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Flucht aus der Zukunft [=Zeitspringer / The Time-Hoppers - de]

Электронная книга - «Flucht aus der Zukunft [=Zeitspringer / The Time-Hoppers - de]». Краткое содержание книги:

Kriminalsekretär Joseph Quellen, Angestellter Klasse VII, besitzt eindeutige Beweise für die Existenz der Zeitspringer: Die alten Polizeiakten des Jahres 1979. Sie berichten vom Auftauchen seltsam gekleideter Frauen und Männer, die nach scharfen Verhören gestehen, aus dem 25. Jahrhundert geflüchtet zu sein, um dem hoffnungslosen Leben unter dem Regime der Maschinen zu entgehen. Kriminalsekretär Quellen befindet sich in einer Zwangslage. Er soll die illegale Organisation der Zeitreisenden zerschlagen — darf aber durch sein Eingreifen kein Zeitparadoxon verursachen, das das Regime in seinen Grundfesten erschüttern würde.
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Die Verbrechen erschienen ohne Motiv. Die Hohe Regierung hatte fast alle Ursachen der früheren Verbrechen abgeschafft — Hunger, Not, unbefriedigte Triebe. Jeder erhielt sein Geld, ob er Arbeit hatte oder nicht, und es gab genug Nahrung für alle, gesunde, wenn auch nicht besonders schmackhafte Kost. Niemand wurde zu Raub oder Diebstahl gezwungen, weil seine Familie am Verhungern war. Drogen für Süchtige waren überall zu haben. Die Regierung sorgte dafür, daß Bedürfnisse aller Art befriedigt werden konnten. Es hieß daß diese Maßnahmen ein Zeichen der Reife seien. Dadurch, daß die Hohe Regierung fast alle Dinge genehmigte, mußte niemand ein Verbrechen begehen. Denn das Verbotene reizt mehr als das Erlaubte.

Sicher. Die Motive für ein Verbrechen waren zum größten Teil ausgeschaltet. Aber das Verbrechen selbst blieb. Quellen hatte genügend Beweise für diese düstere Tatsache. Diebstahl, Mord, Vergewaltigungen — jetzt waren sie eine Art Sport. Man brauchte keinen zwingenden Grund mehr. Besonders das höhere Bürgertum war voll von heimlichen Verbrechern. Respektierliche Klasse-Sechs-Bürger ließen sich die schrecklichsten Dinge einfallen. Dicke Matronen aus Klasse Fünf lauerten Fremden in dunklen Seitenwegen auf. Kinder nahmen an Scheußlichkeiten teil. Sogar Gesetzesvertreter umgingen das Gesetz. Sie bauten sich heimlich Häuser in Gebieten, die für Angehörige der Klasse Zwei vorbehalten waren. Aber Quellens Verbrechen tat wenigstens den anderen Menschen nicht weh. Während andere …

Da war ein Bericht über einen Mann, der an den Hydroponikanlagen arbeitete. Er hatte ein biologisches Verbrechen begangen: Er hatte in den Körper eines anderen Menschen lebende Materie verpflanzt. Es hieß, daß er einen Kollegen betäubt und mittels einer Ultraschall-Sonde eine tödliche Dosis einer neuentwickelten asiatischen Fleischfresser-Art eingeführt hatte. Diese Pflanze hatte nach und nach das ganze Kreislaufsystem des Opfers zerfressen. Und weshalb hatte der Mann das getan? »Weil ich seine Reaktion sehen wollte«, erklärte er.

Da war ein Klasse-Sechs-Lehrer an einer großen Universität in Appalachia, der ein junges Mädchen in sein luxuriöses Apartment eingeladen hatte und verführen wollte. Als sie sich weigerte, betäubte er ihr Schmerzzentrum und verstümmelte sie für immer. Weshalb? »Eine Sache des männlichen Stolzes«, erklärte er dem Beamten, der ihn verhaftete.

Er hatte seinem Stolz Genüge getan. Aber das Mädchen würde nie wieder Freude oder Schmerz empfinden können, wenn ihr die Ärzte nicht halfen.

Und hier überflog Quellen den Bericht von einer kultischen Veranstaltung, die in einer Tragödie geendet hatte, statt in mystischer Verklärung. Ein Anhänger des Erbrechens-Kultes hatte in seine Schale drei Kristalle pseudolebenden Glases geworfen, bevor er sie weitergab. Das Glas, das sich in der entsprechenden Umgebung ausdehnte, hatte die inneren Organe der Opfer durchdrungen. »Es war alles ein schrecklicher Irrtum«, erklärte der Verbrecher. »Meine Absicht war es, selbst einen der Kristalle zu schlucken und mit ihnen den Schmerz und die endgültige Loslösung zu teilen.«

Die Geschichte entsetzte Quellen besonders. Die meisten dieser Alpträume ließen ihn unberührt, aber zufällig war Judith eine Anhängerin dieses Kultes, und seit Helaines Besuch spukte Judith dauernd in seinen Gedanken herum. Quellen hatte sie seit seiner letzten Rückkehr aus Afrika weder gesehen noch gesprochen. Und Judith hätte leicht ein Opfer dieser teuflischen Glaskristalle sein können. Vielleicht sogar ich, dachte Quellen entsetzt. Ich muß Judith bald einmal anrufen. Ich habe sie in letzter Zeit vernachlässigt.

Er blätterte weiter die Berichte durch.

Nicht alle Verbrechen waren so phantasievoll. Da war das übliche Quantum an Raufereien, Messerstechereien, Lasertoten und ähnlichem. Aber der Bereich, in dem sich die Verbrechen abspielten, war ungeheuer groß, und besonders ausgeprägte Scheußlichkeiten bildeten ein Charakteristikum der Zeit. Quellen legte ein Blatt nach dem anderen zur Seite, schrieb hier eine Bemerkung und dort eine Empfehlung dazu. Dann schob er das Material weg.

Er hatte bisher noch keine Gelegenheit gehabt, die Spule mit Material B durchzusehen, die Brogg für die Zeitreise-Untersuchung hergerichtet hatte. Brogg hatte gesagt, sie enthielte Beweise von Zeitreisen außerhalb der Zeitzone von 1979 bis 2106. Quellen legte die Spule ein und lehnte sich zurück, um sie zu betrachten.

Brogg hatte gewissenhaft Hunderte von Erzählungen geheimnisvoller Vorkommnisse und Spukerscheinungen gesammelt, die man als Zeitreisen auslegen konnte. Er hatte sich unendliche Mühe gegeben. »Es liegt der Gedanke nahe«, hatte Brogg geschrieben, »daß die Hauptperiode der Zeitreisen innerhalb der vergangenen fünfhundert Jahre liegt, daß es aber Fälle gibt, in denen Zeitwanderer in eine sehr viel früher liegende Periode geschickt wurden.«

Schon möglich, dachte Quellen. Er sah sich die Berichte an.

Materiaclass="underline" Zeugnis des Chronisten Giraldus Cambrensis, geboren auf Schloß Manorbier in Pembrokeshire um 1146 nach Christus. Giraldus berichtete von einem rothaarigen jungen Mann, der unerwartet im Schloß eines Ritters namens Eliodore de Stakepole in Westwales auftauchte:

Dieser merkwürdige Mann sagte, sein Name sei Simon. Er übernahm die Schlüssel des Seneschalls und auch dessen Stelle. Doch er war ein so kluger und kunstfertiger Bediensteter, daß im Hause nie etwas verlorenging oder fehlte. Und das Anwesen blühte auf. Wenn der Herr oder die Herrin etwas wünschten, so hatten sie es noch nicht ausgesprochen, als er schon ihre Gedanken las und sich sofort auf den Weg machte, ohne erst den Befehl abzuwarten. Er wußte, wo sie ihr Gold und ihre Edelsteine verborgen hatten. Und er sprach des öfteren zu ihnen: »Wozu diese kleinliche Horten von Gold und Silber? Ist das Leben nicht kurz? Darum macht es euch schön, gebt euer Gold aus, sonst scheidet ihr hin, ohne das Leben und das Gut genossen zu haben, das ihr so geizig verwahrt.« Er sah darauf, daß es das Gesinde und die Bauern gut hatten, und ließ ihnen ausgewählte Speisen und Getränke zukommen … Dieser merkwürdige rothaarige Mann setzte keinen Fuß über eine Kirchenschwelle, er besaß kein Brevier, und er brachte kein katholisches Wort über die Lippen. Er hegte auch keine religiösen Gefühle. Er schlief nicht im Herrenhaus. Aber er war doch stets bereit, wenn er irgendwo gebraucht wurde.

Der Chronist berichtet weiter, daß die Stakepole-Kinder auf den geheimnisvollen Simon aufmerksam wurden und ihn heimlich zu beobachten begannen.

Und eines Nachts, als sie hinter einem Hollerbusch hervorlugten, während der fremde Mann in das stille Wasser des Mühlteiches starrte, sahen sie, wie er die Lippen bewegte, als spräche er mit einem Unbekannten.

Das berichteten sie ihrem Vater, und der tugendsame Ritter handelte.

Als sie ihm die Schlüssel abnahmen, fragte die Hausherrin: ›Wer seid Ihr?‹

Er erwiderte: ›Gezeugt hat mich eine Bauersfrau dieser Gemeinde, der ein Dämon in Gestalt ihres eigenen Ehgemahls beischlief.‹

Er nannte den genarrten Mann mit Namen, und es stellte sich heraus, daß er seit einiger Zeit tot war. Die Mutter lebte noch, und als man sie streng befragte, bekannte sie die Tat in einem öffentlichen Geständnis.

Interessant, dachte Quellen. Woher hat Brogg diese Dinge? Es konnte sich bei dem Rothaarigen sehr gut um einen Zeitreisenden handeln, der durch einen Zufall zu weit in die Vergangenheit geraten war. Und es gab noch mehr Zeugnisse von Chronisten aus Klöstern. Nach Broggs Zusammenstellung war das zwölfte und dreizehnte Jahrhundert eine wahre Fundgrube für solche unerklärlichen Fälle. Und es waren nicht immer nur Menschen aufgetaucht. Quellen las einen Bericht aus dem Jahre 1171, der im Eulogium Historiarium der Malmesbury-Abtei stand:

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