes änderte sich nichts. Langsam öffnete er die Tür und ging hinein.
Alles war gleich geblieben in dem Raum, der aus dem Fels selbst herausgebrannt schien. Hohe Bogenfenster führten auf einen Balkon ohne Geländer, und dahinter strömten die Schichtwolken wie ein Fluß bei Hochwasser. Die Lampen aus schwarzem Metall schimmerten schwarz, und doch silbrig hell. Ihre Flammen leuchteten zu hell, als daß er sie direkt hätte anblicken können. Das Feuer in dem furchterregenden Kamin prasselte, gab aber keine Wärme ab. Jeder Stein des Kamins erinnerte schwach an ein vor Qual verzerrtes Gesicht.