Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]
- Автор: Кард Орсон Скотт
- Серия: Die Heimkehr #3
- Год: 1995
- Язык: немецкий
- Год: Bastei Lübbe
- ISBN: 3-404-24195-9
- Переводчик: Uwe Anton
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Die Schiffe der Erde [The Ships of Earth - de]». Краткое содержание книги:
Aber wenn der Anführer ein Mann wie Nafai war, würde er freundlich zu den Frauen sein und auf einen guten Ratschlag hören. Wohingegen Elemak sein würde, als was er sich schon erwiesen hatte — ein eifersüchtiger Tyrann, der Ratschläge kaum akzeptieren und die Dinge immer zu seinem Vorteil wenden, der unfair und intrigant sein würde …
Ich darf ihn nicht hassen. Elemak hat viele gute Eigenschaften. Genau wie sein Halbbruder Gaballufix, der einmal mein Gatte war. Ich habe Gabja wegen dieser Eigenschaften geliebt; doch leider hat er an unsere Töchter Sevet und Kokor nur wenige davon weitergegeben. Statt dessen haben sie seine Egozentrik und seine Unfähigkeit geerbt, den Drang zu bezähmen, alles zu besitzen, was auch nur einigermaßen wünschenswert erscheint. Und diese Eigenschaft sehe ich auch in Elemak, und deshalb hasse und fürchte ich ihn, wie ich schließlich Gaballufix gehaßt und gefürchtet habe.
Wäre die Überseele doch nur ein wenig wählerischer gewesen, wen sie auf diese Reise mitnehmen will.
Dann hielt Rasa mitten beim Ankleiden inne und erkannte: Ich denke darüber nach, wie selbst- und herrschsüchtig Elemak ist, und doch bin ich heute morgen wütend, weil ich hier nicht das Kommando habe. Wer ist denn nun herrschsüchtig? Hätte man mir schon vor so langer Zeit die Macht entzogen, wie es bei Elemak der Fall ist, wäre ich vielleicht genauso verzweifelt bemüht, sie zu bekommen und zu behalten.
Aber sie wußte, das dem nicht so war. Rasa hatte nie versucht, die Macht ihrer Mutter zu untergraben, solange diese noch lebte, und Elemak hatte schon mehrmals versucht, die Pläne seines Vaters zu durchkreuzen — und war dabei fast so weit gegangen, Volemaks jüngsten Sohn zu töten.
Ich muß Volja erzählen, was Elemak getan hat, damit Volemak seine Entscheidungen voll informiert treffen kann. Ich wäre wirklich eine schlechte Ehefrau, würde ich meinem Mann keinen guten Rat geben, und dazu gehört, daß ich ihm alles sage, was ich weiß. Er hat bei mir immer genauso gehandelt.
Rasa schob die Zeltklappe beiseite und trat in das Vorzelt, in dem es viel heißer war. Nachdem sie die Klappe dann wieder geschlossen hatte, öffnete sie den äußeren Vorhang und trat in den grellen Sonnenschein hinaus. Sie war augenblicklich schweißnaß.
»Herrin Rasa!« rief Dol erfreut.
»Dolja«, sagte Rasa. Was bedeutete das? Hatte Dol darauf gewartet, daß Rasa aus dem Zelt kam? Hatte sie nichts Produktives zu tun? Rasa widerstand der Versuchung nicht, ihr einen kleinen Stich zu versetzen. »Hast du schwer gearbeitet?«
»O nein, dazu ist es doch viel zu heiß.«
Nun ja, wenigstens war Dol keine Heuchlerin.
»Da Wetschik nicht wollte, daß dich jemand weckt, nicht einmal zum Frühstück, habe ich mich freiwillig gemeldet, darauf zu warten, daß du aus dem Zelt kommst.«
Rasa merkte, daß sie tatsächlich etwas hungrig war.
»Und Wetschik hat gesagt, wenn du aufwachst, wirst du einen fürchterlichen Hunger haben, und ich soll dich zum Küchenzelt führen. Wir halten alle Vorräte unter Verschluß, damit die Paviane nichts finden. Elemak sagt, wir würden sonst niemals Ruhe vor ihnen haben. Sie dürfen von uns nichts zu essen bekommen, oder sie würden uns wahrscheinlich weiter in die Wüste folgen und dann sterben.«
Also nahm Dolja tatsächlich Informationen aus den Gesprächen anderer Leute auf. Manchmal vergaß man einfach, daß sie ein ziemlich intelligentes Mädchen war. Sie war so hübsch, daß man ihr einfach nicht zugestehen wollte, Grips zu haben.
»Nun?« fragte Dol.
»Nun was?«
»Du hast kein Wort gesagt. Willst du jetzt etwas essen, oder soll ich alle zusammenrufen, damit wir Wetschiks Traum hören?«
»Traum?« fragte Rasa.
»Er hat letzte Nacht einen Traum von der Überseele gehabt und will ihn uns allen zusammen erzählen. Aber er wollte dich nicht wecken, und so haben wir erst andere Dinge erledigt, und ich sollte auf dich warten.«
Nun war Rasa zutiefst verlegen. Volja hatte eine schlechte Entscheidung getroffen, alle anderen aufstehen und arbeiten zu lassen, während Rasa ausschlafen durfte. Sie wollte nicht die verzärtelte Frau des Herrschers sein, sondern ein ganz normales Mitglied ihrer Expedition mit allen Rechten und Pflichten. Das würde Volemak sicher verstehen.
»Bitte rufe alle zusammen. Vorher zeigst du mir natürlich das Küchenzelt. Ich hole mir etwas Brot und komme dann zu euch.«
Dol ging davon, und Rasa hörte, wie sie aus vollen Lungen — und mit der vollen Theaterausbildung in ihrer Stimme — rief: »Tante Rasa ist jetzt wach! Tante Rasa ist wach!«
Rasa zuckte innerlich zusammen. Warum teilt sie nicht allen mit, wie lange ich geschlafen habe?
Sie fand das Küchenzelt ohne Schwierigkeiten — es war das mit einem Steinofen draußen, in dem Zdorab gerade Brot backte.
Er sah mit einem ziemlich verschämten Ausdruck zu ihr auf. »Ich muß mich entschuldigen, Herrin Rasa. Ich habe nie behauptet, Bäcker zu sein.«
»Aber das Brot riecht wunderbar«, sagte Rasa.
»Es riecht, ja. Gerüche bekomme ich hin. Du müßtest mal meinen Lieblingsgeruch in die Nase bekommen — ich nenne ihn »verbrannten Fisch‹.«
Rasa lachte. Sie mochte diesen Burschen. »Ihr holt Fische aus diesem Bach?«
»Dein Gatte hat versucht, dort Küstenfischerei zu betreiben.« Er deutete auf die Stelle, wo der Bach in die ruhigen Gewässer des Reinigenden Meeres floß.
»Und habt ihr Glück gehabt?«
»Eigentlich nicht«, sagte Zdorab. »Wir haben ein paar Fische gefangen, aber sie waren nicht sehr gut.«
»Auch die, die sich nicht in deinen Lieblingsgeruch verwandelt haben …«
»Auch die, die wir zu einem Eintopf verarbeitet haben. Es gibt einfach nicht genug Leben hier auf dem Land. Die Fische würden sich schon an der Mündung einfinden. Aber dann müßte sich in dem Sediment, das dort vom Bach abgelagert wird, mehr organisches Material befinden.«
»Du bist Geologe?« fragte Rasa ziemlich überrascht.
»Bibliothekar, also weiß ich wohl von allem ein wenig«, sagte Zdorab. »Ich wollte herausfinden, wieso es an diesem Ort keine dauerhafte menschliche Ansiedlung gibt, und der Index hat mir den Grund verraten; vielmehr einige alte Karten aus der Zeit, da es zum letzten Mal hier in der Gegend eine große Kultur gab. Sie entstehen immer an dem großen Fluß direkt hinter diesem Gebirgszug.« Er zeigte in östliche Richtung. »Zur Zeit gibt es dort noch ein paar kleinere Städte. Sie nutzen diese Gegend nicht, weil es hier nicht genug bepflanzbares Land gibt. Und der Bach führt jedes fünfte Jahr kein Wasser. Das ist zu oft, um eine Bevölkerung ernähren zu können.«
»Und was machen die Paviane?« fragte Rasa.
»Der Index enthält wirklich keine Aufzeichnungen über Paviane«, sagte Zdorab.
»Wohl kaum«, sagte Rasa. »Dann werden die Paviane sich eines Tages ihre eigene Überseele bauen müssen, nicht wahr?«
»Das denke ich auch.« Er schaute leicht verwirrt drein.
»Aber es würde schon helfen, wenn sie sich nur ihre eigene Latrine bauen würden.«
Rasa runzelte die Stirn.
»Wir müssen ein Auge auf sie halten, damit sie nicht flußaufwärts wandern und dann unser Trinkwasser verseuchen.«
»Hmm«, machte Rasa. »Das erinnert mich an etwas. Ich habe Durst.«
»Und bestimmt auch Hunger«, sagte Zdorab. »Nun, bediene dich. Kühles Wasser und das Brot von gestern liegen im Küchenzelt. Wir halten es verschlossen.«