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Der Graf von Monte Christo

Электронная книга - «Der Graf von Monte Christo». Краткое содержание книги:

Mit erst neunzehn Jahren steht der französische Seemann Edmond Dantes vor dem Abgrund: Zwei schurkische Freunde haben ihn seiner Geliebten und seiner Zukunft beraubt, boshafte Intrigen haben ihn ins Gefängnis gebracht. Nach vierzehn schmachvollen Jahren jedoch gelingt ihm die Flucht aus seinem düsteren Kerker im Château d`If. Als begüterter Graf von Monte Christo kehrt er ins Leben zurück und bewegt sich fortan in den höheren Kreisen der Pariser Gesellschaft – beseelt nur von einem Gedanken: Rache. Nun ist er derjenige, der die Fäden zieht, um seinen Peinigern das Handwerk zu legen …
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Fährt er oft nach Auteuil? fragte Caderousse.

Zwei- oder dreimal in der Woche; morgen z. B. soll er dort den Tag und die Nacht zubringen.

Weißt du das gewiß? — Er hat mich dahin zum Mittagessen eingeladen.

Das lasse ich mir gefallen, das ist ein Leben! rief Caderousse; ein Haus in der Stadt, ein Haus auf dem Lande. Und du wirstbei ihm speisen? — Wahrscheinlich.

Wenn du dort speisest, so schläfst du auch dort? — Wenn es mir Vergnügen macht. Ichbinbei dem Grafen wie zu Hause.

Caderousse schaute den jungen Mann an, als wollte er die Wahrheit aus der Tiefe seines Herzens reißen. Aber Andrea zog eine Zigarrenbüchse aus der Tasche, nahm eine Havanna daraus, zündete sie ruhig an undbegann ganz unbefangen zu rauchen.

Wann willst du deine fünfhundert Franken? fragte er Caderousse. — Sobald als möglich.

Wohl, es sei, wenn ich morgen nach Auteuil fahre, lasse ich dir das Geld zurück. Aber nicht wahr, dann ist's genug, du quälst mich nicht mehr? — Nie.

Caderousse wurde so düster, daß Andreabefürchtete, er werde gezwungen sein, diese Veränderung wahrzunehmen. Er verdoppelte daher seine Heiterkeit und Sorglosigkeit.

Wie munter dubist, sagte Caderousse, man möchte fast glauben, du hättestbereits deine Erbschaft in den Händen!

Nein, leider nicht!.. aber an dem Tage, wo ich sie habe… Nun, ich sage dir nur, man wird sich seiner Freunde erinnern.

Ja, da du ein so gutes Gedächtnis hast.

Was denkst du? Ich glaubte, du wolltest etwas von mir erpressen oder mich prellen.

Ich! welch ein Gedanke!

Also, sagte Andrea, hast du noch etwas von mir zu verlangen? Brauchst du etwa meine Weste, willst du meine Mütze? Sprich unverhohlen.

Nein, ich halte dich nicht mehr zurück. Dubist ein glücklicherBursche, antwortete Caderousse, du gehst und findest wieder deine Lakaien, deine Pferde, deinen Wagen und deineBraut. — Jawohl!

Sage doch, ich hoffe, du wirst mir ein schönes Hochzeitsgeschenk an dem Tage machen, wo du die Tochter meines Freundes Danglars heiratest? — Ich habe dirbereits gesagt, das ist eine Einbildung, die du dir in den Kopf gesetzt.

Wieviel Mitgift? Eine Million?

Andrea zuckte die Achseln.

Eine Million also, sagte Caderousse; du wirst nie so viel haben, als ich dir wünsche. — Ich danke.

Oh! es kommt von gutem Herzen, fügte Caderousse lachend hinzu. Warte, ich will dich zurückführen.

Es ist nicht nötig. — Doch.

Warum dies? — Weil an der Tür ein kleiner Kunstgriff angebracht ist; es ist eine Vorsichtsmaßregel, die ich glaubte nehmen zu müssen: Schloß Huret und Fichet, durchgesehen und verbessert von Gaspard Caderousse. Ich mache dir ein ähnliches, wenn du einmal Kapitalistbist.

Ich danke, sagte Andrea, ich werde dich acht Tage vorher davon in Kenntnis setzen lassen.

Sie trennten sich. Caderoussebliebauf dem Vorplatze stehen, bis er Andrea nicht nur die drei Stockwerke hinab, sondern auch durch den Hof hatte gehen sehen; dann kehrte er eilig zurück, schloß sorgfältig wieder seine Tür und fing an, wie ein zünftiger Architekt den Plan zu studieren, den ihm Andrea gemacht hatte.

Der liebeBenedetto, sagte er, ich glaube, es wäre ihm nicht leid, wenn er erben könnte, und der, welcher den Tag vorrückt, wo er die halbe Million einstreichen darf, wird nicht sein schlimmster Freund sein.

Der Einbruch

Am andern Tagebegabsich der Graf von Monte Christo wirklich mit Ali und mehreren Dienern nach Auteuil. Zu dieser Abreise, an die er am Tage vorher so wenig wie Andrea gedacht hatte, bestimmte ihn hauptsächlich die AnkunftBertuccios, der, aus der Normandie zurückgekehrt, Nachrichten vom Hause und von der Korvette überbrachte.

Das Haus warbereit, und die Korvette, die seit acht Tagen in einer kleinenBucht mit ihrer Ausrüstung von sechs Mann vor Anker lag, konnte, nachdem alle Förmlichkeiten erfüllt waren, auf den ersten Wink ihres Gebieters wieder in See gehen. Der Graf lobteBertuccios Eifer und forderte ihn auf, sich zu schneller Abreise fertig zu halten, da sich sein Aufenthalt in Frankreich nicht mehr über einen Monat ausdehnen würde. Ich muß nun vielleicht in einer Nacht von Paris nach Treport reisen, sagte er zu ihm, und will an acht Stellen frische Pferde auf der Straße eingestellt haben, mit denen ich fünfzig Meilen in zehn Stunden zurücklegen kann.

Eure Exzellenz hat schon früher diesen Wunsch kundgegeben, antworteteBertuccio, und die Pferde stehenbereit, ich habe sie selbst angekauft und an den passendsten Orten, nämlich in Dörfern, wo gewöhnlich niemand anhält, untergebracht.

Es ist gut, sagte Monte Christo, ichbleibe einen oder zwei Tage hier, richten Sie sich demgemäß ein!

AlsBertuccio imBegriff war hinauszugehen, um alleBefehle für diesen Aufenthalt zu erteilen, öffneteBaptistin die Tür undbrachte einenBrief.

Was tun Sie hier? fragte der Graf, als er ihn ganz mit Staubbedeckt erblickte, ich habe Sie nicht verlangt, scheint mir?

Ohne zu antworten, näherte sichBaptistin dem Grafen, bot ihm denBrief und sagte: Wichtig und dringend.

Der Graf öffnete denBrief und las:

Herr von Monte Christo wirdbenachrichtigt, daß in dieser Nacht ein Mensch in sein Haus in Paris dringen wird, um Papiere zu stehlen, die er im Sekretär des Ankleidezimmers eingeschlossen glaubt. Man weiß, daß der Graf von Monte Christo mutig genug ist, um nicht seine Zuflucht zur Polizei zu nehmen, deren Einschreiten den, welcher ihm diesen Rat gibt, sehr gefährden müßte. Der Herr Graf kann entweder durch eine vom Schlafzimmer ins Kabinett führende Öffnung oder, indem er sich im Kabinett verbirgt, sich selbst Gerechtigkeit verschaffen. Viele Leute und offenbare Vorsichtsmaßregeln würden sicherlich denBösewicht abschrecken und den Herrn Grafen der Gelegenheitberauben, einen Feind kennen zu lernen, den durch einen Zufall die Person entdeckte, die dem Grafen diesen Rat gibt, die aber wahrscheinlich nicht in der Lage wäre, den Rat zu wiederholen, wenn dieses Unternehmen scheitern und derBösewicht ein anderes versuchen würde.

Der Graf glaubte zuerst, es sei eine Diebslist, eine plumpe Falle, die eine Gefahr hinmalte, um eine andere, größere, zu verdecken. Er wollte denBrief trotz der Empfehlung des ungenannten» Freundes «oder vielleicht gerade deswegen einem Polizeikommissar übergeben lassen, als ihm plötzlich der Gedanke kam, es könnte wirklich ein Feind von ihm sein, den er allein zu erkennen vermöge, und von dem er vorkommendenfalls Nutzen ziehen könnte.

Sie wollen mir nicht meine Papiere stehlen, sie wollen mich töten, sagte Monte Christo; es sind keine Diebe, es sind Mörder. Der Polizeipräfekt soll sich nicht in meine Privatangelegenheiten mischen. Ichbin meiner Treu reich genug, um hierbei seiner Verwaltung jede Ausgabe zu ersparen. Der Graf riefBaptistin zurück. Siebegeben sich sogleich nach Paris undbringen alle Diener hierher, sagte er zu ihm. Ichbrauche alle meine Leute in Auteuil.

Soll nicht irgend jemand zu Hausebleiben?

Warum, sagte der Graf; Siebringen alle Ihre Kameraden mit, vom erstenbis zum letzten; alles übrige aberbleibe im gewöhnlichen Zustande. Die Läden des Erdgeschosses werden geschlossen, das genügt.

Baptistin verbeugte sich und ging.

Der Graf ließ sagen, er werde allein speisen und wolle nur von Alibedient werden. Er aß mit seiner gewöhnlichen Ruhe und Mäßigkeit, bedeutete darauf Ali durch ein Zeichen, er solle ihm folgen, entfernte sich durch die kleine Tür, wandte sich zumBois deBoulogne, als wolle er spazieren gehen, schlug den Weg nach Paris ein, undbefand sich mit Einbruch der Nacht vor seinem dortigen Hause.

Monte Christo lehnte sich an einenBaum und übersah die doppelte Allee, betrachtete die Vorübergehenden und tauchte seinenBlick in die nächsten Straßen, um zu sehen, obnicht irgend jemand im Hinterhalt liege. Nach Verlauf von zehn Minuten hatte er sich völlig überzeugt, daß ihn niemandbelauere. Er lief sogleich mit Ali nach der kleinen Tür, trat rasch ein und erreichte auf der Gesindetreppe, zu der er den Schlüssel hatte, sein Schlafzimmer, ohne einen einzigen Vorhang zu öffnen oder zu verschieben, ohne daß der Portier im Dienerhause seine Rückkehr vermuten konnte.

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