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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Ei! guten Abend, mein lieber Herr Caderousse, sagte Monte Christo, was zum Teufel tun Sie denn zu dieser Stunde hier?

Der AbbéBusoni! rief Caderousse.

Und da er nicht wußte, wie diese seltsame Erscheinungbis zu ihm gekommen war, da er doch die Tür geschlossen hatte, ließ er seinenBund falscher Schlüssel fallen undbliebbestürzt und unbeweglich auf der Stelle. Der Graf stellte sich zwischen Caderousse und das Fenster und schnitt ihm so sein einziges Rückzugsmittel ab.

Der AbbéBusoni! wiederholte Caderousse, den Grafen mit stieren Augen anschauend.

Allerdings der AbbéBusoni; er selbst, in Person, und es freut mich, daß Sie mich wiedererkennen, mein lieber Herr Caderousse; dasbeweist, daß wir ein gutes Gedächtnis haben, denn wenn ich mich nicht täusche, sind esbald zehn Jahre, daß wir uns nicht gesehen.

Diese Ruhe und Ironie erfüllten Caderousse mit einem schwindelartigen Schrecken.

Der Abbé! der Abbé! murmelte er, während seine Zähne klapperten und seine Hände sich krampfhaft zusammenzogen.

Wir wollen also den Herrn Grafen von Monte Christobestehlen? fuhr der vermeintliche Abbé fort.

Mein Herr Abbé, murmelte Caderousse, der das Fenster zu erreichen suchte, das ihm Monte Christo unbarmherzig abschnitt, mein Herr Abbé, ich weiß nicht… ichbitte Sie zu glauben… ich schwöre Ihnen…

Ein Fenster durchschnitten, fuhr der Graf fort, eineBlendlaterne, einBund Nachtigallen, ein halbgesprengter Sekretär, das ist doch klar?

Caderousse ersticktebeinahe in seiner Halsbinde, er suchte eine Ecke, in der er sich verbergen, ein Loch, durch das er verschwinden könnte.

Ah! ich sehe, Sie sind immer noch derselbe, mein Herr Mörder, sagte der Graf.

Herr Abbé, da Sie alles wissen, so wissen Sie auch, daß nicht ich es war, sondern die Carconte; die Richter haben das auch erkannt und mich nur zu den Galeeren verurteilt.

Sie haben also Ihre Zeitbeendigt, da ich Sie hier gerade damitbeschäftigt finde, sich wieder auf die Galeeren zubringen?

Nein, Herr Abbé, es hat mich jemandbefreit.

Dieser Jemand hat der Gesellschaft einen vortrefflichen Dienst geleistet!

Ah! ich hatte jedoch versprochen…

Sie sind also ausgebrochen?

Ach! ja! erwiderte Caderousse in größter Unruhe.

Schlimmer Rückfall… das wird Sie, wenn ich mich nicht täusche, auf den Richtplatzbringen. Schlimm, schlimm, Diavolo! wie die Weltlichen meines Landes sagen.

Herr Abbé, ich gebe einem Zuge nach…

Dasbehaupten alle Verbrecher.

Die Not…

Schweigen Sie doch, sagte verächtlichBusoni, die Not kann dahin führen, daß man ein Almosen fordert, daß man einBrot an der Tür desBäckers stiehlt, aber nicht daß man einen Sekretär in einem Hause sprengt, das man unbewohnt glaubt. War es auch die Not, als Sie den Juwelier Joannès, der Ihnen 45 000 Franken für den Diamanten, den Sie von mir erhalten, auszahlte, ermordeten, um den Diamanten und das Geld zu haben?

Verzeihung, Herr Abbé, Sie haben mich schon einmal gerettet, wenn Sie noch einmal…

Das ermutigt mich nicht.

Sind Sie allein, Herr Abbé, fragte Caderousse, die Hände faltend, oder haben Siebereits Gendarmen in Ihrer Nähe, um mich festzunehmen?

Ichbin ganz allein, antwortete der Abbé, und werde noch einmal Mitleid mit Ihnen haben und Sie gehen lassen welches Unglück auch meine Schwäche nach sich ziehen sollte, wenn Sie mir die volle Wahrheit sagen.

Ah! Herr Abbé, rief Caderousse, sich Monte Christo einen Schritt nähernd, ich kann wohl sagen, daß Sie mein Retter sind.

Siebehaupten, man habe Sie aus demBagnobefreit?

Oh! so wahr ich Caderousse heiße, Herr Abbé.

Wer hat es getan?

Ein Engländer, namens Lord Wilmore.

Ich kenne ihn und werde also erfahren, obSie lügen.

Herr Abbé, ich spreche die reine Wahrheit.

Dieser Engländerbeschützte Sie?

Nicht mich, sondern einen jungen Korsen, der mein Kettengefährte war.

Wie hieß dieser junge Korse? — Benedetto.

Das ist ein Taufname.

Er hatte keinen andern, denn er war ein Findelkind.

Also ist dieser junge Mann mit Ihnen entwichen?

Ja. Wir arbeiteten in Saint‑Mandrierbei Toulon. Während des Mittagsschlafes unserer Wärter gingen wir in einen Winkel, durchsägten unsere Ketten mit einer Feile, die uns der Engländer hatte zukommen lassen, und flüchteten uns schwimmend.

Was ist ausBenedetto geworden?

Ich weiß es nicht. Wir trennten uns in Hyères.

Und um seinerBeteuerung mehr Gewicht zu verleihen, machte Caderousse abermals einen Schritt auf den Abbé zu, der unbeweglich und ruhig stehenblieb.

Sie lügen, sagte der Abbé mit einem unbeschreiblich gebieterischen Ausdruck. Sie lügen! Dieser Mensch ist noch Ihr Freund, und Siebedienen sich seiner vielleicht als Genossen!

Oh, Herr Abbé!..

Wie haben Sie gelebt, seitdem Sie Toulon verlassen? Antworten Sie. — Wie ich konnte.

Sie lügen! wiederholte der Graf zum dritten Male noch gebieterischer, so daß ihn Caderousse erschrocken anschaute.

Sie haben von dem Gelde gelebt, das er Ihnen gegeben.

Ja, es ist wahr, sagte Caderousse, Benedetto ist der Sohn eines vornehmen Herrn.

Wie kann er der Sohn eines vornehmen Herrn sein?

Der natürliche Sohn.

Wie heißt dieser vornehme Herr?

Graf von Monte Christo, der hier wohnt.

Benedetto, der Sohn des Grafen? versetzte Monte Christo ebenfalls erstaunt.

Verdammt! ich muß es wohl glauben, da der Graf selbst einen falschen Vater für ihn gefunden hat, da ihm der Graf viertausend Franken monatlich gibt, da ihm der Graf eine halbe Million vermacht.

Ah! ah! rief der falsche Abbé, der zubegreifen anfing; und wie nennt sich dieser junge Mensch?

Andrea Cavalcanti.

Also ist es der junge Mann, den mein Freund, der Graf von Monte Christo, bei sich empfängt, und der Fräulein Danglars heiraten wird? — Ganz richtig.

Und Sie dulden dies, Elender! Sie, der Sie sein Leben und seineBrandmarkung kennen?

Warum soll ich meinen Kameraden verhindern, glücklich zu werden?

Es ist richtig, es kommt nicht Ihnen zu, Herrn Danglars zu warnen, das ist meine Sache.

Tun Sie das nicht, Herr Abbé!..

Warum nicht?

Wir würden dadurch unserBrot verlieren!

Und Sie glauben, um Elenden, wie ihr seid, dasBrot zu erhalten, werde ich mich zumBegünstiger ihrer ruchlosen Streiche, zum Mitschuldigen ihrer Verbrechen machen?

Herr Abbé… sagte Caderousse, sich abermals nähernd.

Ich werde Herrn Danglars alles sagen.

Donner und Teufel! rief Caderousse, einblankes Messer aus seiner Weste ziehend und den Grafen mitten auf dieBrust stoßend, du wirst nichts sagen, Abbé!

Zu Caderousses großem Erstaunen sprang der Dolch, statt in dieBrust des Grafen zu dringen, stumpf ab. Zu gleicher Zeit packte der Graf mit der linken Hand das Faustgelenk des Mörders und drehte es mit einer solchen Kraft, daß das Messer aus den erstarrten Fingern fiel und Caderousse einen Schmerzensschrei ausstieß. Aber der Graf drehte trotzdem weiter das Handgelenk desBanditen, bis dieser mit ausgerenktem Arme zuerst auf die Knie und dann mit dem Gesicht auf die Erde fiel.

Der Graf stützte seinen Fuß auf Caderousses Kopf und sagte: Ich weiß nicht, was mich zurückhält, dir den Schädel einzutreten, Bösewicht!

Ah! Gnade! Gnade!

Der Graf zog seinen Fuß zurück und rief: Stehe auf!

Caderousse stand auf und sagte, seinen gequetschten Arm streichend: Mein Gott! welche Faust haben Sie, Herr Abbé!

Still! Gott verleiht mir die Kraft, ein wildes Tier, wie dubist, zubändigen; ich handle im Namen Gottes, dessen erinnere dich wohl, Elender, und dich in diesem Augenblick verschonen, heißt abermals den Absichten Gottes dienen. Nimm diese Feder und dieses Papier und schreibe, was ich dir diktieren werde!

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