Der Graf von Monte Christo
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Max Pannwitz
- Жанр: Историческая проза
Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:
In seinem Schlafzimmer hieß er Ali still stehen, dann ging er in das Kabinett, verschloß den Sekretär doppelt, nahm den Schlüssel an sich, kehrte zur Tür des Schlafzimmers zurück, riß die doppelte Schließkappe des Riegels abund ging hinein.
Währenddessen legte Ali auf einen Tisch die Waffen, die der Grafbefohlen hatte, nämlich einen kurzen Karabiner und ein Paar Doppelpistolen, deren übereinanderliegende Läufe auf das sicherste zu zielen gestatteten. Sobewaffnet, hielt der Graf das Leben von fünf Personen in seinen Händen.
Es war halbzehn Uhr. Der Graf und Ali aßen eilig ein StückBrot und tranken ein Glas spanischen Wein; dann schobMonte Christo einbewegliches Stück Wandbeiseite, eine Vorrichtung, wie er sie in verschiedenen Zimmern hatte anbringen lassen, so daß er das ganze Nebenzimmer übersehen konnte. Pistolen und Karabiner lagen imBereich seiner Hand, und Ali stand neben ihm, mit einer kleinen arabischen Axtbewaffnet.
Durch ein Fenster des Schlafzimmers, das parallel mit dem des Kabinetts lag, konnte der Graf auf die Straße sehen. So vergingen zwei Stunden. Es herrschte die tiefste Finsternis, und dennoch unterschied Ali vermöge seiner natürlichen Anlage und der Graf, vermöge der auf If erfolgten Anpassung das schwächste Zittern derBäume im Hofe. Das Licht in der Portierloge war schon seit lange erloschen.
Es war anzunehmen, daß der Angriff, wenn überhaupt, durch die Treppe des Erdgeschosses und nicht durch ein Fenster erfolgen würde. Nach der Ansicht des Grafen wollten die Mörder sein Leben und nicht sein Geld. Daher wollten sie wahrscheinlich in sein Schlafzimmer dringen und dahin entweder auf der Geheimtreppe oder durch das Fenster des Kabinetts gelangen.
Er stellte Ali an die Tür der Treppe und überwachte fortwährend das Kabinett. Es schlug drei Viertel auf zwölf Uhr im Invalidenhause; der Westwindbrachte auf seinen feuchten Schwingen den düstern Ton der drei Schläge. Als der letzte Schlag erstarb, glaubte der Graf ein leichtes Geräusch auf der Seite des Kabinetts zu hören. Auf dieses erste Geräusch folgte ein zweites, dann ein drittes; bei dem vierten wußte er, woran er war. Eine feste und geübte Hand warbeschäftigt, die vier Seiten einer Scheibe mit einem Diamanten zu durchschneiden.
Der Graf fühlte, wie sein Herz rascher schlug; er machte jedoch nur ein Zeichen, um Ali in Kenntnis zu setzen. Dieser trat einen Schritt näher zu seinem Herrn.
Monte Christo warbegierig, zu erfahren, mit welchen und mit wieviel Feinden er es zu tun habe. Das Fenster, an dem gearbeitet wurde, lag der Öffnung gegenüber, durch die der Graf das Kabinett überblickte. Seine Augen richteten sich nach diesem Fenster; er sah einen dichteren Schatten von der Finsternis sich abheben, dann wurde eine Scheibe völlig undurchsichtig, als obman von außen einBlatt Papier daran klebte, und endlich krachte die Scheibe, ohne zu fallen. Durch die im Fensterbewerkstelligte Öffnung streckte sich ein Arm herein, der den inneren Riegel suchte. Eine Sekunde nachher drehte sich das Fenster auf seinen Angeln, und ein Mensch kam herein. Dieser Mensch war allein.
Das ist ein keckerBursche, murmelte der Graf.
In diesem Augenblicke fühlte er, daß ihn Ali leicht an der Schulterberührte; er wandte sich um. Ali deutete auf das nach der Straße gehende Fenster des Zimmers. Monte Christo machte drei Schritte nach dem Fenster hin, denn er kannte die ausgezeichnete Feinheit der Sinne seines treuen Dieners. Er sah wirklich einen anderen Menschen, der auf einen Randstein gestiegen war und, wie es schien, zu sehen suchte, wasbei dem Grafen vorging.
Gut! sagte er, es sind zwei, der eine handelt, der andere steht auf der Lauer.
Er hieß Ali den Mann auf der Straße nicht aus dem Gesichte verlieren und wandte sich zum Kabinett zurück.
Der Einbrecher war eingetreten und schaute sich um, die Arme vor sich ausstreckend. Endlich schien er sich orientiert zu haben; es waren zwei Türen im Kabinett, und er schickte sich an, diebeiden Riegel vorzustoßen.
Als er sich der Schlafzimmertür näherte, glaubte Monte Christo, er wolle hereinkommen, und hielt eine Pistolebereit; doch er hörte nur das Geräusch des zugeschobenen Riegels. Es war nur eine Vorsichtsmaßregeclass="underline" der nächtliche Gast, der nicht wußte, daß der Graf die Schließkappe weggenommen hatte, hielt sich nun für sicher und meinte, völlig unbesorgt vorgehen zu können.
Jetzt zog der Mann aus seiner weiten Tasche etwas, das der Graf nicht erkennen konnte, legte dieses Etwas auf ein Tischchen, ging gerade auf den Sekretär zu undbemerkte, daß der Schlüssel wider sein Erwarten fehlte.
Doch der Einbrecher war ein vorsichtiger Mann, der an alles gedacht hatte. Der Graf hörtebald, wie Eisen an Eisen klirrte, wie vom Schütteln einesBundes formloser Schlüssel, wie sie die Schlosserbenutzen und diebei den Dieben Nachtigallen heißen.
Ah! ah! murmelte Monte Christo mit einem Lächeln der Enttäuschung, es ist nur ein Dieb.
Aber der Mann konnte in der Dunkelheit das passende Werkzeug nicht herausfinden. Er nahm daher seine Zuflucht zu dem Gegenstand, den er auf das Tischchen gelegt hatte, ließ eine Feder spielen, und alsbald warf einbleiches Licht seinen fahlen Widerschein auf die Hände und das Gesicht des Mannes.
Halt! flüsterte Monte Christo, mit einerBewegung des Erstaunens zurückweichend, es ist…
Ali hobseine Axt.
Rühre dich nicht, sagte Monte Christo leise zu ihm, laß deine Axt liegen, wirbrauchen hier keine Waffen mehr. Dann fügte er, seine Stimme noch mehr dämpfend, einige Worte hinzu; denn der Ausruf, den das Erstaunen dem Grafen entrissen hatte, war, obwohl schwach, doch hinreichend gewesen, den Mannbeben zu lassen.
Der Graf hatte Ali einenBefehl gegeben, dieser entfernte sich sogleich und machte von der Wand des Alkovens einen schwarzen Rock und einen dreieckigen Hut los. Währenddessen warf Monte Christo rasch seinen Rock, seine Weste und sein Hemd von sich, und der durch den Spalt der Füllung dringende Lichtstrahl traf ein geschmeidiges Stahlhemd, wie es in Frankreich, wo man jetzt keine Dolche mehr zu fürchten hat, vielleicht zuletzt Ludwig XVI. trug, der seineBrust vor dem Messer schützen wollte und dann mit demBeile in den Hals getroffen wurde.
Diese Tunika verschwandbald unter einer langen Soutane, wie die Haare des Grafen unter einer Perrücke mit Tonsur; der auf die Perrücke gesetzte dreieckige Hut verwandelte den Grafen vollends in einen Abbé.
Der Mann hatte sich indessen, als er nichts mehr hörte, erhoben und ging wieder auf den Sekretär zu, dessen Schloß unter seiner Nachtigall zu krachen anfing.
Gut! murmelte der Graf, der sich ohne Zweifel auf irgend ein Geheimnis der Schlosserei verließ, das dem Diebe, so geschickt er auch sein mochte, nichtbekannt war, gut! du wirst ein paar Minuten zu tun haben; worauf er ans Fenster trat.
Der Mensch, den er hatte auf einen Randstein steigen sehen, war wieder herabgestiegen und ging in der Straße auf und ab. Als ihn Monte Christo noch einmal ins Auge faßte, schlug er sich plötzlich vor die Stirn und ließ über seine halbgeöffneten Lippen ein leichtes Lächeln hinschweben. Dann näherte er sich Ali und sagte leise zu ihm: Bleibe hier in der Dunkelheit verborgen, und welchen Lärm du auch hörst, was auch vorgehen mag, tritt nicht eher ein, alsbis ich dich rufe.
Ali machte mit dem Kopfe ein Zeichen, daß er verstanden habe und gehorchen werde. Hierauf nahm Monte Christo aus einem Schranke eine Kerze, zündete sie an, und in dem Augenblick, wo der Diebgänzlich von dem Schloß in Anspruch genommen war, öffnete er sacht die Tür, wobei er Sorge trug, daß das Licht, das er in der Hand hielt, vollständig auf sein Gesicht fiel.
Die Tür drehte sich so sacht, daß der Diebdas Geräusch nicht hörte, aber zu seinem großen Erstaunen sah er plötzlich, daß sich das Zimmer erleuchtete, und wandte sich um.