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Flucht aus der Zukunft [=Zeitspringer / The Time-Hoppers - de]

Электронная книга - «Flucht aus der Zukunft [=Zeitspringer / The Time-Hoppers - de]». Краткое содержание книги:

Kriminalsekretär Joseph Quellen, Angestellter Klasse VII, besitzt eindeutige Beweise für die Existenz der Zeitspringer: Die alten Polizeiakten des Jahres 1979. Sie berichten vom Auftauchen seltsam gekleideter Frauen und Männer, die nach scharfen Verhören gestehen, aus dem 25. Jahrhundert geflüchtet zu sein, um dem hoffnungslosen Leben unter dem Regime der Maschinen zu entgehen. Kriminalsekretär Quellen befindet sich in einer Zwangslage. Er soll die illegale Organisation der Zeitreisenden zerschlagen — darf aber durch sein Eingreifen kein Zeitparadoxon verursachen, das das Regime in seinen Grundfesten erschüttern würde.
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»Glaubst du, du kannst diesen Lanoy ausfindig machen und Arbeit durch ihn bekommen?« fragte sie.

»Was wir brauchen«, fuhr er fort, »ist eine Seuche. Selektiv, natürlich. Sie soll alle treffen, die keine Arbeitsqualifikationen nachweisen können. Damit wären die Stempler gleich um ein paar Milliarden weniger. Und das gesparte Geld kann man für Aufbauprogramme verwenden. Damit die übrigen Arbeit bekommen. Wenn das nichts nützt, muß man eben einen Krieg anfangen. Mit extraterrestrischen Feinden, mit dem Volk aus dem Krebsnebel. Einfach aus Patriotismus. Natürlich einen Krieg, den wir verlieren. Viel Kanonenfutter.«

Er schnappt noch über, dachte Helaine, als ihr Mann immer weiterredete. Es waren endlose Monologe, ganze Schwälle von Bitterkeit. Sie wollte nicht zuhören. Da er keinerlei Anstalten traf, die Wohnung zu verlassen, ging sie. Sie knallte das Geschirr in den Abfall und sagte: »Ich besuche die Nachbarn«, gerade als er sich über die Vorteile eines kontrollierten Nuklearkrieges zur Bevölkerungsverminderung ausließ. Leeres Geschwätz, das war alles, was Norm Pomrath zur Zeit fertigbrachte. Er mußte sich reden hören, damit er nicht ganz unterging.

Helaine fragte sich, wohin sie gehen sollte.

* * *

Beth Wisnack, die durch die Flucht ihres Mannes in die Vergangenheit Witwe geworden war, sah noch eingefallener, grauer und trauriger aus als bei Helaines letztem Besuch. Ihr Mund war vor unterdrückter Wut verkniffen. Unter der Oberfläche weiblicher Resignation lauerte der Haß. Wie konnte er es wagen, mir das anzutun? Wie konnte er mich so im Stich lassen?

Höflich bot Beth ihrem Gast eine Alkoholröhre an. Helaine lächelte, nahm das rote Plastikröhrchen und drückte es gegen den Armmuskel. Beth tat das gleiche. Die Ultraschall-Spitzen surrten. Das Anregungsmittel drang in den Blutstrom. Ein gutes Mittel für die, die die modernen Mixgetränke nicht mochten. Helaine entspannte sich. Sie horchte eine Zeitlang auf Beths gleichförmiges Gejammer.

Dann sagte Helaine: »Beth, kennst du einen gewissen Lanoy?«

Beth horchte sofort auf. »Lanoy? Welchen Lanoy? Wo hast du von ihm gehört? Was weißt du über ihn?«

»Nicht viel. Deshalb frage ich dich ja.«

»Ich habe den Namen gehört, das stimmt.« Ihre glanzlosen Augen belebten sich. »Bud hat ihn erwähnt. Ich hörte ihn mit einem anderen Mann darüber sprechen. Lanoy hin, Lanoy her … Es war in der Woche, bevor er mich verließ. Lanoy, sagte er. Lanoy wird alles in Ordnung bringen.«

Helaine griff nach einem zweiten Alkoholröhrchen, ohne Beths Aufforderung abzuwarten. In ihrem Innern war plötzlich eisige Kälte.

»Was wird Lanoy in Ordnung bringen?« fragte sie.

Beth Wisnack winkte resigniert ab. »Ich weiß nicht. Bud sprach über solche Dinge nie mit mir. Aber ich hörte ihn über Lanoy diskutieren. Es war ein dauerndes Geflüster. Kurz bevor er ging, sprach er nur noch von ihm. Ich habe meine Theorie über Lanoy. Willst du sie hören?«

»Natürlich.«

Lächelnd sagte Beth: »Ich glaube, daß Lanoy der Mann ist, der die Zeitreisen organisiert.«

Helaine hatte auch schon daran gedacht. Aber sie war hergekommen, um das Gegenteil zu erfahren, nicht um ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt zu sehen. Mit zitternden Händen glättete sie ihre Tunika, drehte sich herum und sagte: »Du glaubst wirklich? Hast du irgendeinen Grund dazu?«

»Bud sprach die ganze Woche über Lanoy. Dann verschwand er. Er hat über irgend etwas gebrütet, und es hatte mit Lanoy zu tun. Ich wußte ja nicht, worum es ging. Aber ich habe meine Theorien. Bud traf diesen Lanoy irgendwo. Sie machten ein Geschäft. Und — und …« Wieder brach der Haß durch. »Und dann verschwand Bud.« Sie sah Helaine an. »Weshalb fragst du?«

»Ich fand einen Zettel in Norms Kleidern«, sagte Helaine. »Eine Art Anzeige. Keine Arbeit? Fragen Sie nach Lanoy. Ich wollte wissen, was das bedeutete, und er wurde sehr verlegen. Er nahm mir den Zettel weg und versuchte mir weiszumachen, daß es eine Art Arbeitsvermittlung sei oder etwas Ähnliches. Ich konnte sehen, daß er log. Er verbarg mir etwas. Aber ich weiß nicht, was.«

»Du solltest dich um die Sache kümmern, Helaine.«

»Glaubst du, daß es so schlimm ist?«

»Ich glaube, daß es das gleiche wie bei Bud ist. Norm steht in Verbindung mit ihnen. Wahrscheinlich versucht er irgendwo das Geld aufzutreiben. Und dann schicken sie ihn zurück. Pfft! Verschwunden. Kein Mann mehr. Die Witwe Pomrath. Zwei unmündige Kinder.« Beth Wisnacks Augen hatten einen merkwürdigen Glanz angenommen. Die Aussicht, daß Helaines Mann unter die Zeitreisenden gehen könnte, schien sie nicht unglücklich zu machen. Elend ruft nach Gleichgesinnten. Helaine wußte das. Sollte jeder Ehemann in der Vergangenheit verschwinden! Vielleicht konnte Beth sich dann wieder freuen.

Helaine zwang sich zur Ruhe.

»Hast du diesen Lanoy erwähnt, als dich die Polizei wegen Buds Verschwinden verhörte?« fragte sie.

»Ja, ich habe ihn genannt. Sie wollten wissen, ob Bud vor seinem Verschwinden unbekannte Leute getroffen hätte, und ich sagte, ich wüßte es nicht, aber er habe einige Male den Namen Lanoy erwähnt. Sie schrieben es auf. Ich weiß nicht, was sie damit anfingen. Bud können sie mir auf keinen Fall zurückbringen. Man kann nämlich nur in eine Richtung reisen. In die Vergangenheit. Sie haben keine Maschinen, um die Leute wieder hierherzusenden. Wer einmal weg ist, kommt nicht wieder. Wenn Norm also geht …«

»Er geht nicht«, sagte Helaine.

»Aber er trifft sich doch mit diesem Lanoy?« fragte Beth.

»Er hatte nur diesen kleinen Zettel. Es stand nicht mal eine Adresse darauf. Er sagte, er wüßte nicht, wo Lanoy zu finden sei. Und sicher sind wir schließlich auch nicht, ob der Mann etwas mit den Zeitreisen zu tun hat.«

Beths Augen blitzten. »Die Lanoy-Leute sind in Kontakt mit ihm. Das heißt, daß sie ihn jederzeit erreichen können. Also kann auch er sie erreichen. Und sie werden ihn in die Vergangenheit schicken. Er macht den Sprung, Helaine. Du kannst es mir glauben.«

* * *

Ein Schnellboot brachte sie zu dem prachtvollen Gebäude, in dem sich das Kriminalsekretariat befand. Durch ihre Hartnäckigkeit in den unteren Büros erfuhr Helaine, daß sich ihr Bruder heute im Dienst befand. Schließlich teilte man ihr mit, daß er sie sprechen würde, wenn sie sich ein Weilchen gedulden könnte. Die Maschine verlangte ihren Daumenabdruck, und sie gab ihn ab, und dann saß sie in einem nüchternen Vorraum mit purpurfarbenen Möbeln.

Helaine war die Welt der Geschäftsräume und Roboter nicht gewöhnt. Sie blieb in der Nähe ihres Hauses und besorgte die meisten Einkäufe per Fernbedienung. »Die Stadt« — die Welt am Ende der Schnellbootrampen — jagte ihr Angst ein. Sie zwang sich, kühl zu bleiben. Bei einer so ernsten Angelegenheit mußte sie ihrem Bruder ruhig gegenübersitzen.

»Der Kriminalsekretär möchte Sie sprechen«, verkündete eine ruhige, unpersönliche Stimme.

Sie wurde vor ihren Bruder gebracht. Quellen erhob sich, warf ihr ein kurzes, verlegenes Lächeln zu und bot ihr einen Sessel an. Der Sessel nahm sie auf und begann ihre Rückenmuskeln zu massieren. Helaine zuckte bei dem Gefühl zusammen und rutschte angstvoll nach vorne, als sich die unsichtbaren Hände an ihren Hüften zu schaffen machten. Die fein abgestimmten Sensoren spürten ihre Ablehnung und zogen sich zurück.

Sie sah ihren Bruder unsicher an. Quellen schien vor ihr die gleiche Scheu zu haben wie sie vor ihm. Er zupfte sich am Ohr, preßte die Lippen zusammen, knackte mit den Fingerknöcheln. Sie waren sich praktisch fremd. Bei Familienfeiern traf man sich hin und wieder, aber sie hatten sich seit langer Zeit nicht mehr richtig unterhalten. Er war ein paar Jahre älter als sie. Früher waren sie einander sehr nahe gestanden. Sie hatten sich gebalgt und gezankt wie jetzt Marina und Joseph. Helaine konnte sich noch gut daran erinnern, wie er sie als Junge immer neugierig angesehen hatte. Unvermeidlich in der Enge eines Raumes. Er hatte sie an den Haaren gezogen und ihr bei den Hausaufgaben geholfen. Dann hatte seine Ausbildung für den Regierungsdienst begonnen, und er war ihrer Welt fremd geworden. Und nun war sie eine nervöse Hausfrau und er ein geschäftiger Beamter, und sie hatte ein wenig Angst vor ihm.

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