Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Wie so oft zuvor wünschte Huschidh sich nun, die Kommunikation mit der Überseele fiele ihr so leicht, wie es bei Luet und Nafai der Fall war. Gelegentlich war die Überseele imstande, Gedanken als Worte in ihren Geist zu bringen, wie es bei ihnen ständig der Fall war, doch es handelte sich dabei niemals um einen angenehmen Dialog, sie konnte niemals problemlos entscheiden, bei welchen Gedanken es sich um ihre eigenen und bei welchen es sich um die der Überseele handelte. Also mußte sie mit ihrer Gabe der Entwirrung auskommen, und die klaren Einsichten, die diese Befähigung ihr gab, fühlten sich immer an, als wären es ihre eigenen, und erst später kamen sie ihr manchmal so klar vor, daß es sich eindeutig um Visionen handeln mußte, die die Überseele ihr gegeben hatte.
Dennoch war sie überzeugt, sich nicht etwas eingebildet, sondern die Wahrheit gesehen zu haben: Die Überseele hatte ihr gezeigt, was sie sehen mußte, wollte sie ihre Befürchtungen überwinden.
Danke, dachte sie so klar, wie es ihr möglich war, obwohl sie nicht wissen konnte, ob die Überseele ihre Gedanken verstand oder ihr in diesem Augenblick auch nur zuhörte. Ich mußte durch Issibs Augen sehen, wenn auch nur einen Moment lang.
Ein anderer Gedanke kam ihr in den Sinn: Sieht er in diesem Moment auch durch meine Augen? Die Vorstellung störte sie, daß Issib ihren Körper vielleicht sah, wie sie ihn sah, und all ihre Ängste und Unzufriedenheiten erkannte.
Nein, gerecht ist gerecht. Wenn er Selbstvertrauen haben und mir ein gütiger Ehemann sein soll, muß er wissen, daß ich genauso ängstlich und unsicher bin, wie er es ist. Also zeige ihm, falls du es nicht schon getan hast, wer ich bin, hilf ihm zu erkennen, daß ich zwar keine Schönheit, aber trotzdem eine Frau bin, daß ich mich trotzdem danach sehne, zu lieben und geliebt zu werden und mit einem Mann eine Familie zu gründen, der genauso fest in meinem Herzen ist, wie ich in dem seinen bin, genau, wie Rasa und Volemak durch ihre Seelen miteinander verbunden sind. Zeige ihm, wer ich bin, damit er Mitleid mit mir hat, statt mich zu fürchten. Und dann können wir Mitleid in Leidenschaft verwandeln und Leidenschaft in Verständnis und Verständnis in Zuneigung und Zuneigung in Liebe und Liebe in Leben, in das Leben unserer Kinder, das Leben der neuen Menschen, zu denen wir gemeinsam werden.
Zu Huschidhs Überraschung war sie nun müde — sie hatte schon befürchtet, in dieser Nacht überhaupt keinen Schlaf zu finden. Und Schedemeis leisem, schwerem Atmen zufolge mußte sie bereits eingeschlafen sein.
Hoffentlich hast du auch ihr gezeigt, was sie sehen muß, Überseele. Ich frage mich nur, wie andere Männer und Frauen es schaffen, einander zu lieben, die ohne deine Hilfe auskommen müssen; denen du nicht zeigst, was im Herzen ihres Partners ist.
Rasa wachte wütend auf, und sie brauchte eine Weile, um herauszufinden, warum dem so war. Zuerst dachte sie, es läge daran, daß Volemak zu ihr ins Bett gekommen und ihr nicht mehr als eine leidenschaftliche Umarmung geboten hatte, als hätte ihre lange Enthaltsamkeit es nicht verdient, mit einem Fest der Liebe beendet zu werden. Er war nicht blind; er wußte, daß sie wütend war, und er erklärte ihr: »Du bist nach solch einer Reise müder, als du glaubst. Wir beide hätten nur wenig Vergnügen daran.« Doch schon allein seine Ruhe machte sie wütender, als sie es sich erklären konnte, und sie hatte sich zusammengerollt, um nicht in seinen Armen schlafen zu müssen; doch an diesem Morgen wußte sie, daß ihr Groll letzte Nacht ein klarer Beweis dafür gewesen war, daß er recht gehabt hatte. Sie war zu müde für alles andere als den Schlaf gewesen, wie ein aufgeregtes kleines Kind.
Von außen drang fast kein Licht in das Zelt. Es konnte Mittag oder noch später sein, und die Steifheit ihres Körpers und die Windstille draußen verrieten ihr, daß sie tatsächlich bis spät in den Morgen geschlafen hatte. Dennoch war es köstlich, einfach liegen zu bleiben; nun mußte sie nicht mehr schnell aufstehen, im Licht der Vordämmerung ein karges Frühstück verzehren, die Zelte abbrechen und die Tiere beladen, um bei Sonnenaufgang schon unterwegs zu sein. Die Reise war vorbei; sie war zu Hause, zu ihrem Gatten zurückgekehrt.
Als ihr dieser Gedanke kam, begriff sie, warum sie an diesem Morgen mit so heftigem Zorn erwacht war. Unter ihrem Zuhause stellte sie sich kein Zelt vor, nicht mal eins mit doppelten Wänden, so daß es tagsüber ziemlich kühl blieb. Und nicht sie hätte zu ihm nach Hause zurückkehren sollen, sondern eher ihr Gatte zu ihr. So war es immer gewesen. Das Haus hatte ihr gehört, und sie hatte es für ihn bereitgehalten und es ihm im Sommer als schattigen Ort geboten, als Schutz vor dem Sturm, als Zuflucht vor dem Tumult in der Stadt. Statt dessen hatte er diesen Ort vorbereitet, und je bequemer er war, desto wütender wurde sie, denn sie hatte an diesem Ort nicht die geringste Ahnung, wie man irgend etwas vorbereiten konnte. Sie war hier hilflos, ein Kind, eine Schülerin, und ihr Gatte würde ihr Lehrer und Hüter sein.
Niemand hatte ihr bei ihren eigenen Angelegenheiten Anweisungen erteilt, seit sie ihren Haushalt gegründet hatte, was sie schon in jungen Jahren und mit dem Geld getan hatte, das ihre Mutter ihr vererbt hatte. Sie hatte damit das Haus gekauft, das ihre Urgroßmutter berühmt gemacht hatte, damals als Musikkonservatorium; Rasa hatte es als Schule noch berühmter gemacht, und auf dieser Grundlage hatte sie in der Stadt der Frauen schließlich eine herausragende Rolle gespielt und war von Schülerinnen, Bewundererinnen und neidischen Konkurrentinnen umgeben gewesen — und nun war sie hier in der Wüste und wußte nicht einmal, wie man in diesem halbdauerhaften Lager eine Mahlzeit kochte öder der Körperpflege nachging. Zweifellos würde Elemak ihr alles erklären, auf seine so ungezwungene Art und Weise, mit dem ausgeklügelten Vorwand, daß er einem etwas erklärte, was man bereits wußte — was in der Tat großzügig gewesen wäre, wäre da nicht immer der einstudierte Unterton gewesen, der klarmachte, daß beide, er wie auch sie, wußten, daß sie nicht bereits alles wußte und in der Tat von ihm abhängig war, und wenn es auch nur darum ging zu lernen, wie man richtig pinkelte.
Elemak. Sie erinnerte sich an diesen schrecklichen Morgen, an dem er seinen Pulsator auf Nafais Kopf gerichtet hatte, und dachte: Ich muß es Volemak sagen. Ich muß ihn warnen, daß Elemak Mord im Herzen trägt.
Aber die Überseele hatte eindeutig gezeigt, daß sie keinen Mord dulden würde, und sowohl Elemak als auch Mebbekew hatten um Vergebung gebeten. Das Thema, nach Basilika zurückzukehren, war nun endgültig abgeschlossen. Warum sollte sie die Sache wieder zur Sprache bringen? Was konnte Volemak überhaupt tun? Entweder, er verstieß Elemak, womit der junge Mann den Rest der Reise über zu nichts mehr zu gebrauchen wäre, oder er sprach ihm das Recht zu, so eine üble Entscheidung zu treffen, und von da an würde es mit Elemak kein Auskommen mehr geben, und Nafai würde in dieser Gruppe weniger als nichts gelten. Elemak würde niemals zulassen, daß Nafai seine natürliche Rolle als Anführer übernahm. Und das wäre unerträglich, denn Rasa wußte, daß von ihren Kindern nur Nafai geeignet war, sie gut zu führen, denn von den Männern seiner Generation hatte nur er den Verstand, um kluge Entscheidungen zu treffen, Entscheidungen, zu denen ihm die Überseele die Informationen lieferte.
Natürlich war Luet genauso qualifiziert, aber sie befanden sich nun in einer primitiven, nomadischen Umgebung, und es war fast unausweichlich, daß Männer die Führung übernehmen würden. Rasa hatte Schedemeis Ausführungen über die Zusammensetzung einer Primatengemeinschaft nicht gebraucht, um zu wissen, daß in einem wandernden Stamm die Männer herrschten. Bald würden alle Frauen schwanger sein und sich daraufhin nach innen wenden; wenn die Kinder geboren wurden, würde ihr Kreis sich nur um die Nachkommen erweitern. Ihr ganzes Interesse würde dann in so einer angsteinflößenden, feindlichen Umgebung wie der Wüste nur der Nahrung, der Sicherheit und der Unterweisung gelten. Hier gab es weder einen Grund noch die Möglichkeit, die Herrschaft der Männer herauszufordern.