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Krieg und Frieden

Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:

Die spannenden Schilderungen vom Leben auf den russischen Landgütern und in der Stadt, mit seinen Familienfesten, Bällen, Jagden und Schlittenfahrten, wechseln mit Kampfhandlungen, Märschen oder Lagebesprechungen der Schicksalsschlachten von Schöngraben, Austerlitz oder Borodino.
Der atemberaubende Monumentalroman über die schicksalhafte Epoche der Napoleonischen Kriege. Das vielleicht bedeutendste Meisterwerk russischer Erzählkunst in meisterhafter Übersetzung. Über 1600 Seiten voll dramatischer historischer Schilderung.
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»Eine Hasenspur, eine ganze Masse Spuren!« tönte Nataschas Stimme durch die von der Kälte wie zusammengeschmiedete Luft.

»Wie deutlich man alles sieht, Nicolas!« sagte Sonjas Stimme.

Nikolaj sah Sonja an und beugte sich herab, um ihr besser ins Gesicht sehen zu können. Ein ganz neues, liebes Gesicht mit schwarzem Bärtchen, das im Mondlicht bald nah und bald fern schien, blickte ihm aus dem Zobelpelz entgegen.

Das war doch früher Sonja? dachte Nikolaj. Er sah sie genauer an und lächelte.

»Was haben Sie, Nicolas?«

»Nichts«, sagte er und wandte sich wieder zu den Pferden.

Als sie auf die große Landstraße hinauskamen, die von Schlittenkufen ganz glatt gefahren war und wie gebahnt erschien und wo im Mondschein die Spuren vom Einhacken der Hufeisendorne zu sehen waren, zogen die Pferde von selber die Zügel straff und fingen an, schneller auszugreifen. Das linke Seitenpferd senkte den Kopf, machte ein paar Sprünge und riß an seinen Strängen. Das Mittelpferd sprang bald auf die eine, bald auf die andere Seite und legte die Ohren zurück, als wolle es fragen: Geht’s jetzt los, oder ist es noch zu früh? Vorn, bereits in ziemlicher Entfernung, sah man deutlich auf dem weißen Schnee Sachars schwarze Troika, deren Glöckchen, immer ferner werdend, dumpf tönten. Man hörte aus dem Schlitten die Stimmen der Vermummten, wie sie schrien und lachten.

»Na los, ihr Vagabunden!« rief Nikolaj, riß mit der einen Hand an den Zügeln und schwang mit der andern die Peitsche.

Und nur aus dem scheinbar stärker werdenden Gegenwind und dem Spannen und Zupfen und Nach-der-Mitte-Drängen der Seitenpferde war zu merken, wie flink die Troika dahinsauste.

Nikolaj sah sich um. Mit Geschrei und Gekreisch, unter Peitschenknallen und Antreiben des Mittelpferdes suchten die beiden anderen Schlitten nachzukommen. Mit stoischer Ruhe wiegte sich Nikolajs Deichselpferd unter dem Krummholz hin und her und dachte gar nicht daran, sich irremachen zu lassen, ließ aber durchblicken, daß es noch viel, viel schneller laufen könnte, wenn es wirklich darauf ankäme.

Nikolaj hatte die erste Troika eingeholt. Sie fuhren einen Hügel hinunter und kamen nun auf einen breit ausgefahrenen Wiesenweg, der am Fluß entlang führte.

Wo fahren wir nur? dachte Nikolaj. Das müßte doch die Schiefwiese sein. Aber nein, das ist eine ganz andere Gegend, die ich noch niemals gesehen habe. Das ist nicht die Schiefwiese und der Djomkinahügel, sondern Gott weiß was! Das ist etwas ganz Neues und Zauberhaftes. Nun, meinetwegen, nur zu! Und er rief seinen Pferden zu und schickte sich an, den ersten Schlitten zu überholen.

Sachar hielt die Pferde etwas an und wandte sein schon bis an die Brauen bereiftes Gesicht um.

Nikolaj ließ seine Pferde laufen, was sie nur rennen konnten, Sachar streckte die Arme vor, schnalzte mit der Zunge und ließ seinen Pferden ebenfalls die Zügel schießen.

»Nun aber die Ohren steif, gnädiger Herr«, sagte er.

Immer flinker und flinker sausten die beiden Schlitten nebeneinander her, und immer schneller stampften die Beine der dahingaloppierenden Pferde. Nikolaj kam etwas vor. Sachar hielt immer noch die Arme nach vorn gestreckt und hob die eine Hand mit den Zügeln jetzt hoch.

»Mir machst du nichts vor, gnädiger Herr«, rief er Nikolaj zu.

Nikolaj ließ alle seine Pferde im Galopp dahinsausen und überholte Sachar. Die Pferde überschütteten die Gesichter der im Schlitten Sitzenden mit feinem trockenem Schnee, wilder klingelten die Glöckchen und Schellen, und die schnell dahinjagenden Beine der Pferde und die Schatten flossen zu einem wirren Chaos zusammen. Von allen Seiten hörte man das Knirschen der Kufen auf dem Schnee und das Kreischen weiblicher Stimmen.

Nikolaj hielt die Pferde wieder etwas an und sah sich um. Ringsum dehnte sich dieselbe vom Mondlicht gesättigte, zauberhafte Schneefläche aus, die wie mit Sternen übersät glitzerte.

Sachar ruft mir zu, ich solle links fahren, warum denn aber links? dachte Nikolaj. Fahren wir denn wirklich zu Meljukows, und ist dies etwa schon Meljukowka? Wir fahren doch Gott weiß wo, und erleben Gott weiß was, aber das, was wir erleben, ist seltsam und wunderschön. Und er sah sich im Schlitten um.

»Sieh nur, einen ganz weißen Bart und ganz weiße Wimpern hat er!« sagte eine der dort sitzenden seltsamen, hübschen und fremden Gestalten mit einem feinen Bärtchen und dunklen Augenbrauen.

Das war doch, scheint’s, Natascha? dachte Nikolaj. Und das ist doch Madame Schoß, oder vielleicht auch nicht? Doch was der Tscherkesse mit dem Schnurrbart dort ist, das weiß ich nicht, aber ich liebe diese Gestalt.

»Friert ihr auch nicht?« fragte er.

Sie antworteten nicht und lachten bloß. Dümmler rief ihnen aus dem hinteren Schlitten irgend etwas zu, wahrscheinlich etwas Komisches, aber man konnte nicht verstehen, was er sagte.

»Ja, ja«, riefen ein paar Stimmen lachend zurück.

Auf einmal war man in einem Zauberwald, wo schwarze Schatten und das Geglitzer von Diamanten ineinanderflossen, wo breite Marmorstufen und silberne Dächer von Märchenschlössern im Mondschein flimmerten und das gellende Kreischen wilder Tiere durch die Stille hallte.

Wenn das wirklich Meljukowka ist, so wäre das um so seltsamer, da wir ja Gott weiß wo gefahren und nun also doch noch nach Meljukowka gekommen sind, dachte Nikolaj.

Und es war wirklich Meljukowka, und Diener und Mägde kamen mit Lichtern und fröhlichen Gesichtern auf die Freitreppe hinausgelaufen.

»Wer ist das?« hörte man sie untereinander fragen.

»Das sind Maskierte vom Grafen, ich sehe es an den Pferden«, erwiderten ein paar Stimmen gleichzeitig.

11

Pelageja Danilowna Meljukowa, eine dicke, energische Dame, saß mit einer Brille und aufgeknöpfter Kapotte im Kreis ihrer Töchter im Salon, bemüht, ihren Kindern die Langweile zu vertreiben. Sie gossen schweigend Wachs und suchten aus dem Schatten der daraus entstandenen Figuren die Zukunft zu erraten, als unten die Schritte und Stimmen der Ankommenden laut wurden.

Die Husaren, Damen, Hexen, Harlekine und Bären wischten sich im Vorzimmer die bereiften Gesichter ab, räusperten sich und gingen dann in den Saal hinein, wo man eiligst die Kerzen ansteckte. Dümmler als Bajazzo und Nikolaj als alte Jungfer eröffneten den Reigen. Von den jubelnden Kindern umringt, begrüßten die Kostümierten mit verdecktem Gesicht und verstellter Stimme die Hausfrau und verteilten sich dann im Zimmer.

»Ach, du großer Gott, keine Möglichkeit, jemanden zu erkennen! Aber das ist doch Natascha! Guckt nur, wem sieht sie doch bloß ähnlich? Sie erinnert tatsächlich an irgend jemanden. Und Eduard Karlytsch, wie schön! Den hätte ich nicht erkannt. Und wie er tanzt! Alle Heiligen, jetzt kommt gar noch ein Tscherkesse! Wirklich, das steht Sonja glänzend! Aber wer ist denn das noch? Gottlob, daß ihr gekommen seid! Nehmt doch die Tische weg, Nikita, Wanja! Wir saßen eben so stumpfsinnig da! Hahaha! Seht nur den Husaren, den Husaren! Ganz wie ein junger Mann! Und die Beine! Ich kann gar nichts sehen …«, so tönte es durcheinander.

Natascha, der erklärte Liebling der Meljukowschen Töchter, verschwand mit ihnen in den hinteren Gemächern, wohin sie sich einen Stöpsel und verschiedentliche Schlafröcke und Männerkleidungsstücke kommen ließ, die nackte Mädchenarme von den Dienern durch die kaum geöffnete Tür entgegennahmen. Zehn Minuten später gesellte sich die ganze Meljukowsche Jugend ebenfalls kostümiert den Masken bei.

Pelageja Danilowna ordnete an, daß für die Gäste genügend Platz geschaffen und für die Bewirtung der Herrschaften und der Gutsleute gesorgt werde, dann ging sie, ohne die Brille abzunehmen, mit verhaltenem Lächeln durch die Reihen der Verkleideten, sah jedem ganz nah ins Gesicht und konnte doch niemanden erkennen. Sie erkannte weder die Rostows noch Dümmlers, ja nicht einmal ihre eigenen Töchter und die Schlafröcke und Uniformen, die sie anhatten.

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